{"id":12873,"date":"2021-12-01T23:00:17","date_gmt":"2021-12-01T22:00:17","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12873"},"modified":"2023-04-28T00:25:01","modified_gmt":"2023-04-27T22:25:01","slug":"walter-von-wiese-und-kaiserswaldau-und-die-zweite-expedition-nach-aequatorialafrika","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12873","title":{"rendered":"Zur Person -Walther von Wiese und Kaiserswaldau (1879 -1945) (2\/5)"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li><em><span style=\"color: #ff0000;\">hochgeladen am 8. Juni 2021\u00a0 Aktueller Stand:\u00a0<strong> Zwei Kommentare bis zum 9. Dezember 2021 <\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0 <\/span><\/em><em><br \/>\n<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 MOMENTAUFNAHME<\/h3>\n<p>Ein franz\u00f6sischer Kolonialoffizier, <em>Capitaine Devaux,<\/em> trifft den Zweiunddrei\u00dfigj\u00e4hrigen\u00a0 am 24. Februar 1911 in einem Dorf am Ubangi.<\/p>\n<div id=\"attachment_12849\" class=\"wp-caption alignright\">\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.-Wiese-Bd.I-offiz.-Portra\u0308t.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12849 \" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.-Wiese-Bd.I-offiz.-Portra\u0308t-313x360.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.-Wiese-Bd.I-offiz.-Portra\u0308t-313x360.jpg 313w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.-Wiese-Bd.I-offiz.-Portra\u0308t-782x900.jpg 782w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.-Wiese-Bd.I-offiz.-Portra\u0308t-1335x1536.jpg 1335w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.-Wiese-Bd.I-offiz.-Portra\u0308t-624x718.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.-Wiese-Bd.I-offiz.-Portra\u0308t.jpg 1714w\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"288\" aria-describedby=\"caption-attachment-12849\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-12849\" class=\"wp-caption-text\">Band 1 der 2-b\u00e4ndigen Ausgabe.: offiz. Portra\u0308t<\/p>\n<\/div>\n<p><em>Ich stieg herab und ein sch\u00f6ner gro\u00dfer Junge in Felduniform kam mir entgegen und pr\u00e4sentierte sich milit\u00e4risch im Deutschen Stil, die Hacken zusammenschlagend: Leutnant von Wies (sic!), Adjutant von Herzog Adolf-Friedrich von Mecklenburg-Schwerin. (\u2026) Zwischen Soldaten konnte der Abend nur in einem sehr interessanten Gespr\u00e4ch gut verlaufen. Aus den Geschichten, die Leutnant von Wies uns erz\u00e4hlte, wurden wir auf seine bemerkenswerte Informiertheit aufmerksam, wie zuletzt in einem Interview. Herr von Wies konnte seine sehr genaue Einsch\u00e4tzung des Wertes eines unserer Posten abgeben, da von ihm wie von allen anderen Mitgliedern der Mission die beste und vollst\u00e4ndigste Bestandsaufnahme unseres Kongo vorgenommen wurde. Als die deutsche Regierung \u00fcber die Berichte von der Mission des Herzogs von Mecklenburg erfuhr, konnte sie den \u201cPanther\u201d nach Agadir schicken, weil sie besser als wir wusste, was unser Kongo wert war und welche Teile als erste abzutrennen w\u00e4ren. <\/em><!--more--><\/p>\n<p>Devaux spricht von der ber\u00fchmten Entsendung des Kanonenboots\u00a0 Juli 1911 (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zweite_Marokkokrise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link<\/a> &#8222;Zweite Marokkokrise&#8220; ) . Aus seinen M\u00e9moiren zitiert von Schneider\/Stelzig in &#8222;Ubangi&#8220; p.279, meine \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p>Im gedruckten Bericht &#8220; Vom Kongo zu Niger und Nil&#8220; (1912) erw\u00e4hnt auch v. Wiese das Treffen:<\/p>\n<p>\u201c<em>Von Kuango weiterfahrend, traf ich unterwegs den aus Mobaye abgl\u00f6sten und heimw\u00e4rts fahrenden Hauptmann Devaux, der mir Aufschlu\u00df \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse seines Bezirks gab. Am ersten M\u00e4rz lagerte ich zum ersten Mal in einem Dorf der Sango, beim Chef Mambetto.<\/em>\u201d ( I : 249)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 WERDEGANG UND KARRIERE<\/h3>\n<p>\u00dcber diesen preu\u00dfischen Offizier scheint wenig bekannt zu sein. Ich stelle die d\u00fcrren Nachrichten seines Lebenslaufs zusammen.<\/p>\n<div id=\"attachment_12874\" style=\"width: 706px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-im-Koloniallexikon.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12874\" class=\"size-full wp-image-12874\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-im-Koloniallexikon.png\" alt=\"\" width=\"696\" height=\"409\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-im-Koloniallexikon.png 696w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-im-Koloniallexikon-360x212.png 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-im-Koloniallexikon-624x367.png 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 696px) 100vw, 696px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12874\" class=\"wp-caption-text\">v.Wiese im Koloniallexikon (Screenshot)<\/p><\/div>\n<p>Die unten abgebildete Offizier-Stammliste des 1.GRzF. zeichnet die Karriere des jungen Mannes penibel nach vom Abgang vom Gymnasium 1897 bis ins Jahr nach der zweiten Afrika-Expedition 1912. Der halbj\u00e4hrige Besuch des &#8222;Seminars f\u00fcr orientalische Sprachen&#8220; 1902\/3 in Berlin signalisiert eine Richtungsentscheidung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">1902\/03 :\u00a0 ZIVILE STUDIEN AM &#8222;SEMINAR F\u00dcR ORIENTALISCHE SPRACHEN&#8220;<\/h4>\n<p>Es lohnt sich, das von Wiese als Zweiundzwanzigj\u00e4hriger F\u00e4hnrich in Berlin besuchte &#8222;Seminar f\u00fcr orientalische Sprachen&#8220; (SOS) n\u00e4her zu betrachten. Ich zitiere zun\u00e4chst aus Wikipedia (LINK de.wikipedia.org):<\/p>\n<p>Reichkanzler Bismarck war schon 1878 w\u00e4hrend des Berliner Kongresses (Balkankrise , LINK) dar\u00fcber ver\u00e4rgert, dass ihm\u00a0 f\u00fcr das T\u00fcrkische\u00a0 kein Dolmetscher zur Verf\u00fcgung stand. Er veranlasste nach dem Eintritt Deutschlands unter die Kolonialm\u00e4chte die Gr\u00fcndung des IOS 1887 in Berlin, um dem Mangel an Fachwissen und Sprachkenntnissen hinsichtlich des Orients abzuhelfen. Es sollte Kolonialbeamte, Offiziere der Schutztruppe und Handelsreisende auf ihren Einsatz in den Kolonien und in \u00dcbersee vorbereiten.Das Institut war an die Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t angeschlossen, wurde gemeinsam von Preussen und dem Reich verwaltet,\u00a0 vom Ausw\u00e4rtigen Amt und vom Reichkolonialamt finanziert und von einem Ordinarius f\u00fcr Orientalistik geleitet. \u00dcber die &#8222;orientalischen Sprachen&#8220; hinaus (Arabisch, Chinesisch, Hindustani, Japanisch, Persisch und T\u00fcrkisch) wurden auch afrikanische Sprachen wie Suaheli, Haussa u.s.w. unterrichtet. Neben einem deutschen Gelehrten unterrichtete zumeist noch ein Lektor in seiner Muttersprache. Lehrgegenst\u00e4nde waren au\u00dferdem &#8222;Realien&#8220;, d.h. praktische Kenntnisse wie Tropenhygiene, Kolonialrecht, wirtschaftliche Verh\u00e4ltnisse, Geographie und Geschichte der betreffenden Kolonien.<\/p>\n<p>G. Kampffmeyer pr\u00e4zisiert 1923\u00a0 im Jahrbuch &#8222;Die Welt Des Islams&#8220; (vol.8 no.1, 1923) als Insider die mit dem Institut verbundenen anspruchsvollen Ziele:<\/p>\n<p>&#8222;<em>Auslandsbeamte des Reichs, weiter aber auch Kaufleute, Missionare usw., kurz alle, die sich ernstlich in Auslandsgebieten bet\u00e4tigen wollten, sollten hier in eine eindringende Kenntnis besonderer Auslandsgebiete eingef\u00fchrt werden, d. h. sie sollten in einem mehrj\u00e4hrigen Lehrgange nicht nur sich eine gr\u00fcndliche Kenntnis heute gesprochener <strong>Sprachen<\/strong> aneignen, sondern auch den besonderen <strong>Verh\u00e4ltnissen <\/strong>der von ihnen gew\u00e4hlten Auslandsgebiete, nach Geschichte, Religion, Recht, Wirtschaft usw., ein zusammenfassendes Studium zuwenden<\/em>.&#8220; Die besondere Zielsetzung des Instituts verlangte nach anderen Methoden, als an den Universit\u00e4ten vermittelt wurden<em>. &#8222;Ob Philologe, Jurist, National\u00f6konom, Geograph,\u00a0 oder der Theologe, jeder wirft f\u00fcr sich nur gelegentlich einen Blick auf einen <strong>Teil<\/strong> des Lebens einer Nation<\/em>. (6)<\/p>\n<p>Nun war aber die Organisation der SOS Sache des Preu\u00dfischen Unterrichtsministeriums, das die Welt drau\u00dfen nicht kannte, und das sich seinen Rat von der Universit\u00e4t holte, die sie auch nicht kannte. (7) Wegen der Weltfremdheit der Universit\u00e4ten und im Preu\u00dfischen Unterrichtsministerium mussten die Dozenten des Seminars \u00fcber Jahrzehnte gegen die Seminarverwaltung und die Unterrichtsbeh\u00f6rde k\u00e4mpfen, um f\u00fcr den Kenner selbstverst\u00e4ndliche Forderungen durchzusetzen, unsachgem\u00e4\u00dfe Forderungen ad absurdum zu f\u00fchren und um einer unheilvollen Verflachung des Unterrichts entgegenzuwirken. &#8222;<em>Dagegen, da\u00df die Ausbildung unserer Dolmetscher sich von der eines Oberkellners nicht wesentlich unterschieden h\u00e4tte, haben die Dozenten einen ununterbrochenen z\u00e4hen Kampf gef\u00fchrt&#8220;<\/em>. Kampffmeyer nennt ein Beispiel: &#8222;I<em>st mir nicht selbst, der ich unsere Dolmetscher in die Erfordernisse ihrer Bet\u00e4tigung in Marokko einzuf\u00fchren hatte, im Jahre 1913 schriftlich untersagt worden, das in Marokko allgemein \u00fcbliche Handbuch des arabischen Rechts von Sidi Khalil zu erkl\u00e4ren<\/em>?&#8220; (8) Kurzum, Kampffmeyer argumentiert, das SOS\u00a0 eine selbst\u00e4ndige &#8222;Auslandshochschule&#8220; werden sollen. Neidvoll blickt er auf die<em> Ecole des langues orientales vivantes<\/em> in Paris, zu der bereits Kardinal Mazarin im 17. Jh. den Ansto\u00df gegeben hatte. (5)<\/p>\n<p>Warum v.Wiese das SOS bereits nach einem Semester verlassen hat, wissen wir nicht. Als Student lernte er aber den Konflikt einer modernen praxisorientierten Fachhochschule innerhalb der etablierten Universit\u00e4tsstrukturen kennen. Sp\u00e4ter hat er sich als als begabter Planer, systematischer Arbeiter und scharfer Kritiker von Ma\u00dfnahmen gezeigt, die nicht zielf\u00fchrend nach seinem Urteil nicht zielf\u00fchrend waren. Auch in seinen Reiseberichten aus den zentralafrikanischen Kolonien Frankreichs ist diese Einstellung zu finden.<\/p>\n<p>Im &#8222;Koloniallexikon&#8220; sind seine &#8222;topographischen Aufnahmen in der Massai-Steppe erw\u00e4hnt&#8220;.<\/p>\n<p>Die Erweiterung und Vervollst\u00e4ndigung der deutschen ethnographischen Sammlungen war v.Wiese\u00a0 auf den beiden Expeditionen, die er unter Herzog von Mecklenburg 1907\/08 und 1910\/11 organisierte, ein Anliegen. An der Zweiten \u00fcbernahm er offiziell die Sparte &#8222;Ethnographie&#8220; und lie\u00df sich von Prof.\u00a0 in Hamburg eigens instruieren und mit Anweisungen und Fragebogen ausstatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>\u00a01903 &#8211; 1908 : AUFENTHALT BEI DER KOLONIALTRUPPE\u00a0 IN DEUTSCH-OSTAFRIKA<\/h4>\n<h4><span style=\"color: #ff0000;\">(Vor allem zu 1905-1907 besteht eine Informationsl\u00fccke!! \u00a0 7.6.21)<\/span><\/h4>\n<p>Schon im September 1903 scheidet Wiese aus dem Heer aus, um der &#8222;Schutztruppe f\u00fcr Deutsch-Ostafrika&#8220; beizutreten, zun\u00e4chst f\u00fcr drei Jahre, doch im M\u00e4rz 1906\u00a0 wird dem Antrag auf Verl\u00e4ngerung stattgegeben. &#8222;1905 bis 1907 K\u00e4mpfe in Deutsch-Ostafrika&#8220;, sagt die Chronik.<\/p>\n<p>N\u00e4heres habe ich noch nicht erfahren; auf der Suche nach Dr. Michael Pesek, momentan Projektleiter an der Humboldt Universit\u00e4t, habe ich mich in einer Dreht\u00fcr zwischen mehreren Sekretariaten im Homeoffice\u00a0 verfangen.6.7.21\u00a0 Schlie\u00dflich erhalte ich von Dr. Pesek am 26.7.2022 per Mail Antwort: &#8220; <em>Vielen Dank f\u00fcr die Anfrage. Leider kann ich Ihnen da \u00fcberhaupt nicht weiterhelfen. Mir ist diese Person nicht bekannt. Eine kurze Recherche in meiner Datenbank hat leider auch keine Ergebnisse gebracht. Mfg\u00a0 Michael Pesek&#8220;<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Wenn selbst er in der kleinen deutschen &#8218;Schutztruppe&#8216; v. Wiese noch nicht begegnet ist, dann ist auf dem Forschungsgebiet deutscher Kolonialgeschichte wohl noch einiges an\u00a0 Ermittlungsarbeit zu leisten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_12812\" style=\"width: 401px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Walter-v.Wiese-und-Kaiserswaldau-Axis-History-Forum-2021-01-31.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12812\" class=\" wp-image-12812\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Walter-v.Wiese-und-Kaiserswaldau-Axis-History-Forum-2021-01-31.png\" alt=\"Doku\" width=\"391\" height=\"533\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Walter-v.Wiese-und-Kaiserswaldau-Axis-History-Forum-2021-01-31.png 423w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Walter-v.Wiese-und-Kaiserswaldau-Axis-History-Forum-2021-01-31-264x360.png 264w\" sizes=\"auto, (max-width: 391px) 100vw, 391px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12812\" class=\"wp-caption-text\">Offizier-Stammliste 1.GRz.F\u00a0 in:\u00a0 History Forum\u00a0 (screenshots am 2021-01-31)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <span style=\"color: #ff0000;\">2.Teil: 1912-1920\u00a0 :<br \/><\/span><\/p><\/div>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Walter-v.Wiese-II-.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-13058\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Walter-v.Wiese-II--360x251.png\" alt=\"\" width=\"402\" height=\"280\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Walter-v.Wiese-II--360x251.png 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Walter-v.Wiese-II-.png 406w\" sizes=\"auto, (max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<h4><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\">1907 &#8211; 1912 : ADJUTANT VON ADOLF FRIEDRICH HERZOG VON MECKLENBURG<\/h4>\n<p>\u00dcber die\u00a0 Dienstleistung f\u00fcr den Herzog in den Jahren 1907 bis 1912 erf\u00e4hrt man Folgendes aus dem Archivblatt des WKM (&#8222;aus: Grootaers&#8220;)<\/p>\n<p>&#8222;1<em>907\/08 war v.Wiese milit\u00e4rischer F\u00fchrer der Deutschen Wissenschaftlichen Zentralafrika-Expedition des Herzogs. Bei dessen zweiter Expedition 1910\/11 war er auch Ethnograph. Er hatte den Herzog bereits 1905 kennengelernt, als dieser eine mehrmonatige Safari am Ostufer des Viktoriasees unternahm. Als milit\u00e4rischer Leiter der Expedition war es seine Aufgabe, auf beiden Expeditionen des Herzogs den Ablauf der Reise zu organisieren,, Transportmittel und dolmetscher zu beschaffen, die Postdienste zu regeln und die Finanzierung des Unternehmens im Auge zu behalten. von Wiese schrieb die Kapitel eins bis drei\u00a0<\/em> (&#8222;Die Ausreise ins Forschungsgebiet&#8220;, &#8222;Vom Kongo zum Schari&#8220;)\u00a0 <em>sowie zehn bis dreizehn<\/em> ( &#8222;Zum Nil hinaus&#8220;) <em>des ersten Bandes des zweib\u00e4ndigen Reiseberichts &#8222;Vom Kongo zum Niger und Nil&#8220; (1912)<\/em>.&#8220;<\/p>\n<p>Die Erste Expedition 1907\/08 fokussierte sich auf das Grenzgebiet von Uganda und Ostkongo und bleibt daher unber\u00fccksichtigt .<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">1910 &#8211; 1911 :\u00a0 ZWEITE EXPEDITION UNTER HERZOG\u00a0 MECKLENBURG<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(DER VERLAUF MACHT ZU RECHT EINEN UN\u00dcBERSICHTLICHEN EINDRUCK)<\/p>\n<p>Auf der f\u00fcnfzehn Monate dauernden Expedition teilen sich \u2013 erst verabredungsgem\u00e4\u00df, dann durch Widrigkeiten \u2013 die neun deutschen Teilnehmer in vier unterschiedliche Z\u00fcge auf: Zwei\u00a0 verlassen am 30. August 1910 das Kongobecken \u00fcber n\u00f6rdlichen Nebenfluss Sanga in Richtung der Kolonie \u201eDeutsch-Kamerun\u201c \u2013 die Region wird im November 1911 zu \u201eNeu-Kamerun\u201c \u2013 die \u00fcbrigen sieben Deutschen die Hauptexpedition \u2013 7 Europ\u00e4er mit 56 Afrikanern und zw\u00f6lf Tonnen Gep\u00e4ck \u2013 schiffen sich nach Libenge am Ubangi ein. Von dort \u2018marschiert\u2019 man nach Norden in Richtung Tschadsee, muss das Ziel wegen eines gro\u00dffl\u00e4chigen Aufstands bereits im September 1910 (I : 265)\u00a0 aufgeben und den franz\u00f6sischen &#8218;Sudan&#8216; nach einem Abstecher um den Tschadsee in Richtung des Nigerflusses verlassen. Die \u201cKl\u00e4rung mancher, den Islam betreffenden Fragen\u201d bleibt auch im Norden Nigerias ergebnislos ( I: 110). Der Herzog erh\u00e4lt letzte Berichte von Wiese am 2. M\u00e4rz 1911 aus Mobaye und von Schubotz am 6. M\u00e4rz aus Crampel am Ubangi.<\/p>\n<p>Drei Mitglieder sind in Fort Lamy (dem heutigen Djamena) umgekehrt, um durch das\u00a0 Kongobecken \u201cWeiter nach Osten\u201d zu marschieren. Einer muss gleich zu Beginn wegen Krankheit aufgeben, beiden anderen verfehlen sich in Crampel und schlagen sich\u00a0 auf parallelen Routen\u00a0 zum (britischen) Sudan\/Nil durch. v.Wiese unternimmt eine politisch und ethnographisch orientierte Tour durch drei Sultanate entlang des Mbomu-Flusses. Daran will der Zoologe Schubotz nicht teilnehmen und w\u00e4hlt eine Route durch den Ituri-Urwald, wo er u. a. das Okapi fotografiert (und jagt). Sie treffen sich erst in \u00c4gypten wieder. Am 19. Juli 1911 schifft der Herzog voon Mecklenburg sich (mit wem?) in\u00a0 Lagos ein und reist \u00fcber Togo nach Hamburg.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-1912-KARTE-18-MB.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-12862\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-1912-KARTE-18-MB-900x668.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-1912-KARTE-18-MB-900x668.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-1912-KARTE-18-MB-360x267.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-1912-KARTE-18-MB-1536x1140.jpg 1536w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-1912-KARTE-18-MB-624x463.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-1912-KARTE-18-MB.jpg 1999w\" alt=\"Doku\" width=\"625\" height=\"464\" aria-describedby=\"caption-attachment-12862\" \/><\/a><em>Hg.v.Mecklenburg : \u201cVom Kongo zum Niger und Nil\u201d1912, Kartenbeilage &#8222;\u00dcbersichtskarte&#8220;<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Die \u00dcbersichtskarte (2 x vergr\u00f6\u00dfern!) erlaubt, die in den f\u00fcnfzehn Monaten zusammen oder einzeln zur\u00fcckgelegten Strecken zwischen Kongo, Niger und Nil nachzuverfolgen. Ein tausend Meilen breiter Landstreifen unter nominell franz\u00f6sischer, belgischer oder britischer Kontrolle liegt zwischen den deutschen Kolonien Kamerun am Atlantik und Deutsch-Ostafrika am Indischen Ozean. Der Korridor weckt\u00a0 Begehrlichkeiten, denn die imperialistische Aufteilung der Interessenssph\u00e4ren hat bis 1914 keine stabilen Grenzen erzeugt. Die l\u00e4cherlich geringe Zahl an europ\u00e4ischen Eroberern ist mit der Unterwerfung und dauernden Kontrolle der Bev\u00f6lkerungen \u00fcberfordert. Doch diese ist nur mit Terror dazu zu bringen, die nat\u00fcrlichen Ressourcen des Landes zum Spottpreis zu liefern und f\u00fcr die Errichtung der imperialen Infrastruktur zu fronen. Das h\u00e4lt \u00fcber Jahrzehnte eine Spirale der Gewalt in Gang. Diese &#8222;Befriedung&#8220; &#8211; Voraussetzung f\u00fcr die Errichtung einer geordneten Zivilverwaltung &#8211; kommt in manchen Gegenden noch bis zum Zweiten Weltkrieg nicht zum Erfolg. Die europ\u00e4ischen Konkurrenten, die hinter ihren provisorisch abgesteckten Grenzen dieselben Probleme haben, sind nat\u00fcrlich neugierig, wie die anderen sie l\u00f6sen oder eben nicht l\u00f6sen. Und so begibt sich der Herzog von Mecklenburg ein zweites Mal auf eine Expedition.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">\u00a0&#8222;EXPEDITION&#8220; UND &#8222;NACHRICHTENGEWINNUNG&#8220;<\/h4>\n<p>Wir sollten uns den schillernden &#8211; und urspr\u00fcnglich milit\u00e4rischen &#8211; Charakter des Begriffs &#8222;Expedition&#8220; vor Augen f\u00fchren, warum nicht mit de.wikipedia ? (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Expedition\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>)<\/p>\n<p><em>\u201eEine Expedition, von lateinisch expeditio \u201aFeldzug\u2018,[1] expedire \u201alosmachen\u2018,[2] ist eine Entdeckungsreise oder Forschungsreise in eine entlegene oder unerschlossene Region.<\/em><\/p>\n<p><em>Fr\u00fchere Expeditionen wie die ber\u00fchmten von Marco Polo und Christoph Kolumbus wurden durch den Handel veranlasst. Regierungen machten entdeckte Gebiete zu Kolonien oder Protektoraten. Bis in die Gegenwart dienen Expeditionen zur Exploration von Rohstoffvorkommen. Seit dem 18. Jahrhundert mit seinen etablierten Gelehrtengesellschaften dienen Expeditionen h\u00e4ufig der wissenschaftlichen Forschung,<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>etwa <\/em><em>zur Entdeckung von neuen Pflanzen- und Tierarten<\/em><\/li>\n<li><em>\u00a0\u00a0 um Gebiete von besonderem Interesse zu durchqueren,<\/em><\/li>\n<li><em>\u00a0 um herausragende geografische Ziele wie den Nord- und S\u00fcdpol zu erreichen.(&#8230;.)<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Was v. Wiese und seine Kollegen unternehmen, ist im Grunde ein Teil des klassischen Milit\u00e4rischen Nachrichtenwesens,\u00a0 die \u201cNachrichtengewinnung und Aufkl\u00e4rung (NG&amp;A) durch milit\u00e4rische Kr\u00e4fte\u201c, in Wikipedia beschrieben als \u201cGewinnung und Erfassung von Informationen und Nachrichten zur Lage in Interessen-, Krisen- und Einsatzgebieten, deren Auswertung sowie lageabh\u00e4ngige, auftragsbezogene und bedarfsgerechte Bereitstellung\u201c<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erkundung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(<\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nachrichtengewinnung_und_Aufkl%C3%A4rung#Milit%C3%A4rische_Aufkl%C3%A4rung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(LINK)<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Capitaine Devaux schl\u00e4gt in seinen eingangs zitierten Bemerkungen \u00fcber &#8222;<em>Leutnant von Wies&#8220; <\/em>eben dieses Thema an:<\/h4>\n<article id=\"post-12857\" class=\"post-12857 post type-post status-draft format-standard hentry category-restkategorie\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>(&#8230;.) <em>Zwischen Soldaten konnte der Abend nur in einem sehr interessanten Gespr\u00e4ch gut verlaufen. Aus den Geschichten, die Leutnant von Wies uns erz\u00e4hlte, wurden wir auf seine bemerkenswerte Informiertheit aufmerksam, wie zuletzt in einem Interview. Herr von Wies konnte seine sehr genaue Einsch\u00e4tzung des Wertes eines unserer Posten abgeben, da von ihm wie von allen anderen Mitgliedern der Mission die beste und vollst\u00e4ndigste Bestandsaufnahme unseres Kongo vorgenommen wurde. Als die deutsche Regierung \u00fcber die Berichte von der Mission des Herzogs von Mecklenburg erfuhr, konnte sie den \u201cPanther\u201d (ein Kriegsschiff) nach Agadir schicken, weil sie besser als wir wusste, was unser Kongo wert war und welche Teile als erste abzutrennen w\u00e4ren.&#8220;\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Diese Darstellung hat einiges f\u00fcr sich. Die Idee ging vom Herzog aus, die Expedition wurde vom Kolonialministerium gesponsert. Trotzdem war die Vorbereitung der Expedition schwierig. Erst im April 1910 fiel die positive Entscheidung, die Finanzierung war bis Februar 1911 nicht sicher &#8211; als man bereits auf getrennten Routen zwischen Tschadsee und Ubangi marschierte. Die Expedition mit Botaniker, Zoologe,\u00a0 Geograf\/Insektenkundler, Arzt\/Anthropologe, und drei Milit\u00e4rs, vom denen v.Wiese auch die Ethnographie vertrat, durchquerte gro\u00dfe Gebiete. v.Wiese beklagt am Ubangi wiederholt einen bedauerlichen Zeitmangel.<\/p>\n<p>Unter ethnographischem Aspekt vergleicht Johannes Fabian &#8222;das Sammeln bei kurzen Aufenthalten am Flussufer&#8220; mit &#8222;Oberfl\u00e4chenarch\u00e4ologie&#8220; (&#8222;Im Tropenfieber&#8220; S.261\/62, 2001). Dazu kam die v\u00f6llige Abh\u00e4ngigkeit von verf\u00fcgbaren Dolmetschern und ortskundigen F\u00fchrern.<\/p>\n<p>Am wertvollsten waren gewiss Wieses fachkundige Feststellungen \u00fcber die Hauptverkehrswege, die milit\u00e4rischen und zivilen Stationen, \u00fcber Zahl und Art ihres Personals. Diese Informationen waren aber nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmt.\u00a0 Der wurden im publizierten Reisebericht\u00a0 mit Ressentiment gew\u00fcrzte &#8218;Sittenbilder&#8216; serviert. Das zweib\u00e4ndige Werk war ein reich illustriertes <em>coffee table book<\/em>, mit Karten ausgestattet, vielleicht im Schuber, ein Gesamtkunstwerk mit Potential zur Kolonialpropaganda. Mehrere Neuauflagen bis 1926 und ungew\u00f6hnlich schlechte Papierqualit\u00e4t der Textseiten bereits in der ersten Auflage 1912 &#8211; heute oft sehr stockfleckig &#8211; weisen in Richtung preisg\u00fcnstiger &#8218;Volksausgaben&#8216;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 VOM PREUSSISCHEN GENTLEMAN ZUM SKLAVENTREIBER .. UND ZUR\u00dcCK<\/h4>\n<article id=\"post-12857\" class=\"post-12857 post type-post status-publish format-standard hentry category-der-weite-norden-zentralafrikas category-v-wiese-u-kaiserswaldau-projekt-rafai\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Zwei Monate nach der Trennung von der Hauptexpedition &#8211; der Aufenthalt in drei Sultanaten der Azande ist absolviert &#8211;\u00a0 k\u00e4mpft Hauptmann von Wiese und Kaiserwaldau in entv\u00f6lkerten Gebieten des Sultanats Semio um das \u00dcberleben, allein auf sich gestellt \u2013 oder doch nicht ganz allein?<\/p>\n<h6><\/h6>\n<div id=\"attachment_12842\" class=\"wp-caption alignnone\">\n<div id=\"attachment_12842\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.wiese-I-160.-sta\u0308ndige-Begleiter-e1625508893606.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12842\" class=\"wp-image-12842\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.wiese-I-160.-sta\u0308ndige-Begleiter-360x267.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"297\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12842\" class=\"wp-caption-text\">v.Wiese I 160. sta\u0308ndige Begleiter<\/p><\/div>\n<p>Vergessen wir nicht die bew\u00e4hrten \u2018Boys\u2019\u00a0 aus vier L\u00e4ndern, die er \u00fcbrigens ein einziges Mal erw\u00e4hnt, als wieder alle Tr\u00e4ger fortgelaufen sind. Wie h\u00e4tte er ohne sie \u00fcberlebt, aber in seinen Augen verdient nur die Schusswaffe lobende Erw\u00e4hnung !<\/p>\n<\/div>\n<p>Der Aufenthalt in <strong>Semio<\/strong> (3\/5 <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12832\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>), dem letzten der drei Sultanate vor der Grenze zum anglo-\u00e4gyptischen Sudan, markiert einen Absturz, wie ihn der Afrika-erfahrene Mann nun doch nicht erwartet hat. Er befindet sich schlie\u00dflich auf einem strategisch bedeutsamen Fernverkehrsweg.<\/p>\n<p>Regenzeit und Fieberanf\u00e4lle bringen ihn fast um. Der Weg von Semio zum sudanesischen Grenzort Tambura wird immer l\u00e4nger, dauert schlie\u00dflich\u00a0 lebensgef\u00e4hrliche vier Wochen. Immer mehr an Komfort und Vorr\u00e4ten gehen mit dem Gep\u00e4ck verloren. Das nimmt dabei zwar ab, aber bereitet immer gr\u00f6\u00dfere Probleme. Wenn man bedenkt, was da auftragsgem\u00e4\u00df alles mitgeschleppt wird!<\/p>\n<div id=\"attachment_12850\" class=\"wp-caption alignleft\">\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-181-201.-Nsakkara-Objekte-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-12850\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-181-201.-Nsakkara-Objekte-900x688.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-181-201.-Nsakkara-Objekte-900x688.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-181-201.-Nsakkara-Objekte-360x275.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-181-201.-Nsakkara-Objekte-1536x1174.jpg 1536w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-181-201.-Nsakkara-Objekte-2048x1565.jpg 2048w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-181-201.-Nsakkara-Objekte-624x477.jpg 624w\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"478\" aria-describedby=\"caption-attachment-12850\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-12850\" class=\"wp-caption-text\">v.Wiese I 181-201. Nsakkara Objekte \u2013 wohl noch aus Bangassu flussabw\u00e4rts expediert,\u00a0 aber vieles ging verloren. Ob die Figur aus Rafai schon da ihren Fu\u00df verloren hat? Man sollte diese unattraktiven Sammlungen in den Depots einmal unter dem Aspekt w\u00fcrdigen!<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Nachdem er<\/em> (der Sultan Semio Ikpiro) <em>mir die Versicherung gegeben hatte, da\u00df ich freien ungehinderten Durchmarsch durch sein Gebiet bis zur Bahr-el-Ghazal-Grenze erhalten solle und er Befehle heraussenden w\u00fcrde, mich mit Tr\u00e4gern , Booten, Ruderern und Verpflegung in seinem Lande zu unterst\u00fctzen, schied ich frohen Mutes von ihm \u2026 <\/em>(292)<\/p>\n<p>Schon der erste Abstecher mit leichtem Gep\u00e4ck entwickelt sich zum Alptraum. Wiese beabsichtigt, das Volk der <strong>Kare<\/strong> <em>durch Besuch in ihren D\u00f6rfern kennen zu lernen<\/em> (-54-) .\u00a0 Ihn interessieren ethnographisch <em>die seit 130 Jahren von den Azande unterworfenen Ureinwohner des Mbomulandes zwischen dem heutigen Semio und Kadjena. <\/em>Doch was er ertr\u00e4umt, gibt es gar nicht mehr.<\/p>\n<p><em>Durch Vermittlung des franz\u00f6sischen Postens <\/em><em>erhielt ich vom Sultan Semio seinen Sohn Samuengi als Begleiter und Dolmetscher mit sowie 22 <strong>Kare<\/strong> als Tr\u00e4ger. Beim Anblick dieser Kare sank meine Begeisterung f\u00fcr den Landmarsch bedeutend, denn es pr\u00e4sentierten sich mir wahre Bilder des Jammers, total unterern\u00e4hrte, von Lepra und Schlafkrankheit befallene Leute, von denen ich kein e besonderen Marsch- und Tragleistungen erwarten konnte: im wahrsten Sinne des Wortes Vertreters eines unterjochten Volkes. <\/em>(-54-\/293) \u2026.. <em>Von den 22 Kare brachen bereits wenige Kilometer hinter dem Posten 2 Mann ohnm\u00e4chtig zusammen, 2 erkrankten im ersten Lager und 3 rissen unterwegs im Busch aus, einer davon unter Mitnahme eines Segeltuchsacks, enthaltend mein gesamtes Bettzeug, Moskitonetz, meinen einzigen warmen Mantel und verschiedene Stiefel. Da die Gegend \u00f6stlich von Semio sehr d\u00fcnn bev\u00f6lkert ist und viele Dorfbewohner auf die meist mit Trommelsprache \u00fcbermittelte Nachricht meines Anmarschs in den Busch fl\u00fcchteten, hielt es sehr schwer, Tr\u00e4gerersatz zu finden. <\/em><\/p>\n<p>Es ist Regenzeit. Eine provisorischen Laufbr\u00fccke bricht unter der Last zusammen. Verschiedene Leute st\u00fcrzen von hoch oben in den rei\u00dfenden Fluss. Sie <em>erlitten<\/em> <em>erhebliche Verletzungen und wurden dadurch f\u00fcr den Weitermarsch untauglich. 2 meiner Verpflegungs-Kisten gingen im Fluss verloren. Einige Tr\u00e4ger nutzten die Verwirrung zur Flucht ins hohe Gras. Erst nach energischem Einschreiten gegen einen Azande.Chef, welcher das n\u00e4chstliegende Dorf kommandierte, gelang es mir nach langem Warten, Ersatztr\u00e4ger zu erhalten.<\/em> Im Tagebuch wird von Wiese deutlicher als in der offiziellen Publikation:<em>\u00a0 \u201eIch f\u00fchrte den widerspenstigen Herrn mit der leider bei den Franzosen viel zu wenig angewandten cravate nationale d.i. einfach einen Strick um den Hals, solange unter st\u00e4ndiger gelinder Aufmunterung durch Kolbenst\u00f6\u00dfe mit mir, bis sein Sohn die verlangten Tr\u00e4ger mit meinen Lasten im Galopp nachbrachte.\u201c <\/em>(-56-) In der Endfassung hei\u00dft es: \u201e<em>Ich f\u00fchrte den widerspenstigen H\u00e4uptling so lange mit mir, bis sein Sohn die verlangten Tr\u00e4ger mit meinen Lasten nachbrachte<\/em>.\u201c (294)\u00a0 Fieberanf\u00e4lle versetzen den Expeditionsleiter <em>f\u00fcr den Transport in den Zustand eines willen- und hilflosen Collis (<\/em>= Traglast). Er wechselt bei n\u00e4chster Gelegenheit wieder zum unendlich langsamen Bootstransport (294).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-203.-Stromschnellen-.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-12993\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-203.-Stromschnellen--900x669.jpg\" alt=\"Doku\" width=\"500\" height=\"372\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-203.-Stromschnellen--900x669.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-203.-Stromschnellen--360x267.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-203.-Stromschnellen--624x464.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-203.-Stromschnellen-.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und der Mbomu, <em>in dessen Ufergeb\u00fcschen es auch hier von uns \u00fcbel bel\u00e4stigenden Schlafkrankheit- und Tsetse-Fliegen wimmelte, hat nur noch eine Breite von ca. 35 Metern (-56-). <\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_12840\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-1912-KARTE3v.Wiese_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12840\" class=\"wp-image-12840\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-1912-KARTE3v.Wiese_-360x270.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-1912-KARTE3v.Wiese_-360x270.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-1912-KARTE3v.Wiese_-900x674.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-1912-KARTE3v.Wiese_-624x467.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-1912-KARTE3v.Wiese_.jpg 1499w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12840\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Vom Kongo zum Niger und Nil&#8220; 1912 Ausschnitt: v.Wieses Route l\u00e4sst sich gut verfolgen!<\/p><\/div>\n<p>Von <strong>Kadjema<\/strong> aus kann der kleine Tross\u00a0 am linken Ufer des Mboku entlang eine Etappe mit <em>ausgesucht starken<\/em> <em>und flinken<\/em> Tr\u00e4gern der Bassiri Richtung Sudan marschieren (-57-). Auch das Jagdgl\u00fcck ist Wiese hold: Krokodile, B\u00fcffel, ein Elefant\u2026.\u00a0 <em>Ins Lager zur\u00fcckgekehrt, sandte ich meine Tr\u00e4ger an den Platz,um diese das Fleisch, das f\u00fcr sie eine gro\u00dfe Delikatesse ist, holen zu lassen. Sie brachten auch am Abend Unmengen Fleisch ins Lager, fra\u00dfen sich ordentlich voll und empfahlen sich dann auf Nimmerwiedersehen. <\/em>(-58-) Tr\u00e4ger sind nicht zu bekommen.\u00a0 Ihm kommt der Gedanke, bei den Resten des Elefantenkadavers hungrigen Dorfbewohnern aufzulauern. Er kidnappt sechs M\u00e4nner aufs Geratewohl. <em>Mit den 6 gefangenen Leuten, alle zusammen an einem langen Stricke angebunden, kehrte ich ins Lager zur\u00fcck. <\/em>(-59-) Die meisten Lasten bleiben bis auf weiteres zur\u00fcck. Irgendwann kommen sie in <strong>Gubere<\/strong> an, <em>nachdem ich st\u00e4ndig Leute ausgesandt und dem Distrikth\u00e4uptling geh\u00f6rig zugesetzt hatte, aber in welchem Zustande!<\/em> (-61-)<em> Durchweicht, teilweise ge\u00f6ffnet, das sch\u00f6ne Fell des Riesenschimpansen durch die N\u00e4sse fast verfault, eine Last mit ethnographischen\u00a0 Gegenst\u00e4nden gestohlen u.s.w. <\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-208.Schimpanse.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-12991\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-208.Schimpanse-900x693.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"385\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-208.Schimpanse-900x693.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-208.Schimpanse-360x277.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-208.Schimpanse-624x480.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-208.Schimpanse.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><em>W\u00fcrde das einem in einem anderen Gebiet passieren, so w\u00fcrde man geh\u00f6rig unter diese Bande fahren. Hierzulande darf man aber den Schwarzen \u00fcberhaupt nicht anr\u00fchren. Ein Herr, der seinem Boy, der ihm den Cognac ausgetrunken hatte, eine Ohrfeige gab, wurde daf\u00fcr zu Gef\u00e4ngnis verurteilt. Das ganze hiesige System der franz\u00f6sischen Kolonialverwaltung erscheint mir als ein Verbrechen gegen die weisse Rasse! Ich habe mich um diese Gesetze einfach nicht mehr gek\u00fcmmert und habe so dazwischengedroschen, wie ich es bei uns gewohnt bin und h\u00e4tte ich dies nicht getan, dann w\u00e4re ich heut nicht hier und l\u00e4ge irgendwo im Busch und mein Personal w\u00e4re l\u00e4ngst verhungert. In Gubere ging nun wieder die Not los, neue Tr\u00e4ger \u2013 ich brauchte 60 Mann \u2013 zusammenzubringen <\/em>(\u2026.) <em> Am 10. Juli trat ich den Marsch nach der Bahr-el-Gazal-Grenze zu an, meine Tr\u00e4ger streng bewachend \u2013 alle, immer 10 Mann zusammen an einem Stricke von Hals zu Hals gebunden. Im Lager wurden die Leute stets in H\u00fctten eingesperrt. Dass ich auf dem Marsch oder im Lager, fortw\u00e4hrend nur damit besch\u00e4ftigt, auf diese Kerls aufzupassen, nicht sammeln<\/em> (-62-) <em>konnte, keine Studien machen, nicht auf die Jagd gehen, brauche ich nicht erst zu betonen. Ausserden war in den D\u00f6rfern alles ausgerissen\u2026. Bei \u00dcberschreiten eines ziemlich reissenden Baches auf einem dar\u00fcbergelegten gef\u00e4llten grossen Baum glitt ich aus, fiel in den Bach und verlor<\/em><em> meinen Tropenhut\u2026 holte mir infolge der prallen Sonne einen ekelhaften Sonnenstich, der sich in fortw\u00e4hrenden Ohnmachtsanf\u00e4llen, Erbrechen, Fieber und wahnsinnige(n) Kopf- und Gliederschmerzen \u00e4usserte \u2026. erholte ich mich doch nach 2 Tagen wieder so weit, dass ich den Marsch fortsetzen konnte; ich musste ja auch, denn meine Kolonne aus ca. 70 K\u00f6pfen hatte nichts zu essen\u2026. frische Elefantenf\u00e4hrten, folgte diesen cr. 3 Stunden weit\u2026 Ich schoss einen Bullen, leider wogen die Z\u00e4hne nur 12 1\/2 und 13 Kilo. Das Fleisch war mir f\u00fcr meine Tr\u00e4ger sehr willkommen\u2026. Ich hatte<\/em> (-64-)<em> die Tr\u00e4ger in meinem Lager frei herumlaufen lassen, ohne sie st\u00e4ndig an der Leine zu haben. \u2013 Da ich mir sagte, wenn die Leute so lange ausgehalten h\u00e4tten, so w\u00fcrden sie es nun auch im Hinblick auf die winkende gute Bezahlung noch einen Tag bis Tambura aushalten. Doch man lernt nie aus.\u00a0 Die Kerls lie\u00dfen ihren bereits verdienten Lohn im Stich und wieder sass ich im Busch ohne Tr\u00e4ger. <\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-209.Sudan-Soldaten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-12989\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-209.Sudan-Soldaten-900x649.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"361\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-209.Sudan-Soldaten-900x649.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-209.Sudan-Soldaten-360x260.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-209.Sudan-Soldaten-624x450.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-209.Sudan-Soldaten.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Gl\u00fccklicherweise sandte mir der Posten Tambura 2 Sudansoldaten, welche ich aussandte, um Tr\u00e4ger in den verstreuten H\u00fctten zu greifen. Nach 2 Tagen hatte ich 7 Mann zusammen\u2026.. Als ich die H\u00e4user des englisch-egyptischen Sudanpostens <strong>Tambura<\/strong> vor mir sah, wurde mir leichter ums Herz und als ich Capitan Stephenson, einem reizend netten englischen Offizier auf das Liebensw\u00fcrdigste begr\u00fc\u00dft und aufgenommen wurde, vergass ich bald, was an \u00c4rger, Anstrengungen und Schwierigkeiten der letzten Wochen hinter mir lag. \u2026.<\/em>(-65-)<\/p>\n<p>Dieser sich immer wieder erneuernde Optimismus charakterisiert v. Wiese. Und ein weiteres: Die sechs Wochen Aufenthalt im Tambura nutzte er zu ethnologischen Erkundungen bei kleinen von den Azande unterworfenen V\u00f6lkern und in ihrem h\u00f6hlenreichen R\u00fcckzugsgebieten. Er befragte, fotografierte und sammelte, kam auch an zwei bescheidenen Azande &#8218;Residenzen&#8216; vorbei, die unter britischer Aufsicht ein harmloses Bild boten. Ihn interessierte jetzt, wie sie durch die Zeit der sudanesischen Sklavenj\u00e4gerbesatzung gekommen waren.<\/p>\n<p>Doch v.Wieses Odyssee war noch nicht zu Ende, die Gew\u00e4sser des Bahr-el-Ghazal\u00a0 lagen vor ihm. Mit gen\u00fcgend Tr\u00e4gern und milit\u00e4rischer Eskorte k\u00e4mpfte er sich &#8222;meist im Wasser oder Sumpf watend&#8220; nach Wau, um den letzten kleinen Dampfer zum Nil zu erreichen, bevor die Fl\u00fcsse des Bahr-el-Ghazal durch Grasbarren blockiert waren und dann f\u00fcr ein halbes Jahr ganz austrockneten.\u00a0 Dank der logistischen K\u00fcnste der britisch-\u00e4gyptischen Milit\u00e4rs konnte v.Wiese das verbliebene Zeitfenster nutzen und schlie\u00dflich \u00fcber \u00c4gypten Deutschland erreichen.<\/p>\n<h4><em>Zeichenerkl\u00e4rung:<\/em><\/h4>\n<p><em><strong>(xxx)<\/strong> bezieht sich auf Band 1 der zweib\u00e4ndigen Buchausgabe &#8222;Vom Kongo zum Niger und zum Nil&#8220; (erschienen 1912 unter dem Namen des Expeditionsleiters\u00a0 Adolf Friedrich zu Mecklenburg;\u00a0 v. Wiese hat sie in dessen Auftrag ediert).<\/em><\/p>\n<p><em>Direkt aus dem offiziellen &#8222;Tagebuch&#8220;, das im Weltkulturenmuseum Frankfurt als Fotokopie vorliegt HBM Af I 1064), zitiere ich manchmal unter <strong>(-xx-)<\/strong>. Beide Quellen sind weitgehend textidentisch. Schreibweisen weichen voneinander ab, die im Buch sind standardisiert. Und die \u00c4sthetik der Schreibmaschine scheint mir dem Thema angemessener als der sp\u00e4twilhelminische Buchdruck (versch\u00f6nert durch Stockflecken).<\/em><\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Exkurs : Sind &#8218;Herrenmenschen&#8216; wie Dr. Schubotz &#8218;zivil&#8216;?<\/h2>\n<p>Zwischenzeitlich hielt ich v.Wiese nur noch f\u00fcr einen &#8218;durchschnittlichen&#8216;\u00a0 Vertreter solcher &#8218;Kolonialhelden&#8216;, aber das Beispiel eines Zivilisten und Naturwissenschaftlers, des <strong>Zoologen Dr. H. Schubotz<\/strong>, der \u00fcberwiegend auf belgischem Gebiet s\u00fcdlich sich zum Nil bewegte, hat mich eines Besseren belehrt.<\/p>\n<p>Im schmalen Bericht im zweiten Band des Sammelwerks erweist er sich als eitler, etwas wehleidiger Troph\u00e4enj\u00e4ger mit dem &#8218;Jagdschein&#8216; der Wissenschaft . Er nimmt seine Jagdbeute ungeheuer wichtig, dabei hat er sie meist gegen Waren von den einheimischen J\u00e4gern eingetauscht. Man geht lieber ohne ihn auf die Pirsch; auch der Pr\u00e4parator, ein Afrikaner,\u00a0 arbeitet autonom. Wie eine Diva beanspruchte Schubotz f\u00fcr seine Lasten absolute Vorfahrt &#8211; trotzdem geht sie &#8211; auf einer anderen Route als vorher verabredet &#8211; teilweise im Wasser verloren. Das Okapi-Skelett f\u00fcr das Senckenberg-Museum in Frankfurt kann herausgefischt werden. Seitenlang nervt Schubotz mit der Schilderung vergeblicher Jagd auf das Okapi und nach einer ersehnten &#8218;ersten Fotografie&#8216; eines toten, aber noch nicht ausgestopften Exemplares.\u00a0 Endlich: &#8222;<em>Das Warten wurde mir unertr\u00e4glich. Um die Minuten schneller und nicht unt\u00e4tig vor\u00fcbergehen zu lassen, reinige ich selbst den Fleck, an dem ich photographeren wollte. Und endlich, endlich l\u00f6ste sich der Zug aus der gr\u00fcnen Kulisse vor mir. Ein f\u00fcrchterlicher Anblick! An einem jungen Baum mit den Beinen befestigt hing ein Tier, so gro\u00df und schwer wie ein mittleres Pferd, vorn und hinten von je f\u00fcnfzehn taumelnden keuchenden Schwarzen getragen, die von schimpfenden Soldaten dirigiert wurden. Ich kann nicht leugnen, da\u00df mich noch das Bild des toten Tieres\u00a0 ein wenig erregte (&#8230;) Nach der in Abbildung 7 wiedergegebenen Photographie<\/em> (auf der Seite liegend) <em>malte E.M.Heims\u00a0 das Bild des lebenden Okapi, welches die Einbanddecke dieses Bandes schm\u00fcckt<\/em>. (Bd. I 39)<\/p>\n<p>Schubotz hatte\u00a0 \u00fcbrigens die st\u00e4rker begangene und sogar befahrene Route am Uelle nach Osten gew\u00e4hlt, in Abstimmung mit dem Expeditionsleiter &#8211; was er beides hervorhebt &#8211; meist dicht bev\u00f6lkert und von der belgischen Kolonialverwaltung effektiv verwaltet. Die Azande- und Mangbetu-H\u00e4uptlinge gehorchten und lieferten Tr\u00e4ger und Ruderer. Ihm reichte generell die Fassade, was sein Eindruck vom Sultanat Bangassu illustriert. Zwar war v.Wiese gerade einmal f\u00fcnf Wochen vor ihm in Bangassu gewesen (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12832\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>), dennoch erz\u00e4hlte Schubotz in der Publikation1912 J\u00e4gerlatein : &#8222;<em>Der Sultan erwartete mich, umgeben von einer gro\u00dfen Menschenmenge, nahe an meinem schon errichteten Zelt und begr\u00fc\u00dfe mich respektvoll. Ich war der erste Wei\u00dfe, der sein Dorf besuchte, und die gro\u00dfe Menge meines Gep\u00e4cks, die Soldaten und Pistonniers, mein ger\u00e4umiges Zelt, und vor allem das Pferd, das diesen Wilden etwas ganz Neues war, schienen gro\u00dfen Eindruck auf sie zu machen. Meinen Befehl, am n\u00e4chsten Tag hundert Tr\u00e4ger zu stellen, nahm Bangassu mit Gleichmut entgegen. Bald nach Mitternacht ert\u00f6nte der m\u00e4chtige Gong vor des H\u00e4uptlings H\u00fctte und rief aus den benachbarten D\u00f6rfern die M\u00e4nner zum Tr\u00e4gerdienst herbei. (&#8230;.) Ihrem Ruf waren in dieser Nacht 160 M\u00e4nner gefolgt , die am andern morgen bereitstanden, meine 80 Lasten nach dem eine Tagereise entfernten Dorfe Ngurru zu tragen. Ich belohnte den Sultan Bangassu mit ein paar Kilo Salz, zwei Bechern Schwarzpulver und 50 Z\u00fcndh\u00fctchen, den hierzulande begehrtesten Artikel, und trat sehr vergn\u00fcgt meinen Weitermarsch an.&#8220; <\/em>( I S.18) Ging alles mit rechten Dingen zu? Egal.\u00a0 Mehr interessierte ihn als &#8218;zivilen&#8216; Wissenschaftstouristen doch gar nicht. \u00dcberdies\u00a0 er lie\u00df sich ausf\u00fchrlich \u00fcber den Nutzen der Pr\u00fcgelstrafe aus (Bd. I S.9 )\u00a0 Den ganzen Bericht \u00fcber ist mir schleierhaft, warum franz\u00f6sische und belgische Milit\u00e4rs und selbst der Sultan von Bangassu ihn offensichtlich mehr unterst\u00fctzten als v.Wiese.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/article>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>BIOGRAFISCHE SPLITTER AUS SP\u00c4TEREN LEBENSJAHREN<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p><strong>2.Teil von &#8222;Axis History Forum&#8220;: 1912-1920\u00a0 :<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Walter-v.Wiese-II-.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-13058\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Walter-v.Wiese-II--360x251.png\" alt=\"\" width=\"402\" height=\"280\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Walter-v.Wiese-II--360x251.png 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Walter-v.Wiese-II-.png 406w\" sizes=\"auto, (max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>1914 &#8211; 1917<\/h4>\n<p>Zwischen 28. November und 5. Dezember 1914 in Polen zweimal verwundet, das zweite Mal &#8222;schwer&#8220;, wird er im Juni <strong>1916 <\/strong>an die Unteroffziziersschule in Potsdam kommandiert. Bereits ein gutes Vierteljahr sp\u00e4ter &#8211; als SOS-Absolvent &#8211; nach Konstantinopel versetzt in den Stab des &#8222;Deutschen Milit\u00e4r-Bevollm\u00e4chtigten&#8220;. Vier Monate sp\u00e4ter zur\u00fcck nach Potsdam versetzt. \u00dcber ein Jahr nach der Revolution (9. November 1918) wird er am 31. M\u00e4rz 1920 &#8222;mit der Uniform&#8220; ins Zivilleben\u00a0 &#8222;verabschiedet&#8220;. &#8222;Lebt in Potsam&#8220;, so endet die Regiments-Stammliste.<\/p>\n<p><strong>1915<\/strong> heiratete Walther von Wiese und Kaiserswaldau die B\u00fcrgerliche Martha Woermann, eine Tochter der bekannten Hamburger Reederfamilie Woermann. (&#8222;aus Grootaers&#8220;, WKM) &#8211; Die Reederei dominierte in Deutschland die Atlantik-Route entlang der afrikanischen Westk\u00fcste. Die Reederei hatte bekanntlich die deutsche Inbesitznahme Kameruns betrieben und organisiert. Zwei ihrer Agenten schlossen 1884 im M\u00fcndungsdelta des Wuri den ber\u00fcchtigten &#8222;Schutzvertrag&#8220; mit den Klanchefs King Bell und Akwa von Duala.\u00a0 (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=11099\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>)<\/p>\n<p><strong>1919 <\/strong>publizierte v. Wiese einen Essay \u00fcber die Notwendigkeit von Kolonien f\u00fcr das Deutsche Reich.<\/p>\n<p><strong>1945 <\/strong>Tod in sowjetischem Internierungslager in Bautzen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">2.12.2021: Ein Leserkommentar vermittelt Angaben \u00fcber seine Karriere im Dritten Reich.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>hochgeladen am 8. Juni 2021\u00a0 Aktueller Stand:\u00a0 Zwei Kommentare bis zum 9. Dezember 2021 \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 MOMENTAUFNAHME Ein franz\u00f6sischer Kolonialoffizier, Capitaine Devaux, trifft den Zweiunddrei\u00dfigj\u00e4hrigen\u00a0 am 24. Februar 1911 in einem Dorf am Ubangi. Band 1 der 2-b\u00e4ndigen Ausgabe.: offiz. Portra\u0308t Ich stieg herab und ein sch\u00f6ner gro\u00dfer Junge in Felduniform kam mir entgegen und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[239],"tags":[],"class_list":["post-12873","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-v-wiese-u-kaiserswaldau-projekt-rafai"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12873","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12873"}],"version-history":[{"count":36,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12873\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14663,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12873\/revisions\/14663"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12873"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12873"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12873"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}