{"id":16409,"date":"2025-08-28T00:48:51","date_gmt":"2025-08-27T22:48:51","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=16409"},"modified":"2026-02-02T17:24:38","modified_gmt":"2026-02-02T16:24:38","slug":"was-kann-werner-tuebke-fuer-fritz-wiegmann-bedeuten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=16409","title":{"rendered":"Was kann Werner T\u00fcbke f\u00fcr den Maler Wiegmann bedeuten?"},"content":{"rendered":"<p>Eine f\u00fcr mich unvermeidliche, aber abgedroschene Frage, nun befeuert vom Besuch der aktuellen Kabinett-Asstellung der Beaucamp-Bilderspende im St\u00e4del und munitioniert von zwei\u00a0 substantiellen B\u00fcchern unter Mitwirkung von Werner T\u00fcbke. Dessen pr\u00e4gende Erfahrung als Gymnasiast 1946 in der lebensgef\u00e4hrlichen Haft der sowjetischen Besatzungsmacht bleibt f\u00fcr mich immer Hintergrund.<!--more--><\/p>\n<p>Da ist die erstens\u00a0 die in der absterbenden DDR erscheinenden\u00a0 Monografie &#8222;<em>Werner T\u00fcbke &#8211; Leben und Werk<\/em>&#8220; von G\u00fcnter Mei\u00dfner (V.E.B. E.A.Seemann Verlag, Leipzig 1989).<\/p>\n<p>Mein antiquarisch erworbenes Exemplar wurde im Oktober 1989 durch diese Widmung geschm\u00fcckt: &#8222;<em>Zur Erinnerung an Bad Frankenhausen an eine Bilderwelt voller Leidenschaft und kritischer Distanz, Imagination und Virtuosit\u00e4t, Begeisterung und Unbehagen, Instinkt und Bewu\u00dftsein\u00a0 \u00a0Deine Sabine<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>Eine notwendige Erg\u00e4nzung bildet &#8222;<em>Werner T\u00fcbke : Ich fange mit dem Himmel an &#8211; Aquarelle und Texte<\/em>&#8220; (B\u00fcchergilde Gutenberg, Frankfurt\/Main und Wien 1991). Denn T. war Maler, kein Ideologe oder Repr\u00e4sentant!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Dienstagnachmittag in der verkrampften Kabinett-Ausstellung des ST\u00c4DEL.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><strong>Notizen am 15.7.25<\/strong><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Mein Wunsch nach mehr Aspekten &#8211; in 46 Bl\u00e4ttern zu bruchst\u00fcckhaft repr\u00e4sentiert &#8211; und mehr Weite, Ausf\u00fchrungen, Zeichnung und Malerei vor allem.<\/li>\n<li>Zu viele Figuren, aber ohne die Wucht des Frankenhausen-Panorama<\/li>\n<li>Der Wessi Beaucamp hat den DDR-Maler in einer Rolle eingesperrt, die nach dem zeittypischen Doppelauftrag aussieht: \u201aVergangenheitsbew\u00e4ltigung\u2018 und \u201aUm die Br\u00fcder und Schwestern im Osten k\u00fcmmern\u2018. Was bewirkte das? Mehr Pathos als humane Inhalte<\/li>\n<li>Aber was konnte T\u00fcbke dem Sammler Beaucamp &#8218;geben&#8216;? Was erhielt der von ihm?<\/li>\n<li>&#8218;Wer wei\u00df, sieht mehr&#8216; \u2013 das merke ich nach dem biografischen Interview (unten). Ob der Katalog helfen w\u00fcrde? Der Webauftritt des St\u00e4del mit dem Ehepaar Beaucamp beseitigt nicht meine Einw\u00e4nde:\u00a0<a href=\"https:\/\/stories.staedelmuseum.de\/de\/lebenserinnerungen-des-dr-jur-schulze\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> LINK<\/a> zu Text und Interview in &#8222;St\u00e4del Stories Aug. 2025<\/li>\n<li>Ich lerne Leihgaben in Ausstellungen sch\u00e4tzen, und eben organisatorisch aufwendige Kunstausstellungen. ( Das St\u00e4del mogelt, in dem es die bereits erfolgreich abgewickelte Schenkung wie eine externe \u201aSonderausstellung\u2018 bepreist)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong> Das charmante B\u00fcchlein \u201eWerner T\u00fcbke \u201eI<em>ch fange mit dem Himmel an<\/em>\u201c Aquarelle und Texte der B\u00fcchergilde Gutenberg, noch zu T\u00fcbkes Lebzeiten 1991 erschienen. (13.7.)<\/strong><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der bescheidene Herausgeber <strong>Rolf Gerlach<\/strong> trifft T. in guter Laune. Der hat der Auswahl zugestimmt. Landschafts-Aquarelle sind das Thema.<\/p>\n<p>,Befangenheit\u201c (7) und m\u00f6glicherweise \u00dcberinterpretation werden thematisiert. Die Werkmonografie von 1988 \u2013 mit seiner Unterst\u00fctzung verfasst \u2013 stilisierte T\u00fcbke vielleicht zu sehr als anti-modernistischen Rebellen, als Dickkopf, den keine Formkritik seitens Regime und Kollegen anfocht.<\/p>\n<p>Ein \u00e4u\u00dferst begabtes Kind,\u00a0 das eine Generation sp\u00e4ter zeichnend und malend in die existentiell und kunstdogmatisch harmlosere DDR hinein wuchs, mit deren spie\u00dfig borniertem Programm konfrontiert, aber nicht den Zw\u00e4ngen von Avantgarde-Auftrag und Kunstmarkt unterworfen (27-28; 66-67).<\/p>\n<div id=\"attachment_16411\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Tuebke-Abb.-8-Monte-Pellegrino.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16411\" class=\"size-large wp-image-16411\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Tuebke-Abb.-8-Monte-Pellegrino-900x619.jpeg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"430\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Tuebke-Abb.-8-Monte-Pellegrino-900x619.jpeg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Tuebke-Abb.-8-Monte-Pellegrino-360x248.jpeg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Tuebke-Abb.-8-Monte-Pellegrino-624x429.jpeg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Tuebke-Abb.-8-Monte-Pellegrino.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16411\" class=\"wp-caption-text\">Abb.6 mit Figuren!<\/p><\/div>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Aufregende Gedanken T\u00fcbkes (1991)<\/h4>\n<p>Seine Aquarelle\u00a0 als \u201cWasserfarbenmalerei\u201c (13). Doch \u201ekeine Pinselschlenkerei\u201c (59)<\/p>\n<p>Berge malen, als sollten es Plastiken werden in Farbe (72)<\/p>\n<p>Der Vordergrund, eine Pein, zu intim (79); \u201eweiter hinten, das sei Kino, das gehe ihn nichts an\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin Gef\u00fchl f\u00fcr das zu Randekommen mit der Sache\u201c (59)<\/p>\n<p>\u201eIch arbeite einigerma\u00dfen schnell vor der Natur\u2026. (53)<\/p>\n<p>(48)&#8220;\u2026f\u00fcr die eigentliche <em>action<\/em> sorgen Berge, B\u00e4ume, Felsstrukturen, Wasserfl\u00e4chen und der Himmel (!)\u201c<\/p>\n<p>Einfach \u201ehinsetzen! Es l\u00e4sst sich aus allem etwas machen\u201c (47) \u201eDann fangen Sie ganz langsam an, sich einzugucken.\u201c (47)<\/p>\n<p>(40) Seine Gegenst\u00e4ndlichkeit \u2026. Durchgangsstation, was er auf seine Art als angenehme Gewohnheit genie\u00dfe: nicht Kopf, nur Auge \u2013 aber <em>geschultes<\/em> Auge, versteht sich.<\/p>\n<p>(39) Mit dem Himmel sollte man sich gro\u00dfe M\u00fche geben \u2026. au\u00dferdem sind Wolkenstudien eine aufregende Sache.<\/p>\n<p>(32) Landschaftsstudien \u2026.Urlaub m\u00fcsse sein, sagt seine Frau, und da er auch im Urlaub nicht leben k\u00f6nne, ohne was zu produzieren, bef\u00e4nde sich ganz selbstverst\u00e4ndich Handwerkszeug im Handgep\u00e4ck.<\/p>\n<p>Der Abstand: \u201eLeipzig und die Sorgen sind weit weg\u201c (31 ) &#8211; wie Wiegmann in Beatenberg zu Frankfurt.<\/p>\n<p>Gerlach: Da die Chiffren alles andere seien als kindhaft-elementarer Provenienz, k\u00f6nne Ironie hier doch kein Zufall sein. T. sch\u00fcttelt heftig den Kopf.<\/p>\n<p>Weitverzweigte Wurzeln in der europ\u00e4ischen Kultur, wie Altdorfer, die Donauschule, Cranach, Breughel,\u00a0 Mantegna oder Cosimo Tura, selbstverst\u00e4ndlich D\u00fcrer, William Turner, weniger Blechen, Delacroix, ein paar fr\u00fche Dali (27), Bewunderung f\u00fcr Ludwig Richter und Hans Thoma. (14) &#8211; vergleichbar mit\u00a0 Wiegmanns Wissensschatz nach vierzig Jahren als Maler und Kunstlehrer<\/p>\n<p>Handwerkliches K\u00f6nnen mache \u00fcberhaupt erst jedem Maler die pr\u00e4zise Improvisation m\u00f6glich und schaffe die Chance zu wirklich lustbetonter und intelligenter Arbeit. (20)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Und Wiegmann?<\/h4>\n<p>Eine mehrfach gebrochene Biografie, ein aufgespaltenes Werk, der Beamtenstand und die auch damit konfrontierte sexuelle\u00a0 Minderheit.<\/p>\n<p>\u201eUnbeschwertheit\u201c (T. 13) ist auch in den Landschaften selten zu finden, die von T\u00fcbke geschilderte Leichtigkeit des Aquarellkastens. Stattdessen dominierte Wiegmanns \u00d6lfarben-Doktrin seit den drei\u00dfiger Jahren.<\/p>\n<p>Meinem Fritz Wiegmann fehlt sicher T\u00fcbkes ironisches Spiel mit menschlichen Gestalten, das Spiel \u00fcberhaupt. Er bleibt in dieser Hinsicht stumm. Malerei wurde ihm doch zum Brotberuf. Und nahm er sich zu wichtig? (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5986\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>)<\/p>\n<p>Sind seine Landschaften menschenleer? Nein, die werden von ihren winzigen H\u00e4usern und Weilern angemessen vertreten. Doch die in seinen Kompositionen wiederholt stereotyp auftretende H\u00fctte im Vordergrund \u00fcber dem Thunersee wirkt auf mich etwas deplaziert, so wie an anderer Stelle der Weidezaun.<\/p>\n<div id=\"attachment_16414\" style=\"width: 578px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/L-55-28x445cm.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16414\" class=\" wp-image-16414\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/L-55-28x445cm-900x593.jpeg\" alt=\"\" width=\"568\" height=\"374\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/L-55-28x445cm-900x593.jpeg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/L-55-28x445cm-360x237.jpeg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/L-55-28x445cm-624x411.jpeg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/L-55-28x445cm.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16414\" class=\"wp-caption-text\">(Landschaft) L55 28&#215;44,5cm<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine f\u00fcr mich unvermeidliche, aber abgedroschene Frage, nun befeuert vom Besuch der aktuellen Kabinett-Asstellung der Beaucamp-Bilderspende im St\u00e4del und munitioniert von zwei\u00a0 substantiellen B\u00fcchern unter Mitwirkung von Werner T\u00fcbke. Dessen pr\u00e4gende Erfahrung als Gymnasiast 1946 in der lebensgef\u00e4hrlichen Haft der sowjetischen Besatzungsmacht bleibt f\u00fcr mich immer Hintergrund.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17,272,271],"tags":[],"class_list":["post-16409","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kunstkommissar","category-kuenstler-in-der-nachkriegszeit","category-projekt-spaetwerk-landschaft"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16409"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16409\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16605,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16409\/revisions\/16605"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}