{"id":14286,"date":"2022-12-13T15:53:34","date_gmt":"2022-12-13T14:53:34","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=14286"},"modified":"2022-12-16T18:23:08","modified_gmt":"2022-12-16T17:23:08","slug":"grosse-figur-aus-dem-ubangi-ngbaka-im-vergleich-mit-zwei-kleineren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=14286","title":{"rendered":"Grosse Figur aus dem &#8222;Ubangi&#8220; (Ngbaka) im Vergleich. S\u00e8t\u00f2 und N\u00e0bo."},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_14287\" style=\"width: 334px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7990.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14287\" class=\"wp-image-14287\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7990-254x360.jpg\" alt=\"\" width=\"324\" height=\"460\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7990-254x360.jpg 254w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7990-634x900.jpg 634w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7990-624x886.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7990.jpg 845w\" sizes=\"auto, (max-width: 324px) 100vw, 324px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14287\" class=\"wp-caption-text\">Die linke Figur hat als S\u00e8t\u00f2 bereits seit 2019 einen Beitrag <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10762\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>) &#8211; Alle Fotos\u00a0 c Gv<\/p><\/div>\n<p>Die auf dem Bild zentrale, fast 53 cm gro\u00dfe Figur mit der konzentrierten Kraft einer kleinen <em>Yanda<\/em> der <em>Mani<\/em>-Vereinigungen! (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2663\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a> zum Beitrag\u00a0 von 2014). Sie sind in der Region ebenso pr\u00e4sent wie der lange Einfluss der Azande.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne Gl\u00e4ttung und diskrete Ausarbeitung von bezeichnenden Details wie : Bohnenaugen, angedeutete Nasent\u00e4towierung, Nasenspitze und Mund, Br\u00fcstchen, Nabel, Arme und\u00a0 Kerbungen an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen. Helle Patina, schwarz hervorgehobene schlichte Frisur \u00fcber hoher Stirn. Kupferohrringe (2,2cm Durchmesser). F\u00fcr meine Reihe &#8218;langer Kerls&#8216; neben dem Bett geeignet und f\u00fcr eine Ausstellung! Fester Stand.<\/p>\n<p>Die so enge formale Verwandtschaft der Drei war mir nicht auf den ersten Blick erkennbar.\u00a0 Sie lehrt uns, genauer hinzuschauen.<!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Beschreibung der Zentralfigur:<\/strong><\/h3>\n<p><u>Angenehme Ausstrahlung<\/u>. Konzentrierter Ausdruck der betonten Augenlider, sich nach vorn weit \u00f6ffnenden Ohrmuscheln, \u00fcber die entspannte Haltung einschlie\u00dflich der Arme und Beine, Bereitschaft zur Bewegung, aber nicht \u00fcbertrieben. Der Kopf ist oben birnenf\u00f6rmig, die Stirn vorgew\u00f6lbt und geht bruchlos in die von einem d\u00fcnnen Nasenr\u00fccken gebildeten Gesichtsh\u00e4lften \u00fcber. Auf ihm sind zehn\u00a0 Schmucknarben durch Ritzung nur angedeutet. Nasenspitze und Mund folgen als zwei weitere Ritzungen. Die nach innen gew\u00f6lbten &#8218;konkaven&#8216; Wangen gehen in Fl\u00fcgelohren \u00fcber. Die vier Ohrringe sind aus Kupfer. Der Unterkiefer ist sehr kurz und sehr breit. Der Hals ist gut 7 cm im Durchmesser , aber kaum h\u00f6her als 1 cm, immerhin genug f\u00fcr einen &#8211; hier fehlenden &#8211; Halsschmuck. Die fast kindlich wirkenden Br\u00fcste sind als Kegelchen hervorgehoben.<\/p>\n<p>Die starken H\u00fcften w\u00f6lben sich nach au\u00dfen. Die kr\u00e4ftigen Beine sind leicht gebeugt, aktiv wie \u00fcblich. Zwischen ihnen ist viel Platz. Ein Venush\u00fcgel bildet nach unten ein Dreieck. Die darauf eingekerbte Spalte ist mandelf\u00f6rmig. Kr\u00e4ftige F\u00fc\u00dfe mit hohem Spann stehen parallel und haben f\u00fcnf gleichm\u00e4\u00dfig eingekerbte Zehen. Der Stand ist sicher.<\/p>\n<p>Die Wirkung beim Drehen der Figur bleibt auf der gesamten Vorderfront optimal. Die Figur steht leicht schief, nach rechts und zeigt die bekannte leicht nach vorn gebeugte aktive Haltung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7974.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-14297\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7974-170x150.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"150\" \/><\/a>Auch im <u>Profil <\/u>dominieren &#8211; bis auf Gesicht und Ohren &#8211; nach au\u00dfen gew\u00f6lbte (konvexe) runde Formen. Angesetzte d\u00fcnne, leicht gebogene Arme liegen zur H\u00e4lfte an und enden auf H\u00f6he des kegelf\u00f6rmigen Nabels in flachen, au\u00dfen eingeritzten H\u00e4nden. Ein Minimum an formaler Spannung\u00a0 stellen angedeutete gerade Fl\u00e4chen des schmalen Schulterg\u00fcrtels wie der Arme, der Unterschenkel und F\u00fc\u00dfe her, nicht mehr als die gebogenen Kanten am Kopf.<\/p>\n<p>Die <u>R\u00fcckansicht<\/u> ist integraler Teil der soliden Rundplastik, aber tr\u00e4gtmit der abgeschnittenen Eiform des gro\u00dfen Kopfes, der schmalen Halsrille, mit den von der &#8218;Keksrolle&#8216; des R\u00fcckens abstehenden Armen und kr\u00e4ftigen breit aufgestellten Beinen keine Bedeutungen bei.<\/p>\n<p>Mittlere Gl\u00e4ttung. Pflegepatina. Solides Kernholz. Breiter Schwundriss hinter dem rechten Ohr; schmaler und ausgespachtelt ist der hinter dem linken Arm und \u00fcber die linke Pobacke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Vergleich mit der weiblichen Figur eines kleineren Paares aus derselben Region (rechte Seite)<\/h3>\n<div id=\"attachment_14296\" style=\"width: 264px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7677.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14296\" class=\"size-medium wp-image-14296\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7677-254x360.jpg\" alt=\"\" width=\"254\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7677-254x360.jpg 254w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7677-634x900.jpg 634w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7677-624x886.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7677.jpg 775w\" sizes=\"auto, (max-width: 254px) 100vw, 254px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14296\" class=\"wp-caption-text\">links m, rechts w<\/p><\/div>\n<p>Gegen\u00fcber der 53 cm hohen ruhigen Figur wirkt die 37,5 cm hohe wie eine Karikatur, als ob sie uns in einem Zerrspiegel erschiene. Die Grundkonstruktion ist gleich, der Unterschied zum grotesken Gnom entsteht durch kleine Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p>Der eif\u00f6rmige Kopf bildet eine Frisur aus vier freih\u00e4ndigen Ritzungen. Oben auf der Stirn beginnt eine senkrechte Kante, die in einer Stupsnase m\u00fcndet.\u00a0 Mehr Platz lassen die eng stehenden\u00a0 gebohrten Augenl\u00f6cher auch nicht. Damit wird die dicke Oberlippe am kleinen Mundschlitz zu einem Schn\u00e4uzchen.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Ohren der gro\u00dfen Figur tendieren bereits zu nach hinten gerichteten Elefantenohren, aber lassen gen\u00fcgend Raum f\u00fcr die ausdrucksvollen Bohnenaugen rechts und links des zarten Nasenr\u00fcckens. Die Kinnpartie rundet das Gesicht nach unten harmonisch ab. Bei der kleinen Figur sind Fledermausohren daraus geworden, die auf Augen und Nase dr\u00fccken. Zwei Bohrl\u00f6cher, worin Kettchen h\u00e4ngen, sind noch gr\u00f6\u00dfer und auff\u00e4lliger als ihre Augenl\u00f6cher, denen wohl die Glasperlen entnommen worden sind. Bei der Gro\u00dfen wirkt der gleiche Durchmesser angemessen.<\/p>\n<p>Die kleine Figur vereinfacht Hals und Schulterpartie zu einem Kegelstumpf (<em>tronc de c\u00f4ne<\/em>), wodurch Torso und K\u00f6rperhaltung harmonischer wirken. Auch dass die angelegten Arme au\u00dfen eine Kurve beschreiben, ist formal ein Plus. Daf\u00fcr ist der R\u00fccken rund.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Figur scheint die Schultern hochzuziehen, was aber auch K\u00f6rperspannung vermittelt und die Aufmerksamkeit des Betrachters direkt auf das gro\u00dfe Gesicht dar\u00fcber lenkt. Harmonisch wirken die starken, leicht gebeugten Beine, die senkrecht zu gro\u00dfz\u00fcgigen F\u00fc\u00dfen f\u00fchren. Dagegen hat die Kleine\u00a0 (wie ihr Partner) kurze und wulstige Ziehharmonika-Beine, ebenso grotesk wie der Kopf.<\/p>\n<p>Die Patina der kleinen Figur gl\u00e4nzt im Bereich des Torso st\u00e4rker, wo sie angefasst wird, die gro\u00dfe bietet sich &#8211; bis auf den geschw\u00e4rzten Hinterkopf &#8211; \u00fcberall zum Anfassen an. Beide sind nicht nachpoliert.<\/p>\n<p>Ich werde \u00fcbrigens nachfragen: Existiert zur zentralen Figur vielleicht irgendwo ein m\u00e4nnlicher Partner?)<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Auch eine dritte Figur (linke Seite) entspricht auf weniger extreme Art dem gemeinsamen Typus.<\/h3>\n<p>Es ist die Figur des mythischen Ahnen und Helden S\u00e8t\u00f2 der Ngbaka (UBANGI). 32,5 cm hoch. (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10762\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a> (2019) dort mit zwei weiteren Vergleichsfiguren). Sie hat von beiden anderen etwas:<\/p>\n<p>Von der gro\u00dfen zentralen Figur:<\/p>\n<p>Ein bis zu den Ohren verbreitertes Gesicht, Ohrl\u00f6cher, Bohnenaugen, senkrechte Ziernarben (neben weiteren), Kurzhalsigkeit und breite Schultern, die aber glatt in die freistehenden Arme m\u00fcnden, eingekerbte Finger, gro\u00dfe und massige F\u00fc\u00dfe mit eingekerbten Zehen<\/p>\n<p>Von der kleinen Figur rechts:<\/p>\n<p>die nach au\u00dfen gew\u00f6lbten, aber hier massigen Beine, den runden R\u00fccken (aber bei flachem Bauch) und Frisurkerben<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><em>An dieser Stelle k\u00f6nnen wir den Entwurf vom 13.Dezember fortsetzen!<\/em><\/p>\n<p><strong> <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7994.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-14292\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7994-900x675.jpg\" alt=\"\" width=\"533\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7994-900x675.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7994-360x270.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7994-624x468.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/IMG_7994.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Ein weiterer Vergleich und Informationen zur Verwendung<\/h3>\n<p><strong>Auf S. 126 von \u201eUbangi\u201c f\u00e4llt mir eine weitere Figur ins Auge, die Abb. 3.22:<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_14301\" style=\"width: 182px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Ubangi-p.126-3.22-Ngbaka-Perlo-1912-h.-48cm.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14301\" class=\"wp-image-14301\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Ubangi-p.126-3.22-Ngbaka-Perlo-1912-h.-48cm-115x360.jpg\" alt=\"\" width=\"172\" height=\"541\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14301\" class=\"wp-caption-text\">Ubangi p.126, 3.22 Ngbaka Perlo 1912 h. 48cm<\/p><\/div>\n<p>An \u00dcbereinstimmungen fallen mir \u00e4hnliche Proportionen auf, und an Details der ruhige &#8211; diesmal kugelf\u00f6rmige &#8211; Kopf mit flacher Kappe, runden Ohrmuscheln mit Ohrringen, die stammestypischen vertikalen Schmucknarben, die konkave Umgebung der Bohnenaugen, der eingeschnittene kleine Mund, die Beugung der diesmal angelegten Arme, eingeschnittene Finger auf der H\u00f6he des prominenten Nabels , ein H\u00fcfttuch entsprechend der guten Sitten und st\u00e4mmige kurze Beine. \u2013 Wenn wir erst aufmerksam geworden sind, k\u00f6nnen wir \u00dcbereinstimmungen mit allen drei vorher verglichenen Figuren finden, die Gr\u00f6\u00dfe und Ausstrahlung der zentralen Figur, aber auch Details an den Kleinen. Aber im Buch \u201eUbangi\u201c und in den Blogs findet man noch mehr Verwandte, etwa 1.18, 4.66, 4.67 oder den Figuren im 1965 fotografisch dokumentierten Heilungsritual \u201eNd\u00e1b\u00e0\u201c (zitiert im Blog &#8222;S\u00e9t\u00f2&#8220; (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10224\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>) Auch seine Gattin Nabo war Thema (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10762\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>).<\/p>\n<p>Der Beitrag hat bisher den Vergleich der Besonderheiten der Schnitzereien in den Vordergrund gestellt, immer auf der Suche nach Bedeutung tragenden Elementen.<\/p>\n<p>Das konnten stilistische Aspekte sein oder k\u00f6rperliche Signale oder Zeichen f\u00fcr repr\u00e4sentative oder therapeutische Verwendung oder f\u00fcr \u00dcbergangsrituale.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>Die \u00e4u\u00dfere Gestalt f\u00fchrt nun dank der vom ortserfahrenen Autor <strong>Hermann Burssens<\/strong><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2663\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> (LINK<\/a> 2014)\u00a0 zusammengestellten Zeugnisse zu den therapeutischen F\u00e4higkeiten und Aufgaben eines in der Region prominenten Geisterpaar, und zu der jeweils unterschiedlichen Handhabung. Obwohl sie von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung ist (MacGaffey), mehr als die Besonderheiten der benutzten Holzfigur, liest man gew\u00f6hnlich fast nichts dar\u00fcber. Die folgenden Zeugnisse stammen denn auch aus einem halben Jahrhundert (1885-1943).<\/p>\n<p>Der \u201e<em>agent r\u00e9gional<\/em>\u201c \u2013 wohl der Vertreter einer \u201eKonzessionsgesellschaft\u201c (vgl. <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12857\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK)<\/a> &#8211; <strong>Jacques Perlo<\/strong> hat das Paar unter der Bezeichnung \u201e<em><strong>f\u00e9tiche galangba<\/strong><\/em>\u201c aus dem Dorf Bogelima (heute: Karawa an der N24) 1912 an das Kolonialmuseum in Tervuren geschickt hat. Die abgebildete Figur ist 48 cm hoch, f\u00fcnf Zentimeter niedriger als die Gro\u00dfe in meiner Gruppe.<\/p>\n<p><strong>Ronse<\/strong> erw\u00e4hnt, bereits 1885, dass nach den \u00c4ltesten der Ngbaka N\u00e0b\u00f3 den Beinamen <em><strong>(N)Galengba<\/strong><\/em> von <strong><em>S\u00e9t\u00f3<\/em> <\/strong>erhielt, weil seine Schwester-Gattin unter nervlichen Krisen litt. Man sagte, dass eine Frau mit solchen St\u00f6rungen dann unter der Herrschaft des <strong>Galengba<\/strong> stand. Einige frenetische T\u00e4nze von Frauen wurden als Hommage an <em><strong>Nab\u00f2<\/strong><\/em> eingesch\u00e4tzt. <strong>De Gruben<\/strong> berichtete 1933 \u00fcber die Existenz von Geistern, von denen Frauen besessen seien. sie lie\u00dfen sie in Trance fallen, worin die Frauen von <em><strong>Galengba<\/strong><\/em>\u00a0 Ratschl\u00e4ge zu wirksamen Medizinen bek\u00e4men. Der Dorfheiler schnitzte bei dieser Gelegenheit eine Statue, die w\u00e4hrend sp\u00e4ter auftretender Besessenheit dienlich sei. <strong>Scheywarts<\/strong> (Dossier 1939) berichtete von Statuen, die er alle als &lt;<strong><em>ngarangba<\/em><\/strong>&gt; bezeichnete, von denen es m\u00e4nnliche und weibliche Exemplare g\u00e4be: Erstere bestrich man mit wei\u00dfem Ton (<em>argile)<\/em>, die weiblichen mit Rotholzpuder. Ihm zufolge wurden sie im Kampf gegen weibliche Sterilit\u00e4t und (allgemein) gegen Krankheiten verwendet. Man bewahrte sie im Haus auf und stellte sie in der Nacht neben die Patientin. Dem Autor scheint es &#8217;nicht ausgeschlossen&#8216;, dass es sich dabei um <em><strong>S\u00e9t\u00f3<\/strong><\/em> und <em><strong>Nab\u00f3<\/strong><\/em> handelte. Die Parallelit\u00e4t aller zitierten F\u00e4lle sei verbl\u00fcffend.<\/p>\n<p><strong>De Gruben<\/strong> erg\u00e4nzte allerdings, dass nach einigen Informanten die Geister &lt;<em><strong>Galingbwa<\/strong><\/em>&gt; k\u00f6rperliche Missbildungen (<em>d\u00e9formations)<\/em> h\u00e4tten, die man an den sie repr\u00e4sentierenden Skulpturen wiederfinde. (Jetzt bin ich gespannt!) . <strong>Ronse<\/strong> seinerseits bekr\u00e4ftigte bereits 1885, dass einige Figuren mit Missbildungen zur Heilung von kindliche Gebrechen (infirmit\u00e9s) dienten. Sollte ein Kind mit einer Missbildung (beispielsweise nur einer Hand oder einem Arm) auf die Welt kommen, bildetete der Schnitzer das Handicap auf der Figur ab, die danach zum Wohl des ungl\u00fccklichen Kindes verwendet w\u00fcrde. <strong>Burssens<\/strong>\u00a0 war aber keine Figur bekannt, die solche Missbildungen auch nur suggeriert h\u00e4tte. Er vermutet, dass die europ\u00e4ischen Sammler damals \u2013 Kolonialbeamte und Missionare \u2013 sie vielleicht nicht f\u00fcr w\u00fcrdig befanden, sie Museen und Privatsammlern zu schicken. Er referiert anschlie\u00dfend <strong>Crabbeck<\/strong> (1943), der die Kraftfiguren (\u201aFetische\u2019) <em>bekimi <\/em>der Ngbaka und \u201aAmulette\u2019 beschrieb, die wie <em><strong>N\u00e1b\u00f3<\/strong><\/em> auch Kinderkrankheiten heilten, Die Mutter presste sie im Bett zwischen sich und das Kind, um den b\u00f6sen Zauber vom Kind auf die Statue abzulenken. (<em>Soweit meine \u00dcbersetzung von S.126<\/em>)<\/p>\n<p>Zur Erg\u00e4nzung des Themas &#8218;Handhabung&#8216; wiederhole ich meine Darstellung eines <em>S\u00e9t\u00f2<\/em> der <em>Ngbandi<\/em>:<\/p>\n<div id=\"attachment_12378\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Ubangi-299-8.8-8.9.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12378\" class=\"wp-image-12378\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Ubangi-299-8.8-8.9-163x360.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"420\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Ubangi-299-8.8-8.9-163x360.jpg 163w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Ubangi-299-8.8-8.9-407x900.jpg 407w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Ubangi-299-8.8-8.9.jpg 498w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12378\" class=\"wp-caption-text\">Ubangi p. 299 8.8-8.9<br \/>c Th\u00e9ophile Decoene vers 1965<em>Ngbandi<\/em> (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10224\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK):<\/a><\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_12378\" class=\"wp-caption alignright\">\n<p id=\"caption-attachment-12378\" class=\"wp-caption-text\">\n<\/div>\n<p><em>Der Figurentyp begegnet uns wieder in einer Fotoserie von der Behandlung eines kranken <\/em><em>M\u00e4dchens,\u00a0 um 1965 in Karawa in der N\u00e4he des Ubangi. Die Gro\u00dfmutter vollzieht unter Einbeziehung vom Seto und Nabo (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10762\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>) ein schlichtes Opferritual: Mutter und Kind werden dabei wie die beiden Figuren mit dem H\u00fchnerblut bestrichen, alle essen vom Fleisch, die Mutter gr\u00e4bt die in Eingeweide und Kopf des Huhns eingegangene Krankheit in der Erde ein. Der Vater hat f\u00fcr das T\u00f6chterchen der Gro\u00dfmutter ein Band gegeben, um es dem Kind um den Hals zu binden, aber ein St\u00fcck davon auch den Figuren (Abbildung).<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><u>\u00a0<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong><u>\u00a0<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong><u>\u00a0<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong><u>\u00a0<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong><u>\u00a0<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong><u>\u00a0<\/u><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die auf dem Bild zentrale, fast 53 cm gro\u00dfe Figur mit der konzentrierten Kraft einer kleinen Yanda der Mani-Vereinigungen! (LINK zum Beitrag\u00a0 von 2014). Sie sind in der Region ebenso pr\u00e4sent wie der lange Einfluss der Azande. Sch\u00f6ne Gl\u00e4ttung und diskrete Ausarbeitung von bezeichnenden Details wie : Bohnenaugen, angedeutete Nasent\u00e4towierung, Nasenspitze und Mund, Br\u00fcstchen, Nabel, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-14286","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-der-weite-norden-zentralafrikas"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14286","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14286"}],"version-history":[{"count":11,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14286\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14309,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14286\/revisions\/14309"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14286"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14286"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14286"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}