{"id":14043,"date":"2022-08-18T00:39:38","date_gmt":"2022-08-17T22:39:38","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=14043"},"modified":"2022-08-18T22:44:48","modified_gmt":"2022-08-18T20:44:48","slug":"schmatoffs-zwei-gedanken-zum-projekt-rafai-leutnant-von-wiese-ubangi-1911","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=14043","title":{"rendered":"H. Schmantoffs Gedanken mit Theweleit zu &#8222;Leutnant von Wiese&#8220; (Rafai 1911)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zwei Gedanken zu Detlev von Graeves \u201eF\u00fcnf Blogbeitr\u00e4ge\u201c im \u201eProjekt Rafai &amp; Leutnant von Wiese (Ubangi 1911)\u00a0 &#8211; <em>Email am 1.8.2022, 19 Uhr23 von Arnaud: \u201eNun ja\u201c \u2013 Wie es ihm gef\u00e4llt&#8220;<\/em><\/strong><\/p>\n<h3><span style=\"color: #ff0000;\"><em>Nicht nur ein Kommentar! Zugleich ein Gastbeitrag. <\/em><\/span><span style=\"color: #ff0000;\"><em>Und so muss ich ihn vorstellen &#8211; Gv 18.8.22<br \/>\n<\/em><\/span><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #333333;\">\u00a0DIE INTERVENTION<\/span><em><br \/>\n<\/em><\/span><\/h3>\n<p>Die Zusammenstellung der f\u00fcnf Beitr\u00e4ge, laut Datierung in unregelm\u00e4\u00dfiger Folge vom 22. Juli 21 bis zum 17. Juni 2022, kommt wie bei von Graeve gewohnt, materialreich und unpr\u00e4tenti\u00f6s daher. Die Texte gleichen Arbeitsnotizen und das ist gut so. Leser wie ich, die keine Sammler oder Wissenschaftler sind und naturgem\u00e4\u00df von der Materie keine Ahnung haben, werden nicht abgeschreckt.\u00a0 <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=13009\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">5\/5)<\/a><\/p>\n<p>Ein Autor erz\u00e4hlt von einem Kauf. Er hat eine Figur erworben, \u201estarkes M\u00e4dchen mit gro\u00dfen Augen\u201c. Wir sehen sie auf dem Foto. Und begleiten den K\u00e4ufer bei seinen Recherchen nach der Provenienz. (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12346\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK)<\/a><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">DER EINE GEDANKE &#8230;.<\/h3>\n<p>Eine seltsame \u201eKontaktzone\u201c wird vor unseren Augen aufgebl\u00e4ttert. Reisef\u00fchrer ist ein deutscher Leutnant, Walter von Wiese und Kaiserwaldau, der eine ruhige milit\u00e4rische Karriere gegen ein vermeintlich abenteuerliches Leben bei Ostafrika-Expeditionen des Herzogs von Mecklenburg eingetauscht hat. Objekt der herzoglichen Neugier und Erkundung der politischen Lage ist ein Gebiet in Zentralafrika. Ein Grenzgebiet, an dem verschiedene Interessen aufeinander sto\u00dfen. Die der Franzosen und der Belgier zun\u00e4chst einmal, die die staatliche Herrschaft repr\u00e4sentieren &#8211; aber was hei\u00dft das schon bei diesen riesigen Gebieten und den zahlreichen Ethnien und Unterbezirken, den Sultanaten \u2013 die der Engl\u00e4nder, die vom Sudan in den S\u00fcden vorsto\u00dfen, und die der Araber. Drei Sultanate gibt es in diesem Azande-Gebiet, alle drei Sultane haben sich mit den Europ\u00e4ern arrangiert, sie sichern den Kolonisatoren die Ausbeutung an Bodensch\u00e4tzen und Menschen, bereichern sich selber mit, wie bereits beim Sklavenhandel und der Unterjochung der urspr\u00fcnglichen Bev\u00f6lkerung vorher. Sie waren den Waffen der Wei\u00dfen nicht gewachsen, niemals h\u00e4tten sie sich sonst unterworfen, aber sie warten auf ihre Zeit.<\/p>\n<p>Von Wiese hat seine Beobachtungen \u00fcber diese Vorh\u00f6lle gemacht, er kann sogar Empathie mit den Ausgebeuteten empfinden \u2013 sie d\u00fcrfen ihn nur nicht in seinen Aktionen behindern. Dann kennt er kein Pardon und schreitet gegen\u00fcber den Tr\u00e4gern zu drakonischen Strafen.<\/p>\n<p>Er pflegt eine mehr oder weniger gro\u00dfe Abneigung gegen die Franzosen und Belgier, er findet das englische Verfahren rationaler. Wenn er allerdings halb verhungert und krank einen franz\u00f6sischen Kollegen in einer Garnisonsstadt erreicht, unterh\u00e4lt er sich mit ihm ausgezeichnet. Man versteht sich unter Kollegen.<\/p>\n<p>Von Wiese hat aus seinen Aufzeichnungen ein Buch gemacht, das 1912 im Deutschen Reich erschienen ist und gelesen wurde. Und von Graeve hat sich nun mit diesem Buch und dem Menschen von Wiese besch\u00e4ftigt. Er wertet nicht, weil er nicht in die \u00fcblichen Schemata verfallen will. Das gibt dem Leser die M\u00f6glichkeit, sich ein eigenes Bild zu machen.<\/p>\n<p>Zum Beispiel folgende drei Bilder in Zusammenschau. Ich vergleiche das Foto der Ubangi-Figur mit dem Portr\u00e4t von Asande Hiruas Schwester <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12346\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(1\/5 im Abschnitt &#8222;Spekulationen<\/a>) und betrachte dann das Paradebild von Herrn von Wiese auf dem \u201eoffiziellen Portr\u00e4t\u201c.(<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12873\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2\/5<\/a>)<\/p>\n<p>Von Wiese: Der vaterm\u00f6rderischen Kragen, die Orden, das mit Pomade gescheitelte Haar, das puppige Gesicht, das mich vermuten l\u00e4sst, dass er gerne den Gardeoffizier gegeben hat. Ein glattes B\u00fcrschchen, der Traum jeder Schwiegermutter.<\/p>\n<p>Die Schwester: Obwohl man ihr ansieht, dass sie als Geb\u00e4rmaschine missbraucht wird, dass ihr h\u00e4ufig ins Gesicht geschlagen wird, dass sie gelernt hat, die Augen in ein nicht sichtbares Ungef\u00e4hr zu lenken, hat sie einen Stolz. Einen Trotz. Hier bin ich: mit meinem Bauch, meinen Br\u00fcsten, meinem Hintern, dem Ebenholzglanz meiner Haut.<\/p>\n<p>Und dieser Glanz wiederum strahlt auch von der Ubangi-Figur ab, auch der Trotz und die ausdrucksvollen Augen.<\/p>\n<p>Und jetzt schaue ich wieder den Hauptmann an und entdecke, dass auch er mit Schwarz und Wei\u00df spielt, zumindest tut es der Fotograf. Schei\u00dfe, lieber Hauptmann, du bist auch ein Wesen mit K\u00f6rper. Du hast auch Augen, Stirn und Mund. Man sieht dir an, dass du gelernt hast, diesen k\u00f6rperlichen Anteil zu verbergen und zu kanalisieren. Aber letztlich \u00e4hnelst du den von dir karikierten schwarzen Pseudosoldaten in ihren Phantasieuniformen.<\/p>\n<p>Ich gebe zu, dass ich subkutan in die Welt der \u201eM\u00e4nnerphantasien\u201c von Theweleit gerutscht bin.<\/p>\n<p>General Lettow-Vorbeck, Erhardt u.a., die \u201edeutschen Helden\u201c in Namibia, damals Deutsch-S\u00fcdwestafrika, waren f\u00fcr Theweleit Exemplare eines bestimmten Typus Mann, der, weil nicht zu Ende geboren, seine \u00c4ngste vor \u00dcberw\u00e4ltigung in Vergewaltigung der imaginierten roten Str\u00f6me kanalisieren musste. Der also im Prinzip Hunderttausende von Herero abschlachtete, weil sie primitiv und undiszipliniert und ungl\u00e4ubig waren (Und sp\u00e4ter die Juden, die Slawen und die Russen). Die Schwarzen folgten den Trieben, die man doch selbst mit aller Gewalt unterdr\u00fcckte. Und wenn die Schwarzen sowas nicht k\u00f6nnen, dann zeigen wir ihnen mal, was ein Massaker ist. Theweleit sieht auch den kolonisatorischen Gewinn, also die Ausbeutung, aber das ist nicht der Punkt, der ihn interessiert. Ihn interessiert, wie sich ein gepanzerter K\u00f6rper und Geist mit ideologischem R\u00fcstzeug versorgt und damit ins Reich hinein eine Strahlwirkung entfacht bzw. aufnimmt, was im Reich geschieht: n\u00e4mlich die Erziehung von Prototypen des faschistischen Menschen.<\/p>\n<p>Von Wiese ist kein General und kein Massenm\u00f6rder. Er ist eine Dienerfigur, nicht Arlecchino, nicht Brighella. Da ist kein Aufbegehren. Er w\u00fcrde gerne General sein und es ist allzugut nachvollziehbar, dass er in seiner sp\u00e4teren Karriere in die SS eingetreten ist. Er will hart sein, aber letztlich ist er eine Puppe, die Soldat spielt. Auch so jemand kann t\u00f6ten. Am besten, wenn es ihm befohlen wird. Er geh\u00f6rt zu den Stufen unter Lettow-Vorbeck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">&#8230;. DER ANDERE<\/h4>\n<p>Dies ist der eine Gedanke, der andere kam mir, als ich letzte Woche ein Foto von Macron sah, der parallel zur Afrika-Reise Lawrows eine eigene unternahm. Man will den Russen ja nicht das Feld kampflos \u00fcberlassen. Nach der Lekt\u00fcre von Graeves Berichten musste ich herzlich lachen. Was erlauben sich Macron? Denkt er, dass er es mit Idioten zu tun hat, die in irgendeiner Weise das Gerede von Menschenrechten und Demokratie usw. glauben?<\/p>\n<p>Der salbadernde Obergauner redet mit den \u00f6rtlichen Verbrechern. Den Nachkommen der drei Sultane. Die haben jetzt die Waffen, die Armeen, die Technologien, um die eigene Bev\u00f6lkerung auszupressen. Macron kann anbieten, Kontakte zu den europ\u00e4ischen Multis zu machen, damit die famose Zusammenarbeit besser klappt. Ich wei\u00df nicht, ob ich als schwarzer K\u00f6nig dann doch nicht besser zu Lawrow ginge: Da wei\u00df ich wenigstens, dass er der niedrigsten Taten f\u00e4hig ist. Oder \u00fcber den IS Verbindungen mit den Saudis kn\u00fcpfe?<\/p>\n<p>Was macht das schon, wenn da ein paar Hundert Schulm\u00e4dchen gekidnappt, vergewaltigt, get\u00f6tet werden? Diplomatische Gespr\u00e4che im \u201eHerzen der Finsternis\u201c.<\/p>\n<p>Ausruf, theatralisch: Die Orte, die von Wiese beschreibt, existieren alle noch. Warlords ziehen dort nach wie vor mordend durch den Dschungel, wie damals umgeben von einer treuen Gefolgschaft, denen man nur genug Gold und Frauen und Autos und was wei\u00df ich geben muss. Warum gibt es diese Geschw\u00fcre am Arsch der Menschheit?<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Antwort wie immer dankbar,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ihr Horsti Schmantoff<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Gedanken zu Detlev von Graeves \u201eF\u00fcnf Blogbeitr\u00e4ge\u201c im \u201eProjekt Rafai &amp; Leutnant von Wiese (Ubangi 1911)\u00a0 &#8211; Email am 1.8.2022, 19 Uhr23 von Arnaud: \u201eNun ja\u201c \u2013 Wie es ihm gef\u00e4llt&#8220; Nicht nur ein Kommentar! Zugleich ein Gastbeitrag. 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