{"id":13415,"date":"2016-05-16T22:22:53","date_gmt":"2016-05-16T20:22:53","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=13415"},"modified":"2021-10-16T22:39:45","modified_gmt":"2021-10-16T20:39:45","slug":"mamiwata-und-satan-in-der-megacity-kinshasa","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=13415","title":{"rendered":"Mamiwata und Satan in der Megacity Kinshasa"},"content":{"rendered":"<p>Die &#8218;Demokratische Republik Kongo&#8216; (RDC) ist ein krasser Fall. Nach ihren katastrophalen Anf\u00e4ngen (1960\/61) ging es \u00fcber die drei\u00dfigj\u00e4hrige Diktatur Mobutus nur in eine Richtung, Richtung Zerfall. Und die Metropole Kinshasa wuchs in der Zeit auf schon zehn Millionen Menschen.<br \/>\nIn der Ausstellung zitierte ich auf der Tafel zu \u201aMamiwata\u2019 den amerikanischen Ethnologen B. Jewsiewicki (Mamiwata, 129). <!--more-->Der Text erscheint mir heute ganz wirklichkeitsfremd, so als erz\u00e4hle er ein etwas gruseliges Kinderm\u00e4rchen:<br \/>\nAn der Kongom\u00fcndung griffen Wassergeister lange schon in Heilungsprozesse ein. In der modernen Stadt betrachtet man auch Geldmangel, gesch\u00e4ftliche Misserfolge und Arbeitslosigkeit als Krankheiten, gegen welche die Sirene eine moderne Heilkraft in Stellung bringen kann. Doch wie Eva ist sie von einer Schlange begleitet und wird am Ende einen Mann zu Fall bringen. Wie eine Femme fatale isoliert die Sirene ihren Partner von der Welt seiner Frau und Kinder. Im Tausch gegen Reicht\u00fcmer wird er ihr das Leben enger Verwandter anbieten oder auf weitere Kinder verzichten. Eifers\u00fcchtig und besitzergreifend, duldet sie keinen Versto\u00df gegen die auferlegten Bedingungen. Verf\u00fchrt von dem Glanz moderner Macht, wird der Mann ruiniert durch Vergn\u00fcgen und Konsum. Der fr\u00fchere Pr\u00e4sident Mobutu genoss die Protektion der m\u00e4chtigsten Sirene. Seine schrankenlose Macht, der Tod vieler seiner Freunde, seine Flucht aus dem Kongo und sein einsamer Tod in Marokko passt zu diesem Narrativ.<br \/>\nDie Wirkung von Interpretationsmustern wie Sirenen oder Satan im kongolesischen Alltag k\u00f6nnen wir uns gar nicht lebhaft genug vorstellen. Die Nachricht l\u00f6st weniger als in Zeiten florierender \u201aHeidenmission\u2019 ideologische Impulse in Richtung Bekehrung und \u201aAufkl\u00e4rung\u2019 aus, als sie die Grenzen der Vorstellungskraft deutlich macht. So wenden wir uns vielleicht zu schnell von Menschen ab, die ihre Probleme anders bew\u00e4ltigen als wir es f\u00fcr normal und richtig halten w\u00fcrden. Uns geht es in Deutschland gut. Nicht nur die Menschen der Mittelschicht sind in Watte gepackt. Katastrophen aus der \u00fcbrigen Welt dringen vor allem als schreckliche Bilder ein. Die Realit\u00e4ten am Kongo und anderswo sowie die diversen Reaktionen der Menschen darauf werden jedoch kontinuierlich von Helfern begleitet und Wissenschaftlern beobachtet. Warum wohl?<br \/>\nIm Kongo hat sich seit \u00fcber einem Jahrzehnt das Lebensgef\u00fchl biblischer Apokalypse und Endzeit verbreitet. Man ist sich nur nicht einig, ob damit die Endzeit begonnen hat oder sich erst ank\u00fcndigt. Bei uns beschleichen solche Vermutungen vergleichsweise wenige Menschen, schon weil die christliche Bibel nicht mehr besonders pr\u00e4sent ist. Den Deutschen h\u00e4ngt man immerhin kollektiv ein entsprechendes Syndrom an: <em>German angst<\/em>.<\/p>\n<p>Mai 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &#8218;Demokratische Republik Kongo&#8216; (RDC) ist ein krasser Fall. Nach ihren katastrophalen Anf\u00e4ngen (1960\/61) ging es \u00fcber die drei\u00dfigj\u00e4hrige Diktatur Mobutus nur in eine Richtung, Richtung Zerfall. 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