{"id":15057,"date":"2023-10-23T10:10:44","date_gmt":"2023-10-23T08:10:44","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=15057"},"modified":"2023-10-29T14:41:35","modified_gmt":"2023-10-29T13:41:35","slug":"ovimbundu-schoenheit-wie-auf-alten-ethnographischen-fotos","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=15057","title":{"rendered":"Ovimbundu &#8211; Barbarisch sch\u00f6n wie auf alten ethnographischen Fotos."},"content":{"rendered":"<h2>Eine Ovimbundu-Figur &#8211; Barbarisch sch\u00f6n wie auf alten ethnographischen Fotos.<\/h2>\n<h4><span style=\"color: #ff0000;\">Und die erste nach einem erfolglosen Versuch vor zehn Jahren !\u00a0\u00a0 <\/span><\/h4>\n<h4><span style=\"color: #ff0000;\">30.9.2023 \/ hochgeladen am 23. Oktober<br \/>\n<\/span><\/h4>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Beschreibung<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1541.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15058 alignleft\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1541-304x900.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"860\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1541-304x900.jpg 304w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1541-121x360.jpg 121w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1541.jpg 371w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a>Achtundvierzig Zentimeter hoch. Schweres rotbraun gl\u00e4nzendes Holz, soweit nicht von Gr\u00fcnspan und Dreck bedeckt, oxydierter Kupferdraht (Hals- und Wadenschmuck, Ohrkettchen), auf Stirn und Wangen Kupferbl\u00e4ttchen.<\/p>\n<p>Ausgesprochen lebendige Dorfsch\u00f6nheit mit klassischer ovaler Frisur, zarten langen Ohrgeh\u00e4ngen und einem verl\u00e4ngerten Hals, um f\u00fcr dreieinhalb cm Kupferdraht Platz zu schaffen. Die Schultern sind zart und leicht abfallend. Woher kenne ich den \u201atypisch afrikanischen\u2019 Schulterg\u00fcrtel? Die eingeknickten Unterarme mit weit hervor tretendenden Ellenbogen enden in gro\u00dfen H\u00e4nden mit langen Fingern. Das Ensemble mit den spitzen Br\u00fcsten darunter bildet den zweiten Blickfang. Darunter ein langer Abhang auf der abgesenkten Bauchw\u00f6lbung, markiert von einem eingeritzten Nabelkreis, 14,5 cm \u00fcber dem Boden. Der dritte Blickfang besteht aus Nabel, dahinter den Schamlippen und st\u00e4mmigen Beinen, verst\u00e4rkt durch die Umwicklung, und gro\u00dfen F\u00fc\u00dfen, die verbunden einen Block bilden und festen Stand geben. Nat\u00fcrlich ist das Untergestell dreckiger.<br \/>\nVon hinten gesehen ist der obere Torso zart, das Kreuz verst\u00e4rkt (es muss den tief h\u00e4ngenden Bauch ausbalancieren) und der kleine Po eckig nach hinten gestreckt.<\/p>\n<p>\u201aBarbarisch sch\u00f6n, wie auf alten ethnographischen Fotos&#8216;. Und ein St\u00fcck aus dem Leben!<\/p>\n<p>Der alte Engl\u00e4nder, dem nie ein Kompliment \u00fcber die Lippen kam, gestand mir, die Figur habe das gewisse Etwas. Erotisch mochte er es nicht nennen. Aber seine Frau w\u00fcrde es nicht im Wohnzimmer haben wollen, was immer das bedeutet.<\/p>\n<p>Ich dachte sofort an meine Figur vor bald zehn Jahren, an den moderneren kindlich pummeligen K\u00f6rpertyp mit Blechaugen und hochgl\u00e4nzender Patina, sch\u00e4tzungsweise f\u00fcnfziger, sechziger Jahre. Die Abbildungen in der Literatur versprachen eigentlich mehr. Ich studierte viel.\u00a0 \u00dcber die Vorbereitung auf eine harmonische Ehe. Gut, dass ich die Mappe noch besitze.<\/p>\n<p>Bei ung\u00fcnstigem Licht treten die Manipulationen mit Kupferstreifen und die gut abdichtende Harzreparatur linksseitig im Gesicht st\u00f6rend hervor. Ein wenig Dreck lie\u00dfe sich am K\u00f6rper und an der Frisur noch vorsichtig entfernen.<\/p>\n<p>Der Stand und aufrechte Haltung sind perfekt, Raumwirkung und Fernwirkung\u00a0 gut, vor allem im Freien. Bei jedem Anheben l\u00e4sst die nicht mehr ganz junge Frau ihre Energie sp\u00fcren. Mit ihr m\u00f6chte ich nicht zusammensto\u00dfen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1550.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-15059\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1550-227x360.jpg\" alt=\"\" width=\"309\" height=\"490\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1550-227x360.jpg 227w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1550-567x900.jpg 567w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1550-624x990.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1550.jpg 630w\" sizes=\"auto, (max-width: 309px) 100vw, 309px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eif\u00f6rmiger Gesichtssch\u00e4del,\u00a0 schwer zu beschreiben. Verbindet schmale Kanten und frei aber kr\u00e4ftig eingeschnittene Rillen<br \/>\nBrauen, schr\u00e4g stehende Augen, Tattoo, Nasenfl\u00fcgel, feine gro\u00dfe Ohren mit stark perforierten L\u00e4ppchen\u00a0 mit \u201arealistischen\u2019 W\u00f6lbungen &#8211; von Stirn und Wangen zu einem gespitzten Mund &#8211; zu einem interessanten Gesichtsausdruck.<\/p>\n<p>Seitlich gesehen, spielen die Rillen der Sch\u00e4delfrisur \u00fcber den mittig gesetzten Ohren, vor dem geschwungenen Schopf\/Zopf, der nach unten sich verbreiternde Hals. Das\u00a0 &#8211; nachtr\u00e4glich? &#8211; eingeritzte und um f\u00fcnfundvierzig Grad gedrehte Zeichen findet sich in &#8222;Tervuren Masterpieces&#8230;&#8220; auf einer <em>Cihongo mask Tshokwe <\/em>(no.52) und wird von G.K. nach Bastin (1961) als<em> &#8222;abstraktes<\/em> Relief&#8220; namens <em>cingelyengelye <\/em>bezeichnet.<\/p>\n<p>Auch hier an einer Maske der Lwena als \u201eTatauierungsmuster\u201c (in: <em>Das zweite Gesicht<\/em>, <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231016_0002-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-15092\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231016_0002-296x360.jpg\" alt=\"\" width=\"296\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231016_0002-296x360.jpg 296w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231016_0002-741x900.jpg 741w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231016_0002-1265x1536.jpg 1265w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231016_0002-1686x2048.jpg 1686w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231016_0002-624x758.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 296px) 100vw, 296px\" \/><\/a>Barbier Mueller p.86-87 &gt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es finden sich weitere Gemeinsamkeiten:<br \/>\nBohnenaugen, modellierte Ohren, Gesichtsform, mit spitzem Kinn.<br \/>\nDer Name \u201eJunge Frau\u201c der Maske verweist auf eine mythische weibliche Figur, die fr\u00fch verstarb.<br \/>\nAuftritt bei sexuell konnotierten T\u00e4nzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">MEHR DOKUMENTATION<\/h3>\n<p>Das Africa-Museum Tervuren zeigt <strong>zwei von Robert Verly gesammelte und 1950 registrierte weibliche Figuren der Ovimbundu<\/strong>\u00a0 (\u201eMasterpieces from Central Africa\u201c, Prestel 1996) nos. 49 und 50).<\/p>\n<p>Im Begleittext charakterisiert G.K. (= Gerhard Kubik, Universit\u00e4t Wien) die Ovimbundu linguistisch als mit zwei Millionen gr\u00f6\u00dftes Volk unter den Bantu in Angola. Eine lokale fig\u00fcrliche Tradition habe sich kaum, am ehesten noch um die weibliche Initiation bilden k\u00f6nnen. Er will \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse \u00fcber den Fernhandel im 18. und 19. Jahrhundert aber nicht ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong><u>No. 49<\/u><\/strong><\/h3>\n<p>Kubiks Beschreibung von no.49 beschr\u00e4nkt sich darauf, die Sch\u00f6nheit der jungen Frau, ihren K\u00f6rperschmuck, besonders die mit Kupferdraht umwickelten Beine und ein \u00fcber die Brust gekreuztes Band hervorzuheben. An der kunstvollen Frisur bemerkt er allein die Verwendung von \u00d6l und rotem Ocker, \u201edie normalen Attribute junger Frauen nach der Initiation bei den (stammesverwandten) Nyaneka&#8220;. (p.161, \u00fcbersetzt) &#8211;\u00a0 Die Figur no. 49 lohnt den Vergleich!<\/p>\n<div id=\"attachment_15114\" style=\"width: 254px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231022_0001-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15114\" class=\"wp-image-15114\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231022_0001-2-300x900.jpg\" alt=\"\" width=\"244\" height=\"730\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231022_0001-2-120x360.jpg 120w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231022_0001-2.jpg 367w\" sizes=\"auto, (max-width: 244px) 100vw, 244px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15114\" class=\"wp-caption-text\">Masterpieces no.49 Ovimbundu Tchiacca. Benguela 31cm<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_15118\" style=\"width: 340px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1579.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15118\" class=\"wp-image-15118\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1579-237x360.jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1579-237x360.jpg 237w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1579-593x900.jpg 593w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1579-624x947.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_1579.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15118\" class=\"wp-caption-text\">IMG_1579<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">.<\/h6>\n<p>Beide Figuren sind schlank, aber die no.49 ist mit 31 cm H\u00f6he\u00a0 zierlicher.<\/p>\n<p>Die Umwicklung der Unterschenkel zieht den Blick auf sich, wurde aber durch Kordel ersetzt. Darunter sind kleine zierliche F\u00fc\u00dfe und eine auff\u00e4llig enge Metall-Manschette erkennbar, wie an den Unterarmen.<\/p>\n<p>Die Schultern sind rund, die Arme h\u00e4ngen seitlich herunter, sie dr\u00fccken Konzentration aus. Die K\u00f6rperformen sind weicher, jugendlicher, die Br\u00fcste &#8218;ideal&#8216;. Der zylindrische Hals trug wohl nie eine Kupfermanschette und ist kurz. Die helle Farbe des K\u00f6rpers &#8211; besonders unterhalb des kreisrund eingeschnittenen Nabels &#8211; l\u00e4sst einen inzwischen\u00a0 verlorenen Wickelrock\u00a0 vermuten.<\/p>\n<p>Gegen die dominierende Jugendlichkeit des K\u00f6rpers\u00a0 sticht die auff\u00e4lllig dunkle besch\u00e4digte Patina des Kopfes ab. Die Breite des Gesichtssch\u00e4dels, die Umrandung der Augen und der Mund\u00f6ffnung, das Muster der Wangen, sowie die gro\u00dfen eher unf\u00f6rmigen Ohren &#8218;passen&#8216; &#8211; nach meinem Eindruck von dieser einen Fotografie &#8211; nicht wirklich.Die Kraft der Figur nimmt nach unten ab. Das soll ein &#8222;Masterpiece&#8220; sein? Mein Gesamteindruck von der Figur ist einer von Disproportionalit\u00e4t, egal, nach welcher Norm bewertet. Waren mehrere Schnitzer an der Arbeit beteiligt?<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Etwas zur Verwendung<\/h2>\n<p>Zur Figur no. 50 schreibt Gerhard Kubik, sie k\u00f6nne mit der Initiation der M\u00e4dchen in Verbindung stehen, ihre expressive Geste generell mit Fruchtbarkeitsriten. Die Figur k\u00f6nne aber auch aus dem Besitz eines traditionellen Heilers (<em>ocimbanda<\/em>) stammen und zur Prognose (divination) gedient haben, etwa ob die ratsuchende Frau schwanger sei, das Kind Junge oder M\u00e4dchen sein werde oder andere intimere Themen. Sie k\u00f6nne auch auf \u201aVerschreibung\u2019 des Heilers hergestellt sein. (p.162, \u00fcbersetzt)<\/p>\n<p>Der Kontext der Initiation ist dank der Forschungen von Marie-Luise Bastin am besten bekannt, aber die Sph\u00e4re der traditionellen Heiler und die ihnen anvertrauten Beschwerden und Probleme sind ebenso wichtig. Der Einsatz der Figuren ist also so offen und vielf\u00e4ltig, wie wir es aus ganz Afrika h\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Die No. 50 und Sonderfall\u00a0 M\u00e4dchen-Initiation<\/h3>\n<div id=\"attachment_15113\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231022_0001-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15113\" class=\"wp-image-15113\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231022_0001-1-135x360.jpg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231022_0001-1-135x360.jpg 135w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231022_0001-1-336x900.jpg 336w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_20231022_0001-1.jpg 411w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15113\" class=\"wp-caption-text\">Masterpieces no.50 Ovimbundu Tchiandiandia. Benguela 30cm<\/p><\/div>\n<p><strong>Marie-Luise Bastin<\/strong> berichtete im Aufsatz <strong>\u201aUkule\u2019 <\/strong>1986 aus intimer Kenntnis \u00fcber die Reaktion einer Ovimbundu-Familie auf die erste Menstruation einer Tochter. Das Thema war ausschlie\u00dflich Frauensache. Eine sich \u00fcber Monate hinziehende Kette von Events m\u00fcndet in einer vorbesprochenen Eheschlie\u00dfung und war ganz pragmatisch auf die optimale Vorbereitung von M\u00e4dchen &#8211; und der Jungen &#8211; auf eine erfolgreiche Schwangerschaft fokussiert. Noch die krudesten Details \u2013 die Bewahrung des grauen Eis beim ersten Eisprung, die Kraftorte im Busch und an bestimmten Wegkreuzungen &#8211; generell die Verbote und Pflichten, die Anforderung quasi endloser Geduld und dann wieder die \u00dcberforderung, die Mischung von Einsch\u00fcchterung und Huldigung \u2013 alles das erschien mir 2014 als genialer Kanal, um die Pubert\u00e4tswirren und \u201aVersuchungen\u2019 drastisch abzuk\u00fcrzen. Erdheims Idee der \u201akalten Gesellschaft\u2019 lie\u00df gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Es liegt Klugheit darin, die Braut f\u00fcr den ebenso unerfahrenen Br\u00e4utigam so attraktiv wie m\u00f6glich zu machen. Die Ma\u00dfnahmen reichen von der Dehnung der Schamlippen und der Ein\u00fcbung des Tanzes, womit der Koitus erkl\u00e4rt wird, bis zur Entjungferung mit einem Dildo durch die Initiations-Patin der Braut, in der Regel eine Hebamme oder Gro\u00dfmutter. Die logische Koh\u00e4renz der Darstellung \u00fcberzeugte mich.<\/p>\n<p>(Bastins Text lag mir als\u00a0 Auszug aus Arts d\u2019Afrique Noir no.57: 15.30 vor) <strong>Quelle<\/strong> :\u00a0 <strong>Marie-Luise Bastin &#8222;Ukule&#8220;<\/strong> (<a href=\"https:\/\/ler.letras.up.pt\/uploads\/ficheiros\/7887.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>\u00a0 =\u00a0 <em>https:\/\/ler.letras.up.pt\/uploads\/ficheiros\/7887.pdf<\/em>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Divergierende Ansichten\u00a0 unter Akteuren \u00fcber zielf\u00fchrende Sch\u00f6nheit<\/h3>\n<p>Manuel Jordan gab\u00a0 1998 bei Prestel den Katalog &#8222;<em><strong>Chokwe! &#8211; Art and Initiation Among Chokwe and Related Peoples<\/strong><\/em>&#8220; f\u00fcr drei amerikanische Museen heraus. Unter ausdr\u00fccklichem Dank an Marie-Luise Bastin als Inspirationsquelle (p.78, Anm.1) berichtete <strong>Elizabeth L. Cameron <\/strong>in ihrem Beitrag &#8222;Potential and Fulfilled Woman&#8230;&#8220; von den gleichen Praktiken bei den <strong>Lunda<\/strong> und <strong>Luvale<\/strong> in Zambia: Frauen und M\u00e4nner seien sich einig, dass die ideale Frau eine Mutter sei und weibliche Sch\u00f6nheit zur Mutterschaft f\u00fchren solle, sie h\u00e4tten aber unterschiedliche\u00a0 Vorstellungen, wie das Ideal durch die Initiandinnen selbst, die \u00f6ffentlichen Maskeraden und Figuren\u00a0 zur Anschauung zu bringen sei. Die Frauen, welche die die Initiation kontrollierten, verhandelten dar\u00fcber zum Beispiel mit den m\u00e4nnlichen Schnitzern und konnten die nach deren Vorstellungen entstandenen Figuren auch ablehnen. (p.83)<\/p>\n<p>Cameron erw\u00e4hnte, dass die Maskent\u00e4nze &#8222;alle weiblichen Charaktere&#8220; einschl\u00f6ssen. Sie nennt namentlich auch <em>&#8222;Mwana Pwo&#8220;<\/em>, die von den <strong>Chokwe<\/strong> her bekannte w\u00fcrdevoll auftretende Frauenmaske, und M\u00e4nner- und Tiercharaktere, namentlich &#8222;<em>Chileya (the fool<\/em>)&#8220; und &#8222;<em>Ngulu (the pig)<\/em>&#8222;, ebenso unterhaltsame wie negative Charaktere, die sich w\u00fcrdelos benehmen und das Publikum zum Lachen reizen. (p.83) Ich liebe die &#8222;<strong><em>Ngulu<\/em><\/strong>&#8222;, weil ihre Maskenk\u00f6pfe so phantasievoll und heiter gestaltet sind! (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4010\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>), doch das ist mein privates Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p><em><strong>&#8222;Mwana Pwo&#8220;<\/strong><\/em> weist in die entgegengesetzte Richtung. Die von ihr repr\u00e4sentierte Norm der voll in die Gemeinschaft integrierten Frau, der ihrer weiblichen Rolle stets bewussten Mutter k\u00f6nnen auch wir bei der \u00e4sthetischen Beurteilung unterschiedlicher Frauenfiguren der Ovimbundu und ihrer Nachbarn ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<div id=\"attachment_15130\" style=\"width: 367px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-12-Uebersichtskarte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15130\" class=\"wp-image-15130\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-12-Uebersichtskarte-265x360.jpg\" alt=\"\" width=\"357\" height=\"484\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-12-Uebersichtskarte-265x360.jpg 265w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-12-Uebersichtskarte-663x900.jpg 663w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-12-Uebersichtskarte-1132x1536.jpg 1132w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-12-Uebersichtskarte-624x847.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-12-Uebersichtskarte.jpg 1179w\" sizes=\"auto, (max-width: 357px) 100vw, 357px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15130\" class=\"wp-caption-text\">Chokwe! p.12 U\u0308bersichtskarte<\/p><\/div>\n<p>Unter der \u00dcberschrift <em><strong>&#8222;Art and Life: Fulfilled Adults&#8220; <\/strong><\/em>versammelt der Katalog ab Seite 155\u00a0 unter den Bildnummern 104, 107, 109, 110, 111, 112\u00a0 weibliche Wahrsage- und Ahnenfiguren der Songo, Chokwe, Ovimbundu und Shinji, die eine gestreckte erwachsene Gestalt haben und deren Arme auf dem Bauch oder \u00fcber der Brust liegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_15127\" style=\"width: 85px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-104-Songo-Figur-w-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15127\" class=\"wp-image-15127\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-104-Songo-Figur-w-1-100x360.jpg\" alt=\"\" width=\"75\" height=\"269\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-104-Songo-Figur-w-1-100x360.jpg 100w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-104-Songo-Figur-w-1-250x900.jpg 250w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-104-Songo-Figur-w-1.jpg 278w\" sizes=\"auto, (max-width: 75px) 100vw, 75px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15127\" class=\"wp-caption-text\">Chokwe! 104<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die 43 cm hohe (meine zweite 48 cm) stilisierte\u00a0 Figur der Songo <strong>Nr. 104<\/strong>\u00a0 &#8222;beherbergt den Ahnengeist einer Person von hohem Status oder eines Heilers. Die leicht gebeugten Knie und die Geste aufgerichteter Arme spiegeln das &#8222;Leben&#8220;, die agency und die dynamischen Qualit\u00e4ten des Ahnengeistes wieder.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_15125\" style=\"width: 164px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-107-Chokwe-Figur-w-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15125\" class=\"wp-image-15125\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-107-Chokwe-Figur-w-1-126x360.jpg\" alt=\"\" width=\"154\" height=\"440\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-107-Chokwe-Figur-w-1-126x360.jpg 126w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-107-Chokwe-Figur-w-1-315x900.jpg 315w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-107-Chokwe-Figur-w-1.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 154px) 100vw, 154px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15125\" class=\"wp-caption-text\">Chokwe! 107 Chokwe 17cm w<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die kleine Figur <strong>Nr.107<\/strong> der Chokwe &#8222;aus dem 19.Jahrhundert&#8220; hat ein \u00e4hnliches Gesicht, einen kantigen Schulterg\u00fcrtel, legt auch die H\u00e4nde flach auf das Schl\u00fcsselbein, ist mit Schmuck reich ausgestattet und einem groben Rock versehen. &#8222;Das Loch an der Stelle des Nabels war einmal mit Substanzen gef\u00fcllt, die des Ahnen \u00fcbernat\u00fcrliche Kr\u00e4fte engagieren sollten.&#8220; Der niedrige Sockel mit den flachen gro\u00dfen F\u00fc\u00dfen ist vertrauensw\u00fcrdig, aber unauff\u00e4llig.<\/p>\n<div id=\"attachment_15129\" style=\"width: 137px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-108-Ovimbundu-Figur-w-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15129\" class=\"size-medium wp-image-15129\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-108-Ovimbundu-Figur-w-1-127x360.jpg\" alt=\"\" width=\"127\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-108-Ovimbundu-Figur-w-1-127x360.jpg 127w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-108-Ovimbundu-Figur-w-1.jpg 354w\" sizes=\"auto, (max-width: 127px) 100vw, 127px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15129\" class=\"wp-caption-text\">Chokwe! 108<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nr. 108<\/strong> ist eine ebenso hohe (44cm) hohe Ovimbundu-Mutter-und-Kind-Figur\u00a0 von &#8222;vor 1910&#8220;\u00a0 mit ausgearbeiteter Frisur, in sich gekehrtem Gesicht, Ohrschmuck am Ohrl\u00e4ppchen, kr\u00e4ftigem Hals, zartem Oberk\u00f6rper und st\u00e4mmigen leicht gebeugten Beinen. Die helle Nacktheit k\u00f6nnte sich einer Reinigung in Europa oder Amerika verdanken. Im Begleittext wird &#8222;die\u00a0 wesentliche Rolle der Frauen als Lebensspender&#8220; um den Aspekt erweitert, &#8222;damit die Kontinuit\u00e4t und Prosperit\u00e4t der Gemeinschaft zu sichern&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_15128\" style=\"width: 113px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-112-Chokwe-Figur-w-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15128\" class=\"wp-image-15128\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-112-Chokwe-Figur-w-1-138x360.jpg\" alt=\"\" width=\"103\" height=\"270\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-112-Chokwe-Figur-w-1-138x360.jpg 138w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-112-Chokwe-Figur-w-1-344x900.jpg 344w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Chokwe-112-Chokwe-Figur-w-1.jpg 382w\" sizes=\"auto, (max-width: 103px) 100vw, 103px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15128\" class=\"wp-caption-text\">Chokwe! 112 23cm<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die\u00a0 kleine Chokwe-Frauenfigur <strong>Nr. 112<\/strong> aus dem 20. Jahrhundert ist formal interessant durch ihre Haltung, die &#8218;erwachsenen&#8216; Proportionen des K\u00f6rpers (Bauch, Po) und die besonders kr\u00e4ftigen Beine, die in einem stilisierten Fu\u00dfblock enden. Den Schmucknarben auf dem Bauch werden neben &#8222;symbolischen Assoziationen&#8220; auch &#8222;taktil sp\u00fcrbare Qualit\u00e4ten&#8220; zugeschrieben, welche &#8222;die sexuelle Stimulation f\u00f6rdern&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Mein Exemplar von 2014:<\/h4>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ovimb.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-15116\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ovimb-513x900.jpg\" alt=\"\" width=\"456\" height=\"800\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ovimb-513x900.jpg 513w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ovimb-205x360.jpg 205w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ovimb.jpg 577w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bald fand ich meine erste Figur zumindest ambivalent. Heute frage ich mich: D\u00fcrfte die kindliche Initiandin die aufw\u00e4ndige Zopffrisur &#8211;\u00a0 \u00fcbrigens das international bekannte &#8218;Markenzeichen&#8216; der Ovimbundu-Figuren &#8211; \u00fcberhaupt schon tragen? W\u00e4re das ein Thema f\u00fcr den erw\u00e4hnten Streit \u00fcber &#8218;zielf\u00fchrende Sch\u00f6nheit&#8216; gewesen? Auf jeden Fall ist sie erfolgreich im Sammlermarkt. Typisch: Glanzpatina,\u00a0 Kindchenschema, &#8217;naive&#8216; Polsternagel-Augen &#8211; und hier ein mit Harz gestopfter durchgehend\u00a0 breiter Schwundriss.<\/p>\n<p>Eine weitere 2014 angebotene Figur :<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ovimbundu-Figur-Bwoom-Gallery-o5104.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-15115\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ovimbundu-Figur-Bwoom-Gallery-o5104-900x712.png\" alt=\"\" width=\"730\" height=\"578\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ovimbundu-Figur-Bwoom-Gallery-o5104-900x712.png 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ovimbundu-Figur-Bwoom-Gallery-o5104-360x285.png 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ovimbundu-Figur-Bwoom-Gallery-o5104-624x494.png 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Ovimbundu-Figur-Bwoom-Gallery-o5104.png 1236w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">&#8218;Gro\u00dfe Politik&#8216; und Objektbiografien<\/h3>\n<p>Diesen Punkt m\u00f6chte ich\u00a0 nicht \u00fcbergehen, auch wenn der Nachbarstaat Zambia <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sambia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(Wiki)<\/a> mit\u00a0 Angola (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Angola\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wiki<\/a>) nicht gleichzusetzen ist: Dort begann 1961 der bewaffnete Widerstand gegen die Kolonialmacht Portugal, woran sich im Zeichen des Ost-West-Konflikts bis 2002 ein katastrophaler B\u00fcrgerkrieg anschloss.<\/p>\n<p>Wurden Zeichen von Krise und Krieg in der Feldforschung\u00a0 nicht sichtbar?<\/p>\n<p>Das Streben nach ungebremster Vermehrung der eigenen Gruppe l\u00e4sst sich als Reaktion auf Krise, Unterdr\u00fcckung, Krieg und Entv\u00f6lkerung lesen. <strong>Alisa La Gamma<\/strong> hat in dem pr\u00e4chtig aufgemachten Katalog &#8222;<em>Kongo &#8211; Power and Majesty<\/em>&#8220; (MET, N.Y. 2015) auf diesen Zusammenhang\u00a0 aufmerksam gemacht &#8211; doch allein im Kontext\u00a0 des Sklavenhandels fr\u00fcherer Jahrhunderte und mit kunsthistorischem Fokus (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5605\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>).<\/p>\n<p>Die oben geschilderten moralischen Standards und ihre pragmatische Durchsetzung m\u00f6gen uns in ihrer scheinbaren Stringenz beeindrucken, aber die praktische Konsequenz dieser Einstellung ist der Geb\u00e4rzwang f\u00fcr junge Frauen, der von den Familien nicht nur auf dem flachen Land noch immer nach Kr\u00e4ften durchgesetzt wird. Zudem ist sie ein treibender Faktor des immensen Bev\u00f6lkerungswachstums in Afrika.<\/p>\n<p>Sammler werden gew\u00f6hnlich &#8222;nach dem Alter&#8220; ihrer St\u00fccke gefragt.<\/p>\n<p>Die Fragenden geben sich dann scheinbar mit der Angabe einer Zeitspanne zufrieden oder fragen verunsichert nach &#8218;Restitution&#8216;. Mich w\u00fcrden die &#8218;Objektbiografien&#8216; wirklich interessieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>H\u00e4lt die attraktive &#8218;Lebendigkeit&#8216; meiner Neuerwerbung an?\u00a0 Ich versehe meine Argumente am Ende vorsichtshalber mit Fragezeichen:<\/h3>\n<p>Z\u00e4hlen die kunstvollen Frisurlinien vor dem ovalen Schopf? Die sorgf\u00e4ltige souver\u00e4ne Arbeit?<\/p>\n<p>Das Gesicht mit hochgezogenen Augenbrauen und den schr\u00e4g blickenden Mandelaugen und dem unter der steilen Nase sp\u00f6ttisch (?) gespitzten kleinen Mund?\u00a0 Die zur Geste auf die Brust gelegten H\u00e4nde mit den un\u00fcbersehbar langen Fingern? Eine m\u00e4chtige Ahnfrau?<\/p>\n<p>Der Kontrast von zarten Armen und stilisierten Schultern einerseits, dem st\u00e4mmigen und zugleich dynamischen Unterbau, der mit gro\u00dfen F\u00fc\u00dfen verl\u00e4sslichen Stand?<\/p>\n<p>Die ungew\u00f6hnliche Schwere (2040g) und Stabilit\u00e4t der Skulptur, die bei jedem In-die-Hand-nehmen wieder sp\u00fcrbar ist?<\/p>\n<p>Scheinbar fehlende Schwundrisse? Kurze schmale existieren unauff\u00e4llig gef\u00fcllt an der linken Wange und auf der rechten Stirn. Die L\u00f6cher in den Ohrl\u00e4ppchen sind ausgeleiert.<\/p>\n<p>Die kontrastierende Leichtigkeit der angeh\u00e4ngtenOhrringe oder die Solidit\u00e4t der Umwicklungen aus oxydiertem Kupferdraht? Vielleicht gar der sich ausbreitende Gr\u00fcnspan?<\/p>\n<p>Und ich frage mich am Ende:\u00a0 Ist sie &#8217;sehr alt&#8216; oder nur &#8218;gut&#8216;?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #ff0000;\">Fr. den 27.10.2023<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Ovimbundu-Figur &#8211; Barbarisch sch\u00f6n wie auf alten ethnographischen Fotos. Und die erste nach einem erfolglosen Versuch vor zehn Jahren !\u00a0\u00a0 30.9.2023 \/ hochgeladen am 23. 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