{"id":14617,"date":"2023-04-20T20:10:04","date_gmt":"2023-04-20T18:10:04","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=14617"},"modified":"2025-12-20T16:06:50","modified_gmt":"2025-12-20T15:06:50","slug":"luc-de-heusch-erzaehlt-uns-die-geschichte-der-tetela-nacherzaehlung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=14617","title":{"rendered":"Luc de Heusch erz\u00e4hlt uns die Geschichte der Tetela (Studienbericht)"},"content":{"rendered":"<h5>\u00a0 27. APRIL 2023 18.00.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <span style=\"color: #808080;\">DRUCK 11 SEITEN\/94%\u00a0 <\/span><span style=\"color: #ff0000;\"><br \/>\n<\/span><\/h5>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Das Katalogbuch<\/h3>\n<p>\u201e<em>Objects \u2013 Signs of Africa<\/em>\u201c anl\u00e4sslich der Ausstellung \u201e<em>Hidden Treasures<\/em>\u201c im Royal Museum &#8230;.Tervuren. Edited by Luc des Heusch,Snoek-Ducaju &amp; Zoon 1995 , S. 175-205<\/p>\n<p>de Heuschs Aufsatz tr\u00e4gt den sperrigen Titel: <em>Beauty is elsewhere: Returning a verdict on Tetela masks &#8211; Historical and ethnological notes on the Nkutshu<\/em> (<em>Sch\u00f6nheit ist anderswo: Ein Urteil \u00fcber Tetela-Masken widersprechen &#8211; Historische und ethnologische Anmerkungen zu den Nkutshu<\/em>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Die ausgew\u00e4hlten Themen<\/h3>\n<ul>\n<li>\n<h5>Die <strong>Provenienz \u201eTetela\u201c<\/strong> gewinnt \u00fcberhaupt etwas Profil und Sch\u00e4rfe<\/h5>\n<\/li>\n<li>\n<h5>Streiflichter fallen auf einen regionalen Ausschnitt der kongolesischen <strong>Kolonialgeschichte<\/strong>, vor allem auf den Zusammenhang von Eroberung, Unterdr\u00fcckung, Ausbeutung und missgl\u00fcckten Verwaltungsexperimenten. Auf Seiten der Kolonisierten werden zwei klassische Typen, der Profiteur und der ehrliche Repr\u00e4sentant vorgestellt, als Verhaltensweisen Kollaboration und (weniger deutlich) Widerstandsformen.<\/h5>\n<\/li>\n<li>\n<h5><strong>Wanderungsgeschichte und Genealogien<\/strong>: Licht f\u00e4llt auf die Vorgeschichte, besonders auf die politische Ordnung auf der Basis von Abstammung und komplexer Wanderungsgeschichte, wobei der zwischen Regenwald und Savanne gespaltene Lebensraum des \u00f6stlichen Kasai eine Rolle spielt<\/h5>\n<\/li>\n<li>\n<h5>Die Korrektur der 1910-11 entstandenen irrt\u00fcmlichen Zuordnung bestimmter Masken (&#8222;Tempa&#8220;) verschiebe ich in einen dritten Blog\u00a0 <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=14749\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(LINK<\/a>). Informationen zur befreundeten Ethnie der Jonga, fokussiert auf einen Figurentyp, sind im Mai in einem zweiten Blog erschienen (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=14693\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>).<\/h5>\n<\/li>\n<li>\n<h5>Die daraus resultierenden <strong>Identit\u00e4ten und Ressentiments<\/strong> bis 1965 hat Isabelle de Rezende in ihrer Dissertation &#8222;<em>Colonial Visuality: The Visual Production of the &#8218;Tetela&#8216;\u00a0 in the Belgian Congo from Ngongo Leteta to Patrice Lumumba<\/em>&#8220; dargestellt (pdf in drei Teilen illustriert.)<\/h5>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Luc de Heusch und die Tetela (1995)<\/h3>\n<p>\u201eTetela\u201c ist keine prominente Handelsmarke im Gesch\u00e4ft mit afrikanischer Kunst.<\/p>\n<p>Die Ethnologie hat im letzten Jahrhundert nur wenige Schneisen\u00a0 geschlagen, schlagen <u>k\u00f6nnen<\/u>. Vor allem, wenn man bedenkt, was in Zentralafrika an zerst\u00f6rerischen Umw\u00e4lzungen und Deportationen, Aufl\u00f6sung und Umgruppierungen seit dem 19.Jahrhundert ununterbrochen stattgefunden hat.<\/p>\n<p>Afrika-Sammler, die ihre Erwerbungen genau betrachten und ihnen Fragen stellen, geraten schnell auf unwegsames Gel\u00e4nde. Mein langj\u00e4hriger H\u00e4ndler,\u00a0 im Kongo aufgewachsen, versucht mir regelm\u00e4\u00dfig ein wenig vom Charakter der Leute vor Ort vermitteln, mit begrenztem Erfolg. Bei ihm habe ich k\u00fcrzlich zwei stark \u201at\u00e4towierte\u2019 \u201eTetela\u201c-Masken mit volumin\u00f6sen Gesichtern erworben, deren Bild mir aus B\u00fcchern irgendwie bereits vertraut war. Ver\u00f6ffentlichte wissenschaftliche Literatur und Kataloge sind erreichbar, aber ihr &#8218;Licht&#8216;\u00a0 k\u00f6nnte man mit dem entfernter Leuchtfeuer am Meer vergleichen.<\/p>\n<p>Ich habe Gl\u00fcck und treffe auf Luc de Heusch (1927 &#8211; 2012), einen\u00a0 Intellektuellen, Filmk\u00fcnstler und\u00a0 Anthropologen mit weitem Horizont. Laut dem Eintrag in <em>fr.wikipedia <\/em>begann er mit zwanzig Jahren als Assistent des Dokumentarfilmers Henri Storck (&#8222;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PwMP51Bgmoc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mis\u00e8re au Borinage<\/a>&#8220; 1933; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Henri_Storck\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wikipedia<\/a>), studierte ab 1949 mit einem Stipendium der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Universit%C3%A9_libre_de_Bruxelles\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ULB<\/a> (Freie Universit\u00e4t Br\u00fcssel), wo er dann 1955 bis 1992 &#8222;soziokulturelle Anthropologie&#8220; lehrte. Feldforschungen bei den Mongo des Kasai und den Hamba-Tetela folgten. De Heusch wurde zum kritischen Experten der Geschichte Ruandas, und 1996 ver\u00f6ffentlichte er eine zweite filmische Anklage &#8222;Une r\u00e9publique devenue folle (Rwanda 1894-1994)&#8220; .<\/p>\n<p>Der wohl wirklich nur &#8222;anl\u00e4sslich&#8220; der Ausstellung \u201eVerborgene Sch\u00e4tze\u201c im Tervuren-Museum erschienene Sammelband von 1995 richtete sich offensichtlich an Fachkollegen, und er enth\u00e4lt Beitr\u00e4ge von Burkina Faso bis &#8218;Zaire&#8216;. Im Aufsatz von de Heusch ging es vordergr\u00fcndig darum, einen alten und unbeachteten Irrtum \u00fcber die Provenienz\u00a0 von &#8222;Tetela&#8220;-Masken zwingend zu widerlegen, doch er vermittelt eine umfassende Orientierung \u00fcber Geschichte und Kultur einer\u00a0 ganzen Region. Schlie\u00dflich verspricht der Untertitel &#8222;Objekte &#8211; Zeichen Afrikas&#8220; Deutung und Aufkl\u00e4rung. Auch de Heuschs Beitrag tr\u00e4gt einen sperrigen und verr\u00e4tselten Titel (auf Deutsch): &#8222;<em>Sch\u00f6nheit ist anderswo: Einem Urteil \u00fcber Tetela-Masken widersprechen &#8211; Historische und ethnologische Anmerkungen zu den Nkutshu&#8220;<\/em>. Er ist nur auf Englisch erschienen, in keiner der drei Landessprachen Belgiens, die mein H\u00e4ndler mehr oder weniger beherrscht. Ich \u00fcbersetze auch f\u00fcr ihn und seine Familie.<\/p>\n<p>Der weite Zeithorizont und eine cineastische Erz\u00e4hltechnik auf kleinem Raum zwingen mich zur Konzentration auf das f\u00fcr den Laien N\u00fctzliche, abz\u00fcglich des ehrlicherweise nicht wirklich Verstandenen. Zum Beispiel kommt die ethnische Zuordnung der &#8222;Tetela&#8220; zu den\u00a0 &#8222;Mongo&#8220; zu kurz, als Erw\u00e4hnung des mythischen \u201aGro\u00dfvaters\u2019 des anerkannten Stammvaters <em>Ankutshu a Membele<\/em>.<\/p>\n<p>Beginnen wir mit der Eroberungs- und Kolonialgeschichte. de Heusch betitelt sie ironisch , denn das Thema ist alles andere als eine Folge von Anekdoten.\u00a0 &#8211;\u00a0 F\u00fcr eine ganz knappe \u00dcbersicht verweise ich auf Jan Vansina in einem \u00e4lteren Blog &#8222;Die Weissen halten unsere Seelen gefangen&#8220; (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3453\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LI<\/a><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3453\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NK<\/a>).<\/p>\n<div class=\"mceTemp\"><\/div>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201e<em>EIN WENIG KOLONIALGESCHICHTE&#8220;<br \/>\n<\/em><\/h3>\n<h4 style=\"text-align: center;\">\u00c9mile Torday\u00a0 (1910)<strong><br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p>Emile Torday (1875-1931) war ein Pionier der kongolesischen Ethnologie. Anfang des 20. Jahrhunderts zeigte dieser Entdecker ungarischer Herkunft bemerkenswerte Neugier und Respekt f\u00fcr die schwarzen Kulturen, die zu dieser Zeit \u00e4u\u00dferst verachtet wurden.<\/p>\n<p>Torday hielt sich 1900 zum ersten Mal im Kongo auf. Er kehrte als Agent 1904-06\u00a0 f\u00fcr die Handelsfirma <em>Compagnie du Kasai<\/em> in den Kongo zur\u00fcck und ver\u00f6ffentlichte bereits 1905 in der Zeitschrift <em>Man<\/em> (&#8222;<em>Mensch<\/em>&#8222;) eine Notiz \u00fcber die V\u00f6lker am Kwilu. Nach zwei Jahren ertrug er das bedr\u00fcckende Klima des von Wei\u00dfen dominierten Handels nicht mehr und k\u00fcndigte. Er galt als \u201eenglischer Spion\u201c. So war er 1907 wieder in Europa, aber 1909-10 kehrte er mit einem Maler und einem Fotografen in den Kongo zur\u00fcck, erkundete die Weiten s\u00fcdlich des gro\u00dfen Waldes und beschrieb zum ersten Mal die brillante Zivilisation der Bakuba. Bei einer dieser Expeditionen kam er mit den Tetela in Kontakt. F\u00fcr den Artikel de Heuschs boten mehrere im Dorf Tempa (am Sankuru) erworbene Originalmasken, die Torday den <em>Tetela-Sungu<\/em> und nicht <em>Songye-Tempa<\/em> zuschrieb, die auch dort lebten. de Heuschs Auffassung ist wohl heute allgemein anerkannt.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Karte 1<\/h5>\n<div id=\"attachment_14623\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230420_0003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14623\" class=\"size-large wp-image-14623\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230420_0003-900x534.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"371\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230420_0003-900x534.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230420_0003-360x214.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230420_0003-624x370.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230420_0003.jpg 1300w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14623\" class=\"wp-caption-text\">Angepasster Ausschnitt aus: https:\/\/www.viamichelin.fr\/web\/Cartes-plans\/Carte_plan-Republique_democratique _du_Congo\u00a0 &#8211; Ich bitte um Nachsicht f\u00fcr das \u00e4sthetische Ergebnis!<\/p><\/div>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Ngongo<strong> Lutete (1890 &#8211; 1893)<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p>Die Sungu, bei denen Torday 1910 die meiste Zeit \u00fcber wohnte, waren ganz sicher Tetela. Wir sprechen hier jedoch von den s\u00fcdlichsten Tetela. Die Sungu leben im ehemaligen Territorium Lubefu, in der N\u00e4he des administrativen Au\u00dfenpostens von Lusambo, der 1890 am Sankuru-Fluss von Truppen K\u00f6nig Leopolds gegr\u00fcndet wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_14670\" style=\"width: 265px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Vansina-Paths-ch.8-p.241-map-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14670\" class=\"size-medium wp-image-14670\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Vansina-Paths-ch.8-p.241-map-255x360.jpg\" alt=\"\" width=\"255\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Vansina-Paths-ch.8-p.241-map-255x360.jpg 255w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Vansina-Paths-ch.8-p.241-map-636x900.jpg 636w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Vansina-Paths-ch.8-p.241-map-1086x1536.jpg 1086w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Vansina-Paths-ch.8-p.241-map-1448x2048.jpg 1448w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Vansina-Paths-ch.8-p.241-map-624x883.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Vansina-Paths-ch.8-p.241-map-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"auto, (max-width: 255px) 100vw, 255px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14670\" class=\"wp-caption-text\">Vansina Paths ch.8 p.241 map<\/p><\/div>\n<p>Tippu-Tib war damals einer der gr\u00f6\u00dften arabischen Schmuggler, der den Elfenbein- und Sklavenhandel im Hinterland von Sansibar bis zum Lualaba im Herzen Afrikas kontrollierte. Der H\u00e4ndler spielte mit der Idee, auch die Region Lomami bis zu seinem Nebenfluss Lomami zu erobern. Er gab den Auftrag einem seiner schwarzen &#8218;Leutnants&#8216;, Ngongo Lutete. Der errichtete sein Hauptquartier am linken Ufer des Lomami in Ngandu. Von dort stie\u00df er in das Land der Tetela, wohin auch auf die Truppen Leopolds marschierten. Die Tetela kennen ihn unter dem Namen Ngongo Lutete.<\/p>\n<p>Die Herkunft dieses Mannes ist nicht eindeutig. Einige sagen, er sei Songye, andere, er sei Tetela. Die Tetela-Informanten von Th. Turner (1992) behaupten, dass er unter den Songye geboren wurde. Die \u00dcberlieferung der Tetela ist eindeutig: &#8222;Die Arbeit von Ngongo war es, mit Schusswaffen zu t\u00f6ten.&#8220; Nat\u00fcrlich lieferte Tippu-Tib die Waffen diesem Mann, den er als seinen Handlanger und Sklaven ansah.<\/p>\n<p>Als Ngongo Lutete Ger\u00fcchte \u00fcber die Ankunft der Wei\u00dfen in <em>Lusambo<\/em>\u00a0 h\u00f6rte, entschied er , sich auf ihre Seite zu stellen, um von ihnen zu profitieren. Zun\u00e4chst aber wurde er am 18. August 1890\u00a0 mit einer Gewehrsalve empfangen. Er zog sich sofort zur\u00fcck. Offizielles Bedauern \u00fcber diesen Vorfall wurde ausgesprochen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich waren die Anweisungen des amtierenden Generalgouverneurs Coquilhat eindeutig: friedliche Beziehungen zu den traditionellen H\u00e4uptlingen aufzubauen, um \u201eden Weg f\u00fcr den europ\u00e4ischen Handel zu ebnen\u201c. Als sei er ein solcher traditioneller H\u00e4uptling, hatten die Wei\u00dfen keine Bedenken, sich mit dem skrupellosen Eroberer Ngongo zu verb\u00fcnden, so . Vom 2. bis 18. Mai 1891 empfing Ngongo den Kommandanten Delcommune\u00a0 in Ngandu. Als Zeichen der Loyalit\u00e4t flatterte bereits die ihm von Coquilhat geschenkte Flagge K\u00f6nig Leopolds. Drei Wochen sp\u00e4ter ermutigte ihn Bezirkskommissar Francis Dhanis pers\u00f6nlich, sich von Tippu-Tibs Vormundschaft zu befreien und sich &#8222;f\u00fcr die Sache des Freistaates&#8220; einzusetzen. Das rechte Ufer des Lomami stand noch unter arabischer und \u201earabisierter\u201c Herrschaft. An deren Rand hielt Ngongo in Ngandu eine strategische Position. Dhanis hatte den idealen Verb\u00fcndeten f\u00fcr seinen eigenen Machtplan gefunden: \u201eGongo hat das Zeug zu einem Eroberer und Organisator und k\u00f6nnte uns von immensem Nutzen sein, wenn seine Unterwerfung wirklich aufrichtig ist.\u201c<\/p>\n<p>Ngandu wurde ein Vorposten des \u201aKongostaats\u2019: Der belgische Vertreter war ein gewisser Duchesne. Seine Hauptaufgabe war die Organisation einer neuen Art von Sklaverei. Dem \u201aFreistaat\u2019 mangelte es an Arbeitskr\u00e4ften. Die durch den Vormarsch der Wei\u00dfen \u201ebefreiten\u201c Sklaven reichten nicht mehr aus, wie Dhanis am 11. Oktober 1892 seinem Vorgesetzten schrieb. Er bat Ngongo, M\u00e4nner zu ihm nach Lusambo zu schicken. Er sollte f\u00fcr seine Dienste bezahlt werden, und Dhanis legte sogar noch einen Bonus drauf: F\u00fcr jeweils 250 Mann, die auf einmal geliefert wurden, bekam er ein Fass Schie\u00dfpulver.<\/p>\n<p>Mit der tatkr\u00e4ftigen Hilfe von Ngongo Lutete startete Dhanis kurze Zeit sp\u00e4ter den ersten Feldzug gegen die Suaheli-Hilfstruppen von Tippu-Tibs Sohn Muhala zwischen Lomami und Lualaba. Am 4. M\u00e4rz 1893 eroberten sie die Stadt Nyangwe (heute Kindu, <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Kindu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">en.wikipedia<\/a>), die sich laut Dhanis kilometerweit am rechten Ufer des Lualaba erstreckte.<\/p>\n<p>Am 15. Juni 1893 dekorierte Dhanis seinen \u201etreuen Verb\u00fcndeten\u201c mit einer vergoldeten Silbermedaille, aber Ngongo wollte auf jeden Fall die Oberhand behalten. Er hielt alle Gefangenen in seinem St\u00fctzpunkt Ngandu zur\u00fcck. Dhanis erinnerte Duchesne, seinen lokalen Repr\u00e4sentanten schriftlich daran, dass sie &#8222;befreit&#8220; und in den Dienst des \u201aFreistaates\u2019 gestellt werden sollten. \u201eEr muss dazu gebracht werden, Vorteile darin zu sehen, ein friedlicheres Leben zu f\u00fchren und sein Land nicht zu verw\u00fcsten&#8220;. Derselbe Dhanis war aber emp\u00f6rt, zu erfahren, dass Duchesne den Ngongo\u00a0 am 2.9.1893 hatte verhaften lassen. Dieser hatte einen seiner Kumpane, den er des Hochverrats verd\u00e4chtigte, lebendig ins Feuer werfen lassen. Dhanis suspendierte Duchesne von seinem Posten mit der Begr\u00fcndung, er habe \u201eden Verstand verloren\u201c. Eine Befreiung scheiterte, denn Ngongo wurde bereits am 14. September 1893 hingerichtet. In seinem Untersuchungsbericht best\u00e4tigte Bezirkskommissar Gillain &#8222;Grausamkeiten&#8220; des Hingerichteten, aber rechtfertigte sie\u00a0 als &#8222;energische Taten, wie sie von allen afrikanischen Tyrannen begangen werden&#8220;.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Lupaka<strong><br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p>Als Nachfolger von Ngongo Leteta wurde Lupaka eingesetzt, einer seiner \u201aLeutnants\u2019. Schamlos beauftragte ihn der \u201aFreistaat\u2019 mit der Eroberung des weiten unbekannten Norden des Tetela-Landes vom Tshuapa bis zum oberen Lukenye. Lupaka bekam die Vollmacht, das vom Freistaat verlangte Elfenbein und Kautschuk in Form von Steuern von der lokalen Bev\u00f6lkerung einzutreiben. Bis 1904 wurde er als \u201eder H\u00e4uptling des Wei\u00dfen Mannes\u201c angesehen, dann zwangen seine offensichtlichen Gewaltexzesse seine Herren, ihn zu verhaften. Er wurde nach Lusambo am Sankuru verbannt, aber mit der gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen R\u00fccksicht behandelt. Er war schlie\u00dflich \u201eObjekt ganz besonderer Achtung, die er in seiner so wichtigen Funktion als H\u00e4uptling, von der er gerade entlassen wurde, so reich verdient hat\u201c (Schreiben vom 23. Mai 1904, Territorialarchiv von Katako-Kombe,).<\/p>\n<p>Zum belgischen Kolonialbeamten Francis Dhanis\u00a0 steht aktuell noch ein Beitrag im Netz, der mir sehr schmeichelhaft erscheint. (<a href=\"https:\/\/archives.africamuseum.be\/agents\/people\/5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AfricaMuseum Archives<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eTraditionelle H\u00e4uptlinge\u201c<\/strong><\/h4>\n<p>Das Dekret vom 6. Oktober 1891, das den Gebietsverwaltern auferlegte, direkt mit den traditionellen indigenen Beh\u00f6rden zu verhandeln, war in der Region ganz offensichtlich nie befolgt worden. Auf der Grundlage eines weiteren Dekrets (3. Juni 1906) sollte jedes \u201eChiefdom\u201c zur administrativen Unterabteilung des Freistaats werden, ohne Erfolg.<\/p>\n<p>De Heuschs Nachforschungen zeigen, dass viele traditionelle H\u00e4uptlinge die Vorstellung, der Handlanger des Wei\u00dfen Mannes zu sein, absto\u00dfend fanden und an ihrer Stelle einen Strohmann mit dem Titel \u201eKapita\u201c ernannten, wenn der legitime H\u00e4uptling nicht \u00fcberhaupt \u201ein den Tiefen des Busches\u201c Zuflucht suchte. Dies lie\u00df das Feld f\u00fcr zahlreiche Opportunisten offen, die den Einfluss zu nutzen konnten, den sie w\u00e4hrend der \u00c4ra Lupaka erlangten, wie Dimandja Luhaka betont. In der Liste der H\u00e4uptlinge, die 1907 im Katako-Kombe-Territorium eingesetzt wurden (zu der Zeit geh\u00f6rte auch das von Lubefu), kamen sechs Sambala und ein pensionierter Soldat auf jeweils f\u00fcnf Einheimische\u201c.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem war die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Zersplitterung der traditionellen Tetela eine schlechte Basis, um politische Einheiten auf einer traditionellen Grundlage aufzubauen. 1935 bildeten sie ein echtes Mosaik.<\/p>\n<p>Ein neuer Erlass (5. Dezember 1933) errichtete in der gesamten Kolonie &#8211; neben den homogenen \u201eH\u00e4uptlingsherrschaften\u201c &#8211; ein System von \u201eSektoren\u201c. Seit 1935 bereiteten ethnographische Untersuchungen im ehemaligen Katako-Kombe-Territorium die 1945 durchgef\u00fchrte Neugliederung in \u201eSektoren\u201c vor, ohne viele langj\u00e4hrige Gegens\u00e4tze zu beenden. Mit dem Posten eines (180) \u201eautochthonen\u201c Sektorchefs wurden \u201ef\u00fcr Dienste belohnt, die sie den katholischen Missionaren oder der Kolonialverwaltung als Gerichtsschreiber, Soldaten der Force Publique oder B\u00fcrodiener leisteten\u201c (ldem, S. 273).<\/p>\n<p>De Heusch hat sich \u00fcber ein sp\u00e4tes Beispiel besonders aufgeregt:<\/p>\n<p>\u201eDer gro\u00dfe H\u00e4uptling Kokolomami, einer meiner wichtigsten Informanten und unbestreitbarer \u00c4ltester aller Yenge , sicherlich die st\u00e4rkste moralische Autorit\u00e4t in der Region, wurde von der Kolonialverwaltung nicht zum H\u00e4uptling des Ukulungu-Sektors ernannt wurde, weil er dem Bischofs von Tshumbe Sainte Marie nicht gehorcht hatte, auf die erweiterte Polygamie zu verzichten, eines der Fundamente der Autorit\u00e4t eines traditionellen H\u00e4uptlings. F\u00fcr ihn war Kokolomani damals \u201eder h\u00f6chstqualifizierte Bewahrer m\u00fcndlicher \u00dcberlieferungen\u201c.<\/p>\n<p>Die Entscheidung war typisch und widersprach der von Belgien behaupteten \u201aindirekten Herrschaft\u2019 , vielmehr erinnert sie an eine pr\u00e4gnante Definition: \u201eDer Kongo, diese beeindruckende wirtschaftliche, soziale und politische Festung, die von der Welt abgeschnitten war, wurde von einer inoffiziellen dreigliedrigen Organisation: \u201eStaat, Kirche und Wirtschaft\u201c regiert\u201c. (Merriam 1961)<\/p>\n<p>Diese seit langem aus der offiziellen Erz\u00e4hlung von der &#8218;zivilisatorischen Mission&#8216; gel\u00f6schte Seite der Kolonialgeschichte wurde de Heusch gegen\u00fcber von einem belgischen Pr\u00e4laten mit dem Sprichwort zusammengefasst: \u201eMan kann kein Omelett machen, ohne Eier zu zerschlagen\u201c. Dieses &#8218;Omelett&#8216; nannte Leopold II. am liebsten \u201ece magnifique gateau Africain\u201c \/dieser wunderbare afrikanische Kuchen\/ (Stengers, 1988).\u00a0\u00a0 (180)<\/p>\n<p>Es waren \u00fcbrigens Lupakas Pl\u00fcndererbanden, die den ungl\u00fccklichen Tetela den Ruf einbrachten, brutale Krieger zu sein, dabei waren sie tats\u00e4chlich die Opfer. Denn \u00fcberall wurden Tetela-M\u00e4nner von Lupaka und seinen Stellvertretern in den Dienst dieser Banden gepresst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Die Namen\u00a0 TETELA, SAMBALA und HAMBA<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Alle Quellen de Heuschs \u201estimmen darin \u00fcberein, dass der Name Tetela <u>vor<\/u> diesen brutalen \u00dcberf\u00e4llen in der Region <u>unbekannt <\/u>war. Es wurden mehrere Etymologien (Entstehungsgeschichten) f\u00fcr den Namen vorgeschlagen, die alle gleicherma\u00dfen zweifelhaft sind.<\/p>\n<p>Einer, den er geh\u00f6rt hat, basiert auf einem Wortspiel. Es spielt darauf an, dass die Autochtonen (Alteingesessenen) von Panik ergriffen wurden, als sie die Sch\u00fctzenkommandos von Ngongo und Lupaka sahen. Nach dieser Interpretation leitet sich Tetela von <em>nteta<\/em> ab, was \u201estockstill vor Schreck\u201c bedeutet (Hagendorens, 1975).<\/p>\n<p>Torday behauptet, dass die Olemba (eine Gruppe von im Wald lebenden Tetela) den Namen auf das h\u00f6chste Wesen beziehen unter dem Namen <em>Matetela<\/em> (&#8222;Er, der nicht lacht&#8220; oder &#8222;Er, der nicht lachen kann&#8220;) (Torday &amp; Joyce, 1922, S.71). Es gebe, erwidert der Heusch, viele Bezeichnungen f\u00fcr den himmlischen Sch\u00f6pfer, aber er den habe er noch nie geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Sogar die Art und Weise, wie der Begriff <em>Tetela<\/em> verwendet wird, ist widerspr\u00fcchlich. In der Umgebung der von Lupakas Helfern\u00a0 gegr\u00fcndeten Au\u00dfenposten Lodja*, Lomela* und Kole* (*Siehe Karte 1), werden die Abk\u00f6mmlinge der Eindringlinge mit <em>Tetela <\/em>bezeichnet. In Katako-Kombe* und Lubefu*\u00a0 hingegen sind es die Einheimischen, die den Namen <em>Tetela<\/em> tragen. Die Nachkommen der Eindringlinge sind unter dem Namen <em>Sambala<\/em> bekannt, der sich zwingend vom Suaheli-Verb <em>Kusumbala<\/em> &#8211; &#8222;ausbreiten, zerstreuen&#8220; &#8211; ableitet und auf ihre brutale Angriffsart anspielt.<\/p>\n<p>Der Tetela-Historiker Dimandja Luhaka\u00a0 schrieb 1974, dass der Nachname <em>Tetela<\/em> zuerst den <em>Sambala<\/em> gegeben wurde, die Hilfskr\u00e4fte von Leopolds &#8218;Freistaat&#8216; waren, und dann auf die von ihnen beherrschten Bewohner der Ebenen ausgedehnt wurde. Die Menschen des Waldes andererseits wurden als <em>Hamba<\/em> bezeichnet. Das erkl\u00e4rt, warum in den Waldregionen Lodja*, Lomela* und Kole* der Begriff<em> Tetela<\/em> den anderswo als <em>Sambala<\/em> bekannten Gruppen vorbehalten ist.<\/p>\n<p>Jean-Luc Vellut kommt 1984 zu dem Schluss, dass <em>Tetela<\/em> \u201eein Allzweckbegriff ist, der im weitesten Sinne die V\u00f6lker bezeichnet, die unter den Bannern der Kriegsherren sowohl \u00f6stlich als auch westlich des Lomami sowie auf beiden Seiten der Grenze von Waldes und Savanne unterworfen wurden. &#8220; ( Informationen zu &#8218;Wald&#8216; und &#8218;Savanne&#8216; im letzten Absatz).<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Die vorkolonialen\u00a0 Tetela oder Ankutshu und ihre Genealogie<\/h2>\n<p>Aber welche Geschichte hatten \u201adie Tetela\u2019 <u>vor<\/u> ihrer brutalen Unterwerfung durch Ngongo Leteta und Lupaka? Sie waren\u201e<em>Ankutshu<\/em>\u201c, verbunden durch eine gemeinsame patrilineare Genealogie (\u201aStammbaum\u2019). Ich w\u00e4hle die Form einer gestrafften Nacherz\u00e4hlung.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Mehrheit der Bev\u00f6lkerung des alten Sankuru-Distrikts (damals etwa 300.000 Menschen), betrachtete sich als <strong>Ankutshu a Membele<\/strong>. Die verschiedenen Genealogien, die de Heusch 1953\/54 in umfassenden Untersuchungen zusammengetragen hat, belegen das.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnder des gewaltigen System einer Erbfolge in v\u00e4terlicher Linie wurde &#8211; nach m\u00fcndlicher \u00dcberlieferung &#8211; vor etwa f\u00fcnfzehn Generationen war Stammvater <em>Ankutshu a Membele<\/em>, der Enkel von <em>Mongo<\/em>. Die gemeinsame patrilineare Genealogie ist der einzigartige Faktor der ethnischen Integration f\u00fcr eine Vielzahl kleiner Gemeinschaften, die selbst wieder aus mehr oder weniger autonomen Segmenten der Abstammungslinien bestehen. Man mag von\u00a0 &#8218;St\u00e4mmen&#8216;, &#8218;Unterst\u00e4mmen&#8216; oder &#8218;H\u00e4uptlingsherrschaften&#8216; sprechen, denn die Zahl der Mitglieder dieser traditionell unabh\u00e4ngigen Gemeinschaften variiert zwischen mehreren Hundert und Tausenden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230420_0004.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-14625 alignright\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230420_0004-360x304.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"304\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230420_0004-360x304.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230420_0004-900x761.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230420_0004-624x527.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230420_0004.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a>Das handelte sich nat\u00fcrlich um eine &#8218;ideologische Konstruktion&#8216;, aber sie erm\u00f6glichte die Integration ganz unterschiedlicher Gruppen &#8222;in ein gemeinsames System politischen Denkens, das unserer Vorstellung von Staat oder K\u00f6nigreich total fremd ist&#8220;.<\/p>\n<p>Der Aufsatz enth\u00e4lt ein \u00fcbersichtliches Diagramm der Abstammungslinien. Die ethnische Verteilung war naturgem\u00e4\u00df viel verwickelter. Teilweise sind die Wanderungen der <em>Ndovu, Ngandu und Watambuli<\/em>, erst recht aber die Zuordnung von Gruppen zu einem der drei gro\u00dfen Zweige unter Wissenschaftlern strittig.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Wanderung und geografische Verteilung seit Ankutshu a Membele<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_14640\" style=\"width: 226px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Bildschirmfoto-2023-04-08-um-18.50.17-1-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14640\" class=\"wp-image-14640 \" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Bildschirmfoto-2023-04-08-um-18.50.17-1-1-360x160.png\" alt=\"\" width=\"216\" height=\"96\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Bildschirmfoto-2023-04-08-um-18.50.17-1-1-360x160.png 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Bildschirmfoto-2023-04-08-um-18.50.17-1-1.png 442w\" sizes=\"auto, (max-width: 216px) 100vw, 216px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14640\" class=\"wp-caption-text\">Bitte anklicken!<\/p><\/div>\n<p><strong>Die Karte 2<\/strong> (S.185) markiert die wichtigsten Gruppen in ihrem heutigen Siedlungsgebiet mit &#8211; nach ihrer genealogischen Zugeh\u00f6rigkeit &#8211; mit unterschiedlichen Farben :\u00a0 <strong><span style=\"color: #3366ff;\">Blau<\/span><\/strong> f\u00fcr die Abk\u00f6mmlinge des NDJOVU, <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Rot<\/span><\/strong> f\u00fcr die des NGANDU und <span style=\"color: #ff00ff;\"><span style=\"color: #993366;\"><strong>Violett<\/strong><\/span><span style=\"color: #333333;\"> f\u00fcr die des WATAMBULI.<\/span><\/span><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230419_0002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-14619\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230419_0002-900x830.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"576\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230419_0002-900x830.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230419_0002-360x332.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230419_0002-624x576.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230419_0002.jpg 1301w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nun zu den Wanderungen, die in die Genealogie eingegangen sind, beginnend mit <em>Ankutshu a Membele<\/em>, der mit seinen Leuten auf Fl\u00f6\u00dfen den Lomami hoch im Norden vor seiner M\u00fcndung in den Lualaba\u00a0 \u00fcberquert haben soll. Die weitere Wanderung nach S\u00fcden ging wohl schnell vonstatten, denn zum Bruch zwischen zwei S\u00f6hnen kam es bereits in Katako-Kombe, wo heute einer der beiden Haine einen Fluch tr\u00e4gt: Hier versammeln sich alle Hexen der Region, um ihre finsteren Pl\u00e4ne zu sch\u00fcren. Damals zerstritten sich <span style=\"color: #3366ff;\"><strong><em>Ndjovu<\/em><\/strong> <\/span>und <strong><span style=\"color: #ff0000;\"><em>Ngandu<\/em><\/span><\/strong> wegen der Jagdrechte. Die <span style=\"color: #3366ff;\"><em><strong>Ndjovu<\/strong><\/em><\/span> kehrten nach Osten zum Lomami zur\u00fcck, dessen Lauf sie nach Norden folgten, bis sie sich wieder nach Westen wandten und tief in die feuchte Waldzone eindrangen, die fast die gesamte Gegend um Lodja bedeckt. Zu beiden Seiten des Lukenye finden wir die <span style=\"color: #3366ff;\"><em>Kondo<\/em><\/span>, die <span style=\"color: #3366ff;\"><em>Lukfungu<\/em><\/span> und die <span style=\"color: #3366ff;\"><em>Lutshimba<\/em><\/span>. Anschlie\u00dfend zogen die Nachkommen von <span style=\"color: #3366ff;\"><em>Luwidi<\/em><\/span>, einem von <span style=\"color: #3366ff;\"><em>Ndjovus<\/em><\/span> S\u00f6hnen, nach S\u00fcden in Richtung der Savanne, <span style=\"color: #333333;\">die s<\/span>ie bei Enyamba erblickten. Unterwegs besiedelten zuerst die <span style=\"color: #3366ff;\"><em>Nkoy a Mpungu<\/em> <\/span>und die <span style=\"color: #3366ff;\"><em>Luwima<\/em><\/span>, dann die <span style=\"color: #3366ff;\"><em>Nkoy<\/em><\/span> ihr Stammland im ehemaligen Territorium von Katako-Kombe und Lubefu. Nur die <span style=\"color: #3366ff;\"><em>Sungu<\/em> <\/span>\u00fcberquerten den Lubefu und lie\u00dfen sich am S\u00fcdufer nieder. Dort traf Torday auf sie. Weiter s\u00fcdlich in Tempa angrenzend an das Land der Songye, aus dem Ngongo Lutete stammte, erwarb er dann zwei Masken, die er f\u00fcr \u201e<em>Sungu<\/em>\u201c hielt. Das wird Thema eines eigenen Blogs.<\/p>\n<p>Mehr Zusammenhalt scheinen die <span style=\"color: #993366;\"><strong><em>Watambuli<\/em><\/strong><\/span> bewahrt zu haben: Zwischen den <span style=\"color: #993366;\"><em>Yenge<\/em><\/span> und den <span style=\"color: #993366;\"><em>Kulumbi<\/em><\/span>, deren namensgebende Vorfahren Zwillinge waren, sind die Bindungen besonders eng, wie auch zwischen den Yenge und den <span style=\"color: #993366;\"><em>Ewango<\/em><\/span>, die auf dem Land der <em>Yenge<\/em> sogar frei jagen d\u00fcrfen. &#8211; Dabei m\u00f6chte ich die Nacherz\u00e4hlung der Wanderungen belassen.<\/p>\n<p>de Heuschs Bilanz (187-188) m\u00f6chte ich Ihnen aber nicht vorenthalten:<\/p>\n<p>&#8222;Man kann auch beobachten, dass eine gewisse Zahl kleiner \u00fcber die ganze <em>Nkutshu-<\/em>-Zone verstreuten Gemeinschaften nicht in die Genealogie der <em>Onkutshu a Membele<\/em> aufgenommen worden sind, obwohl sie sich selbst als Abk\u00f6mmlinge des gemeinsamen Ahnen\u00a0 <em>Mongo<\/em> betrachten, insbesondere die <em>Losa<\/em> (Katako-Kombe), die <em>Okale<\/em> (Lomela) und die <em>Shienga<\/em> (Lodja). All dies unterstreicht die bemerkenswerte historische Komplexit\u00e4t hinter der Besiedlung des Distrikts von Sankuru mit einer nicht weniger bemerkenswerten sprachlichen und kulturellen Einheit.&#8220;<\/p>\n<p><em>de Heusch f\u00e4hrt dann fort: &#8222;<\/em>Ebenso auff\u00e4llig ist die extreme politische Zersplitterung dieser <em>Tetela-Hamba-<\/em>Gemeinschaften. Die <span style=\"color: #800080;\">Yenge<\/span> unter den <strong><span style=\"color: #800080;\">Watambulu<\/span><\/strong> und die <span style=\"color: #ff0000;\">Mondja<\/span> unter den <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Ngandu<\/span><\/strong> haben sich beide in mehrere autonome Gruppen aufgespalten, nachdem es zu internen Streitigkeiten um das jeweilige \u201aDienstalter\u2019 der Vorfahren der verschiedenen Linien gekommen war. Dennoch stellen wir fest, dass sich die am besten strukturierten Chefferies in der Savanne befinden. Dies ist bei den <span style=\"color: #800080;\">Yenge<\/span> der Fall, wo mehrere H\u00e4uptlinge h\u00f6chster Abstammung die nominelle Autorit\u00e4t des \u00c4ltesten unter ihnen, H\u00e4uptling Kokolomami, anerkennen. Konflikte zwischen \u00e4lteren Linien und j\u00fcngeren Linien sind dennoch endemisch, weil der H\u00e4uptling jeder Linie in der Lage ist, mit den \u00c4ltesten durch ostentative Demonstrationen von Gro\u00dfz\u00fcgigkeit zu konkurrieren (de Heusch, 1954 a). Es ist nicht schwer zu verstehen, warum unter den <strong>Hamba<\/strong>, deren Abstammungssystem das gleiche ist wie das der<strong> Tetela<\/strong>, eine geschlossene hierarchische Vereinigung entstanden ist, die ausschlie\u00dflich auf Reichtum \u2013 und nicht auf Seniorit\u00e4t \u2013 gegr\u00fcndet ist. Im Rahmen dieser neuen politischen Struktur geh\u00f6rt das Leopardenfell nicht dem Stammesoberhaupt, sondern den Mitgliedern mit den h\u00f6chsten R\u00e4ngen innerhalb der Bruderschaft&#8220;. (188)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Solche politischen Verh\u00e4ltnisse werden fachsprachlich als &#8222;akephal&#8220; beschrieben, schon weil man zum Beispiel im Deutschen &#8222;kopflos&#8220; spontan mit &#8222;aufgrund von Verwirrung, \u00dcberraschung o. \u00c4. unf\u00e4hig, einen klaren Gedanken zu fassen, sinnvoll zu handeln&#8220; oder &#8222;headless&#8220; mit &#8222;<span class=\"MtFg0\" lang=\"en\" tabindex=\"0\" role=\"button\" data-term-type=\"sl\" data-sl=\"en\" data-tl=\"de\">panicky<\/span><span aria-hidden=\"true\">, <\/span><span class=\"MtFg0\" lang=\"en\" tabindex=\"0\" role=\"button\" data-term-type=\"sl\" data-sl=\"en\" data-tl=\"de\">unreasoning&#8220;\u00a0 assoziiert (&#8222;Google Translate&#8220;). Doch unter dem Aspekt der Stabilit\u00e4t oder Resilienz gegen\u00fcber Aggressoren hat sich dies &#8222;gemeinsame System politischen Denkens, das unserer Vorstellung von Staat oder K\u00f6nigreich total fremd ist&#8220; ( de Heusch, oben neben\u00a0 dem Diagramm des &#8218;Stammbaums&#8216;) als katatrophale Schw\u00e4che erwiesen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Im Aufsatz (wie auf der Karte) werden benachbarte Ethnien wie die Nkutshu, <strong><span style=\"color: #808080;\"><span style=\"color: #99cc00;\">Songye<\/span>, Kusu,<\/span> <span style=\"color: #99cc00;\">DJonga<\/span><\/strong> und <strong><span style=\"color: #808080;\">Mbole<\/span><\/strong> mehr oder weniger ausf\u00fchrlich mit Tetela und Hamba in Beziehung gesetzt. Sie stehen aber f\u00fcr un\u00fcbersehbar viele Kontakte und Einfl\u00fcsse w\u00e4hrend der langen Siedlungs- und Wanderungsgeschichte Zentralafrikas. Und die resultierten \u2013 das ist auch f\u00fcr\u00a0 Kunstsammler relevant \u2013 nicht nur in politischen und sozialen sondern auch in kultischen und \u00e4sthetischen Kontakten.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eMenschen der Ebene\u201c und \u201eWaldmenschen\u201c\u00a0 <em>Tetela <\/em>und<em> Hamba<\/em><\/h3>\n<div id=\"attachment_14619\" style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230419_0002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14619\" class=\"size-thumbnail wp-image-14619\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_20230419_0002-170x150.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14619\" class=\"wp-caption-text\">zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken!<\/p><\/div>\n<p>(F\u00fcr das folgende Kapitel sind\u00a0 Karte 2 und die Farben ein weiteres Mal n\u00fctzlich. )<\/p>\n<p>Die Wanderungen finden in zwei gegens\u00e4tzlichen Landschaften statt. Als die <em>Ankutshu a Membele<\/em> den Lomami nach Westen \u00fcberqueren, entdecken sie eine bewaldete Savanne entlang einer wichtigen Wasserscheide. Der in der N\u00e4he von Katako-Kombe entspringende Lukenye flie\u00dft nach Westen und nach einem sehr langen Lauf in den Unterlauf des Kongo, die Fl\u00fcsse Lutembo und Lunya nach Osten in den Lomami, und der m\u00fcndet in den Mittellauf des Kongo, den Lualaba. Die Hochebene bildet eine Art Tasche und ist der offene Lebensraum der <span style=\"color: #800080;\"><em>Yenge<\/em><\/span>, der<span style=\"color: #800080;\"><em> Ewango<\/em><\/span>, der <em><span style=\"color: #ff0000;\">Opombo<\/span><\/em>, der <em><span style=\"color: #ff0000;\">Mondja<\/span><\/em> und der <span style=\"color: #3366ff;\"><em>Sungu<\/em>.<\/span> Hier setzt sich die sandige S\u00fcdsavanne fort, die sich bis in den S\u00fcden des Kasai erstreckt. Diese \u201eMenschen der Ebene\u201c (<em>ase oswe<\/em>), die nach der Ankunft der <em>Sambala<\/em>-Eroberer <em><strong>Tetela <\/strong><\/em>genannt werden, ziehen ihre oberen Schneidez\u00e4hne. Darin unterscheiden sie sich von den \u201eWaldmenschen\u201c (<em>ase okundu<\/em>), <em><strong>Hamba<\/strong><\/em> genannt, die sie bis spitz abfeilen.<\/p>\n<div id=\"attachment_14740\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Kole-Sankuru-Seen-Wald-Ueberblick.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14740\" class=\"size-medium wp-image-14740\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Kole-Sankuru-Seen-Wald-Ueberblick-360x213.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"213\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Kole-Sankuru-Seen-Wald-Ueberblick-360x213.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Kole-Sankuru-Seen-Wald-Ueberblick.jpg 592w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14740\" class=\"wp-caption-text\">Waldgrenze vom Atlantik zu den Gro\u00dfen Seen auf der H\u00f6he von Sankuru am Lukenye-Fluss. Google maps<\/p><\/div>\n<p>Ein Tetela-Informant de Heuschs brachte den Beinamen <em>Hamba <\/em>in Verbindung mit der \u00fcblichen Bezeichnung <em>Dihamba<\/em> (Plural <em>Ahamba<\/em>) f\u00fcr eine zeitweise Behausung von J\u00e4gern und Fischern weit entfernt vom Dorf. In der Tat k\u00f6nnte es sehr gut sein, dass der Name Hamba &#8211; der nichts Ethnisches an sich hat &#8211; etwas mit den verstreuten Lebensr\u00e4umen der Waldmenschen zu tun hat, im Gegensatz zu verbreiteten Getreideanbau in der Savanne. Der Beiname <em>Hamba<\/em> wird vor allem den Bewohnern des n\u00f6rdlich des Lukenye gelegenen dichten Regenwaldes mit gro\u00dfer Artenvielfalt, \u00fcppiger Vegetation und tropischem Klima gegeben. Einige von ihnen lehnen die Bezeichnung jedoch ab. S\u00fcdlich des Lukenye erhebt sich ein Waldmassiv, das entlang der Kammlinien von Savannen durchsetzt ist.<\/p>\n<p>Die<em> Ankutshu a Membele<\/em> sind sich alle zwar der Zugeh\u00f6rigkeit zu <u>einer<\/u> ethnischen Gruppe bewusst, die von einem angeblich gemeinsamen Vorfahren abstammt. Doch die Unterschiede in Sitten und Essgewohnheiten zwischen den <em>Tetela<\/em> und den <em>Hamba<\/em> sind gro\u00df genug, um den <span style=\"color: #993366;\"><em>Yenge<\/em><\/span>, den <em>Tetela<\/em> der Savanne, ein Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit zu vermitteln. Die <em>Hamba<\/em> des Waldes haben ihre Treue zu traditioneller Kleidung aus Bast bewahrt (der Ohako-Lendenschurz f\u00fcr die M\u00e4nner, der Faserrock f\u00fcr die Frauen), w\u00e4hrend die <em>Tetela<\/em> europ\u00e4ische Kleidung angenommen haben. Daher die Abwertung der einen in den Augen der anderen, die sie als \u201eschmutzig\u201c und \u201erachs\u00fcchtig\u201c ansehen. Die <em>Hamba<\/em> essen ged\u00e4mpfte Kassava-Paste, Maniok, Lebensmittel, die die &#8222;zivilisierten&#8220; Tetela als erniedrigend ansehen, w\u00e4hrend das Grundnahrungsmittel der Savannen traditionell Hirse, Hirse und neuerdings auch Reis ist. Nat\u00fcrlich kann Hirse in der extremen Feuchtigkeit des Waldes nicht wachsen.<\/p>\n<p>Zwei Jahrzehnte sp\u00e4ter best\u00e4tigt mir mein H\u00e4ndler und Gew\u00e4hrsmann de Heuschs zur\u00fcckhaltend formulierte\u00a0 (\u201eHier ist nicht der Ort&#8230;.\u201c) Feststellungen, aber er l\u00e4sst auch die Gegenseite zu Wort kommen: \u201aDie Kassava\u2019 macht uns stark\u2019. Er selber hat den Maniokbrei selten und nur ungern probiert.<\/p>\n<p>Wer in den feuchten, dichten W\u00e4ldern der Region leben wollte, entdeckte f\u00fcr sich diese Nahrungsquelle. Wie dem auch sei, das Getreide motivierte die Bindung der <span style=\"color: #800080;\"><em>Yenge<\/em><\/span> an die Savanne, wenn wir ihren eigenen Berichten Glauben schenken d\u00fcrfen, und veranlasste sie, den Wald strikt zu meiden, anders als verwandte Gruppen auch aus ihrer<em><span style=\"color: #800080;\"><strong> Watambuli<\/strong><\/span>&#8211;<\/em>Linie. Die sogenannten <em>Hamba<\/em> lockt hingegen die Liebe zur Jagd in den Wald. Tats\u00e4chlich ist Wild ist in der Savanne tats\u00e4chlich viel schwerer zu erjagen. Es waren anscheinend vor allem die <span style=\"color: #3366ff;\"><strong><em>Ndjovu<\/em><\/strong><\/span>, die als erste in die W\u00e4lder des Nordens und Westens zogen. Nur einige von ihnen &#8211; insbesondere die <span style=\"color: #3366ff;\"><em>Sungu<\/em><\/span> &#8211; fanden sich am Ende einer langen Wanderung mitten in der Savanne wieder. Die <em><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Ngandu<\/span><\/strong><\/em> und die <span style=\"color: #800080;\"><em><strong>Watambuli<\/strong><\/em><\/span> verteilen sich auf beide Vegetationszonen. So leben einige der <span style=\"color: #3366ff;\"><em>Otitu<\/em> <\/span>der <em>Watambuli<\/em> in der Savanne als <strong><em>Tetela<\/em><\/strong>, w\u00e4hrend andere tief im Wald leben.<\/p>\n<div id=\"attachment_14664\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_0104.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14664\" class=\"size-large wp-image-14664\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_0104-900x641.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"445\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_0104-900x641.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_0104-360x257.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_0104-1536x1094.jpg 1536w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_0104-624x445.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_0104.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14664\" class=\"wp-caption-text\">de Heusch &#8211; Objects Signs of Africa pp.182-83 &#8211; Hamba-Dorf, Katako-Kombe Territorium 1980er Jahre<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 27. APRIL 2023 18.00.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 DRUCK 11 SEITEN\/94%\u00a0 Das Katalogbuch \u201eObjects \u2013 Signs of Africa\u201c anl\u00e4sslich der Ausstellung \u201eHidden Treasures\u201c im Royal Museum &#8230;.Tervuren. Edited by Luc des Heusch,Snoek-Ducaju &amp; Zoon 1995 , S. 175-205 de Heuschs Aufsatz tr\u00e4gt den sperrigen Titel: Beauty is elsewhere: Returning a verdict on Tetela masks &#8211; Historical and ethnological [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[248,251],"tags":[],"class_list":["post-14617","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kongobecken-mongo-ituri","category-kongo-ins-herz-der-finsternis"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14617","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14617"}],"version-history":[{"count":23,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14617\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16523,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14617\/revisions\/16523"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14617"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14617"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14617"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}