{"id":15902,"date":"2024-08-17T21:04:09","date_gmt":"2024-08-17T19:04:09","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=15902"},"modified":"2025-09-19T12:25:06","modified_gmt":"2025-09-19T10:25:06","slug":"bei-klugen-menschen-rat-suchen-zbigniew-herbert-oder-niklas-maak-und-der-weg-des-kuenstlers","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=15902","title":{"rendered":"Gro\u00dfe K\u00fcnstler unterst\u00fctzen Wiegmann, lese ich bei Zbigniew Herbert und Niklas Maak"},"content":{"rendered":"<h2>Zwei Gelegenheiten f\u00fcr Fritz Wiegmann :\u00a0 1933&#8230;..<\/h2>\n<p>Mit Ende Zwanzig war Fritz Wiegmann an einen Punkt gekommen, wo er als Kunstlehrer und popul\u00e4rem Ausstellungsdesign im Team engagierter Sozialmediziner erfolgreich war (&#8222;Gesunde Nerven&#8220; <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5899\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>). Seine kleinformatigen kubistischen Stilleben waren perfekt und erreichten New York (LINK).\u00a0 Er versuchte sich \u00fcberzeugend in Theaterdekoration (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10140\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>). Von seinen fig\u00fcrlichen erotisch aufgeladenen Kompositionen, die ich in Reproduktion gesehen habe, w\u00fcrde ich das allerdings nicht sagen (LINK sp\u00e4ter). Lauter Sackgassen im Schicksalsjahr 1933. Und der junge Mann suchte sich Hilfe &#8218;an h\u00f6chster Stelle&#8216;, bei den &#8222;alten Meistern&#8220;.<\/p>\n<p>Ich bem\u00fche mich seit langem, Wiegmanns Ringen um seinen pers\u00f6nlichen Stil nachzuvollziehen. Im bereits fr\u00fcher zitierten Interview des Peiping Chronicle Anfang 1936 beschrieb er seine Situation so:<\/p>\n<article id=\"post-7526\" class=\"post-7526 post type-post status-publish format-standard hentry category-biografie\">\n<div class=\"entry-content\">\n<h5>* Peiping Chronicle <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/%3Ca%20href=\">16.2.1936<\/a>\u00a0\u00a0 Ausschnitt<strong><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/The-Peiping-Chronicle-16.2.1936-Ausschnitt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6043 alignleft\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/The-Peiping-Chronicle-16.2.1936-Ausschnitt-225x360.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/The-Peiping-Chronicle-16.2.1936-Ausschnitt-225x360.jpg 225w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/The-Peiping-Chronicle-16.2.1936-Ausschnitt-562x900.jpg 562w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/The-Peiping-Chronicle-16.2.1936-Ausschnitt.jpg 624w\" alt=\"the-peiping-chronicle-16-2-1936-ausschnitt\" width=\"225\" height=\"360\" \/><\/a><\/strong><\/h5>\n<p>\u201e&#8230;.. <em>Die spanische Schule des Velasquez, die franz\u00f6sischen Schule Cezannes und die italienische da Vincis waren f\u00fcr ihn Offenbarungen. <span style=\"color: #ff0000;\">Deren Studium brachte ihn dazu, sich ihrer F\u00fchrung und Inspiration zu \u00fcberlassen<\/span> und der Schule der Moderne, die er kannte, den R\u00fccken zu kehren. Auf seinen Reisen durch diese L\u00e4nder <span style=\"color: #ff0000;\">nahm er die moderne Entwicklung von diesen alten Meistern aus in den Blick<\/span>, und er entwickelte das gr\u00f6\u00dfte Interesse an ihrer Wirkung auf die Kunst der Gegenwart. Als Resultat machte er eine Synthese alles dessen und entwickelte seinen pers\u00f6nlichen Stil.<\/em>\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Zbigniew Herbert (1924 &#8211; 1998)<\/h3>\n<p>Ein &#8222;das Seelchen&#8220; betitelter Essay von Zbigniew Herbert &#8211; genauer ein Textauszug in der regierungsamtlichen Brosch\u00fcre &#8222;Herbert&#8220; zu Ehren dieses polnischen Intellektuellen und Dichters &#8211; f\u00fchrt uns auf einen gedanklichen Umweg, der lohnt.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>&#8222;<em>EINE DER TODSU\u0308NDEN DER ZEITGENO\u0308SSISCHEN KULTUR IST, DASS SIE kleinmu\u0308tig einer frontalen Konfrontation mit den ho\u0308chsten Werten aus dem Wege geht. Und auch die arrogante U\u0308berzeugung, dass wir auf Vorbilder (sowohl a\u0308sthetische wie auch moralische) verzichten ko\u0308nnen, denn unsere Lage in der Welt ist angeblich au\u00dfergewo\u0308hnlich und mit nichts vergleichbar. <span style=\"color: #ff0000;\">Deshalb lehnen wir die Hilfe der Tradition ab<\/span>, versinken immer tiefer in unsere Einsamkeit, graben in den dunklen Winkeln unserer verlassenen Seele.<\/em><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><em>Es besteht die falsche Meinung, dass Tradition so etwas wie Erbmasse ist, die man automatisch erha\u0308lt, ohne Anstrengung, deshalb sind diejenigen, die gegen Vererbung und unverdiente Privilegien sind, gegen die Tradition. <span style=\"color: #ff0000;\">Allerdings erfordert jeder Kontakt mit der Vergangenheit Mu\u0308he und Arbeit, die au\u00dferdem schwierig und undankbar ist, denn unser kleines ,,Ich&#8220; schreit und wehrt sich dagegen.<\/span><\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe mir immer gewu\u0308nscht, dass mich der Glauben nicht verla\u0308sst, dass gro\u00dfe Geisteswerke objektiver als wir sind und dass sie uns beurteilen werden. <span style=\"color: #ff0000;\">Jemand hat richtig gesagt, dass nicht nur wir Homer lesen, die Fresken Giottos bewundern, Mozarts Musik ho\u0308ren, sondern dass Homer, Giotto und Mozart uns betrachten, uns ho\u0308ren und unsere Selbstgefa\u0308lligkeit und Dummheit wahrnehmen.<\/span> Arme Utopisten, Debu\u0308tanten in der Geschichte, Brandstifter von Museen, Vernichter der Vergangenheit, die jenen Wahnsinnigen a\u0308hneln, die Kunstwerke zersto\u0308ren, weil sie ihnen nicht ihren Frieden, ihre Wu\u0308rde und ihre ku\u0308hle Ausstrahlung verzeihen ko\u0308nnen.<\/em><\/p>\n<h4><em>Das Seelchen lAuszug, in:) Das Labyrinth am Meer <\/em>(2000, S.91, \u00dcbersetzer ungenannt)<\/h4>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Wiegmann konnte 1933 noch nicht wissen, welchen Preis er in der Nachkriegszeit f\u00fcr seine Entscheidung zur Unabh\u00e4ngigkeit zahlen sollte: Unsichtbarkeit<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>&#8230;.. und\u00a0 1964<\/h2>\n<h3>Niklas Maak ( FAZ vom 21.8. 2003)<\/h3>\n<p>&#8222;<em>Die Strichstreiche der Genies<\/em>&#8220; betitelte Rezension von Niklas Maas einer Ausstellung im Palais Rohan, Stra\u00dfburg von \u00d6lskizzen des achtzehnten Jahrhunderts ist nicht nur eindr\u00fccklich illustriert ( Foto Katalog aus der Ausstellung &#8222;<em>Triumph der Geste<\/em>&#8222;).<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Niklas-Maak-Oelskizzen-des-18.Jh_.-FAZ-Bild-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-15908\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Niklas-Maak-Oelskizzen-des-18.Jh_.-FAZ-Bild-622x900.jpg\" alt=\"\" width=\"483\" height=\"700\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Niklas-Maak-Oelskizzen-des-18.Jh_.-FAZ-Bild-622x900.jpg 622w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Niklas-Maak-Oelskizzen-des-18.Jh_.-FAZ-Bild-249x360.jpg 249w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Niklas-Maak-Oelskizzen-des-18.Jh_.-FAZ-Bild-1061x1536.jpg 1061w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Niklas-Maak-Oelskizzen-des-18.Jh_.-FAZ-Bild-1414x2048.jpg 1414w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Niklas-Maak-Oelskizzen-des-18.Jh_.-FAZ-Bild-624x904.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Niklas-Maak-Oelskizzen-des-18.Jh_.-FAZ-Bild-scaled.jpg 1768w\" sizes=\"auto, (max-width: 483px) 100vw, 483px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Seine Begeisterung \u00fcber die der Verborgenheit entrissenen zwei Jahrhunderte alten &#8222;\u00d6lskizzen&#8220; ansteckend,\u00a0 rhetorisch im Kleid des \u00fcblichen Fortschrittsoptimismus: Untertitel &#8222;Hier beginnt ja schon die Moderne&#8220;.<\/p>\n<p>Maak kontrastiert\u00a0 in temperamentvollen Bildbeschreibungen\u00a0 mutige &#8222;<em>Entw\u00fcrfe<\/em>&#8220; und &#8222;<em>fertiges Bild<\/em>&#8222;,\u00a0 er registriert den &#8222;<em>Verlust der Leichtigkeit<\/em>&#8220; bis hin zur schieren &#8222;<em>Lustlosigkeit<\/em>&#8220; bei der &#8222;<em>langwierigen Ausf\u00fchrung<\/em>&#8220; f\u00fcr ein &#8222;<em>Publikum&#8220;, das (&#8230;) kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Unfertiges hatte<\/em>&#8222;, angeblich &#8222;<em>anders als der heutige, von der Moderne geschulte Betrachter, der die Abstraktionskraft der Skizzen als eigentliche k\u00fcnstlerische\u00a0 Leistung feiert<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>Anstelle des &#8222;geschulten Betrachters&#8220; treffe ich h\u00e4ufiger auf den &#8222;beschulten&#8220;, welcher wei\u00df, wie man in der jeweiligen Ausstellungsumgebung als Kunstkonsument korrekt zu reagieren hat. Ist &#8222;Abstraktion&#8220; per se &#8222;Fortschritt&#8220;?\u00a0 Wiegmanns Landschaften haben &#8211; etwa in &#8222;Kunsthandlungen&#8220; &#8211; noch keineswegs von dieser &#8218;modernen&#8216; Wertsch\u00e4tzung profitiert. In der Kunstbetrachtung ist vielleicht das gedankenlose Fortschrittsdenken kombiniert mit der Vorstellung himmelst\u00fcrzender &#8222;Kunstrevolutionen&#8220; (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=6927\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>) &#8211; unausrottbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Gelegenheiten f\u00fcr Fritz Wiegmann :\u00a0 1933&#8230;.. Mit Ende Zwanzig war Fritz Wiegmann an einen Punkt gekommen, wo er als Kunstlehrer und popul\u00e4rem Ausstellungsdesign im Team engagierter Sozialmediziner erfolgreich war (&#8222;Gesunde Nerven&#8220; LINK). 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