{"id":16159,"date":"2024-11-26T00:25:23","date_gmt":"2024-11-25T23:25:23","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=16159"},"modified":"2024-11-29T15:54:25","modified_gmt":"2024-11-29T14:54:25","slug":"putin-der-krieg-und-die-guten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=16159","title":{"rendered":"PUTIN, DER KRIEG UND DIE GUTEN"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_16161\" style=\"width: 315px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Bildschirmfoto-2024-11-24-um-23.49.52.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16161\" class=\"size-medium wp-image-16161\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Bildschirmfoto-2024-11-24-um-23.49.52-305x360.png\" alt=\"\" width=\"305\" height=\"360\" data-wp-editing=\"1\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Bildschirmfoto-2024-11-24-um-23.49.52-305x360.png 305w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Bildschirmfoto-2024-11-24-um-23.49.52.png 520w\" sizes=\"auto, (max-width: 305px) 100vw, 305px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16161\" class=\"wp-caption-text\">Bildschirmfoto 2024-11-24 um 23.49.52<\/p><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\">.<\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Kriegsverbrecher Nr.1 \u2013 nach welchem Rating? \u2013 versucht, tut, unterl\u00e4sst Alles, was ihm in der jeweiligen Lage opportun und m\u00f6glich erscheint. Er behauptet, demonstriert, t\u00e4uscht, l\u00fcgt, l\u00e4sst Kriegsverbrechen ver\u00fcben. DOCH das ist normal, wenn Kriege der Gegenwart erst ihrer\u00a0 eigenen Logik folgen. Eigentlich bereits im 19. Jahrhundert.\u00a0 Wer anderes erwartet, romantisiert, verharmlost den Krieg wie im Kino, etwa nach dem Modell US-Western, die bei ARTE wieder auferstehen.<\/p>\n<p>Und ein gro\u00dfer Teil der Welt sieht und behandelt den Ukrainekrieg anders als der Mainstream in Deutschland. (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=16114\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>)<\/p>\n<p>Den Ausdruck \u201e\u00dcberfallen\u201c w\u00fcrde ich nur bei einem \u00fcberraschenden Angriff anwenden.Der Begriff passt zu einem desinformierten und\/oder schlicht desinteressierten Beobachter. Angesichts einer Jahrzehnte dauernde Vorgeschichte wie im Fall der Ukraine sollte das nur f\u00fcr das Publikum der Massenmedien gelten, ansonsten w\u00e4re etwas faul in der politischen \u201aElite\u2019.<\/p>\n<p>Die Rhetorik des Angreifers ist eine andere als die des Angegriffenen. Die Propaganda eines Angreifers wie Putin d\u00fcrfte niemanden \u00fcberraschen. In jedem Amtsgericht k\u00f6nnte man praktische Erfahrungen sammeln; dessen Sitzungen sind \u00fcbrigens \u00f6ffentlich.<\/p>\n<p>Die Rhetorik des Angegriffenen hat auch ihre T\u00fccken. Bestes Beispiel ist der schauspielerisch begabte Noch-Pr\u00e4sident Selensky. Er sucht verzweifelt B\u00fcndnispartner und bedr\u00e4ngt sie inst\u00e4ndig. Wie einer, der unversehens auf d\u00fcnnem Eis eingebrochen ist.<\/p>\n<p>Die Situation der Ukraine war bereits 2014 nach Russlands Eroberung der Krim prek\u00e4r und nach der Sezession der &#8211; auf sowjetischem Niveau wirtschaftenden &#8211; Ostgebiete. W\u00e4re vor zehn Jahren ein harter Schnitt verbunden mit Garantien der Westm\u00e4chte mit Entschlossenheit auszuhandeln gewesen? Das zerfallene Sowjetreich hat schlie\u00dflich noch andere \u201aBaustellen\u2019, im Kaukasus etwa. Mir kam dazu in diesen Tagen wieder ein Zeitungsausschnitt von 2021 in die Finger. Tenor: Der Donbass sei f\u00fcr die Wirtschaft der Ukraine entbehrlich, sogar ein Zuschussgesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Sollte die Glorreiche Sowjetunion etwa am Ende 1990 so billig durch Implosion als Weltmacht abgedankt haben, nach den gewaltigen Menschenopfern ab 1917 und 1941 mit\u00a0 einem vergreisten F\u00fchrungspersonal (Breschnew, Kossygin) und den so sympathischen Heilsfiguren Gorbatschow (Friedennobelpreis) und Jelzin (Alkohol)? Sollten mittelalterliche islamistische Mujaheddin in Afghanistan f\u00fcr den modernen und demokratischen \u201eWesten\u201c die ganze Arbeit geleistet haben?<\/p>\n<p>Der amerikanischen \u00d6ffentlichkeit w\u00fcrde ich derartige \u201enotwendige Illusionen\u201c (Chomsky) noch unterstellen, aber doch nicht ihrer professionellen Machtelite in Washington! Sie hat seit 1945 noch nie strategische Risiken untersch\u00e4tzt, sondern sogar \u00f6ffentlichkeitswirksam optisch vergr\u00f6\u00dfert, etwa den \u201eR\u00fcstungswettlauf\u201c im \u201eKalten Krieg\u201c. Sie war auch schon von 1991 bis 2021 in der Ukraine aktiv. Vielleicht werden sp\u00e4tere Historiker sagen k\u00f6nnen, was ihre Pr\u00e4senz \u2013 und die unterst\u00fctzende Pr\u00e4senz der Europ\u00e4ischen Union (\u201eOsterweiterung\u201c) &#8211; wirklich bedeutet haben (Koch und Kellner). Ehrlich: ich wei\u00df es nicht.<\/p>\n<p>Weiter: Warum verzichtete die Ukraine auf die gelagerten Atomwaffen? * Warum hatte sie vom Begr\u00fcnder sowjetischer \u201eStagnation\u201c Chruschtschow \u00fcberhaupt das zweifelhafte \u201aGeschenk\u2019 einer &#8211; eher von Krimtataren bewohnten &#8211; \u201eKrim\u201c bekommen? Warum lie\u00dfen die gemeinsame Geschichte seit des Kiewer Rus, die Eroberung durch Katharina \u201edie Gro\u00dfe\u201c im 18. Jahrhundert, der V\u00f6lkerm\u00f6rder Stalin (Aushungerung) und die Frontwechsel im Zweiten Weltkrieg nichts Schlimmeres bef\u00fcrchten?<\/p>\n<p>Samuel Huntingtons allgemeines Modell \u201eThe Clash of Civilizations\u201c (1993-1996, <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/kampf-der-kulturen-samuel-huntington-thesen-kritik-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>)) wurde letztlich nur akademisch diskutiert. Seine Folgerungen passten nicht in die aufgeplusterte Vorstellung einer an allen Fronten siegreichen \u201eGlobalisierung\u201c und &#8222;Demokratisierung&#8220;.<\/p>\n<p>Ob wenigstens jetzt die Ukraine als Ganzes \u201ezu Europa geh\u00f6rt\u201c, das ist eine emotionale, aber viel zu komplexe Definitionsfrage, so wie im Fall des heutigen Georgien, Armenien, der T\u00fcrkei und Israels seit zwei Jahrzehnten, und was der Beispiele mehr w\u00e4ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich will auf eins hinaus:<\/p>\n<p>Ein unweigerlich zerst\u00f6rerischer KRIEG ist das Schlimmste, was den Menschen passieren kann. Daf\u00fcr tragen letztlich <u>alle <\/u>Beteiligten Verantwortung, politisch &#8211; aber auch &#8211; f\u00fcr Westeurop\u00e4er essentiell \u2013 moralisch.<\/p>\n<p>Viele junge Ukrainer (solange m\u00f6glich) und Ukrainerinnen stimmen mit den F\u00fc\u00dfen ab und haben das bereits in gro\u00dfem Ausma\u00df getan. Sie vertrauen nicht den eigenn\u00fctzigen und letztlich prek\u00e4ren \u201eAlmosen\u201c westlicher Staaten. Wir Europ\u00e4er m\u00fcssen Schadensbegrenzung \u00fcben, die alten Verbindungen zum \u201ah\u00e4sslichen\u2019 Nachbarn wieder ankn\u00fcpfen, soweit wir sie \u00fcberhaupt kappen konnten und wollten, siehe das \u00fcberaus l\u00f6cherige \u201eEmbargo\u201c.<\/p>\n<p>&#8230;.. PARA BELLUM. Deutsche Sicherheitsinteressen lagen nicht am Hindukusch, das haben unsere Politiker lernen m\u00fcssen.\u00a0 Was hat die Ukraine uns und der EU an Perspektiven zu bieten, wo doch eine Reihe mittel- und osteurop\u00e4ischer Mitglieder &#8218;der Gemeinschaft&#8216; nur Probleme machen? Was f\u00fcr ein Aufwand, blo\u00df um &#8218;der Wirtschaft&#8216; Arbeitskr\u00e4fte zu rekrutieren!<\/p>\n<p>Ein Verhandlungsprozess wird ungem\u00fctlich. Niederlagen, Abtretungen und der erzwungene Verzicht auf Genugtuung (deutsch: \u201eKompensation\u201c) geh\u00f6ren dazu. Russland ist in seiner unvorstellbaren Ausdehnung ein seit Jahrhunderten geschundenes Land, die Menschen haben schon \u201aimmer\u2019 unter ihren Herren gelitten. Was k\u00f6nnen sie noch f\u00fcrchten? Trost: Auch Putin ist sterblich.<\/p>\n<p>Fr\u00fchere Generationen der &#8218;ethnischen&#8216; Deutschen haben zwei katastrophale Niederlagen erlitten, 1918 und 1945, mit\u00a0 strategischenn und wilden\u00a0 \u201eVertreibungen\u201c, nebenbei mit\u00a0 Fl\u00e4chenbombardements gezielt gegen die \u201eZivilbev\u00f6lkerung\u201c. Ich selbst bin in Frankfurts Tr\u00fcmmerlandschaft der Nachkriegszeit aufgewachsen, aber das war ja f\u00fcr ein Kind noch harmlos.<\/p>\n<p>Das eigene Verschulden und die Eigenverantwortung war den Individuen danach verst\u00e4ndlicherweise egal. Die wurden von der Mehrheit der Westdeutschen als Teil der totalen Niederlage hingenommen, weil eben die materiellen Bedingungen dank Marshall-Plan stimmten. Eine neue Generation wuchs unbelastet und historisch naiv auf: die \u201e1968er\u201c. W\u00e4hrend\u00a0 im sowjetisch besetzten Osten die antifaschistische Lebensl\u00fcge eines \u201ebesseren Deutschland\u201c und die Provinzialit\u00e4t des SED-Staats vierzig Jahre lang hinzunehmen waren, hat im Westen diese &#8222;68er&#8220;-Generation die einmaligen Chancen ihrer Selbstaufkl\u00e4rung nicht genutzt. Von der komfortablen \u201eErfolgsgeschichte\u201c der \u201eBonner Republik\u201c (Wikipedia) aus leistet man sich bis heute einen \u00fcberh\u00f6hten Standard an Moralismus und viel \u00fcberfl\u00fcssige Symbolpolitik. Apropos<em> Gendern<\/em>: Ich bitte, mich zu entschuldigen; es ist mir zu m\u00fchsam.<\/p>\n<p>Hat der W\u00e4hler die Wahl? Jeder und jede haben nur einen Versuch alle vier Jahre. Selbst wenn sie mit \u00dcberlegung taktisch w\u00e4hlen, muss das eigentlich immer schiefgehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>* Nachtrag zum Verzicht der Ukraine auf das Atomwaffenarsenal auf seinem Territorium, 2019 aus amerikanischer Sicht:\u00a0 <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Steven-Pifer-Budapester-Ukraine-Abkommen-1994.pdf\">Steven Pifer &#8211; Budapester Ukraine-Abkommen 1994\u00a0<\/a> pdf. &#8211; Zwanzig Jahre lang klang das doch vern\u00fcnftig. Und h\u00e4tte sich der fragile neue Staat \u00fcberhaupt dagegen wehren k\u00f6nnen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[193],"tags":[],"class_list":["post-16159","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wie-gehts-uns-denn-heute"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16159","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16159"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16159\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16212,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16159\/revisions\/16212"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}