{"id":1771,"date":"2013-11-13T18:18:17","date_gmt":"2013-11-13T17:18:17","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1771"},"modified":"2015-06-19T18:56:13","modified_gmt":"2015-06-19T17:56:13","slug":"in-die-welt-der-technischen-bilder-11-kap-spielen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1771","title":{"rendered":"In die Welt der technischen Bilder: (11) Spielen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><b>1 \u00a0Notizen (<\/b>S.74-78) 13.11.13 \u00a0\u00a0<b>2 \u00a0Politischer Einspruch \u00a0 \u00a0<\/b><b>3 Fiktives Streitgespr\u00e4ch <\/b>(S.79f)<!--more--><strong>1 \u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem\u00a0<i>Glauben an einen G\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfer<\/i> und der <i>des sch\u00f6pferischen Menschen<\/i> setzt VF die <i>impertinente<\/i>, <i>entmythisierende Frage <\/i>nach der <i>Informationserzeugung<\/i> entgegen. Mit neuer Sprache will VF<i> die revolution\u00e4ren Virtualit\u00e4ten einer telematisierten Gesellschaft in den Griff bekommen.<\/i> (74f.) &#8211; Neue Sprache, Umformulierung, neue Perspektive: Der Begr\u00fcnder einer neuen \u201aSpezial\u2019wissenschaft steht vor uns und entwirft deren Grundz\u00fcge wie auf einem Notizblatt. So h\u00e4tte auch P. Feyerabend die Gestalt beschrieben. VF ist an den z\u00e4hlenden und messenden Wissenschaften orientiert\u00a0 Er hat\u00a0 \u2013 anders als Psychologen &#8211; kein Labor und keine Versuchsanordnung, ist auf \u201aKopfexperimente\u2019 beschr\u00e4nkt, wie Blumenbergs humoristische \u201aAstronoetik\u2019 (\u201aDie Vollz\u00e4hligkeit der Sterne\u2019, 1997, 554ff.), will aber wohl mehr. Dazu geh\u00f6rt auch\u00a0 die\u00a0 Zuversicht, bei Null zu beginnen, im Bild: beim Reagenzglas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blumenberg l\u00e4chelt, zeigt auf den letzten Seiten von \u201eVon der Vollz\u00e4hligkeit der Sterne\u201c bei aller Ironie Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das \u201a<i>Wesen <\/i>Mensch,<i> welches sich als zuf\u00e4lliges Produkt der Evolution zu akzeptieren lernen musste<\/i> und dann <i>in die gegenpolige Verlegenheit geriet, seine Selbstausl\u00f6schung aus der Welt durch die Mittel der intellektuell fortgesetzten Evolution zum Inbegriff aller Greuel\u00a0 zu erkl\u00e4ren<\/i>. (ebd. 541-42)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Flusser bleibt auf der Ebene der Kosmogonie, wo zur Genese<i> <\/i>denknotwendig der <i>entgegengesetzte Vorgang<\/i> geh\u00f6rt: <i>In der Welt festzustellen ist n\u00e4mlich &#8230; Zersetzung, Desinformation.<\/i> (VF 75) Das ist der <i>Zweite Hauptsatz der Thermodynamik<\/i>, der sogar <i>grundlegender <\/i>ist, weil er durch <i>wahrscheinliche Zuf\u00e4lle <\/i>entsteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Innehalten. Die weltanschauliche Falle des 19.Jh. ! Die prek\u00e4re Position Schopenhauers, alle <i>sinnstiftenden Instanzen<\/i> niederzurei\u00dfen, aber den metaphysischen Anspruch <i>der Wahrheit<\/i> aufrechtzuerhalten, die <i>Unabgesichertheit <\/i>(AS 114) der <i>atheistisch konzipierten Willenslehre.\u00a0<\/i>(Alfred Schmidt: Idee und Weltwille,1988: 126). Noch mehr aber die Ansichten von Philipp Mainl\u00e4nder (1841-76), dem \u201aphilosophischen Dekomponisten\u2019 (Horstmann). (\u201aVom Verwesen der Welt und andere Restposten\u2019 Werkauswahl &#8211; ISBN 3-933497-74-4, 2004).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir<i> stehen, nach Entmythisierung der Informationserzeugung, vor einer neuen Struktur des Universums. <\/i>(VF 75) deren <i>scheinbare Linearit\u00e4t tats\u00e4chlich nur<\/i> <i>ein Punkt ist. &#8230; \u201eW\u00e4rmetod\u201c &#8230; Ersch\u00f6pfung &#8230; Die lineare historische Sicht ist ins absurde Universum nicht hin\u00fcber zu retten. <\/i>(76)\u00a0 Kann man h\u00f6her greifen, das Schicksal der Menschen h\u00f6her h\u00e4ngen? &#8211;\u00a0Eine kreative Aneignung des (nicht mehr) aktuellen Standes der Astrophysik. (Er\u00f6rterung bei E. Neswald 1998, 54-56).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie war das noch mit dem Erlernen fremder Sprachen, auch Fachsprachen? Ein Ethnologe sprach vor Jahren von der Notwendigkeit, auch Alltag, Br\u00e4uche und Mythen der Gruppe zu lernen, sonst verst\u00fcnde man kaum etwas. Und Flusser??<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Dialoge sind gelenkte W\u00fcrfelspiele.<\/i> (76)<i> <\/i>VF definiert \u201aDialoge\u2019 technisch, formal spieltheoretisch, womit er sein Publikum zuerst einmal \u00fcberrascht, verbl\u00fcfft, beeindruckt. Den Zweck dieser Operation kann es erstmal nicht voraussehen. Das ist einer der Nietzsche-Tricks laut Heinz Schlaffer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr VF spielen die Umformungen vor allem eine strategische Rolle. Sie bilden spontane Ideen ab oder verfremden sie. Er zwingt seine Gedanken in ein Korsett (76 unten). Es bleiben aber Metaphern:\u00a0Er definiert zum Beispiel in dieser Weise <i>\u201einnere\u201c Dialoge<\/i> \u2013 das <i>Innere<\/i> daran mag er nicht, so wenig wie <i>den sch\u00f6pferischen Menschen,<\/i> den er in der <i>Gewohnheit des allgemeinen Sprachgebrauchs <\/i>verortet \u2013 um dann daraus f\u00fcr <i>eine<\/i> <i>telematisierte Gesellschaft <\/i>die Metapher eines \u201a<i>inneren\u2019 Dialogs der ganzen Gesellschaft <\/i>zu gewinnen.\u00a0Es ist etablierte Rhetorik: Etwas Leeres als etwas Vertrautes auszugeben, freilich 1985 keine frische Rhetorik mehr. Die Staatssozialisten hatten sie in ihren Parolen \u00fcber Generationen verschlissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Sich diese w\u00fcrfelnde Gesellschaft vorzustellen, <\/i>reiche nicht aus. Es sei geboten, dem Begriff \u201a<i>Absicht\u2019(und das hei\u00dft<\/i> <i>der Entscheidung, der Freiheit) die Stirn zu bieten, selbst unter der Gefahr, dabei ins Bodenlose zu fallen.<\/i> <i>Um diese Gefahr zu mindern, will ich beim Modell des Gehirns bleiben: die telematische Gesellschaft als ein kosmisches \u00dcbergehirn.<\/i>(77)\u00a0 Das hei\u00dft,<i> die Frage nach der Absicht<\/i> muss <i>im Kontext <\/i>der <i>neuen und noch fragmentarischen\u00a0 Erkenntnissen der Gehirnfunktionen gestellt werden<\/i>. Provisorische Antworten auf\u00a0 Basis <i>noch fragmentarischer Kenntnisse<\/i> sind bei Flusser ganz normale spekulative T\u00e4tigkeit. Er referiert im Folgenden ein besonders dummes Modell des Gehirns als Computer, wie es schon Heinz von Foerster (Short Cuts) entlarvt hat(te), baut einen Hinweis auf Laborergebnisse mit Katzen und Ratten ein. Dann wird er grob: <i>Vom neugeborenen Kind zu sagen, es sei beseelt oder es besitze einen Geist,\u00a0 ist eine Karikatur der rudiment\u00e4ren mentalen Prozesse, die in seinem Gehirn vor sich gehen. <\/i>(77)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was reitet ihn? Die Angst, mit einer juristischen Konstruktion einem Mythos aufzusitzen? Dem Forscher k\u00f6nnte ich solchen Furor kopfsch\u00fcttelnd nachsehen, aber dem blo\u00df Informationen verwertenden Theoretiker, der zwei Zeilen weiter schon <i>ins Gehirn einer Versuchsperson eine Elektrode einf\u00fchrt<\/i>, um einen punktuellen Reiz zu setzen? Jeder Psychotherapeut w\u00fcrde Allmachtsphantasien diagnostizieren bei der Fortsetzung dieses Satzes: <i>dann wird diese Person, wie vom Experimentator mit Pr\u00e4zision vorausgesehen, eine Zahlenreihe aufsagen un dabei behaupten &#8230;.<\/i> (77\/78) &#8211;\u00a0Ist er bereits bei Karl Poppers erster Formulierung des Falsifikationskriteriums angelangt? Transponiert auf eine dem Anspruch nach &#8218;Metatheorie&#8216;?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sonniger Vormittag. Erst einmal durchsichtige Umformulierungen wie: <i>weil jedes \u201aIch\u2019 ein einzigartiger Knotenpunkt ist<\/i>, was aber quantitativ erkl\u00e4rt wird: <i>durch seine Stellung und die in ihm gelagerten Informationen.<\/i> (&#8230;)<i> Betrachtet man nun das \u201aIch\u2019 als einen Knotenpunkt im dialogischen Netz, dann kann man nicht umhin, die Gesellschaft als ein aus individuellen Gehirnen zusammengesetztes \u00dcbergehirn zu sehen. Und die telematische Gesellschaft w\u00fcrde sich von allen vorangegangenen nur dadurch unterscheiden, dass dort der Zerebralnetzcharakter der Gesellschaft bewusst wird und man somit darangehen kann<\/i>. Die <i>telematische Gesellschaft w\u00e4re (&#8230;) die erste selbstbewu\u00dfte und daher freie Gesellschaft . (78)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich kapiert? &#8211; Aber irgendwoher kenne ich doch diese Ideen! Aus Sci Fi. Aus Samjatins\u00a0Stadt mit den gl\u00e4sernen W\u00e4nden, aus \u201eWir\u201c (1922), der literarischen Utopie, die den Autor das Leben kostete!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweifel: Hat man die <i>Zerebral-<\/i>Metapher nicht inzwischen verlassen? Jedenfalls in den Informationswissenschaften, die auch praktische Erfolge ausweisen m\u00fcssen? \u2013Alles klar, das ist der <i>nach einem<\/i> <i>\u00fcberholten Gehirnmodell gebaute Schaltplan unserer Gesellschaft. <\/i>(78) Flusser: <i>Wir wissen heute, dass das Gehirn nicht zentral kontrolliert ist, sondern durch ein Zusammenspiel von zum Teil gegeneinander austauschbaren Gehirnregionen und \u2013 funktionen gelenkt wird. <\/i>Und gleich darauf wieder eine atemberaubende stilistische \u00dcbertragungsleistung: <i>Die gegenw\u00e4rtige Gesellschaftsform verdankt ihr Entstehen einer ungen\u00fcgenden und zum Teil falschen Erkenntnis des Zerebralnetzcharakters der Gesellschaft. Die Massenkultur, der \u00fcberhandnehmende Kitsch, der Verfall der Gesellschaft in Langeweile, in Entropie sind Folgen der falschen Schaltung.<\/i> (78) Gut gebr\u00fcllt, L\u00f6we, aber Theorie??\u00a0Ja, f\u00fcr die Handtasche oder Westentasche, oder moderner: in einer \u201aconsumer\u2019-Ausf\u00fchrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>2 \u00a0 Einspruch<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist aber der politologische Einspruch f\u00e4llig:\u00a0 Die Globalisierung hat der Netzstruktur eine ungeheure Bedeutung gegeben, da die Komplexit\u00e4t, Heterogenit\u00e4t und schiere Menge der Bez\u00fcge jeden wirklichen Zentralismus unm\u00f6glich machen. Doch soll in der Umgebung des einzelnen Menschen die digitale Knotenstruktur ebenso durchgreifen? Alle Lebensbez\u00fcge (\u201a<i>Gesellschaft\u2019) <\/i><span style=\"text-decoration: underline;\">regeln<\/span>? Ein schlimmer Denkfehler! Das ist dumme Netzarchitektur \u2013 nicht anders als Brasilia und Chandigarh &#8211; Das ist eine totalit\u00e4re Vorstellung. Der Mensch soll nur in Teilbez\u00fcgen vernetzt sein, wie es das deutsche Bundesverfassungsgericht in den achtziger Jahren sogar richtig feststellte. \u201a<i>Die Gesellschaft\u2019 <\/i>soll nichts Ganzes sein. \u201aDas Ganze ist das Falsche\u2019 laut Adorno und Flusser, aber das wird, das muss es auch immer bleiben. Indem er sich total auf einen informationstheoretischen Jargon beschr\u00e4nkt, der seine Sicht auf die Realit\u00e4t streng kanalisiert, kann Flusser dem nicht entgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Beschreibung ist der Satz\u00a0Unsinn: <i>Die gegenw\u00e4rtige Gesellschaftsform verdankt ihr Entstehen einer ungen\u00fcgenden und zum Teil falschen Erkenntnis des Zerebralnetzcharakters der Gesellschaft. <\/i>Sie ist nicht geplant entstanden, Teile wurden geplant, teils verordnet, teils auf dem Markt angeboten, zuerst Formate wie TV, Kino, Internet, dann unendlich viele Inhalte, die heterogen sind und in der \u2013 selber wieder heterogen beeinflussten \u2013 Individual- und Gruppenentscheidung gepr\u00fcft werden. Das Wort <i>manipulieren<\/i> (78) grundiert Flussers Vorstellungen. Die siebziger und Achtziger waren auch die hohe Zeit derartiger Verschw\u00f6rungstheorien! (\u201aBild\u2019-Kampagne 1968, Unterrichtseinheiten \u00fcber \u201aWerbung\u2019 in den Schulen) Eine Zeit eines berstenden Selbstbewusstseins der entsprechenden Psychologen! Und der Marketing-Fachleute. Inzwischen sieht man die Erfolgsaussichten weit n\u00fcchterner. Gesch\u00e4ftliche Flops sind die Regel und die V\u00f6lker erweisen sich als resistent gegen zum Beispiel politischer Umerziehungsversuche. Man nimmt sich was man \u201abraucht\u2019. Jetzt will man genauer wissen, was die Leute denn jeweils \u201abrauchen\u2019, die endlose Jagd geht weiter!!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">War das nicht auch ein Bolschewiken-Terminus wie \u201aTransmissionsriemen\u2019, angereichert durch Pawlows \u201aKlingel\u2019 und gekr\u00f6nt durch Aussicht auf die Z\u00fcchtung von frostresistentem Weizen?\u00a0VF will <em>bewusst manipulieren<\/em>, denn: <i>\u201eEs ist eine dumme Gesellschaft\u201c <\/i>(78 unten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Innehalten: Wen interessiert die Dummheit einer Gesellschaft? Den Sozialpolitiker, den Strategen der globalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit, den Sozialingenieur&#8230; aber den Philosophen?\u00a0Den klugen, der die Grenzen des Menschen vorsichtig abklopft? W\u00fcrde sie den Migranten interessieren, wenn er nicht oft darunter leiden w\u00fcrde?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wer definiert diese \u201a<i>Dummheit\u2019<\/i> nach welchen Kriterien? Und erst das Gegenteil: die\u00a0\u201a<i>sch\u00f6pferische Gesellschaft\u2019<\/i> ?(83) D\u00fcrfen auch Historiker, Soziologen, Ethnologen und Anthropologen, Mediziner und Psychologen, ja Philosophen und Theologen im Gremium sein? Welche Befugnisse soll es haben?\u00a0 &#8211; Der Vilem Flusser des Interviews von 1991 mit Tschudin lacht \u00fcbrigens lauthals und ver\u00e4chtlich \u00fcber den ganzen Kokolores! <i>Ich engagiere mich an einem Syndikat f\u00fcr Volksschule, wenn ich ein Kind im Volksschulalter habe, aber sobald das Kind etwas \u00e4lter wird, spucke ich auf die ganze Volksschulsache.<\/i> Oder: &#8230; Wenn<i> ich nicht mehr Schachspielen will, werde ich doch nicht, so wie Dichter K\u00f6rner, aus gl\u00fchender Vaterlandsliebe im Felde sterben f\u00fcr das Schach. &#8230; <\/i>(137). In Essays und Glossen gibt Flusser oft den blo\u00df ironisch Beschreibenden! Ein wenig wie Hans Blumenberg. Also: Selber eine dumme Idee, sein theoretisches <i>gesellschaftliches <\/i>Engagement!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter auf Seite (79).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><b>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein (nat\u00fcrlich polemischer) \u00a0Dialog entspinnt sich:<\/b><\/p>\n<p>Aha, der <i>Schaltplan der Gesellschaft <\/i>soll <i>dem Zusammenspiel von Funktionen im Gehirn gerecht werden&#8230;. <\/i>Danach kommt sonnige freundlich wirkende Utopie&#8230;.<\/p>\n<p><i>In einer solchen Gesellschaftsstruktur wird es keine Sendezentren mehr geben., sondern jeder Knotenpunkt des Netzes wird zugleich empfangen und senden. Dadurch werden die Entscheidungen<\/i> <i>\u00fcberall im Netz getroffen werden<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darf ich an diverse \u201aShitstorms\u2019 erinnern? \u00a0<i>&#8230;. Konsensus<\/i>? \u00a0Habermas nickt beif\u00e4llig &#8230;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Das einzelne \u201aIch\u2019 ( \u201a \u2019!) wird darin seine Einzigartigkeit beibehalten \u2013 \u201abei-behalten\u2019\u00a0<\/i><i>(so wie die einzelne Zelle im Organismus und das einzelne Tier in der Herde).<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also seine ID, sein Profil, sein Tag im Ohr.\u00a0 Danke, Vil\u00e9m, ich bin beruhigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gar nicht n\u00f6tig!, denn bei deiner <i>j\u00fcdisch-christlichen Anthropologie <\/i>darfst, ja m\u00fcssen Sie <i>die eben geschilderte Sozialisation der Freiheit absto\u00dfend<\/i> finden. (79)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke aber an anderes, auf das du nicht kommen wirst, denn du hast dich ja die letzten zwanzig Jahre nicht auf den chinesischen Totalitarismus eingelassen, auf dessen altehrw\u00fcrdige Tradition auch nicht. Es hat eben Folgen, wenn man sich als Zeitgenosse dem ungeheuren Erfahrungsschatz der eigenen Epoche verweigert, um von einem willk\u00fcrlich festgehaltenen Zeitpunkt, f\u00fcr dich \u201aAuschwitz\u2019, einen Einschnitt zu proklamieren und dann sich bei den Nerds und T\u00fcftlern in den Kulissen herumzutreiben. Einem so ausgepr\u00e4gten Generalisten darf so Entscheidendes nicht entgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4h&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch einen Satz bitte. Ich habe schon 1963 bei dem Jesuiten und Sinologen Kroker von Lord Shang, dem Gr\u00fcnder der ber\u00fcchtigten \u201aLegisten\u2019schule um 400 vor unserer Zeit geh\u00f6rt. Mao Tse-tung, ein Mustersch\u00fcler der \u201aschwarzen\u2019 Tradition in China hat die Beziehungsstrukturen des chinesischen Kommunismus um stalinistische Verfahren bereichert, sie in diesem Sinne modelliert, je l\u00e4nger, umso radikaler. Strategen wie er und Hitler haben die \u201aw\u00f6lfische\u2019 Menschennatur (Bacon, Schopenhauer) damit losgelassen. Den einzigen Schutz dagegen, institutionalisierte Barrieren weggerissen, Menschen zu \u201eKnotenpunkten\u201c gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Nach diesen&#8230;<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewiss<i>\u00a0 <\/i><i>j\u00fcdisch-christlichen&#8230;<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Anthropologien gibt es im Menschen einen Kern, den es zu bewahren und entfalten gilt. &#8230; Wir wissen aber gegenw\u00e4rtig, dass dieser Kern ein Mythos ist und die hergebrachten Anthropologien nicht beibehalten werden k\u00f6nnen.<\/i> (79)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte es nicht vielleicht einen Kern in Anf\u00fchrungszeichen geben, als bewusste Fiktion, als pragmatisch bew\u00e4hrter, in diesem Sinne notwendiger Mythos, den man politisch als Vertragsbestandteil international durchsetzen sollte? Wie desastr\u00f6s ein Verzicht ist, etwa gegen\u00fcber chinesischen Unterh\u00e4ndlern auf Menschenrechtskonferenzen, habe ich an dem f\u00fcr China weichgesp\u00fclten Menschenrechtsbegriff des renommierten Experten <span style=\"text-decoration: underline;\">v.Senger<\/span> aus Lausanne illustriert. Er hat ermittelt, dass die Maoisten westliche Rechtsg\u00fcter durch sowjetische Vermittlung \u00fcbernommen haben und sie f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse ihrer nationalkommunistischen permanenten Revolution zurecht geschnitten haben. So werden \u201aindividuelle Menschenrechte\u2019 bis heute in der VR China zwar prinzipiell \u201aanerkannt\u2019, aber nur entsprechend der zu definierenden \u201aPhase der Revolution\u2019 gew\u00e4hrt. Mitglieder der ehemals herrschenden Klassen wurde kollektiv der Anspruch auf elementare Rechte verweigert, mit ihnen ging man nach Opportunit\u00e4t um.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke bekanntlich anti-totalit\u00e4r.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie denken wie ein Spieler, der alles auf ein Karte setzt, vielleicht auch wie in Schachstratege!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Wir wissen<\/i> aber, was wir wissen, <i>dank ganz verschiedener, aber konvergierender Disziplinen \u2013 der Neurophysiologie, der Tiefenpsychologie<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0? \u00a0eine exakte Wissenschaft in Ihrem Sinne?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>der Informatik<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u201aIch\u2019 eine Fiktion, ein Mythos? Durch Informatik? \u00a0Aber v. Foerster !<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>U<\/i><i>nd vor allem der ph\u00e4nomenologischen Analyse &#8230; <\/i>Sie haben noch nie etwas von <i>\u201eeidetischer Reduktion\u201c<\/i> geh\u00f6rt? (79) <i>Da erweist sich, dass das \u201aIch\u2019 ein abstrakter Haken ist, auf welchem konkrete Verh\u00e4ltnisse h\u00e4ngen und dass, wenn man diese Relationen entfernt, sich das \u201aIch\u2019 als ein Nichts herausstellt<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das w\u00fcrde ich gern noch einmal bei Husserl nachschlagen. Welche Stelle empfehlen Sie mir? Aber ich bin baff. Die alle, so ein bunter Haufen? Reden die \u00fcberhaupt miteinander? Was wird aus ihnen in zwanzig, drei\u00dfig Jahren geworden sein? Was sich in der einen oder anderen \u201aDisziplin\u2019 (Anf\u00fchrungszeichen, weil sie gar zu zusammengew\u00fcrfelt sind) etwas <i>herausstellt<\/i>, ist das dann mit anderen solche Feststellungen vergleichbar?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wichtigste kommt erst! <i>Das wichtige bei einer derartigen dialogischen Umschaltung der Gesellschaft, bei diesem \u201adialogischen Leben\u2019 (Buber), ist der Spielcharakter &#8230;<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ah, Buber, und Spieltheorie!<\/p>\n<p>Ich setze fort: <i>Die Gesellschaft als dialogisches Zerebralnetz muss als ein Gesellschaftsspiel angesehen werden\u00a0<\/i><i>und die Informationen, die eine solche Gesellschaft herstellt, als Z\u00fcge in einer Art Schachspiel. <\/i>(79)<\/p>\n<p>Das ist ein Strategiespiel, passt gut auf eine erst rudiment\u00e4re Spieltheorie!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Nur ist das Gesellschaftsspiel, im Unterschied zum Schachspiel, ein \u201aoffenes Spiel\u2019, das hei\u00dft, es kann seine Regeln im Laufe des Spiels \u00e4ndern.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das haben Sie auch im Text &#8218;Gesellschaftsspiele&#8216; geschrieben. Aber:<i>\u00a0Es kann<\/i> blo\u00df? Was ist \u00fcbrigens mit <i>den Regeln<\/i>, da sitzt doch wohl das methodische Problem?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich verweise auf sp\u00e4ter, die <i>Kybernetik<\/i> (80)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie setzen Ihre Argumentation hier lieber fort und bieten ein schlichtes Modell <i>disziplinierter Suche <\/i>nach entsprechender <i>Spielstrategie<\/i>. Was hat das mit <i>Gesellschaft <\/i>zu tun? Oder reduzieren Sie schon einmal die \u00dcberkomplexit\u00e4t auf das Format eines Schachspiels? Das erinnert mich vage an alle die Bem\u00fchungen um \u201aRationalisierung\u2019, um nicht zu sagen um Gleichschaltung. Die genannten Zukunftswissenschaften mischen ja ordentlich mit. Wollen die nicht auch die Gehirne aufr\u00fcsten, damit sie endlich, nat\u00fcrlich bei weitem nicht alle, nicht mehr <i>nur einen Bruchteil dessen erzeugen, das (das Gehirn) zu erzeugen f\u00e4hig ist.<\/i> Wir werden, kann ich ihnen drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter sagen, ja von den \u00e4u\u00dferen Zw\u00e4ngen zu immer neuen Anstrengungen gezwungen.\u00a0Und der Erfolg f\u00fcr die Menschen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Nur wird sich die telematische Gesellschaft schneller als das individuelle Gehirn entwickeln. Denn das Gehirn ist als Zufallswurf aus dem W\u00fcrfelspiel der \u201aNatur\u2019 entstanden&#8230;. (80) \u00a0<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0(( Da ich zu dem Zeitpunkt von Foerster &#8218;KybernEthik&#8216; noch nicht gelesen habe, lasse ich das Gesagte so stehen und frage nur : ))\u00a0 Das hei\u00dft: Es bleibt hinter der Entwicklung zur\u00fcck?! Das tut es doch schon die ganze Neuzeit \u00fcber, und immer schneller. Wir verlieren tats\u00e4chlich das Bewusstsein. Was soll da noch Ihre Utopie\u2019? Die ist doch Hirnschiss!<\/p>\n<p>Sagen Sie was Sie wollen. Wir werden <i>zum ersten Mal tats\u00e4chlich Mensch sein. <\/i>Die <i>telematische Gesellschaft, diese \u201aInformationsgesellschaft\u2019 im wahren Sinn des Wortes, die erste\u00a0<\/i><i>tats\u00e4chlich freie Gesellschaft. <\/i>(80)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00a0Schluss des Kapitels und Ende der Diskussion.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 \u00a0Notizen (S.74-78) 13.11.13 \u00a0\u00a02 \u00a0Politischer Einspruch \u00a0 \u00a03 Fiktives Streitgespr\u00e4ch (S.79f)<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25,101],"tags":[],"class_list":["post-1771","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-flusser_tagung","category-flusser-essays"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1771","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1771"}],"version-history":[{"count":20,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1771\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3445,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1771\/revisions\/3445"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}