{"id":13716,"date":"2022-04-01T23:24:23","date_gmt":"2022-04-01T21:24:23","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=13716"},"modified":"2023-07-03T15:46:15","modified_gmt":"2023-07-03T13:46:15","slug":"kinshasa-von-der-kolonialstadt-zum-ausufernden-weltdorf-nach-filip-de-boeck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=13716","title":{"rendered":"Filip De Boeck erz\u00e4hlt die verborgene Geschichte Kinshasas (2005)"},"content":{"rendered":"<h4><\/h4>\n<h4><span style=\"color: #000000;\"><strong>Filip De Boeck, F. &amp; M.-F. Plissart :<\/strong> &#8222;<strong>Kinshasa \u2013 Tales of the Invisible City and the Second World&#8220; Einleitung zum gleichnamigen Buch im <\/strong><strong>Ludion Verlag Gent \/ Ko\u0308nigliches Museum fu\u0308r Zentralafrika Tervuren. 288 S. (2004\/5).<br \/>\n<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Die von Academia angebotene deutsche Fassung habe ich am englischen Original korrigiert. Die Literaturangaben fehlen auch dort. <\/em><em><span style=\"color: #000000;\">K\u00fcrzungen, Raffungen und Zwischen\u00fcberschriften dieser Textfassung sind von mir.<\/span>\u00a0 <span style=\"color: #ff0000;\">M<\/span><\/em><em><span style=\"color: #ff0000;\">eine deutsche \u00dcbersetzung\u00a0 richtet sich an interessierte Laien.<\/span>\u00a0 <\/em><em>Die <span style=\"color: #ff0000;\">roten Ziffern<\/span> <span style=\"color: #000000;\">beziehen sich auf die entsprechenden Seiten des Originals (S.13 \u2013 61). <\/span><\/em><em><span style=\"color: #000000;\">Der LINK zum englischen Text<\/span> <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/4672661\/De_Boeck_F_and_M_F_Plissart_2004_Kinshasa_Tales_of_the_Invisible_City_Ghent_Tervuren_Ludion_Royal_Museum_for_Central_Africa_288_pp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HIER<\/a>. Das ganze Buch ist momentan als Printversion etwa ab 25 \u20ac zu haben. De Boeck schickte mir am 5.4. eine Mail mit der franz\u00f6sischer Textfassung (\u00a0<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/KINSHASA.FR_.pp_.9-53.pdf\">KINSHASA.FR.pp.9-53.pdf <\/a>).<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p>&#8220; <span style=\"color: #000000;\">Dear Detlev, Thanks for your continued interest! For your information: the whole book &#8218;Kinshasa: Tales of the Invisible City&#8216; also exists in a French edition (<em>Kinshasa. R\u00e9cits de la ville invisible<\/em>. Bruxelles: Renaissance du Livre, 2005. Sold out, alas). I include the French text of the first sixty pages of the book (without photographs I am afraid&#8230;) Cordially\u00a0\u00a0 Filip&#8220; <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #000000;\">Der Text ist bereits\u00a0 fast zwanzig Jahre alt. Doch der Autor hat \u00fcber Jahrzehnte den Menschen in Kinshasa zugeh\u00f6rt und sie aus der N\u00e4he beobachtet. <\/span><\/em><span style=\"color: #000000;\"><em>Er schreibt auf S.16: &#8222;<\/em>Unser Buch \u00fcber Kinshasa, ein Gemeinschaftsprojekt eines Anthropologen und eines Fotografen, ist keine Historikergeschichte von Kinshasa. Es ist auch nicht das eines Demografen oder eines Architekten. Sie alle h\u00e4tten radikal unterschiedliche Portr\u00e4ts von Kinshasa geschrieben.&#8220;<\/span> <span style=\"color: #ff0000;\">16\/<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #000000;\">Den &#8222;Kinois&#8220;, die heute in der Diaspora leben, werden zu den zitierten Namen, Anekdoten und zeittypischen Slogans eigene Erinnerungen einfallen.<\/span><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;\"><em>Filip De Boeck stellt seinem einleitenden Beitrag zwei Thesen voran:<\/em><\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Die Projektionen der Europ\u00e4er auf Afrika und insbesondere den Kongo verdecken die Realit\u00e4t, und sie machen die Metropole Kinshasa sozusagen &#8222;unsichtbar&#8220;.<br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Das Konzept der \u201aKolonisation\u2019 wurde bereits in Europa realisiert und von dort in die \u00fcberseeischen Kolonien \u00fcbertragen! Er bezieht sich dabei stark auf die Arbeiten von Michel Foucault, etwa zu &#8222;Konzepte wie <a title=\"Disziplinierung\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Disziplinierung\">Disziplinierung<\/a> und <a class=\"mw-redirect\" title=\"Biomacht\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Biomacht\">Biomacht&#8220;<\/a><\/em><\/span>\u00a0 (siehe etwa de.wikipedia)<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #000000;\">Ich \u00fcberspringe diese Abschnitte, damit wir sofort in diese atemberaubende Entwicklung der Stadt einsteigen k\u00f6nnen.<\/span> <\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Eine <strong>\u00dcbersichtskarte von Kinshasa<\/strong> in de.wikipedia <\/em>(<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kinshasa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK)<\/a> <em>nennt gl\u00fccklicherweise viele der im Text erw\u00e4hnten Viertel und \u00d6rtlichkeiten. Im Text markiere ich sie bei der ersten Erw\u00e4hnung mit einem Stern<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span>. Wenn man in diesem Sinne die Karte als \u201aSuchbild\u2019 verwendet, entsteht im Kopf eine Idee der \u201aKarte\u2019, die De Boeck bei seiner Schilderung immer vor Augen hatte. (Hilfestellung: Der Beginn ist oben in Ufern\u00e4he)<\/em> <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_13719\" style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kinshasa_2001-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13719\" class=\"wp-image-13719\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kinshasa_2001-900x605.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"484\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kinshasa_2001-900x605.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kinshasa_2001-360x242.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kinshasa_2001-1536x1032.jpg 1536w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kinshasa_2001-2048x1376.jpg 2048w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kinshasa_2001-624x419.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13719\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #333333;\"><strong>Kinshasa_2001 wikimedia\u00a0 &#8211; durch Anklicken bis auf\u00a0 2560 x1720 zu vergr\u00f6\u00dfern<\/strong><\/span><\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_13756\" style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption alignright\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Kinshasa_2001-scaled-e1648826796779.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13756\" class=\"size-thumbnail wp-image-13756\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Kinshasa_2001-170x150.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13756\" class=\"wp-caption-text\"><strong>Kinshasa_2001 auf 1200&#215;800<\/strong><\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Die Anf\u00e4nge der Stadt<\/strong>, die heute Kinshasa hei\u00dft, bestanden in einer kleinen Handelsstation, die von K\u00f6nig Leopolds Gesandtem Stanley bei seiner Ankunft in Ngaliema Bay am 1. Dezember 1881 gegr\u00fcndet wurde. zu Als L\u00e9opoldville war sie zwischen 1908 und 1960 die Hauptstadt von Belgisch-Kongo\u00a0\u00a0<span style=\"color: #ff0000;\"> 20\/<\/span><\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #000000;\">L\u00e9opoldville. Wie die Kolonialstadt Ballungsraum wird und endlich alle Planungen <\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00fcberwuchert<\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">1940 lebten in L\u00e9opoldville etwa 50.000 Einwohner. Am Ende des Zweiten Weltkriegs hatte sich die Einwohnerzahl verdoppelt und erreichte 1950 200.000, bei der Unabh\u00e4ngigkeit 400.000 und 1970 weit \u00fcber eine Million. In den fr\u00fchen Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelte sich L\u00e9opoldville entlang der <strong>Achse <em>Kintambo-Kalina<\/em>.<\/strong> <em>Kintambo<\/em><span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span> entwickelte sich aus Stanleys fr\u00fchem Handelsposten 28\/ und bestand aus den \u00e4ltesten Industrie- und Wohngebieten der Stadt. <em>Kalina, heute Gombe<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span><\/em>, entwickelte sich zum Verwaltungsbezirk der Hauptstadt und beherbergte die B\u00fcros und Wohnvillen der Kolonialverwaltung. <em>Gombe<\/em> hat diese Funktion bis heute weitgehend behalten. <em>Kintambo<\/em> und <em>Kalina<\/em> wurden bald durch eine Eisenbahn verbunden. Um diese Achse herum entwickelten sich allm\u00e4hlich Handelszentren und mehrere <em>Cit\u00e9s Indig\u00e8nes<\/em>, Eingeborenenviertel und Siedlungen, die von kongolesischen Arbeitern bewohnt wurden. Auf der <em>Kintambo<\/em>-Seite entstanden die Arbeiterlager entlang des Flusses, in der N\u00e4he der industriellen Aktivit\u00e4ten dieses Teils der Stadt, seiner Werften, Metallurgie und anderer Aktivit\u00e4ten wie der S\u00fc\u00dfwarenindustrie von <em>Utex L\u00e9o<\/em>. 29\/ Auf der <em>Kalina<\/em>-Seite wurde ein erheblich gr\u00f6\u00dferer Raum f\u00fcr die Entwicklung mehrerer indigener Viertel reserviert, insbesondere <em>Kinshasa<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span>, Barumbu<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span> und Lingwala<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span><\/em><strong>.<\/strong> Bestehend aus einer Vielzahl kleiner Parzellen und Fl\u00e4chen, waren diese Quartiere nach einem wohlgeordneten Raster angelegt, das den urspr\u00fcnglichen Grundriss eines zuvor dort befindlichen Milit\u00e4rlagers fortsetzte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Diese Eingeborenenviertel, Arbeiterlager und nach dem Zweiten Weltkrieg <em>cit\u00e9s jardins<\/em>, Gartenst\u00e4dte, bestanden aus H\u00e4usern, die individuell gebaut worden waren, und es gab einen <em>Fonds d&#8217;Avance<\/em>, eine Kreditagentur, um solchen individuellen Besitz zu f\u00f6rdern. Oder sie wurden von kolonialen Arbeitgebern und Unternehmen errichtet. Diese Nachbarschaften lagen in unmittelbarer N\u00e4he zu den Verwaltungs- und Wohnzentren von L\u00e9opoldville, waren jedoch konsequent von diesen getrennt, durch <strong>Niemandsland<\/strong> wie die Haupteisenbahn (die die Stadt auch mit dem Hafen von <em>Matadi<\/em> im unteren Kongo verband), botanische G\u00e4rten der Stadt, Gewerbegebiete, ein ethnografisches Museum, welches indigene Lebensweisen ausstellte, einen zoologischen Garten, Missionsposten und Armeelager.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das ausgedehnte, boomende Ballungszentrum, zu dem sich L\u00e9opoldville schnell entwickelte, erwies sich somit r\u00e4umlich von Anfang an als<strong> rassisch getrennte Stadt<\/strong> (<em>racially segregated city<\/em>) mit einer strikten Demarkationslinie zwischen einer zentralen wei\u00dfen <em>Ville<\/em> mit seinen Verwaltungs- und Wohngebieten (<em>Kintambo<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span>, Ngaliema<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span><\/em> und das heutige <em>Gombe<\/em>, das sp\u00e4ter mit den Wohnvierteln von <em>Limete<span style=\"color: #ff0000;\">* <\/span><\/em>ausgebaut wurde) und einer &#8222;peripheren&#8220; afrikanischen Stadt, der<em> Cit\u00e9 Indig\u00e8ne. <\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In den ersten Jahrzehnten des Bestehens von Belgisch-Kongo bestand die Kolonialbev\u00f6lkerung haupts\u00e4chlich aus M\u00e4nnern. Familien, Ehefrauen und Kinder wurden nur sehr langsam zu einer festen Gr\u00f6\u00dfe in L\u00e9opoldvilles st\u00e4dtischer sozialer Zusammensetzung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Ehefrauen und Familien zu einem festen Bestandteil der Kolonialstadt. Dieses demografische Ungleichgewicht pr\u00e4gte nicht nur das Leben der wei\u00dfen Kolonialisten. Vor 1930 betrug das <strong>Verh\u00e4ltnis von M\u00e4nnern zu Frauen<\/strong> in den indigenen Vierteln von L\u00e9opoldville drei zu eins, am Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch zwei zu eins, und alleinstehenden Frauen in den <em>Cit\u00e9s Indig\u00e8nes<\/em> wurden Sondersteuern auferlegt. Dies spiegelte das koloniale Bestreben wider, das Wachstum der Stadt zu kontrollieren. Die indigenen Viertel waren haupts\u00e4chlich Depots billiger afrikanischer Arbeitskr\u00e4fte, in denen weder Frauen noch Arbeitslose Platz fanden. <span style=\"color: #ff0000;\">30\/<\/span> Die Arbeitslosen wurden von den kolonialen Streitkr\u00e4ften, der <em><strong>Force Publique<\/strong>, <\/em>wiederholt zusammengetrieben und ins Landesinnere zur\u00fcckgeschickt. Diese, strategisch in Armeegarnisonen \u00fcber ganz L\u00e9opoldville verteilt, wurde nach ebenso strengen getrennten Linien organisiert, mit einem \u00dcberbau belgischer Offizierenund den kongolesischen Rekruten haupts\u00e4chlich <em>Bangala<\/em> aus der Provinz <em>Equateur<\/em>. Vor allem diese Soldaten wurden zur treibenden Kraft hinter der Entwicklung von <strong><em>Lingala<\/em><\/strong>, ihrer Muttersprache, zur wichtigsten Verkehrssprache der Stadt. <span style=\"color: #ff0000;\">31\/<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">L\u00e9opoldville expandierte weiter. 1949 begann die belgische Kolonialverwaltung angesichts einer demografischen Explosion und der damit verbundenen zunehmenden sozialen Unruhen mit der Umsetzung eines umfassenden Urbanisierungsprogramms durch das neu geschaffene <em>Office de Cit\u00e9s Indig\u00e8nes de L\u00e9opoldville<\/em> (OCIL) und bereits 1952 seinen Nachfolger <strong><em>Office de Cit\u00e9s Africaines <\/em>(<em>OCA<\/em>)<\/strong>. Das Ziel, das sich OCA selbst gesetzt hatte, war ehrgeizig: Allein in L\u00e9opoldville sollten 20.000 H\u00e4user binnen zehn Jahren gebaut werden. Zwischen 1952 und 1960 expandierte die Stadt daher drastisch und brachte eine beeindruckende Anzahl neuer Satellitenst\u00e4dte hervor, wie<em> Bandalungwa<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span>, Yolo Nord und Yolo Sud, Matete<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span>, Lemba<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span>, Ndjili<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span><\/em> und schlie\u00dflich<em> Kinkole<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span>.<\/em> Dennoch war das Tempo, in dem die neuen H\u00e4user im Rahmen des Programms gebaut wurden, viel zu langsam f\u00fcr die enorme demografische Expansion und den zunehmend chaotischen Charakter der Stadt. Dar\u00fcber hinaus schloss die Kolonialregierung alle <u>nicht<\/u>staatlichen Wohnungsbauprogramme und \u2013initiativen, etwa von Privatunternehmen, aus. Schlimmer noch, viele der neuen H\u00e4user blieben leer, weil sie f\u00fcr Kinshasas B\u00fcrger zu teuer waren. Infolgedessen begannen \u00fcberall in der Stadt Shantytowns zu entstehen.<span style=\"color: #ff0000;\"> \/32<\/span> Die Situation verschlechterte sich in den ersten Jahren nach der Unabh\u00e4ngigkeit. Nach und nach gab die Regierung alle st\u00e4dtebaulichen Bem\u00fchungen auf. Die Shantytowns wurden nicht l\u00e4nger durch die staatliche Aufsicht eingeschr\u00e4nkt und begannen, sich in der Nachbarschaft beliebter Stadtteile hinaus endlos auszudehnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dabei wuchs die Hauptstadt weit \u00fcber ihre kolonialen Grenzen hinaus: in Richtung Unterkongo in westlicher Richtung und in \u00f6stlicher und s\u00fcdlicher Richtung \u00fcber die H\u00fcgelkette, die einst die Stadt enthielt, in Richtung des <em>Bateke-Plateaus<\/em> und des <em>Kwango<\/em>. Als Folge dieses ungez\u00fcgelten Wachstums hat sich die Stadt von ihrem alten kolonialen Kern (<em>heart<\/em>) entfernt. <span style=\"color: #ff0000;\">32\/<\/span> <strong>Das koloniale Stadtzentrum<\/strong> wurde f\u00fcr die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung von Kinshasa zu einer <strong>Randerscheinung<\/strong> des t\u00e4glichen Lebens.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In <em>Camp Luka, Masina<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span>, Kimbanseke<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span>, Kingasani, Kisenso<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span>, <span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"color: #000000;\">Ngaba<\/span>*<span style=\"color: #000000;\">,<\/span><\/span> Makala, Selembao<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span><\/em>, gro\u00dfen Teilen von <em>Mont Ngafula*, Malweka<\/em> und den vielen anderen \u00e4hnlichen Gebieten und <strong><em>communes urbano-rurales <\/em><\/strong>des postkolonialen Kinshasa, wird das Scheitern der modernistischen Stadtplanung der Kolonialregierung und des fr\u00fchen postkolonialen Staat am deutlichsten. Hier begann sich Kinshasa auch neu zu erfinden und verwandelte sich in die Stadt, die es heute ist.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Kinshasa. Wachstum und <\/strong><\/span><span style=\"color: #000000;\"><strong>Metamorphosen<br \/>\n<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das Wachstum dieses neuen Kinshasa (und es w\u00e4chst schnell: Kinshasa hat derzeit (2004) ein j\u00e4hrliches Defizit von 200.000 H\u00e4usern) hat auch eine mentale Abkehr von einer Sprache, Franz\u00f6sisch, bewirkt.<span style=\"color: #ff0000;\">33\/<\/span> In diesen immer zahlreicher werdenden informellen st\u00e4dtischen Gebieten mit ihrem komplexen Flickenteppich aus mehreren lokalen ethnischen Identit\u00e4ten haben die Einwohner der Stadt begonnen, sich \u201aTerritorien\u2019 zu erobern (<em>reterritoralize<\/em>). Sie durchtr\u00e4nken die Stadt mit ihrer eigenen Praxis, ihren Werten, Moralvorstellungen und ihrer Dynamik. Dieser Prozess begann an den R\u00e4ndern und erfasst nun die ganze Stadt. Keine formelle Industrialisierung oder Wirtschaftsentwicklung hat den Prozess einer Zertr\u00fcmmerung der (neo)kolonialen Logik gebremst, die in Kinshasas Oberfl\u00e4che eingepr\u00e4gt waren. In der nicht enden wollenden politischen und wirtschaftlichen und Krise durchl\u00e4uft die Stadt einen gro\u00dfangelegten<strong> Prozess informeller Dorfbildung<\/strong> <em>(,villagization<\/em>\u2019). Eine neue Art von Agrarurbanit\u00e4t und sogar eine neue Art von Ethnizit\u00e4t entsteht. Kinhasa verbindet sich mit seinen \u00e4lteren l\u00e4ndlichen Wurzeln.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Vieles an akademischer Diskussion ist ungeeignet, die Prozesse, die sich derzeit in der kongolesischen Gesellschaft abspielen, zu erkl\u00e4ren. <strong>Oft versagen bereits die verwendeten Begriffe vor den Realit\u00e4ten<\/strong> &#8211; etwa Staat, Verwaltung, Regierung, Regierungsf\u00e4higkeit, Demokratie, Armee, B\u00fcrgerschaft, Gesetz, Justiz, Bildungs- und Gesundheitssystem. Warum wird ein Geb\u00e4ude als Nationalbank, Universit\u00e4t, Au\u00dfenministerium, Krankenhaus oder Schule bezeichnet, wenn den Aktivit\u00e4ten, die darin stattfinden, nicht den Standardbedeutungen und -realit\u00e4ten entsprechen, die normalerweise von diesen W\u00f6rtern abgedeckt werden? So berichteten beispielsweise belgische Zeitungen im Januar 1995, dass sich der Gesamtbestand der Nationalbank an Devisen 34\/ auf 2.000 US-Dollar und eine Handvoll Schweizer Franken belief. Universit\u00e4tsprofessoren verdienen heute 200 US-Dollar im Monat &#8211; das hei\u00dft, wenn sie \u00fcberhaupt bezahlt werden -, und die meisten Abteilungen der nationalen Universit\u00e4t von Kinshasa haben seit der <em>Zaireanisierung<\/em> in den fr\u00fchen 1970er Jahren keine B\u00fccher gekauft oder auch nur eine einzige Doktorarbeit verfasst. Was bedeutet es, in einer Stadt mit gesch\u00e4tzten sechs Millionen Einwohnern zu leben, in der es kaum Autoverkehr oder \u00f6ffentliche Verkehrsmittel gibt, aus dem einfachen Grund, dass in kurzen Abst\u00e4nden wochen- oder sogar monatelang kein Tropfen Benzin zur Verf\u00fcgung steht? Warum die gesellschaftliche Konvention fortsetzen, eine Banknote als \u201eGeld\u201c zu bezeichnen, wenn man tagt\u00e4glich damit konfrontiert wird, dass es sich nur um einen wertlosen Zettel handelt?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Kongos \u201aZweit\u2019- oder <strong>\u201aSchattenwirtschaft\u2019<\/strong> ist seit Jahren die erste und praktisch einzige. F\u00fcr<em> Kinois<\/em> ist es l\u00e4ngst zum Klischee geworden, dass kein Wirtschaftsmodell erkl\u00e4ren kann, wie eine Stadt wie Kinshasa \u00fcberlebt. F\u00fcr die <em>Pousse-Pousseurs<\/em> (die Karrenschieber), die <em>Quados<\/em> (informelle Automechaniker), die <em>Khaddafis <\/em>(illegale Kraftstoffverk\u00e4ufer), die <em>Cambistes <\/em>(Geldwechsler), Taxifahrer, Schuhputzer, Nachtw\u00e4chter und<em> Ligablos <\/em>(Stra\u00dfenverk\u00e4ufer) die t\u00e4glich die fortschreitende Verschlechterung ihres Lebensstandards hautnah erleben und deren Leben sich in der Poverty Street abspielt, sind die g\u00e4ngigen Diskurse politischer, wirtschaftlicher und anderer Analysten und &#8222;Experten&#8220; daher v\u00f6llig sinnlos. Aus <em>Kinshasa-la-belle<\/em> ist f\u00fcr sie l\u00e4ngst <em>Kinshasa-la-poubelle<\/em> geworden, genannt <em>Koweit City rive gauche<\/em>, <em>Sarajevo<\/em> oder neuerdings auch <em>Kosovo<\/em>, <em>Tschetschenien<\/em>, <em>Afghanistan<\/em> oder <em>Bagdad<\/em>. \u00a035\/<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die kolonisatorische Dynamik der <strong>Benennung und Umbenennung der Stadt<\/strong> und ihrer zusammengesetzten Teile ist typisch f\u00fcr die kolonialeEpoche wie die Zeit Mobutus und Kabilas. W\u00e4hrend der Kolonialzeit bezog sich nicht nur der Name der Stadt, <em>L\u00e9opoldville<\/em>, auf den Kolonialherrn, sondern auch die Namen vieler Stadtteile: <em>Belge I, Belge II, Bruxelles<\/em>. In \u00e4hnlicher Weise pr\u00e4gte sich Mobutu auf der Karte der Stadt ein, indem er Stra\u00dfen, Geb\u00e4ude (Krankenhaus <em>Mama Yemo, Stade Kamanyola<\/em>), Milit\u00e4rlager und Viertel (<em>Cit\u00e9 Mama Mobutu*, Camp Mobutu*<\/em>) umbenannte. Diese Namensgebungen veranschaulichen die st\u00e4ndigen Versuche, die Stadt zu beherrschen, Herrschaft zu erzeugen, Orte zu definieren und sprachlich zu fassen. <span style=\"color: #ff0000;\">35\/<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Kinshasa wird immer j\u00fcnger. Jugendbanden und Jugendkultur<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die lokale Aneignung, Transformation und kulturelle Reterritorialisierung der Stadt hatten bereits w\u00e4hrend der Kolonialzeit selbst begonnen. 1959 war mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung von L\u00e9opoldville j\u00fcnger als 18 Jahre, und von dieser gro\u00dfen Gruppe hatte nur die H\u00e4lfte eine Schulbildung. 1960 wurde die bereits \u00fcberbev\u00f6lkerte Hauptstadt von einer weiteren Welle von Jugendlichen \u00fcberschwemmt, die vor den Rebellionen und Kriegen im Landesinneren flohen. W\u00e4hrend eines Jahrzehnts zunehmender Unsicherheit und Unruhen tauchten Stra\u00dfenbanden von Jugendlichen ohne Schulbildung oder bezahlte Arbeit in den Stra\u00dfen von L\u00e9opoldville auf. <\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_14978\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bildschirmfoto-2023-07-02-um-21.33.39.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14978\" class=\"size-medium wp-image-14978\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bildschirmfoto-2023-07-02-um-21.33.39-360x351.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"351\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bildschirmfoto-2023-07-02-um-21.33.39-360x351.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bildschirmfoto-2023-07-02-um-21.33.39-900x876.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bildschirmfoto-2023-07-02-um-21.33.39-624x608.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bildschirmfoto-2023-07-02-um-21.33.39.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14978\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Guide des sources de l\u2019histoire de la colonisation&#8220; no.217 (<a href=\"https:\/\/www.brepolsonline.net\/doi\/pdf\/10.1484\/M.STMCH-EB.5.127294?download=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK)<\/a> Bildschirm 2023-07-02<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Zwischen 1957 und 1959, im selben Zeitraum, in dem die Verwaltungsreform stattfand, \u00f6ffneten zun\u00e4chst sechs <strong>Kinos<\/strong> ihre Pforten. Diese Kinos, die au\u00dfer in den \u201eeurop\u00e4ischen\u201c Vierteln <em>Ngaliema, L\u00e9opoldville<\/em> und <em>Limete<\/em> \u00fcberall in der Stadt florierten, wurden bald zu beliebten Treffpunkten der Jugend, insbesondere der Jugendlichen am Rande der kolonialen Stadtordnung. Insbesondere Hollywood-Western hatten einen enormen Einfluss auf die Art und Weise, wie sich die urbanen Jugend-Subkulturen dieser Zeit ausdr\u00fcckten. Besonders das Bild des B\u00fcffelj\u00e4gers und Kulturhelden <strong><em>Buffalo Bill<\/em><\/strong> neben anderen Cowboys wie <em>Pecos Bill<\/em> hinterlie\u00df einen tiefen Eindruck. Diese Cowboys waren ideale Vorbilder f\u00fcr die jungen <em>Kinois<\/em>, die das Aussehen (Blue Jeans, Karohemd, Halstuch, Lasso) und die Ticks der Hollywood-Schauspieler nachahmten. Nach jedem Film fuhren sie auf ihren &#8222;Fahrradpferden&#8220; umher, um die Botschaft des Westerns (<em>mofewana<\/em>, Lingala-Deformation von Far West) zu verk\u00fcnden, und riefen laut <em>Bill oyee<\/em>!, woraufhin die Umstehenden mit<em> serumba<\/em> antworteten! <strong>Der \u201eBillismus\u201c <\/strong>brachte um 1957 verschiedene konkurrierende Jugendbanden hervor, die meisten Banden, wie die &#8222;<em>Yankees of Ngiri-Ngiri<\/em>&#8222;, um einen Anf\u00fchrer, den \u201eVorfahren\u201c, \u201ePriester\u201c (<em>pr\u00eatre<\/em>), \u201eSheriff\u201c oder \u201eGro\u00dfmeister\u201c (grand-pr\u00eatre). Bekannt waren <em>William Booth<\/em> und <em>Gazin<\/em>, <em>Grand Billy, Ross Samson, Monerona<\/em> (Autor eines popul\u00e4ren Liedes <em>Wele Kingo<\/em>), <em>Tex Bill, Mive John, Mobarona, Khroutchev, Long Li Su, Azevedo, Eboma, Vieux Porain Zanga-Zanga, Libre, De Goum, Moruma, Demayo.<\/em> Die meisten von ihnen waren bekannte lokale Straft\u00e4ter. <span style=\"color: #ff0000;\">36\/<\/span> Anf\u00e4nglich lebten die jungen Leute zusammen in H\u00e4usern (genannt &#8222;<em>Ranches<\/em>&#8220; oder &#8222;Tempel&#8220;). Sp\u00e4tere Gruppen trafen sich in einem <em>Nganda<\/em>, einem Treffpunkt rund um ein Bar-Restaurant. Bekannte <em>Ngandas<\/em> waren <em>Dynamic<\/em> und <em>Mofewana<\/em> in <em>Ngiri-Ngiri <\/em>oder <em>L&#8217;Enfer<\/em> und <em>Okinawa<\/em> in <em>Ndjili<\/em>. Diese Gruppen organisierten sich in kleinen territorialen Stra\u00dfengangs in der ganzen Stadt (in <em>Ngiri-Ngiri<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span>, Saint-Jean, Camp Luka, Bandal, Kintambo, Bandalungwa*, Barumbu, Kinshasa<span style=\"color: #000000;\">*<\/span><\/em> und sp\u00e4ter <em>Lemba*, Ndjili*, Matete*, Yolo<\/em>) und machten wie Sheriffs in ihrer Nachbarschaft &#8222;das Gesetz&#8220; (<em>kodondwa<\/em>) und die &#8222;geschaffene Ordnung&#8220; (<em>tobongisa<\/em>, einer der Slogans der <em>Bills<\/em>), w\u00e4hrend sie f\u00fcr ihren Lebensunterhalt stehlen und mit benachbarten Banden um Territorien k\u00e4mpfen. Jedes Territorium mit seinen <em>Ranches<\/em> und <em>Ngandas<\/em> hatte somit seine H\u00e4uptlinge und Unterh\u00e4uptlinge, seine Ritualspezialisten, die als <em>Professeurs<\/em> bekannt sind, seine eigenen Gesetze und Regeln, die vom Meister jeder einzelnen Bande erkl\u00e4rt wurden, seine eigenen Steuersysteme (wobei andere B\u00fcrger f\u00fcr eine sichere Passage durch das Gangterritorium bezahlen mussten) <span style=\"color: #ff0000;\">37\/<\/span> und eigene Freizeitrituale wie Gewichtheben, Gangbang mit M\u00e4dchen aus der Nachbarschaft oder das Rauchen von Marihuana. Der Billismus richtete sich auch stark auf Musik und Gitarren. Die Bewegung war selber an der Gr\u00fcndung mehrerer lokaler <strong>Orchester <\/strong>beteiligt, aus denen sich sp\u00e4ter bekannte Bands wie <em>Zaiko<\/em> entwickelten. Der Billismus mobilisierte und kanalisierte die sozialen Kr\u00e4fte vom Rand und trug wesentlich zur Etablierung einer der m\u00e4chtigsten Ausdrucksformen in Kinshasas extravaganter Popul\u00e4rkultur bei.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Au\u00dferdem hatte jede dieser Stra\u00dfengruppen ihre eigenen <strong>Initiationsrituale<\/strong>. Sie bestanden normalerweise aus einer Zeit der Abgeschiedenheit im Busch (wodurch das \u00e4ltere l\u00e4ndliche Modell des <em>mukanda<\/em>-Beschneidungslagers nachgeahmt wurde). Dort wurde man in einem bestimmten ritualisierten Kampfstil trainiert, <em>Bilayi<\/em> genannt, bei dem man w\u00e4hrend eines Kampfes seinen Kopf gegen eine Person st\u00f6\u00dft. Insgesamt legten die <em>Billies<\/em> gro\u00dfen Wert auf Gewalt, Ausdauer, K\u00f6rperkraft und Mut (Eigenschaften, die in den Spitznamen betont werden, die die <em>Bills<\/em> einander verliehen haben, <span style=\"color: #ff0000;\">38\/<\/span> wie \u201ehartes Holz\u201c (<em>bois dur<\/em> oder <em>bois fort<\/em>); die gleiche Betonung der Gewalt kehrt wieder in popul\u00e4ren Slogans des Billismus: <em>azongaka sima te<\/em>, \u201eein Bill zieht sich nie zur\u00fcck\u201c, <em>tokende liboso<\/em>, \u201ewir gehen voran\u201c). Was die <em>Bills<\/em> vor allem auszeichnete, war die Verwendung einer bestimmten <\/span>Argot, bekannt als <span style=\"color: #000000;\"><strong><em>Hindubill<\/em><\/strong>, eine Mischung aus Franz\u00f6sisch, Lingala, Englisch und lokalen Volkssprachen. In einer gegenhegemonialen Umkehrung bezieht sich \u201e<em>Hindu\u201c<\/em> auf \u201eIndianer\u201c(d.h. der Staatsagenten), die nat\u00fcrlichen Feinde der Cowboys. Es bezieht sich auch auf das &#8222;indische&#8220; Marihuana, das die <em>Bills<\/em> geraucht haben. &#8222;<em>Hindu<\/em>&#8220; verr\u00e4t m\u00f6glicherweise auch den Einfluss von Hindi-Filmen, die in dieser Zeit in den Kinos von L\u00e9opoldville gezeigt wurden. Dieser indische filmische Einfluss ist zum Teil daf\u00fcr verantwortlich, dass die Figur der <strong><em>mami wata<\/em><\/strong> \u2013 halb Frau, halb Fisch, die Zugang zu Reichtum im Gegenzug f\u00fcr Menschenleben verspricht \u2013 in den 1960er Jahren begann, die Vorstellungskraft der Stadt zu dominieren. In Kinshasas popul\u00e4ren Gem\u00e4lden erscheint <em>mami wata <\/em>ausnahmslos als eine wei\u00dfh\u00e4utige &#8222;indische&#8220; Dame (und dies trotz des westafrikanischen Ursprungs der <em>Mami-Wata<\/em>-Figur).<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_13773\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_20220402_0016.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13773\" class=\"size-medium wp-image-13773\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_20220402_0016-360x209.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"209\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_20220402_0016-360x209.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_20220402_0016-900x523.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_20220402_0016-624x363.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_20220402_0016.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13773\" class=\"wp-caption-text\">Sacred Waters p.136 fig.9.7- Foto Bogumil Jewsiewicki<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gleichzeitig tritt der <strong>Cowboy als emanzipatorische Figur<\/strong> hervor, die den Geist der kommenden Unabh\u00e4ngigkeit repr\u00e4sentiert. Die Bills spielten eine wichtige Rolle bei den Pl\u00fcnderungen und dem Aufstand, der sich im Januar 1959 in Kinshasa ausbreiteten. Sie re-territorialisierten die Stadt auch auf andere Weise, indem sie verschiedene Bereiche, M\u00e4rkte, Schulen, Bars und andere \u00f6ffentliche Pl\u00e4tze der Stadt umbenannten. Diesen gaben sie Namen wie <em>Texas, Dallas, Casamar und Godzilla.<\/em> Zweifellos parodierten die Umbenennungen die Besessenheit der Kolonisatoren von Kartierung und Etikettierung, kommentierten zugleich scherzhaft die Anspr\u00fcche der erstarkenden nationalistischen Bewegung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Mit der sich zuspitzenden \u201eKongo-Krise\u201c und den zunehmenden Unruhen im ganzen Land <strong>ab November 1960<\/strong> entstanden neue Jugendbanden. Sie bedienten sich noch des Vokabulars der <em>Bills<\/em>, verlegten sich aber zunehmend auf die Figur des Soldaten, mit Bezug etwa zu den Blauhelmen der Vereinten Nationen, und spiegelten damit die sich wandelnden Zeitumst\u00e4nde. Der Billismus legte den Grundstein f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der zeitgen\u00f6ssischen st\u00e4dtischen Jugendkultur. Kinshasas Kinos sind l\u00e4ngst verschwunden. Stattdessen gibt es Filme im Fernsehen oder sie werden in kleinen Videotheatern in der Nachbarschaft angeschaut, wo man normalerweise f\u00fcr ein komplettes Abendprogramm bezahlt, <span style=\"color: #ff0000;\">39\/<\/span> mit Ausschnitten der neuesten kongolesischen Hits und Konzerte, einem Film \u00e0 la Ninja oder Rambo, etwas Fu\u00dfball und, um das Ganze abzurunden, einem Pornofilm. Die w<\/span><span style=\"color: #000000;\">estlichen Actionfilm-J\u00e4ger und -Krieger\u00a0 <em>Zorro, Rambo, Superman, Terminator, Godzilla<\/em> und die <em>Power Rangers<\/em> sind zu g\u00e4ngigen Vorbildern f\u00fcr Kabilas <em>Kadogos<\/em> (Kindersoldaten) und f\u00fcr die st\u00e4dtische Jugend im Allgemeinen geworden. Das <\/span><span style=\"color: #000000;\">erinnert an die <em>Billies<\/em> in den 1950er Jahren. <\/span><span style=\"color: #ff0000;\">40\/<\/span><\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>DAS DORF UND DIE \u201aWALDSTADT\u2019 KINSHASA (<\/strong><em>THE VILLAGE AND THE FOREST CITY<\/em><strong>)<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das Land ern\u00e4hrt Kinshasa, bildet seine nat\u00fcrliche Kulisse und existiert in der Stadt als Kontrast. Es ist dieser Kontrast, der es der Stadt erm\u00f6glicht, sich als Stadt zu gestalten, sich als Zentrum au\u00dferhalb des wurde und wird. In Wirklichkeit wurde diese st\u00e4dtische Identit\u00e4t st\u00e4ndig durchdrungen und geformt, indem sie sich mit den Traditionen, Moralvorstellungen und der Vergangenheit des Dorfes vermischte und von ihnen abh\u00e4ngig war. <span style=\"color: #ff0000;\">40\/41<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Eine lange modernistische Tradition entwirft die Welt in einem polarisierten Rahmen, der beispielsweise Moderne und Tradition, Stadt und Land, Zentrum und Peripherie gegen\u00fcberstellt, \u201ewarme\u201c und \u201ekalte\u201c Gesellschaften, Kultur und Natur, m\u00e4nnlich und weiblich, urban erzeugte \u201eharte Rationalit\u00e4t\u201c des liberalen Kapitalismus und l\u00e4ndliche \u201e\u00d6konomie der Zuneigung\u201c und so weiter. Die Unterscheidungen sind jedoch nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich. Es ist zweifellos ein <strong>Wahrnehmungsfehler<\/strong>, sich ausschlie\u00dflich auf das Zentrum oder die Stadt zu konzentrieren, um die Moderne (oder die Konstruktion beispielsweise \u201emoderner\u201c m\u00e4nnlicher afrikanischer Identit\u00e4t) zu verstehen. Die Art und Weise, wie St\u00e4dtisches und L\u00e4ndliches in der Postkolonie st\u00e4ndig aufgel\u00f6st werden, erfordert eine phantasievolle Theoretisierung dieser Realit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Zum Beispiel ist der Raum der Stadt auch in der Vorstellung der Bewohner zunehmend auch zum Raum des Waldes geworden. Die J\u00e4gerlandschaft, die zu den potentiell gef\u00e4hrlichen, grenznahen R\u00e4ndern geh\u00f6rt, wird somit st\u00e4ndig auf die st\u00e4dtische und damit \u201ezentrale\u201c Landschaft projiziert. Daher bezeichnet sich <strong>Werrason<\/strong>, der aktuelle ungekr\u00f6nte K\u00f6nig der popul\u00e4ren Musikszene von Kinshasa, selbst als <strong>\u201eK\u00f6nig des Waldes\u201c<\/strong> (<em>le roi de la for\u00eat<\/em>) und \u201eH\u00e4uptling der Tiere\u201c (<em>mokonzi ya banyama<\/em>). Es ist kein Zufall, dass die Bar, ein \u00e4u\u00dferst wichtiger Ort in der Stadtlandschaft, oft als Dorf umdefiniert wird, wie z. B. <em>Village Syllo <\/em>mit seiner l\u00e4ndlichen Umgebung an der <em>Avenue Lumumba<\/em><span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span> oder <em>Limete<span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span><\/em>s <em>Village Bercy<\/em>. In letzterem sind die Gl\u00fchbirnen in Aladdin-Lampen gesteckt, die das L\u00e4ndliche und D\u00f6rfliche heraufbeschw\u00f6ren. <span style=\"color: #ff0000;\">41\/<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Oft wird <strong>die Bar <\/strong>auch <strong>als Wald <\/strong>konzipiert. Das Hauptquartier von <em>Werrason <\/em>ist eine Open-Air-Bar namens <em>Zamba Playa<\/em> (<em>Zamba<\/em> bedeutet auf <em>Lingala<\/em> \u201eWald\u201c). In der Phantasie ist die n\u00e4chtliche Umgebung der Bar zweifellos einer der wichtigsten Orte, an denen die Stadt ihre Urbanit\u00e4t und Modernit\u00e4t am besten zur Geltung bringt <span style=\"color: #ff0000;\">41\/<\/span> und wo &#8222;Diamantenj\u00e4ger&#8220; und andere, die Zugang zu Dollars haben, durch demonstrativen Konsum von Bier, Frauen und Konsumg\u00fctern ihre Interpretation des guten Lebens aufsp\u00fcren und erjagen, wie sie von ihrer Vorstellung von Modernit\u00e4t versprochen und definiert wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Einmal pro Woche verlassen riesige Buslaster namens CITY-TATA (&#8222;Stadtvater&#8220;) Kinshasa, um Passagiere \u00fcber eine verw\u00fcstete und gef\u00e4hrliche Stra\u00dfe, die fr\u00fcher eine glatt asphaltierte Autobahn war, nach Kikwit zu transportieren, 500 Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich der Hauptstadt.<span style=\"color: #ff0000;\"> 42\/<\/span> Analog zu diesen Trucks wurde der Name CITY-MAMA kleinen K\u00f6rbchen verliehen, die von immer mehr Stadtfrauen,<strong> Sammlerinnen<\/strong>, den <em>mamas miteke<\/em>, genutzt werden, die ohne Einkommen, Garten oder Feld zum Bestellen sind. Diese Frauen sammeln im Busch und in den S\u00fcmpfen rund um die Stadt die kleinen Wurzeln und Larven. Wie die Fahrg\u00e4ste im CITY-TATA-Bus werden die Wurzeln dann im \u201eKorb-Bus\u201c auf den Frauenk\u00f6pfen zur\u00fcck in die Stadt transportiert. (Ironischerweise wird Kinshasa in Bezug auf den Waldrand zu einer Zeit neu definiert, in der W\u00e4lder rund um die Stadt schnell verschwinden, eine Tatsache, die sogar ihr Mikroklima ver\u00e4ndert hat.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">So scheint es, dass in Kinshasa heute die lokale <strong>Logik des Jagens und Sammelns<\/strong> die urbane Welt durchdrungen, sowohl metaphorisch als auch praktisch mit ihren eigenen Moralvorstellungen zu Verbrauch und Umverteilung und mit ihren spezifischen Wegen der Selbstverwirklichung. Gerade f\u00fcr die urbane Jugend ist der J\u00e4ger ein Identifikationsmodell, eine Figur des Erfolgs und hohen Ansehens. Es ist kein Zufall, dass gerade <em>Buffalo Bill<\/em>, ein B\u00fcffelj\u00e4ger, f\u00fcr Kinshasas Jugend zum Kulturhelden wurde. F\u00fcr die <em>bana Lunda<\/em> (\u201eKinder von Lunda\u201c) oder <em>basali ya mbongo <\/em>(\u201ediejenigen, die Geld erarbeiten\u201c), die zahlreichen Jugendlichen, die Kinshasa und andere urbane Zentren verlassen, um auf der Jagd nach Diamanten Hunderte von Kilometern zu den angolanischen Diamantenfeldern von Lunda Norte zu reisen, ist das ein \u00e4u\u00dfert wichtiger Teil bei der R\u00fcckeroberung und Gestaltung (refashioning) des st\u00e4dtischen Raums. <span style=\"color: #ff0000;\">43\/<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Die Passage nach Angola<\/strong> ist somit eine zeitgen\u00f6ssische Version einer viel \u00e4lteren Strategie der Selbstverwirklichung als J\u00e4ger und Krieger. Es handelt sich um einen regelrechten \u00dcbergangsritus nach dem Vorbild des alten <em>Mukanda<\/em>-Beschneidungsrituals, das immer noch auf dem Land praktiziert wird und auf das sich Jugendliche ausdr\u00fccklich beziehen, wenn sie ihre Erfahrungen von den angolanischen Diamantenfeldern teilen und diskutieren. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Vergangenheit &#8211; als d\u00f6rfliche Jagd- und Umverteilungsmoral und der entsprechenden Selbstverwirklichung \u2013 nicht als statisches Modell auf die urbane Gegenwart \u00fcbertragen wird. F\u00fcr die st\u00e4dtische Jugend wird die Vergangenheit zu einer Quelle ihrer aktiven Auseinandersetzung mit der Gegenwart, und zwar in kreativen Formen, wie sie sich zum Beispiel die Musiker von Kinshasa in ihren Videoclips vorstellen. Dort wird die Person des &#8222;traditionellen H\u00e4uptlings&#8220; h\u00e4ufig nachgestellt und als m\u00e4chtige Ikone der Macht neu erschaffen. Im Allgemeinen wird l\u00e4ndliche &#8222;folkloristische&#8220; Musik seit den 1980er Jahren von st\u00e4dtischen Bands wie <em>Swede-Swede<\/em> und ihrem Leads\u00e4nger <em>Boketshu Premier<\/em> kontinuierlich recycelt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gleichzeitig hat <strong>die l\u00e4ndliche Peripherie <\/strong>wieder an <strong>Bedeutung<\/strong> gewonnen. W\u00e4hrend die Stadt in gewisser Hinsicht d\u00f6rflich geworden ist, ist der Busch der Ort, an dem Dollars generiert werden und D\u00f6rfer sich in boomende Diamantensiedlungen verwandeln, wo sich das Leben um Geld und den Konsum von Frauen <\/span><span style=\"color: #000000;\">und Bier <\/span><span style=\"color: #000000;\">dreht . Die kleinen Diamanten-Boomtowns <em>Kahemba <\/em>und <em>Tembo<\/em> <span style=\"color: #ff0000;\">44\/<\/span> entlang der Grenze zwischen der kongolesischen Provinz<em> Bandundu <\/em>und der angolanischen Provinz <em>Lunda Norte <\/em>sind f\u00fcr die kapitalistische Dynamik zentral geworden. Diamantenhandel und Dollarisierung sind damit auch Symbol einer R\u00fcckkehr zur Handelspostenwirtschaft (<em>comptoir, <\/em>Faktoreien) Leopolds, die Ausgangspunkt von Kinshasa und so vielen anderen St\u00e4dten in ganz Afrika war. Orte wie <em>Mbuji-Mayi<\/em> oder <em>Tshikapa <\/em>(<em>Kasai<\/em>), <em>Kahemba<\/em> und <em>Tembo<\/em> (im S\u00fcden von <em>Bandundu<\/em>), <em>die Kwango<\/em>-Diamantensiedlungen in Angola und Diamantenfarmen um <em>Kisangani sind <\/em>in gewisser Weise zu globalisierten R\u00e4umen geworden. Ihre wirtschaftliche und kulturelle Dynamik verbindet sie mit vielen anderen Orten auf dem Globus, die eine Rolle in einer halbformellen Weltwirtschaft spielen, von<em> Luanda<\/em>, <em>Kinshasa<\/em>, <em>Brazzaville<\/em>, <em>Bangui<\/em> und <em>Bujumbura <\/em>bis<em> Antwerpen, Mumbai, Beirut, Tel Aviv <\/em>und <em>Johannesburg<\/em>. Gleichzeitig haben diese lokal produzierten Buschdollars auch die weitere Entwicklung, Wiederbelebung, manchmal sogar (relative) Gentrifizierung bestimmter Gebiete in <em>Kinshasa <\/em>bewirkt: <em>Masina<\/em><em>*\u2019<\/em><em>s<\/em> Quartier <em>Sans Fil<\/em>, <em>Ndjili<\/em><span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span>s <em>Quartier Sept, <\/em>einige Teile von <em>Lemba<\/em><span style=\"color: #ff0000;\">*<\/span> und weitere Wohngebiete von <em>Salongo<\/em> und <em>Righini<\/em>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>WIRKUNG DER\u00a0 &#8222;DIASPORA&#8220;(BELGIEN) AUF KINSHASA<br \/>\n<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">W\u00e4hrend der Kolonialzeit praktisch von Reisen ins Ausland ausgeschlossen, nahmen die Kongolesen nach der Unabh\u00e4ngigkeit schnell an immer intensivere Migrationswellen teil. Diese wurden durch den allm\u00e4hlichen wirtschaftlichen Niedergang verst\u00e4rkt, der in der zweiten H\u00e4lfte der 1970er Jahre sichtbar wurde und gegen Ende von Mobutus langer und katastrophaler Herrschaft verbl\u00fcffende Dimensionen erreichte. Der Zusammenbruch des zairischen Staates und die zunehmend rauheren Lebensbedingungen in Kinshasa und im ganzen Land f\u00fchrten zu einer enormen Abwanderung. Von dieser Zeit an wird die Stadt auch zur riesigen <strong>Evakuierungsmaschine<\/strong>. Komplexe (semi-)informelle \u00d6konomien entwickeln sich, welche die Produktion, den Verkauf und den Kauf dieser seltenen G\u00fcter beinhalten, die Visa, P\u00e4sse, Geb\u00fchren und alle anderen Dokumente und Stempel genannt werden, die ben\u00f6tigt werden, um sich aus und \u00fcber den immer enger werdenden Horizont des blo\u00dfen \u00dcberlebens hinaus zu bewegen. Zuletzt haben sich diese informellen \u00d6konomien der Evakuierung um Kinshasas Musiker gedreht. Jedes Mal, <span style=\"color: #ff0000;\">45\/<\/span> wenn Orchester au\u00dferhalb des Kongo Konzerte geben, reisen sie mit einer wachsenden Zahl von &#8222;Musikern&#8220;, die im Ausland &#8222;ihren K\u00f6rper ablegen&#8220; (<em>kobwaka nzoto<\/em>) und als illegale Einwanderer (<em>ngulu<\/em>) eine Existenz aufbauen. <strong>Die erste Station<\/strong> auf dem oft schwierigen Weg der diasporischen Existenz war fast immer <strong>Belgien<\/strong>, und auch heute noch bleibt der Stadtteil <strong><em>Matonge <\/em>in Br\u00fcssel<\/strong> Brennpunkt von Kinshasas Spiegel in der Diaspora. In vielerlei Hinsicht ist dieses belgische <em>Matonge<\/em> weiterhin der soziale und kulturelle Knotenpunkt der kongolesischen Migration in Europa. Benannt ist es nach einem der lebhaftesten Viertel von Kinshasa, dem schnell schlagenden Herzen des Nachtlebens und der popul\u00e4ren Musikszene der Stadt, mit seinem lebhaften zentralen Platz, <em>Rond Point Victoire<\/em>, mit seinen Nachtclubs und Open-Air-Bars und <em>ngandas<\/em>, mit seinem westafrikanischen H\u00e4ndlern (<em>commercants<\/em>) in ihren h\u00f6flichen <em>boubous<\/em>, den stolzen Nachkommen der K\u00fcstenbewohner, die in den 1930er Jahren in Kinshasa ankamen, mit seinem frisch ger\u00f6steten <em>Kamundele<\/em>-Ziegenfleisch und seinem \u00fcberf\u00fcllten <em>Djakarta<\/em>-Markt, der nachts von Hunderten kleiner Petroleumlampen beleuchtet wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Im Kongo<\/span><span style=\"color: #000000;\"> wie anderswo in Afrika beschw\u00f6rt der Spiegel des Westens den Besitz des Wunderbaren herauf. Die kollektiven Phantasien \u00fcber den Westen (als <em>Putu<\/em>, <em>Miguel, Mikili<\/em> oder <em>Zwenebele<\/em> bezeichnet) sind reich an m\u00e4rchenhaften Bildern, die das Wunderland der Moderne und den luxuri\u00f6sen, fast paradiesischen Lebensstil des Westens heraufbeschw\u00f6ren. <span style=\"color: #ff0000;\">46\/<\/span> In Lingala zum Beispiel wird <strong>Belgien als <em>lola<\/em>, \u201eHimmel\u201c<\/strong>, bezeichnet, und man w\u00fcrde in diesem <em>Mputuville<\/em> fast alles tun, \u201eum zu sterben\u201c (<em>fwa ku mputu<\/em>). \u201eDer Westen\u201c, als Topos der kongolesischen Imagination, wo man umsonst die Vorz\u00fcge endloser Reicht\u00fcmer genie\u00dft, fasst alle Qualit\u00e4ten des guten Lebens zusammen. Der Lebensstil einer lokalen reichen st\u00e4dtischen Elite und der Auswanderer best\u00e4tigt die Realit\u00e4t dieser Idee des Westens. Dieses Bild wird auch durch w\u00f6chentliche lokale Fernsehsendungen verst\u00e4rkt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Anstatt diesen Mythos in der Heimat aufzul\u00f6sen, unternehmen Menschen, die <\/span><span style=\"color: #000000;\"> selbst <\/span><span style=\"color: #000000;\">die oft harte Realit\u00e4t des Lebens in der Diaspora durchmachen, normalerweise gro\u00dfe Anstrengungen, um dieses d\u00fcstere Bild zu leugnen. Das Eingest\u00e4ndnis, dass das Leben im Westen oft ein Leben in Armut ist, entwertet den Topos des westlichen Paradieses f\u00fcr die Zur\u00fcckgebliebenen an der Heimatfront nicht. Es gilt als Beweis pers\u00f6nlichen Versagens <\/span><span style=\"color: #000000;\">. Anstatt zu verraten, dass das Leben in der Diaspora nicht so einfach ist, schicken im Ausland lebende Kongolesen daher oft lieber Bilder von sich vor einem Mercedes nach Hause, ohne zu erw\u00e4hnen, dass der Mercedes eigentlich dem Nachbarn geh\u00f6rt. Europa (und zunehmend die Vereinigten Staaten als ultimatives Pilgerziels; \u201eder <em>Putu,<\/em> der <em>Banoko<\/em>\u201c [der Onkel, d.h. der Belgier]) wird weiterhin von diesen positiven Begriffen umrahmt. Europa ist <em>malili,<\/em> cool, w\u00e4hrend Afrika <em>moto<\/em>, hei\u00df, voller Leiden ist. F\u00fcr die meisten beschw\u00f6rt das Ideal von <em>Putu<\/em> eine Welt ohne Verantwortung herauf: \u201eEtwas ist kaputt? Keine Sorge. Bring es dem wei\u00dfen Mann und er wird es reparieren\u201c, sang <strong>Feu Pepe Kalle<\/strong> in einem seiner Lieder.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Trotzdem bekommt dieser Mythos des Westens L\u00f6cher. Ein anderer Satz von Pepe Kalle lautet: <em>Bakende Putu, Bakweyi na D\u00e9ser<\/em>t, <strong>\u201eSie gingen nach Europa, landeten aber in der W\u00fcste.<\/strong>\u201c Der Satz vermittelt die Entmythologisierung der Idee von Europa. Diejenigen, die jetzt in der Diaspora leben, haben entdeckt, dass das Leben in <em>Putu<\/em> in Wirklichkeit eine W\u00fcste ist, ein Leben in Armut, voller Probleme mit Geld, Wohnung, Visa und so weiter. Gleichzeitig vermittelt der Satz aber auch eine zweite Bedeutung: \u201eWir Kongolesen haben uns auf den Weg gemacht, uns in eine globale \u00d6kumene der Moderne einzuf\u00fcgen, aber wir haben unser Ziel nie erreicht. Irgendwann ist uns der Treibstoff ausgegangen und wir mussten in der W\u00fcste landen.&#8220; <span style=\"color: #ff0000;\">47\/ <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Welt der Moderne mit ihren verlockenden Versprechungen eines grenzenlosen Konsum<\/span><span style=\"color: #000000;\"> ist unerreichbar, au\u00dfer f\u00fcr diejenigen, die an der Lotterie der Politik teilnehmen, einen bezahlten Job haben, wissen, wie man Zugang zu internationalen Organisationen und Unternehmen hat, oder \u00fcber Diamantendollar verf\u00fcgen.<\/span><span style=\"color: #000000;\">Schuld an der Unerreichbarkeit dieser westlichen Version des guten Lebens sind nicht nur die Exzesse der Mobutu-\u00c4ra, sondern zunehmend auch der Westen selbst. &#8222;Als die Belgier gingen, gaben sie uns die Unabh\u00e4ngigkeit, aber gleichzeitig warfen sie den Schl\u00fcssel zum \u00d6ffnen der T\u00fcr zur Entwicklung ins Meer&#8220;, ist eine h\u00e4ufig geh\u00f6rte Bemerkung im Kongo. Ein Ladenbesitzer eines neu er\u00f6ffneten Ladens malte \u00fcber den Eingang folgendes Motto: <em>A qui la faute? Chez le blanc! &#8211;<\/em> &#8222;Wer ist schuld? Der Wei\u00dfe!&#8220; <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die zunehmende Abkehr von dieser Definition der Moderne\u00a0 hat damit zu tun, dass immer mehr Kongolesen auf einen subalternen Status als Teil eines anschwellenden Proletariats der Dritten Welt reduziert werden. In <em>Ma Personnalit\u00e9<\/em>, einem Lied aus seinem 2002 erschienenen Erfolgsalbum <em>A la queue leu-leu<\/em>, singt <strong>Werrason <\/strong><a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Werrason\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(LINK<\/a> auf franz\u00f6sisch):<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Der wei\u00dfe Mann sagt, dass er den <\/span><\/strong><strong><span style=\"color: #000000;\">Truthahn erfand!\u00a0\u00a0 <\/span><\/strong><span style=\"color: #000000;\"><em>Mundele alobi ye moto asala<\/em> dindon<em>, eeh!\u00a0\u00a0 <\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Po ye alia mokongo,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>Denn er isst die Brust des Truthahns<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Na Ethiopiens balei mopende,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em> Die \u00c4thiopier essen die Beine<em> (drumsticks)<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Bachinois balei mapupu.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>Die Chinesen essen die Fl\u00fcgel.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Ah biso tolei libabe<\/em>! \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Ah, Wir essen das Fett des B\u00fcrzels (Fettstei\u00df) <span style=\"color: #ff0000;\">48\/<\/span><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Werrason spielt mit dem Wort <em>libabe,<\/em> was \u201eUngl\u00fcck\u201c bedeutet, sich aber in diesem Zusammenhang auch auf die <em>tiges <\/em>bezieht, die kleinen (importierten) St\u00e4bchen ger\u00f6stetes Truthahnfett, das in den letzten Jahren auf dem Speiseplan der <em>Kinois<\/em> angekommen ist, vor allem weil es so billig ist. Diese Zeilen, die von Kinshasas Jugend sofort aufgegriffen wurden, weisen auf die komplexe und facettenreiche Beziehung hin, die der Kongo weiterhin mit dem Au\u00dfen und dem Jenseits einer globaleren, transnationalen Welt unterh\u00e4lt &#8211; vom &#8218;Wei\u00dfen&#8216; und dem Westen bis nach \u00c4thiopien und China.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr eine immer gr\u00f6\u00dfer werdende Zahl von \u201eUnzufriedenen\u201c ist die vom Westen und seinen Agenten \u2013 dem Staatsbeamten, dem Missionar, dem Entwicklungshelfer, den schwindenden lokalen urbanen Eliten \u2013 definierte und propagierte Welt der Moderne tats\u00e4chlich zu einer &#8218;Chim\u00e4re&#8216; (= <em>Mischwesen aus L\u00f6we, Ziege und Schlange<\/em>) geworden . Einige Beobachter interpretieren deshalb <em>la grande f\u00eate de Kinshasa<\/em>, die Welle t\u00f6dlicher und doch l\u00e4cherlicher Pl\u00fcnderungen, die 1991 und 1993 durch die Stadt fegte und die Wirtschaft des Landes zerst\u00f6rte, als radikalen Bruch mit dem Westen. Was bei der Pl\u00fcnderung demoliert wurde, waren die Ikonen der westlichen Moderne: schicke Restaurants, Superm\u00e4rkte und Industrieanlagen wie General Motors. Als 1997 die neuen F\u00fchrer des Kongo gr\u00f6\u00dftenteils aus der Diaspora rekrutiert wurden, wurden sie bei ihrer Ankunft im Kongo ver\u00e4chtlich als \u201eEuropas Hinterlassenschaften\u201c <strong>(<em>occasions d&#8217;Europe<\/em>)<\/strong> bezeichnet. Mit anderen Worten: Die Mitglieder dieser neuen herrschenden Elite wurden als Gebrauchtwagen wahrgenommen. In Europa und den Staaten, wo sie keine dauerhafte Position finden konnten, nicht mehr gesucht, kehrten sie wie <strong><em>Bounties<\/em><\/strong> (der Markenname einer Schokolade mit Kokosnussf\u00fcllung) in den Kongo zur\u00fcck: schwarz an der Oberfl\u00e4che und wei\u00df im Herzen. Diese zweitklassige, hybridisierte Version des Westens ist das Beste, was man bekommen kann, aber eben nie ganz der echte Artikel.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Obwohl dieser Geist des Widerstands gegen die ideologische Vorherrschaft des Westens gewiss vorhanden ist, besch\u00e4digt er nicht die Gl\u00fccksverhei\u00dfung der Moderne als solche. Ein Gem\u00e4lde eines der in Kinshasa meisten gefeierten K\u00fcnstler, Cheri Samba (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=11324\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>), tr\u00e4gt den Titel &#8222;Die Frau und ihre ersten W\u00fcnsche&#8220; (La femme et ses premiers d\u00e9sirs&#8220;). Am Ende sind das die Fr\u00fcchte, die jeder ersehnt.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_13771\" style=\"width: 560px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Ch.Samba-La-Femme-IMG_20220402_0002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13771\" class=\"wp-image-13771\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Ch.Samba-La-Femme-IMG_20220402_0002-900x582.jpg\" alt=\"Dokument\" width=\"550\" height=\"356\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Ch.Samba-La-Femme-IMG_20220402_0002-900x582.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Ch.Samba-La-Femme-IMG_20220402_0002-360x233.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Ch.Samba-La-Femme-IMG_20220402_0002-624x404.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Ch.Samba-La-Femme-IMG_20220402_0002.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13771\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;La femme et ses premiers d\u00e9sirs&#8220; in : Wolfgang Bender* &#8222;Cheri Samba&#8220; p.67 Trickster 1991 , Slg. Canal+ o.Datum 133&#215;201<\/p><\/div>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\">STADT DER EXHIBITIONISTEN .\u00a0 \u00d6FFENTLICHE GEHEIMNISSE UND SCHAUSPIELE. <\/span>\u00a0 (<em>A SECRET CITY OF PUBLIC WORDS)<\/em><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u00a0Hinter der Gartenstadt, der Waldstadt und der d\u00f6rflichen Stadt lauert eine weitere Stadt, die unsichtbare aber umso h\u00f6rbarere Stadt des Fl\u00fcsterns. Was die Kinois <em>les on dit <\/em>nennen, besteht aus hingeworfenen Worten, Fragen, \u00fcblem Verdacht und t\u00fcckischen Anklagen. <strong>Franco<\/strong>, der prominenteste Musiker, den die Stadt je hervorgebracht hat, wendet sich in einem seiner Songs bitter an <em>Radio Trottoir<\/em>: \u201eDu hast mich sabotiert, Radio Trottoir, Du hast meine Ehe zerst\u00f6rt. Mit einer Information, die du verbreitet, aber nicht einmal \u00fcberpr\u00fcft hast. Du hast meine Ehe mit deinem Klatsch zerst\u00f6rt!&#8220; In \u00e4hnlicher Weise klagt sein Zeitgenosse <strong>Tabu Ley<\/strong> in einem Lied: \u201eGossip kills this city&#8220;. Der unsichtbare Raum aus Ger\u00fcchten und Klatsch erzeugt die peinliche Intimit\u00e4t \u00f6ffentlicher Geheimnisse, einen \u00fcberf\u00fcllten und promiskuitiven gemeinsamen Lebensraum, dem sich niemand entziehen kann. <span style=\"color: #ff0000;\">50\/<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In der Kolonialzeit war\u00a0 \u201eprivat\u201c und \u201e\u00f6ffentlich\u201c in der \u201ewei\u00dfen\u201c Stadt und an den indigenen Stadtr\u00e4ndern deutlich unterschieden. Bei Sonnenuntergang verbannte eine Ausgangssperre die Kongolesen aus den europ\u00e4ischen Stadtteilen. Beide Seiten zogen sich in die Privatsph\u00e4re ihrer eigenen Wohnbereiche zur\u00fcck, ohne Kenntnis und oft desinteressiert am Leben des anderen. Die Nachbarschaften und H\u00e4user, in denen sich beide Welten geografisch ber\u00fchrten, waren oft die buchst\u00e4blichen Zwischen- und Mischwelten der <em>M\u00e9tissage, <\/em>derjenigen, die zu keiner Seite geh\u00f6rten oder die sozialen oder rassischen Grenzen \u00fcberschritten, die die koloniale Gesellschaft durchzogen. <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff0000;\">51\/ <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\">Gemischte afrikanisch-europ\u00e4ische Haushalte, meist von portugiesischen oder griechischen H\u00e4ndlern und Ladenbesitzern gegr\u00fcndet, bildeten eine Pufferzone zwischen afrikanischen und europ\u00e4ischen Nachbarschaften. Die Kolonialisten zogen sich in ihre Residenzen, B\u00fcros, Clubs und Restaurants zur\u00fcck und beschr\u00e4nkten ihren Kontakt mit der indigenen Welt auf ein funktionales Minimum, wobei sich ihre <\/span><span style=\"color: #000000;\">Lebensweise<\/span><span style=\"color: #000000;\"> nicht wesentlich von der vieler Expatriates in Kinshasa heute unterschied.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das Leben in den afrikanischen Stadtteilen hingegen spielte sich auf der <em>parzelle<\/em> und auf der Stra\u00dfe ab. Oft von einer Mauer umgeben und mit einem Eisentor abgeschlossen, schafft die Parzelle mit ihrem Haus oder ihren H\u00e4usern und normalerweise mit ihrer Mango oder Palme und ihrem kleinen Garten mit Gem\u00fcse und Feldfr\u00fcchten eine kleine Insel mehr oder weniger privater H\u00e4uslichkeit in der gemeinsamen Intimit\u00e4t der eigenen (Gro\u00df-)Familie und der verwandten Ethnie. In vielen Bereichen der Stadt ist die Parzelle jedoch von der Stra\u00dfe vereinnahmt worden. Daher sind viele Parzellen eher \u201e\u00f6ffentliche\u201c Privatr\u00e4ume. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Gleichzeitig schafft Kinshasa auch &#8222;private&#8220; \u00f6ffentliche R\u00e4ume, wie die Erholungsr\u00e4ume der Bar, des Nachtclubs, des Hotels und der <em>nganda<\/em>\u00a0 &#8211; urspr\u00fcnglich der R\u00fcckzugsort von Fischer nach der Arbeit, aber jetzt der Name f\u00fcr &#8222;formell informelle &#8220; Restaurants, oft in den Hinterh\u00f6fen von Privath\u00e4usern. Hier treffen M\u00e4nner und Frauen ihre Freunde, Liebhaber, Geliebten und Konkubinen in einer Atmosph\u00e4re der Privatsph\u00e4re und Geheimhaltung. Und doch immer auch vor aller Augen, in Reichweite der Tentakel von <em>Radio Trottoir<\/em> und im Blickfeld der \u00d6ffentlichkeit. Auch in der <em>phonie<\/em> werden privat und \u00f6ffentlich austauschbar. Jede Nachbarschaft hat ihre kleinen Scheinunternehmen, in denen man \u00fcber Funk mit ansonsten unerreichbaren Freunden und Verwandten im Landesinneren in Kontakt treten kann. Oft ist die\u00a0<em>phonie<\/em> auch ein Treffpunkt f\u00fcr Menschen der gleichen regionalen oder ethnischen Herkunft. Geldangelegenheiten, Liebesaff\u00e4ren, Heiraten, Geburten, Scheidungen, Krankheiten, Todesf\u00e4lle und andere private Familienangelegenheiten werden sowohl ins Mikrofon als auch in die Ohren der Nachbarschaft, ja auf die B\u00fcrgersteige des Landes geschrien. In Kinshasa leben das Privatleben des Einzelnen und die vom kollektiven Blick generierten Moralvorstellungen st\u00e4ndig in einem manchmal unruhigen, oft widerspr\u00fcchlichen Miteinander. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Genau wie die Stadt, in der sie leben, sind <em>Kinois<\/em> \u00e4u\u00dferst geschickt darin, nicht nur eine, sondern mehrere Identit\u00e4ten gleichzeitig zu verwalten. Die st\u00e4ndige Aushandlung dieser individuellen und kollektiven Identit\u00e4ten geschieht fast immer in der \u00d6ffentlichkeit und wird kommentiert. <span style=\"color: #ff0000;\">53\/\u00a0<\/span> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gen\u00e4hrt von der Kraft der Vort\u00e4uschung und des \u201eAls ob\u201c, ist Kinshasa im Wesentlichen eine <strong>Stadt der Exhibitionisten<\/strong> oder, wie Yoka sagt, <em>une ville-spectacle<\/em>, eine Spektakelstadt. Die urbane \u00c4sthetik des Zurschaustellens und \u00f6ffentlichen Auftretens zeigt sich am deutlichsten im privatesten Raum der Stadt, der zugleich auch ihr \u00f6ffentlichstes Theater ist: der K\u00f6rper. Kinshasa \u00fcbertrifft <strong>Prousts Paris<\/strong> und ist eine Stadt der <em>fl\u00e2neurs<\/em> und m\u00fc\u00dfigen Spazierg\u00e4nger, eine stolze sinnliche Stadt, in der sich sowohl m\u00e4nnliche als auch weibliche K\u00f6rper st\u00e4ndig verkleiden und sich in die staubigen Stra\u00dfen und Gassen jedes Viertels begeben, um gesehen zu werden, um sich in gespielter Weise zu zeigen Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber dem \u00f6ffentlichen Blick (der oft ein \u00fcberwiegend m\u00e4nnlicher Blick ist). Zuschauer kommentieren st\u00e4ndig das Outfit, die Art von Wachstuch <em>(pagne),<\/em> die eine Frau tr\u00e4gt, die Haltung des vorbeiziehenden K\u00f6rpers, seine <em>kinoiseries<\/em>: die langsame Drehbewegung des Ges\u00e4\u00dfes (<em>evunda<\/em>, &#8222;der mit Waren gef\u00fcllte K\u00f6rper&#8220;), die Form der Beine, idealerweise in Form einer umgedrehten Bierflasche (<em>mipende ya milangi)<\/em>, die Plazierung der H\u00e4nde auf den H\u00fcften, ein Zeichen der Zuversicht, die Anzahl der Falten im Nacken einer Frau (<em>kingo muambe<\/em>), der Stil der Frisur, kurz die ganze Haltung, Erscheinung und Statur der Passanten, ihre ganze soziale &#8218;Haut &#8218;und soziale Kompetenz. Die Augen der Betrachter bieten einen Spiegel, der st\u00e4ndig die eigene soziale St\u00e4rke widerspiegelt. Trotz oder gerade wegen der extremen Armut hat sich Kinshasas \u00e4sthetisches K\u00f6rperregime zu einem wahren Kult der Eleganz entwickelt, der in der <strong>Bewegung der <em>Sapeurs<\/em><\/strong> gipfelt &#8211; ein Kurzwort f\u00fcr die &#8222;Society of Fun Lovers and Elegant Persons&#8220;, <em><strong>S<\/strong>oci\u00e9t\u00e9 des <strong>a<\/strong>mbianceurs et des <strong>p<\/strong>ersonnes <strong>\u00e9<\/strong>l\u00e9gantes<\/em>. Begonnen in den fr\u00fchen 1980er Jahren um \u201eKing of Sape\u201c <strong>Papa Wemba<\/strong>, einem popul\u00e4ren Musiker,\u00a0 stieg diese Bewegung zu echten Modewettbewerben und Potlatches auf, bei denen Jugendliche ihre europ\u00e4ischen Modedesigner-Kleider zeigten, um sich gegenseitig zu \u00fcbertrumpfen. Heute bezeichnen Jugendliche ihre Designerklamotten ironischerweise als \u201eb\u00f6se Klamotten\u201c (<em>bilamba mabe<\/em>). Dieser Geist der Eleganz hat in j\u00fcngster Zeit auch einen zweiten Atemzug im bl\u00fchenden Umfeld der Pfingstgemeinden und anderer christlich- fundamentalistischer Kirchen gefunden, in denen sich die neuen Erfolgsfiguren der Stadt, ihre ber\u00fchmtesten <strong>Prediger wie Fernando Kutino<\/strong> oder <strong>Soni &#8222;<em>Rockman<\/em>&#8220; Kafuta<\/strong>, hre Armani- und Versace-Anz\u00fcge vor ihren bewundernden und ekstatischen Anh\u00e4ngern ausziehen, unter dem Motto &#8222;Man muss vor Gott rein erscheinen&#8220; (<em>Il faut \u00eatre propre devant Dieu<\/em>).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der religi\u00f6se Wandel, den die kongolesische Gesellschaft derzeit durchl\u00e4uft, hat dazu beigetragen, die Trennlinien zwischen \u00f6ffentlichem und privatem Raum zu verwischen, sowie zu einer zunehmenden Theatralisierung des Stadt. Dieser Prozess geht damit einher, dass <\/span><span style=\"color: #000000;\">diejenigen, die die vordere B\u00fchne besetzen, <\/span><span style=\"color: #000000;\">Prediger und Musiker, immer mehr zu\u00a0 &#8218;Stars&#8216; (<em>vedettes<\/em>) gemacht werde<\/span><span style=\"color: #000000;\">n (<em>starisation<\/em>). <span style=\"color: #ff0000;\">54\/<\/span><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der neue Starkult in der popul\u00e4ren Musikszene hat zu neuen Formen der Gewalt gef\u00fchrt.<\/span><span style=\"color: #000000;\"> Musik und die Tanzstile spiegeln die Kinshasa durchdringende Gewalt wider, aber auch die h\u00e4ufigen Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen begeisterten Anh\u00e4ngern rivalisierender Bands sind zunehmend f\u00fcr die wachsende Unsicherheit in Kinshasas \u00f6ffentlicvhen R\u00e4umen verantwortlich. Als Heimat von Stra\u00dfenkindern und Milit\u00e4rs sind Kinshasas Hauptverkehrsadern, Kreuzungen, M\u00e4rkte, Sportstadien und Verwaltungsstandorte oft zu einem sozialen Niemandsland geworden, das von der r\u00e4uberischen Gewalt der Stra\u00dfe regiert wird. <span style=\"color: #ff0000;\">55\/<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gleichzeitig hat der verzaubernde <strong>Raum der Kirche<\/strong> mit seinen eigenen Formen physischer und symbolischer Gewalt den Raum der Popul\u00e4rkultur eingenommen. Sie hat auch den \u00f6ffentlichen Raum als solchen beansprucht und drastisch umgestaltet. In allen Ecken der Stadt und zu jeder Tages- und Nachtzeit versammeln sich Tausende und Abertausende von Kinois, um zu beten. Dabei ist der Raum der Kirche zur Hauptb\u00fchne der Stadt geworden, ein Raum der <em>T\u00e9moignage<\/em> auch dort, wo Menschen \u00f6ffentlich ihre S\u00fcnden und ihre Bekehrung bezeugen, wo sie ihre Armut oder ihren Reichtum, ihr Elend oder ihre Segnungen zur Schau stellen und keinen Stein ihres Privatlebens auf dem anderen , kein intimes Detail unerw\u00e4hnt <\/span><span style=\"color: #000000;\">lassen<\/span><span style=\"color: #000000;\">. Dabei haben diese Kirchen auch tief in den privaten Raum eingewirkt und tragen zu einem radikalen Umbau der Familien, der Verwandtschaftsbeziehungen und ethnischen Zugeh\u00f6rigkeiten bei.\u00a0 W\u00e4hrend die religi\u00f6se Praxis eine gewaltige Anstrengung darstellt, eine neue, allumfassende Gemeinschaft (Intersubjektivit\u00e4t) auf moralischer Grundlage wiederherzustellen, st\u00f6\u00dft sie das bisherige Moralmodell weg, das vom Dorf mit seiner Ethik der verwandtschaftlichen Solidarit\u00e4t, Gegenseitigkeit und Schenkungslogik geliefert wurde. Paradoxerweise tr\u00e4gt diese Anstrengung damit zu einer zunehmenden <strong>D\u00e4monisierung des bisher gelebten gesellschaftlichen Lebens<\/strong> bei. <span style=\"color: #ff0000;\">56\/<\/span><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\">\u00a0<\/span><\/h5>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Themen des Schlu\u00dfkapitels (56-61) <em>THE FIRST AND SECOND WORLDS OF KINSHASA<\/em> sind von De Boeck auch in zwei fr\u00fcheren Aufs\u00e4tzen angesprochen worden. Siehe meinen Blog &#8222;<em>Kinshasa 2000 \u2013 apokalyptisches Lebensgef\u00fchl<\/em>&#8220; (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4608\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>).<\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Thema &#8222;<em>Sapeurs<\/em>&#8220; kam \u00fcbrigens im Kontext der Rietberg-Ausstellung <em>&#8222;Fiktion Kongo&#8220; 2020 <\/em>(<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=11046\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>) <\/span><span style=\"color: #000000;\">in den Blog, ebenso wie Leben und T\u00e4tigkeit des Malers Cheri Samba (*1956).<br \/>\n<\/span><\/h4>\n<div id=\"attachment_13774\" style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_20220402_0003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13774\" class=\"size-thumbnail wp-image-13774\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_20220402_0003-170x150.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13774\" class=\"wp-caption-text\">Selbstportr\u00e4t &#8222;Son Eminence &#8211; Dessinateur Samba&#8220; (1978?)<\/p><\/div>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\">\u00a0<\/span><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Filip De Boeck, F. &amp; M.-F. Plissart : &#8222;Kinshasa \u2013 Tales of the Invisible City and the Second World&#8220; Einleitung zum gleichnamigen Buch im Ludion Verlag Gent \/ Ko\u0308nigliches Museum fu\u0308r Zentralafrika Tervuren. 288 S. (2004\/5). Die von Academia angebotene deutsche Fassung habe ich am englischen Original korrigiert. Die Literaturangaben fehlen auch dort. K\u00fcrzungen, Raffungen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[227],"tags":[],"class_list":["post-13716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kinshasa"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13716"}],"version-history":[{"count":21,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13716\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14979,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13716\/revisions\/14979"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}