{"id":16469,"date":"2025-10-01T22:31:34","date_gmt":"2025-10-01T20:31:34","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=16469"},"modified":"2025-10-01T22:31:34","modified_gmt":"2025-10-01T20:31:34","slug":"frankreich-generalabrechnung-auf-einem-bierdeckel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=16469","title":{"rendered":"Frankreich &#8211; Generalabrechnung auf einem Bierdeckel"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">\u00a0&lt;FronkRaisch&gt;<\/h2>\n<p>Wie naiv ich gewesen bin! Wie naiv wir bis heute von den Medien gehalten werden. Was wussten wir Zeitgenossen von Frankreich?<\/p>\n<p>Es existiert eine klare starke Kontinuit\u00e4t betr\u00fcgerischer Freundschaftsbekundungen zwischen Deutschland und Frankreich. Eine propagandistische Dauerberieselung, ja fast ein Sperrfeuer, vernebelte das \u00f6ffentliche Bild von Frankreich in Deutschland.\u00a0 <!--more--><\/p>\n<p>Wir blieben uns fremd \u2013 daran \u00e4nderten lauwarme St\u00e4dtepartnerschaften, Sch\u00fcleraustausche, die es anfangs ohnehin schwer hatten, Campingurlaube und Paris-Schlager &#8211; Pigaalle, Pigaale&#8230; &#8211; nicht die Bohne!\u00a0 Letztere waren mit ihrer Selbstverulkung noch das Beste. Und wir sollten uns fremd bleiben.\u00a0 Zu viele Leichen im Keller!\u00a0 Nur nicht Deutsch lernen oder sprechen!<\/p>\n<p>Mein Austausch mit einem Sch\u00fcler \u201ein Paris\u201c blieb Eintagsfliege.\u00a0Am 14. Juli 1960 sch\u00fcttelte ich nur den Kopf \u00fcber die pomp\u00f6se Milit\u00e4rparade, welche die Familie im Morgenrock vor dem Fernseher verfolgte. Das waren erzkatholische konservative Provinzler direkt vor den Toren von Paris. Der Sohn hatte sein &#8218;Coming out&#8216; im fernen Westafrika als einer der gut bezahlten Verwalter von Frankreichs post-Kolonialw\u00e4hrung CFA.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Sch\u00fcler, der sein holpriges Franz\u00f6sisch vertiefen wollte,\u00a0 war in Frankfurt nur ein Radiosender Frankreichs zu empfangen, und nur auf Langwelle. Ich dachte: Wir sind doch Nachbarn und der Pf\u00e4lzer Wald ist doch kein Massiv wie die Alpen! Als Ungereimtheit erfuhr man dann von Radios, die durch die Zensur nach Baden Baden und auf den \u00c4rmelkanal vertrieben wurden. (Und wir ereifern uns heute \u00fcber Victor Orban!) Jeder Spielfilm im Kino trug seine Zensurnummer im Vorspann; wir hatten dagegen nur die FSK , die &#8218;Freiwillige Selbstkontrolle&#8216; der Filmwirtschaft. (Mehr war bei dem deutschen Kitsch auch nicht n\u00f6tig).<\/p>\n<p>Aber das Befremdlichste war der Zentralismus die republikanischen Wahlmonarchie mit Amtsadel, Schl\u00f6ssern zuhauf und Hofschranzen, Atomwaffen und agilen Geheimdiensten.<\/p>\n<p>Als Kunde des Studentenkinos um die Ecke faszinierten mich die Filme der &#8218;Nouvelle Vague&#8216;. Sie blieben aber ebenso exotisch und theoretisierenden Experten unverst\u00e4ndlich wie die Filme der polnischen Generation Wajda, Munk, Kawalerowicz oder Polanski. Die entscheidenden Schl\u00fcssel fehlten uns im Westen Deutschlands.<\/p>\n<p>Als Erkl\u00e4rer boten sich erfolgreich die franz\u00f6sischen Linken an. Und sie tauchten Frankreich in ein rosiges Licht. Sie verkl\u00e4rten die Vergangenheit ihres Landes als &#8222;revolution\u00e4r&#8220;. Vor peinliche Realit\u00e4ten benutzten sie als Theatervorhang die eigene &#8222;R\u00e9sistance&#8220; gegen die Nazis und ihren \u201eAntikolonialismus\u201c, \u00fcbrigens beide ohne messbare Wirkung. Sie besangen sentimental die Zukunft,\u00a0 nat\u00fcrlich gleich der ganzen Menschheit, deren Exilanten Paris bereits damals beherbergte.<\/p>\n<p>Verfasst am 22. Juni 2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00a0&lt;FronkRaisch&gt; Wie naiv ich gewesen bin! Wie naiv wir bis heute von den Medien gehalten werden. Was wussten wir Zeitgenossen von Frankreich? Es existiert eine klare starke Kontinuit\u00e4t betr\u00fcgerischer Freundschaftsbekundungen zwischen Deutschland und Frankreich. 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