{"id":1287,"date":"2013-12-01T22:22:36","date_gmt":"2013-12-01T21:22:36","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1287"},"modified":"2015-04-23T10:44:00","modified_gmt":"2015-04-23T09:44:00","slug":"skandal-um-weihnachtsgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1287","title":{"rendered":"Skandal um die Weihnachtsgeschichte"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><b><span style=\"color: #888888;\">&#8218;<\/span><\/b><b><span style=\"color: #888888;\"><em>Eine Weihnachtsgeschichte<\/em>&#8218;<\/span><\/b>\u00a0&#8211; <b><\/b><\/b>Volker Erdelen \/ Paul Pfeffer<\/p>\n<p><strong>&#8218;<span style=\"color: #888888;\"><em>Literarischer Vandalismus &#8211;\u00a0Halbstarke verpr\u00fcgeln wehrlose Weihnachtsgeschichte<\/em>&#8218; &#8211;\u00a0<\/span><\/strong><strong style=\"font-weight: bold;\"><span style=\"color: #888888;\">Bericht von einer Pressekonferenz<\/span><\/strong><\/p>\n<p>aus der Vordertaunuszeitung vom 7.1.2013 &#8211; de \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Volker Erdelen\/Paul Pfeffer<b>\u00a0<\/b>: \u00a0<\/b><b>Eine Weihnachtsgeschichte<\/b><\/p>\n<p>Sie waren an Heiligabend auf der A4 unterwegs in Richtung Berlin, und zwar in Joes altem Ford, der zeitweise nur noch auf drei Zylindern lief, sich aber trotzdem noch bewegte. Joe war nur dabei, weil ohne ihn und seinen Ford gar nichts gelaufen w\u00e4re. Warum Paul nach Berlin wollte, war nicht so ganz klar, seine Familie lebte in Frankfurt, und er brauchte wohl dringend mal ein bisschen Abstand. Und Mirjam hatte festgestellt, dass ihre Asylberechtigung \u00fcber Weihnachten ablaufen w\u00fcrde, sie brauchte dringend eine neue, und da die alte in Berlin ausgestellt worden war, war es doch praktisch, wenn sie mitkam.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Paul und Joe \u00fcber den g\u00fcnstigsten Weg diskutierten, r\u00e4kelte sich Mirjam auf der R\u00fcckbank. Es war erst kurz nach Mittag, trotzdem schien es schon wieder Nacht werden zu wollen, irgendwie wurde es sowieso nicht richtig hell. Dazu fragte sie sich, ob sie schwanger war &#8211; ihre Tage waren schon l\u00e4nger \u00fcberf\u00e4llig &#8211; und wenn ja, von wem und wieso&#8230; In ihrer Handtasche befanden sich zwei handliche kleine Cognacflaschen, die eine war halb voll, optimistisch gesehen, die andere dagegen praktisch leer, wie man\u00b4s auch drehte und wendete. Und sie war fest verkorkt, weil drinnen ein Eiliger Geist randalierte. Der war ihr noch kurz vor der Abfahrt erschienen und hatte sie mit irgendwelchen Infos bel\u00e4mmert, und weil keine Zeit war, um sich genauer mit ihm zu befassen, hatte sie ihn unter einem fadenscheinigen Vorwand in die Flasche gelockt und diese, als er drin war, kurzerhand mit einem alten Weinkorken verschlossen, obwohl sie bei der Gelegenheit feststellte, dass noch ein Rest Cognac am Boden schwappte, ein halbes Schnapsglas voll, vielleicht auch weniger.<\/p>\n<p>Eigentlich hatte sie morgens um neun Uhr losfahren wollen und nicht erst gegen zwei, aber Joe hatte es einfach nicht gebacken gekriegt, den alten Ford reisefertig zu machen, seine Sachen zusammenzuklauben, zu tanken, den M\u00fcll rauszustellen und sich von seiner Susi loszueisen, die Mirjam insgeheim nur die Transusi nannte. Joe war in der Hinsicht nicht viel besser. Paul dagegen war gestiefelt und gespornt gewesen. Als sie ihn abholen kamen, war er praktisch ins fahrende Auto gesprungen, hatte gerufen: &#8222;Gib Gummi, Alter!&#8220; und sich erst mal einen Joint angez\u00fcndet, wovon Mirjam neuerdings immer schlecht wurde. Sie \u00fcberlegte sich noch, den beiden von dem Flaschengeist zu erz\u00e4hlen, der gut h\u00f6rbar in ihrer Handtasche herumpolterte, aber in Joes Uralt-Ford in voller Fahrt fiel das nicht weiter auf, und dann h\u00e4tte sie auch so laut schreien m\u00fcssen. Sie \u00f6ffnete das Fenster einen Spalt, h\u00fcllte sich in eine alte Pferdedecke, die auf dem R\u00fccksitz rumlag, und war mir nichts dir nichts eingeschlafen.<\/p>\n<p>Irgendwo im Nirgendwo hinter Herleshausen, an einer Autobahnrastst\u00e4tte wie jeder anderen, a\u00dfen sie ein St\u00fcck K\u00e4sekuchen und tranken Kaffee, und Paul wechselte Joe am Steuer ab. Der Verkehr war hektisch wie immer, wenn das Fest der Liebe nahte. Endlose Lichterketten in Wei\u00df und Rot auf nassem Beton, keine Schneeflocke weit und breit, und der Stern von Bethlehem w\u00e4re mit Sicherheit, wenn er denn geschienen h\u00e4tte, im bleigrauen Wolkenmeer abgesoffen. Die Fahrt zog sich. Gegen halb sieben erreichten sie die Stadtgrenze von Berlin, kurz vor halb acht waren sie an der Dankwartstra\u00dfe vor dem Amt f\u00fcr Asylantragsgew\u00e4hrungsverl\u00e4ngerungen, das selbstverst\u00e4ndlich schon seit einer ganzen Weile geschlossen war.<\/p>\n<p>&#8222;Wir h\u00e4tten doch um neun losfahren sollen&#8220;, maulte Mirjam, der saukalt war, weil sie ihre Winterjacke in Frankfurt vergessen hatte und, da sie nicht in Joes Pferdedecke gewickelt auf dem Amt erscheinen wollte, in ihrem d\u00fcnnen Pulli im Nieselregen stand und sich fragte, ob es wohl was n\u00fctzen w\u00fcrde, die Amtst\u00fcr einzutreten. Das entsprechende Schild legte das nahe \u2013 \u201aBitte einzeln eintreten\u2019, stand da &#8211; aber sie lie\u00df es trotzdem bleiben.<\/p>\n<p>&#8222;Und nun?&#8220; fragte Paul, wie immer der praktischste von allen. &#8222;Also, ich k\u00f6nnt ja jetzt \u2019ne Currywurst vertragen und ein Bier oder zwei oder drei, keine Frage.&#8220;<\/p>\n<p>Er zog Mirjam sanft von der Amtst\u00fcr weg und ins Auto, bevor sie doch noch irgendwelchen Bl\u00f6dsinn anstellen konnte.<\/p>\n<p>&#8222;Und wo sollen wir schlafen?&#8220; fragte Joe. &#8222;Jede Wette, dass alles ausgebucht ist.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das ist Berlin, Mensch!&#8220; stellte Paul zufrieden fest, &#8222;hier brauchste nich schlafen, hier geht\u2019s voll ab!&#8220;<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz, so gegen vier Uhr morgens stellten sie einhellig fest, dass das Fassungsverm\u00f6gen an Bier, Currywurst und Nachtleben erreicht war, und ein Schlafplatz war nicht in Aussicht. Ein v\u00f6llig zugekiffter Punk erz\u00e4hlte ihnen in einem Jazzclub von der Wiese am Ende der Heinrich-Seidel-Stra\u00dfe, da g\u00e4be es einen alten Kiosk, der w\u00e4re zwar von Zeit zu Zeit als Schafstall in Benutzung, von so einem Schwachkopf von Hobbysch\u00e4fer, aber trocken und ruhig w\u00e4re der, weil: besetzte H\u00e4user, das w\u00e4r alles nicht mehr so wie in den goldenen Achtzigern, und er erkl\u00e4rte ihnen den Weg dahin.<\/p>\n<p>Es war zweifellos eine der dunkleren Ecken von Berlin, keine Stra\u00dfenlampen, keine H\u00e4user mit Weihnachtsbeleuchtung, nichts von alledem. Ziemlich trostlose Gegend. Und h\u00e4tte Paul nicht im Jazzkeller eine der Tropfkerzen mitgehen lassen, dann h\u00e4tten sie den Kiosk gar nicht gefunden. Sie kletterten \u00fcber den Zaun und tasteten sich \u00fcber die quatschnasse, von Schafen verschissene Wiese. Die T\u00fcr hing lose in den Angeln, und eine Wand fehlte teilweise, aber das Dach des Kiosks war noch dicht, und hinten lagen wahrhaftig ein paar Heuballen herum, auf denen man es sich bequem machen konnte.<\/p>\n<p>Den ganzen Abend hatte sich Mirjam \u00fcber die seltsamen krampfartigen Bauchschmerzen gewundert, hatte das aber auf die Berliner Currywurst geschoben, der sie sowieso nicht \u00fcber den Weg traute. Aber jetzt wurde es heftig, gerade als man sich zur Ruhe begeben wollte. Kaum hatte sich Mirjam in Joes alte Pferdedecke gewickelt, da platzte auch schon die Fruchtblase, und es ging viel zu schnell, als dass man noch gr\u00f6\u00dfer h\u00e4tte wohin fahren k\u00f6nnen. Au\u00dferdem hatte keiner eine Ahnung, wo in der Gegend ein Krankenhaus war. Gl\u00fccklicherweise hatte Paul im Sanit\u00e4tskurs auch einen Lehrgang als Geburtshelfer absolviert, das kam jetzt praktisch, und Joe entdeckte im Kofferraum einen alten Campingkocher mit Gaskartusche, Kessel und allem, ein Fass mit Regenwasser stand neben dem Kiosk, und der Verbandskasten aus dem Ford lieferte die restlichen Zutaten, die man f\u00fcr eine erfolgreiche Geburt so braucht, namentlich Schere und Dreieckst\u00fccher.<\/p>\n<p>Und so kam es zu der Geburt eines gesunden Jungen, der schon die Augen offen hatte, kaum dass er aus Mirjams Leib drau\u00dfen war.<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnten ihn Jesus nennen\u201c, meinte Paul.<\/p>\n<p>\u201eKeine dumme Idee\u201c, sagte Joe, \u201eimmerhin haben wir Heiligabend.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr habt wohl ein Rad ab\u201c, beendete die frisch gebackene Mutter die Namensdiskussion und griff sich immer noch ersch\u00f6pft und leicht schockiert ihre Handtasche. Ein Schl\u00fcckchen Cognac w\u00fcrde ihr helfen, wieder auf die Beine zu kommen, aber in ihrem Tran erwischte sie die falsche Flasche, und unter den ohnehin schon fassungslosen Blicken von Joe, Paul und dem Kindlein zischte der Eilige Geist \u00e4chzend und nach Alkohol stinkend ins Freie, fluchte erst mal ausgiebig und schimpfte dann auf Mirjam ein:<\/p>\n<p>&#8222;Da hast du den Salat! Ich hab\u2019s gewusst, ich wollte dich vorwarnen, aber man kommt ja nicht zu Wort hier\u2026 und das mit dem Kindlein hast du ja inzwischen selbst gemerkt, also, was red\u00b4 ich&#8230;&#8220; Sprach`s, zischte himmelw\u00e4rts und ward nicht mehr gesehen.<\/p>\n<p>In diesem Moment schwang die rostige T\u00fcr auf, und der Hobbysch\u00e4fer stand vor ihnen mit zwei Kumpeln und sch\u00e4tzungsweise einem Dutzend Schafen. Die Hirten hatten sich zu Weihnachten gepflegt volllaufen lassen, und unter dem Eindruck des ganzen Weihnachtstrubels und der st\u00e4dtischen Stra\u00dfenbeleuchtungen war ihnen die Idee gekommen, doch mal am Schafstall vorbeizuschauen, wo es immer recht schummrig und besinnlich zuging, und als sie im milden Licht der geklauten Tropfkerze die Heilige Familie erblickten, da wurde ihnen so sonderbar zumute, dass sie zur\u00fcck in die Stadt rannten und allen, die sie trafen, davon erz\u00e4hlten, worauf die Leute ihnen empfahlen, k\u00fcnftig nicht mehr so viel zu saufen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter fuhren Joe, Paul und Mirjam dann doch noch bei einem lokalen Krankenhaus vorbei, wegen Nachuntersuchung und Geburtsurkunde und so, und dann kam extra jemand vom Amt vorbei und verl\u00e4ngerte Mirjams Asylberechtigung, was vielleicht das gr\u00f6\u00dfte Wunder von allen war. Aber weil Weihnachten war und wegen der drei netten Reporter von der Bild-Zeitung, vom Spiegel und von der Berliner Zeitung ging das alles ganz locker vom Hocker. Noch im selben Jahr heiratete Mirjam den Joe und hatte ein Verh\u00e4ltnis mit Paul &#8211; oder umgekehrt &#8211; und das Kindlein wuchs und gedieh und kam sp\u00e4ter ganz gro\u00df raus, aber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Literarischer Vandalismus<\/strong><\/p>\n<p>Bericht von einer Pressekonferenz &#8211; Aus der Vordertaunuszeitung vom 7.1.2013 &#8211; de<\/p>\n<p>Die T\u00e4ter geh\u00f6ren der Kelkheimer Autorengruppe an. Volker Erdelen, Jahrgang 1960, ist in Kelkheim inmitten von Streuobstwiesen aufgewachsen und lebt seit 2000 wieder in seiner Heimatstadt. Der Mann ist auch Biologe, Natursch\u00fctzer, Obstanbauer, Vogelbeobachter, Reisender und Maler. Von ihm liegen \u00fcberwiegend unver\u00f6ffentlichte Geschichten, Gedichte und Romanfragmente vor. Der zweite T\u00e4ter, P.P., hat Rechtsmittel zum Schutz seiner Privatsph\u00e4re eingelegt.<\/p>\n<p>Der inkriminierte Text ist am 24. Dezember auf der Roten Couch im Kulturbahnhof Hofheim unter johlendem Beifall des \u00fcberwiegend m\u00e4nnlichen Publikums vorgetragen worden. Wie der Anwalt der Beschuldigten aus der angesehenen Enzyclopedia Wikipedia vortrug, handelt es sich um eine Travestie, also eine Form parodistischen\u00a0Schreibens, bei welchem der Stoff\u00a0eines Werkes beibehalten, der Stil\u00a0aber ver\u00e4ndert wird. So kann der Stil der Hochliteratur zu einem niederen Stil werden. Selbst wenn die Autoren eine kritische Absicht nicht nachweisen k\u00f6nnten, st\u00fcnde ihre Aktion vor Weihnachten unter dem Schutz der Kunstfreiheit. In der improvisierten Pressekonferenz am Landgericht Frankfurt war bei diesem Satz ein Zwischenruf zu h\u00f6ren: \u201efrei von jeder Kunst\u201c. Auch das, konterte der Anwalt, sei Kunst.<\/p>\n<p>Schwerer als solche Erw\u00e4gungen wiegt der Vorwurf der Blasphemie\u00a0oder Gottesl\u00e4sterung, den die Staatsanwaltschaft erl\u00e4uterte.<b> <\/b>Darunter wird unter anderem das Verneinen, Verh\u00f6hnen oder Verfluchen bestimmter Glaubensinhalte\u00a0einer Religion verstanden, und zwar nicht blo\u00df von islamischen oder j\u00fcdischen Traditionen. Der Rechtsfrieden sei in Deutschland schlie\u00dflich ohne Ansehen der Person und ihrer \u00dcberzeugungen oder sexueller Orientierung gegen geistigen Vandalismus zu sch\u00fctzen. Die besondere Verwerflichkeit der Tat begr\u00fcndet die Staatsanw\u00e4ltin folgenderma\u00dfen: Man pr\u00fcgelt brutal und sinnlos auf ein St\u00fcck Tradition ein, das bereits hilflos am Boden liegt, wohin es ein ma\u00dfloser Kommerz und die Intoleranz fanatischer Gruppierungen bef\u00f6rdert haben.<\/p>\n<p>Entlastende Argumente in der Person der T\u00e4ter sieht die Staatsanwaltschaft nicht: Die T\u00e4ter sind aus dem Alter dummer Streiche l\u00e4ngst heraus, Erdelen zudem Natursch\u00fctzer. Als versierte Literaten sollten beide sich \u00fcber die Wirkung stilistischer Mittel im klaren sein. Die Taktik des in Kelkheim beheimateten P. P., die Verantwortung auf den Kumpel abzuschieben, werde scheitern. Habe er in der Figur des \u201ePaul\u201c doch sein stadtbekanntes Alter-Ego eingebracht.<\/p>\n<p>Die Anklagebeh\u00f6rde st\u00fctzt sich auf die folgenden Punkte: Die christliche Weihnachtsgeschichte sei v\u00f6llig entkernt worden und l\u00f6se sich in eine Szenenfolge von geradezu obsz\u00f6ner Banalit\u00e4t auf.<\/p>\n<p>Der anonyme Erz\u00e4hler gebe vor, hinter die Stirn der Protagonistin blicken zu k\u00f6nnen. Er klaube sich seine Erz\u00e4hlung wahllos aus Versatzst\u00fccken zusammen, schm\u00fccke sie mit der \u00fcblichen Saisondekoration im vorweihnachtlichen Deutschland aus, reichere sie an mit Berlin-Klischees und Spuren des b\u00fcrokratischen Sozialstaats sowie den \u2013 und das allein w\u00e4re strafrechtlich relevant &#8211; g\u00e4ngigen Motiven der Weihnachtslegende, wie der unklaren Empf\u00e4ngnis, dem Verk\u00fcndigungsengel, dem Stern von Bethlehem (als etwas gewaltsam eingebautes Zitat), dem Fluchtmotiv (in verkehrter Reihenfolge), der fehlenden und dann behelfsm\u00e4\u00dfigen Unterkunft in einem Stall, der Sturzgeburt, zweifelhaften Hirten, den K\u00f6nigen aus dem Morgenland (in Gestalt von Medienvertretern) und schlie\u00dflich der Bestimmung des Jesuskindes, die hier auf Talmi-Prominenz zusammenschrumpft.<\/p>\n<p>Die auftretenden Figuren h\u00e4tten bis auf ein oder zwei Attribute, die sie zu l\u00e4cherlichen Zerrbildern der Originale machten, nichts mit der ehrw\u00fcrdigen Legende zu tun: Da sei <i>Joe<\/i>, dem in Gestalt von <i>Paul<\/i> ein richtiger Mann zur Seite gestellt werden solle und <i>Mirjam<\/i>, eine schlampige Person, die einen l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen Kontakt zu Meldebeh\u00f6rden in Berlin und vor allem ihre Schwangerschaft verschlafen haben wolle. Sie sei schwere Alkoholikerin. Man sei zu Dritt mit einem klapprigen Auto unterwegs in die fremde Hauptstadt, man improvisiere, von der Situation heillos \u00fcberfordert, aber dieser Typ Mensch falle ja immer auf die F\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p>Als ob die Verunglimpfung des irdischen Personals nicht ausreiche, werde der Heilige Geist, also der Gott der Christen selbst, von <i>Mirjam <\/i>in einer halbvollen Cognac-Flasche eingesperrt, damit zum l\u00e4rmenden Flaschengeist mit ordin\u00e4rer Sprache travestiert und qu\u00e4lend lange mit achtundrei\u00dfig prozentigem Alkohol kontaminiert, also verunreinigt. &#8211; Eine klassische Form der Verh\u00f6hnung, aus antisemitischen Machwerken bestens bekannt.<\/p>\n<p>Der zuf\u00e4llig anwesende Stadtpfarrer von Kelkheim, Franz Streuobst, meinte dazu nach der Pressekonferenz: Schlechtes Kabarett. Man desavouiere die kritische Satire, verunglimpfe jede Spiritualit\u00e4t. Man habe wohl ganz abgebr\u00fcht sein wollen und stehe jetzt mit offenem Hosenlatz da.<\/p>\n<p>Nach Ansicht eines eigens angereisten Literaturwissenschaftlers der Universit\u00e4t Bethlehem w\u00e4re es f\u00fcr die Literaten und K\u00fcnstler endlich Zeit, den typisch deutschen Reflex zu \u00fcberdenken, die Mehrheitsgesellschaft und ihre Werte gedankenlos anzupinkeln. Er rechnet mit einem Urteil, das Zeichen setzt. Jeder Verweis auf <i>Pussy Riot <\/i>\u00a0verbiete sich von selbst.<\/p>\n<p>Der Prozessbeginn ist auf Mitte Juni angesetzt und bereits auf drei Termine angelegt. Es sollen einige Zeugen geh\u00f6rt werden, darunter wenn m\u00f6glich auch Mirjam, Joe und Paul.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Copyright bei den Autoren. Anfragen bei <a href=\"http:\/\/www.paulpfeffer.de\/\">Paul Pfeffer<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &#8218;Eine Weihnachtsgeschichte&#8218;\u00a0&#8211; Volker Erdelen \/ Paul Pfeffer &#8218;Literarischer Vandalismus &#8211;\u00a0Halbstarke verpr\u00fcgeln wehrlose Weihnachtsgeschichte&#8218; &#8211;\u00a0Bericht von einer Pressekonferenz aus der Vordertaunuszeitung vom 7.1.2013 &#8211; de \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,23],"tags":[],"class_list":["post-1287","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gaeste","category-schoenschrift"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1287","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1287"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1287\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1349,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1287\/revisions\/1349"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1287"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1287"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1287"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}