{"id":12832,"date":"2021-06-21T00:10:05","date_gmt":"2021-06-20T22:10:05","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12832"},"modified":"2023-01-29T17:22:30","modified_gmt":"2023-01-29T16:22:30","slug":"drei-sultane-der-azande-im-direkten-vergleich-erster-entwurf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12832","title":{"rendered":"Drei Sultane der Azande im direkten Vergleich 1911 (4\/5)"},"content":{"rendered":"<article id=\"post-12346\" class=\"post-12346 post type-post status-publish format-standard hentry category-afrikanische-aesthetik category-geschichte-afrikas category-der-weite-norden-zentralafrikas\">\n<div class=\"entry-content\">\n<h5><span style=\"color: #ff0000;\">Hochgeladen am 11.Juni 2021 &#8211; Stand: 21. Juli<br \/>\n<\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">v.Wiese hat den Auftrag, drei bedeutende &#8222;Sultanate&#8220; den Mbomu aufw\u00e4rts zu visitieren, ein jedes mit eigenem Profil. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Ihre Schilderung dominiert die Reiseerz\u00e4hlung &#8211; im \u201eTagebuch\u201c ebenso wie im 1.Band von \u201eVom Kongo zum Niger und Nil\u201c 3. Kapitel.\u00a0<\/span><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"> Die <em>V\u00f6lker-Karte<\/em> von V.Wiese und Kaiserswaldau hat eine bemerkenswerte Besonderheit, die im Feld oben rechts ausdr\u00fccklich vermerkt ist: &#8222;Auf dem westlichen Teil der Karte sind die V\u00f6lkergruppen durch farbige Fl\u00e4chen, aif dem \u00f6stlichen Teile hingegen die politischen Gebiete der Sultanate durch Randkolorit bezeichnet.&#8220; &#8211; Eine geniale Idee, um die para-staatliche Rolle der drei Sultanate, ihren despotischen Charakter und die &#8218;Nivellierung&#8216; der von ihnen Unterworfenen auszudr\u00fccken.<\/span><!--more--><\/h5>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Da die \u00f6stlichste der franz\u00f6sischen Konzessionen mit den Grenzen dieser drei Azande-Herrschaften zusammenf\u00e4llt, l\u00e4sst sich auch die jeweilige Dienstleistung des Sultanats vergleichen. Doch im Zentrum stehen nun die Schilderungen von Wieses und ihre Wertungen. Da seine Darstellung im Laufe der Expedition allm\u00e4hlich an Trennsch\u00e4rfe und Sch\u00e4rfe zunimmt, erschwert den &#8211; sich zun\u00e4chst anbietenden &#8211; systematischen\u00a0 Vergleich.<\/span><\/h5>\n<div id=\"attachment_12861\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12861\" class=\"wp-image-12861\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB-900x720.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB-900x720.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB-360x288.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB-624x499.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB.jpg 1499w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12861\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #000000;\">v.Wiese Beilage zu Bd.1 &#8222;Vo\u0308lkerkarte&#8220; mit den 3 Sultanaten der Azande rechts<br \/><\/span><\/p><\/div>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\">1<\/span><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">DAS SULTANAT BANGASSU (11.Kap. 261ff. )<\/span><br \/>\n<\/strong><\/span><\/h3>\n<h4><span style=\"color: #000000;\">Am verkehrsm\u00e4\u00dfig gut erreichbaren Sultanat Bangassu lassen sich die Themen &#8222;Pazifizierung&#8220; und &#8222;Konzessionsgesellschaften&#8220; gut exemplifizieren.<\/span><\/h4>\n<h4><span style=\"color: #000000;\">Der Ort am Nordufer des Mbomu ist dreifach besetzt:<\/span><\/h4>\n<ul>\n<li><strong><span style=\"color: #333333;\">\u201eHauptort des gesamten franz\u00f6sischen Mbomu-Distrikts bis zur Bahr-el-Ghazal-Grenze\u201c (261),<\/span><\/strong><\/li>\n<li><strong><span style=\"color: #000000;\">Sitz der \u201eGesellschaft der Sultanate des Ober-Ubangi\u201c, an deren Faktorei Wiese \u201eeinen Haupttransport unserer Expeditionslasten\u201c vorausgesandt hat, teuer aber dennoch manche Last verdorben oder verloren (262),<\/span><\/strong><\/li>\n<li><strong><span style=\"color: #000000;\">etwa 20 Minuten von der Faktorei entfernt die Residenz von Sultan Bangassu, (263) Die politischen Grenzen des Sultanats decken sich im wesentlichen mit dem Siedlungsgebiet der Nsakkara. Sie sollen urspr\u00fcnglich aus dem Nordosten \u00fcber den Uelle in den S\u00fcden und um 1800 aus wieder nach Norden an den Mbomu gewandert sein und ans\u00e4ssige Banda-St\u00e4mme verdr\u00e4ngt beziehungsweise versklavt haben \u2013 die bereits vorher Opfer der Sklavenj\u00e4ger aus dem Norden waren. (264)<\/span><\/strong><\/li>\n<li><strong><span style=\"color: #000000;\">Eine vierte Gruppe geh\u00f6rt unsichtbar zu diesem Ort, die \u201eFreih\u00e4ndler\u201c, welche der Monopolgesellschaft den Profit mindern. Wie sehr, kann man sich nach Suret-Canales Angaben vorstellen .<\/span><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">\u201e<em>Die franz\u00f6sische Verwaltung \u00fcbt nur eine Oberaufsicht \u00fcber das Sultanat aus und \u00fcberl\u00e4sst dem Sultan die Regierung seines Reiches, die sich nat\u00fcrlich in g\u00e4nzlich absolutistischen Formen vollzieht. Selbst das Recht, gegen Nachbargebiete und widerspenstige unterworfene H\u00e4uptling Krieg zu f\u00fchren, ist dem Sultan vom franz\u00f6sischen Gouvernement belassen worden. <\/em>(264)<\/span> <span style=\"color: #000000;\">Wie gro\u00dfz\u00fcgig! Es sieht eher so aus, dass ihm die Verwaltung vorsichtshalber politische und milit\u00e4rische Aufsicht aus n\u00e4chster N\u00e4he angedeihen l\u00e4sst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Einem strategisch weniger zentral gelegenen Sultanat im Inneren belie\u00df es die Kolonialverwaltung bei verringertem Aufwand , der Stationierung einer kleinen Einheit &#8217;senegalesischer&#8216; Sch\u00fctzen.<\/span><\/p>\n<p>Wiese I,249: <span style=\"color: #0000ff;\"><em>\u201eDa mich ein Maleriafieber mit nachfolgendem Schwarzwasserfieberanfall packte, machte ich einige Ruhetage in Kuango &#8230; Unweit meinem Lager befand sich eine Faktorei der Kuango-Konzessionsgesellschaft, einer der vielen Gesellschaften, die in ihrem Gebiet das alleinige Recht haben, Kautschuk und Elfenbein aufzukaufen. Der Hauptplatz dieser Gesellschaft ist Bambari am oberen Kuango, wo auch demn\u00e4chst eine Tirailleur-<\/em><\/span><em><span style=\"color: #0000ff;\">Kompagnie in Garnison gelegt werden soll, da die Bewohner des Kuango, die Longuassi, in st\u00e4ndigem Aufruhr begriffen sind.\u201c<\/span><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Umgang von Sultan Bangassu mit der <em>Gesellschaft der Sultanate des Ober-Ubangi<\/em> rundet das Bild seiner Politik:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">Eine Klausel des Konzessionsvertrags <\/span><em><span style=\"color: #0000ff;\">besagt, da\u00df das Gebiet 25 Meter zu beiden Seiten flie\u00dfender Gew\u00e4sser nicht als Konzessionsgebiet zu betrachten sei. Die verschiedensten Freih\u00e4ndler machten sich dies zu Nutzen&#8230; Sie behaupteten einfach, aller Kautschuk , den sie von den Eingeborenen aufkauften, stamme von direkt am Fluss h\u00e4ngenden Lianen, alles Elfenbein von Elefanten, die direkt im Flu\u00df oder in einer Zone bis 25 Metern get\u00f6tet worden seien. Ein Prozess vor dem Gerichtshof in Brazzaville sei anh\u00e4ngig.<\/span> (262) <\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Da die Freih\u00e4ndler teilweise viel besser als die Agenten der Gesellschaft bezahlten, war es den Eingeborenen nicht zu verdenken, da\u00df sie die Produkte des Landes lieber zu den ersteren trugen. (263) <\/em>Auch <\/span><em><span style=\"color: #0000ff;\">der Sultan schien mehr Interesse f\u00fcr die ihm sympathischeren Freih\u00e4ndler zu haben. Im allgemeinen verhielten er und seine Gro\u00dfen sich allerdings sehr ablehnend gegen die Europ\u00e4er, mochten es nun Kaufleute oder Regierungsangestellte sein.<\/span><\/em>(263)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Der Dolmetscher ist der Vermittler (Sitten und Gebr\u00e4uche)<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der <em>Sultan und seine Angeh\u00f6rigen<\/em> hielten auch den \u201eEthnographen\u201c Wiese auf Abstand. Wertvolle Belehrungen erh\u00e4lt Wiese von dem \u201e<em>Unterh\u00e4uptling<\/em>\u201c Sain, einem <\/span><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Halbaraber aus Witu von der ostafrikanischen K\u00fcste, der zur Zeit der gro\u00dfen Sklavenjagden in den Kongostaat gekommen war und sich schlie\u00dflich im Lande Bangassus niedergelassen hatte, der ihn zu seinem Vertrauten machte. Daher wu\u00dfte er recht gut \u00fcber die Sitten und Gebr\u00e4uche der Nsakkara und die Entstehung des Sultanats Bescheid<\/em>.<\/span> (263)<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201e<em>Halbaraber Sain<\/em>\u201c, den Wiese seinen <em>Vertrauensmann<\/em> nennt, fungiert \u00fcbrigens als Statthalter Bangassus (\u201e<em>Unterh\u00e4uptling<\/em>\u201c) \u201e<em>weit im Norden des Sultanats<\/em>\u201c, wo Said \u201e<em>lebhafte Beziehungen mit dem Stamm der Kredj und deren Sultan unterh\u00e4lt und daher viele Ansiedlungen dieses Volks in seinem Bezirk hat.<\/em>\u201c(272)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Wiese hat \u00fcber <em>Sitten und Gebr\u00e4uche<\/em> mehrere Buchseiten zu erz\u00e4hlen. Was den Missionar grausen w\u00fcrde, freut den \u201eEthnographen\u201c auf der Suche nach unverdorbener Primitivit\u00e4t! Witus Ger\u00fcchtek\u00fcche garantiert G\u00e4nsehaut.<\/span> <em><span style=\"color: #0000ff;\">\u201eLabassu hat ungef\u00e4hr 1200 Weiber geheiratet, und zwar aus den verschiedensten Volksst\u00e4mmen\u201c (264), \u201ebesteht f\u00fcr die anderen M\u00e4nner nicht besonders viel Gelegenheit zum Heiraten\u201c, au\u00dferehelicher Verkehr wird streng bestraft\u201c oder \u201eStirbt ein freier Mann, so werden stets seine Lieblingsfrauen erdrosselt und mitbegraben<\/span>\u201c<\/em> <span style=\"color: #000000;\">u.v.m. (265). Solche Angaben finden sich aber auch im Bas-Congo des 19.Jahrhunderts, nach Wyatt Mac Gaffey\u2019s Studie \u201a<em>Kongo Slavery Remembered by Themselves<\/em>\u2019 , <em>The International Journal of African Historical Studies<\/em> an der Boston University. (vol. 41, no.1 2008, pp.55-76) (LINK:<\/span> <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4251\">http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4251<\/a>)<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Traditionell findet jedes Jahr ein Kriegszug gegen das Volk der Bubu statt, die westlich des Kotto sitzen, aus Rache, weil einst die Bubu den Gro\u00dfvater Labassus namens Mbari gefangen und get\u00f6tet haben. Dieser Zug dient dazu, sich mit neuen Sklaven und namentlich mit Menschenfleisch zu versorgen.<\/em><\/span>\u201c (264)<\/p>\n<p>Solche \u201aKriegsz\u00fcge\u2019 gegen Nachbarn fanden auch im \u201aK\u00f6nigreich\u2019 der Sklavenh\u00e4ndler Dahom\u00e9 statt. Das regelm\u00e4\u00dfig im Text auftauchende Motiv eines uners\u00e4ttlichen Kannibalismus verdient, von mehreren Seiten abgeklopft zu werden. Das wird Thema erst in 5\/5 &#8211; im Kontext von Fabian: &#8222;Im Tropenfieber&#8220; u.a.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\">2<\/span><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\">v.Wiese im \u201cSultanat Rafai\u201d\u00a0 April 1911<\/span><\/h3>\n<h5 style=\"text-align: center;\">L\u00c4NGERER AUSZUG AUS DEM TEXT DES &#8222;TAGEBUCHS&#8220;<\/h5>\n<p>(S.34-36)<span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Nach Passieren von vielen Stromschnellen kam ich endlich am 12. Mai an die Stelle, wo der Chinko in den Mbomu einm\u00fcndet, fuhr noch sechs Stunden den Chinko aufw\u00e4rts und erreichte gegen Abend die auf einer Anh\u00f6he unweit des Flusses gelegene Verwaltungsstation Rafai, wo Leutnant Gillette den Befehl hat. In Rafai befindet sich ausserdem der Sitz der Direktion der Gesellschaft des Sultanats de Haut Ubangi und die Residenz des Sultan Hetman, dem zweiten von mir zu besuchenden grossen Sultani des Landes. Damit war ich in dem Gebiet der<strong> Azande<\/strong> oder <strong>Niam-Niam<\/strong>, den gef\u00fcrchteten Menschenfressern Central Afrikas, und erhoffte nat\u00fcrlich eine sehr reiche ethnographische Ausbeute. Leider wurde ich aber arg entt\u00e4uscht. Diese Entt\u00e4uschung zeigte mir wiederum, dass es selbst im innersten Afrika die allerh\u00f6chste Zeit ist, ethnographisch zu sammeln und zu retten, was noch zu retten ist. Nur noch einige Jahre so weiter und der Ethnograph findet nur noch behoste Nigger, europ\u00e4ische Schundwaren statt der eingeborenen Erzeugnisse und ein seltsames Gemisch der fr\u00fcheren Stammessitten mit europ\u00e4ischen Unsitten. Dies alles heisst das europ\u00e4ische Kultur! Die grossen Konzessionsgesellschaften wollen ja nur gegen ihre Waren Kautschuck und Elfenbein einhandeln, tun aber nichts f\u00fcr die Erziehung des Negers. In kurzen Worten will ich beschreiben, was ich in Rafai vorfand und jeder wird daraus ersehen, dass man eher glauben k\u00f6nnte, sich in der l\u00e4cherlichen Negerrepublik Liberia zu befinden, als bei einem H\u00e4uptlingder Menschen-\/ Central-Afrikas. Zun\u00e4chst will ich hervorheben, dass die meisten Bewohner des Sultanats Rafai gar keine Azande sind, sondern unterworfene Autochtonen, St\u00e4mme wie\u00a0 die Biri, Gabon, Nsakkara und verschiedene Banda. Im Sultanat befinden sich ca. 23.000 Seelen, davon sind Azand\u00e9s 4.500, Biri 4.500, Gaba 3.000, Baia 2.000, Nsakkara, verschiene Banda 5.500, davon 5000 M\u00e4nner, 6000 Frauen, 5.500 m\u00e4nnliche Kinder, 6.500 weibliche Kinder, <\/em><em>cr. 3500 Leute sind mit Vorderladern verschiedenster Modell bewaffnet. Da die Azand\u00e9 sehr viele Frauen der genannten unterworfenen St\u00e4mme geheiratet haben, so hat nat\u00fcrlich beim <\/em><em>Nachwuchs die Reinheit der Zandi-Rasse sehr gelitten und das Sultanat Rafai ist damit nicht der Platz zu ethnographischen Studien, das muss ich mir auf sp\u00e4ter aufsparen. <\/em><\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_12847\" style=\"width: 253px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-204.-Sultan-Hetman-e1625508550290.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12847\" class=\"size-medium wp-image-12847\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-204.-Sultan-Hetman-243x360.jpg\" alt=\"Doku\" width=\"243\" height=\"360\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12847\" class=\"wp-caption-text\">v.Wiese I 204. Sultan Hetman<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Der jetzige Sultan Hetman, der Sohn Rafai\u2019s ist g\u00e4nzlich europ\u00e4isiert. Er spricht fertig Franz\u00f6sisch, tr\u00e4gt eine ihm vom franz\u00f6sischen Gouvernement speziell verliehene europ\u00e4ische Uniform und auf seiner stolzen Brust das Offizierskreuz des Ordens des schwarzen Sterns von Benin <\/em><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Orden_vom_Schwarzen_Stern_(Frankreich)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(LINK<\/a>)<em>. Er hat bereits eine Reise nach der K\u00fcste unternommen und dort die grossen Europadampfer mit allen modernen Einrichtungen gesehen. Er lebt in einem nach Europ\u00e4erart \/\/ erbauten Hause mit europ\u00e4ischer Einrichtung, f\u00fchrt europ\u00e4ische K\u00fcche und Keller und l\u00e4dt die Europ\u00e4er zum Diner ein. F\u00fcr seine und der Unterchefs Kinder hat er eine Schule eingerichtet, in der franz\u00f6sisch unterrichtet wird. Wohl wissend, dass die Sitten und Gebr\u00e4uche der Azande barbarisch sind, leugnet Hetman ihr Bestehen ab. W\u00e4hrend er f\u00fcr alles Europ\u00e4ische ein gro\u00dfes Interesse hat, ist sein Ged\u00e4chtnis<\/em><em>merkw\u00fcrdig schwach, wenn er \u00fcber die Geschichte seines Landes, \u00fcber die Religion der Azand\u00e9s, Anthropophagien <\/em>(\u2018Kannibalismus\u2019) <em>befragt wird<\/em>. <em>Dies ist ja alles an und f\u00fcr sich sehr lobenswert, dass er so dem Fortschritt zuneigt und er ist bei seiner Europ\u00e4erfreundlichkeit f\u00fcr die Franzosen ein sehr bequemer Regent des Landes; f\u00fcr den ethnographen aber ist es eine arge Entt\u00e4uschung, solche europ\u00e4ische Sultansfigur zu finden. Nat\u00fcrlich macht seine gesamte Umgebung\u00a0<\/em><\/span><\/span><span style=\"color: #0000ff;\"><em>diesen etwas pl\u00f6tzlichen Wandel mit und gerade bei diesen wirkt es l\u00e4cherlich. Hetman selbst,- das will ich ausdr\u00fccklich hervorheben &#8211; will ja das Beste, stellt seine Macht ganz in die Dienste der Franzosen und ist gegen alle Europ\u00e4er stets bescheden. Doch kann er trotz allem nicht verhindern, dass die europ\u00e4ische T\u00fcnche seiner Landeskinder nur eineh\u00f6chst oberfl\u00e4chliche ist, und dass abseits seiner Residenz die ehemaligen Sitten und Gebr\u00e4uche fortbestehen. Dadurch, dass der Neger einen europ\u00e4ischen Anzug tr\u00e4gt, wird sein Verlangen nach Menschenfleisch noch lange nicht unterdr\u00fcckt. Die ehemaligen Kriegerscharen des Landes, fr\u00fcher bewaffnet mit Speeren, Lanzen, Wurfmessern, Schildern u.s.w. entweder nackt oder in Felle und Rindenstoffe geh\u00fcllt, sind nun in die bewaffnete Armee Hetmann&#8217;s umgewandelt. Ihre Uniformen\/\/ (37) sind nat\u00fcrlich Fantasieuniformen, jeder tr\u00e4gt, was ihm beliebt. So findet man franz\u00f6sische Uniformen, weisse R\u00f6cke, Khakiuniformen, einfache Blosen, Beinkleider, verschiedenster Farben &#8211; ganz wie in Liberia. eine Radaumusikkapelle, eine alte Kanone, Fahnen verschiedenster Farbe (auch solche mit arabische <\/em><\/span><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Inschriften, die von Rabehs Armee herstammen) sind vorhanden. Es wird t\u00e4glich exerziert und eine Leibwache vor der Hofumwallung des Sultanshauses erweist dem vor\u00fcberschreitenden Sultan Ehrenbezeugungen. Oft inspiziert Hetman hoch zu Ross seine Truppen &#8211; alles ein grosses Soldatenspielen. (Abb.206)<br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-207.-Hetman-Empfang.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-12846\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-207.-Hetman-Empfang-900x692.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"481\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-207.-Hetman-Empfang-900x692.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-207.-Hetman-Empfang-360x277.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-207.-Hetman-Empfang-1536x1181.jpg 1536w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-207.-Hetman-Empfang-624x480.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-207.-Hetman-Empfang.jpg 1764w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Ich hatte meinen Besuch bei dem Sultan angek\u00fcndigt und machte mich daher am 14.Mai zu seiner cr. f\u00fcnfzehn Minuten von der Station auf einer Anh\u00f6he gelegenen Anh\u00f6he auf. Meine Dienerschaft folgte mir, da ich hoch zu Ross war, und trug die f\u00fcr Hetman bestimmteb Geschenke. Diese waren nat\u00fcrlich seinem fortschrittlichen Wesen nach bemessen, n\u00e4mlich 1 Zaumzeug mit sch\u00f6nen silberbeschl\u00e4gen, eine blaurote silbergezierte Unterlegedecke f\u00fcr den Sattel, ein Marinedolch mit Koppel, eine Khakireithose und f\u00fcr seine Frauen seidene T\u00fccher, Pl\u00fcschstoffe und Talmibroschen. <a style=\"color: #0000ff;\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-205._206.Rafai_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-12988\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-205._206.Rafai_-360x305.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"305\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-205._206.Rafai_-360x305.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-205._206.Rafai_-900x763.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-205._206.Rafai_-624x529.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-205._206.Rafai_.jpg 909w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a>Vor der Front seiner aufgestellten Truppen empfing mich Hetman und ich \u00fcbergab ihm die Geschenke, \u00fcber die er hocherfreut war. Ich machte verschiedene Aufnahmen, lie\u00df meine Ohren durch seine Musikkapelle martern und betrat dann sein Haus, wo mir franz\u00f6sischer Champagner kredenzt wurde. Auch seine Frauen wurden mir vorgestellt und eine ganze Anzahl Mulattenkinder, von denen einige recht niedlich waren. Hetman liebt es, die Kinder von Europ\u00e4ern zu sich zu nehmen, da diese ja doch meist von ihren V\u00e4tern nicht anerkannt sind. Wenn auch<\/em> (-38-)<em>dabei eine gewisse Eitelkeit mitspricht, das solze Gef\u00fchl, f\u00fcr diese armen W\u00fcrmer zu sorgen, so zeigt es doch, wie in vielen seiner Handlungsweisen, dass er recht gutherzig ist.<\/em><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_12990\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-205._206.Rafai_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12990\" class=\"wp-image-12990\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-205._206.Rafai_2-360x316.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"263\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-205._206.Rafai_2-360x316.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-205._206.Rafai_2-170x150.jpg 170w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-205._206.Rafai_2-624x547.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-I-205._206.Rafai_2.jpg 879w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12990\" class=\"wp-caption-text\">Zitat: &#8222;&#8230;.Es ist alles ein gro\u00dfes Soldatenspielen (Abb. 206)&#8220;<\/p><\/div>\n<\/div>\n<\/article>\n<p>Bei diesem ungew\u00f6hnlichen Bild schaute ich neugierig nach dem angegebenen Textbezug. Nichts!<\/p>\n<p>&#8222;Strafgefangene&#8220;? Im Auftrag der Station oder der Soci\u00e9t\u00e9? Die vollst\u00e4ndige europ\u00e4ische Tracht soll wohl\u00a0 entsprechende &#8218;Standards&#8216; suggerieren. Die Gabel-Balken erinnern an Sklaven-Kolonnen, sind aber\u00a0 daf\u00fcr nicht zu brauchen, h\u00f6chstens f\u00fcr eine milit\u00e4rische Bestrafung. Die M\u00e4nner posieren. ???????<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\"><\/h6>\n<article id=\"post-12346\" class=\"post-12346 post type-post status-publish format-standard hentry category-afrikanische-aesthetik category-geschichte-afrikas category-der-weite-norden-zentralafrikas\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Als Gegengeschenk erbat ich von ihm ethnographische Objekte f\u00fcr die Sammlung. doch machte es ihm sichtliche Schwierigkeiten, die den Azande eigent\u00fcmlichen Waffen und Ger\u00e4te beizuschaffen, und es dauerte einige Tage \u2013 es gab nicht viele am Hofe des Sultans, da dort mest alles aus der Faktorei der Compagnie de(s) Sultanats stammt. \u2026. Dies alles ganz im Gegensatz zur Residenz des <strong>Sultanats Labassu<\/strong> der Nzakkara, bei denen alles noch wie fr\u00fcher geblieben ist. Doch ich will nicht grollen, denn schlie\u00dflich ist es ja der Zweck von Kolonien, f\u00fcr die europ\u00e4ischen Waren neue Absatzgebiete zu schaffen.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em><span style=\"color: #0000ff;\">&#8211; Die Geschichte des Landes habe ich, soweit es m\u00f6glich war, niedergeschrieben und will hier nur das Wichtigste erw\u00e4hnen.\u00a0<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #000000;\">\u00a0 Wie\u00a0 das Sultanat Rafai entstand und zu Namen und W\u00fcrden kam.<\/span><\/h4>\n<h5><span style=\"color: #000000;\"><strong>Jan Vansina<\/strong> erlaubt uns, diese &#8218;Reichsgr\u00fcndung&#8216; als repr\u00e4sentativ als Teil des &#8218;Wegs der Zerst\u00f6rung&#8216;\u00a0 der gesamten Region zu erkennen.<\/span><\/h5>\n<p><em><span style=\"color: #ff0000;\">1865 tauchten r\u00e4uberische Milizen aus dem Sudan auf und setzten sich bis 1885 fest. 1869 gr\u00fcndeten Zanzibari die Station Nyangwe am Lualaba River. Unter dem legend\u00e4ren Tibbu Tip erreichte ihre Eroberung 1887 die T\u00e4ler Uele, Ituri, Upper Lopori und Upper Tshuapa. Sie zwangen die Bev\u00f6lkerung, sich in gro\u00dfen D\u00f6rfern niederzulassen und verhalfen dort den \u201cSultani\u201c, jungen ehrgeizigen M\u00e4nnern zu Macht, denen die traditionellen Eliten wenig entgegenzusetzen hatten, um ein kollektives Gegengewicht zu bewahren. (242)<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Vansina<\/strong> hat in \u201cPaths in the Rainforests \u2013 Toward a History of Political Tradition in Equatorial Africa\u201d, London 1990) im 8. Kapitel\u00a0 \u201cDeath of a Tradition\u201d (pp. 239 \u2013 247)\u00a0 dann vor allem auch die Kontinuit\u00e4t zur europ\u00e4ischen Kolonialherrschaft unterstrichen, wie sie auch in Rafai augenf\u00e4llig ist. (<a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10472\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>\u00a0 zu l\u00e4ngeren Passagen deutsch)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><em>Nach 1890 begannen bedeutende europ\u00e4ische Milit\u00e4reins\u00e4tze und systematische Eroberungen im Regenwald. Vom unbarmherzigen Terror der Gummiunternehmen ging der st\u00e4rkste Impuls zur Gewalt aus. Sie spannten auch die Armee des Staates ein, um den Widerstand der lokalen Bev\u00f6lkerung zu unterdr\u00fccken. Manchmal wurden betr\u00e4chtliche Truppenkontingente eingesetzt. Die Gummikriege dauerten im kongolesischen Teil der Regenw\u00e4lder von 1893 bis etwa 1910.\u00a0 (244)<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><span style=\"color: #333333;\">v.Wiese referiert: <\/span><em>&#8222;&#8230;.<\/em><\/span><em><span style=\"color: #0000ff;\">Da drangen von S\u00fcden und S\u00fcdost her vom Uelle aus der jetzigen Hauptgegende der Azandi einzelne Azanditrupps \u00fcber den Mbomu vor, unterwarfen die autochtonen\u00a0 St\u00e4mme und machten sie zu Sklaven. Von Norden kamen arabische Sklavenj\u00e4ger ins Land, traten in Handelsbeziehungen zu dem F\u00fchrer dieser Azandis Rafai, und machten diesem zu ihrem Vertrauensmann und damit zum H\u00e4uptling des Landes. Der m\u00e4chtigste dieser arabischen Eindringlinge war\u00a0<\/span><\/em><span style=\"color: #0000ff;\"><em>der \/\/ (Tagebuch 38-39)bekannte Ziber Pascha und sein Feldhauptmann Rabeh. Rafai stellte an Ziber regelm\u00e4\u00dfig Sklaven und Elfenbein und sandte f\u00fcr Zibers Unternehmungen ein st\u00e4ndiges Truppenkontingent, welches arabische Fahnen f\u00fchrte.(&#8230;). Den Islam brachten die Arber so oberfl\u00e4chlich ins Land, dass er bald wieder ganz verschwand.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">(ebd. S. 40) \u201c<span style=\"color: #0000ff;\"><em>Wenn auch die heutigen Zust\u00e4nde Rafais, wie ich schon sagte, nicht zu ethnographischen Studien geeignet sind, so konnte ich doch von alten Leuten erfahren, wie es fr\u00fcher war und dar\u00fcber Material sammeln, sodass ich auch von Rafai scheiden konnte mit einer immerhin ansehnlichen ethnographischen Sammlung und reichlichem Studienmaterial. Leider erlebte ich aber die gro\u00dfe Entt\u00e4uschung, dass der gr\u00f6sste Teil meiner photographischen Platten trotz doppelter Einl\u00f6tung infolge der N\u00e4sse verdorben ist. Ein schwerer Schlag<\/em>.<\/span>\u201d<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In der ver\u00f6ffentlichten \u00dcbersicht hob Prof. <strong>Thilenius 1912<\/strong> eigens die wissenschaftlichen Ergebnisse der Teilexpedition Walter v. Wieses\u00a0 als besonders ergebnisreich (Bd. I, S.383) hervor: \u201c1<em>700 Gegenst\u00e4nde, zumal von den Magwandi, Nsakkara, Mandja, Togbo, ausf\u00fchrliche Nachrichten \u00fcber 16 V\u00f6lkerschaften, 600 Photogramme und Abbildungen, 30 eingehend beantwortete Fragebogen und 40 Phonogramme bilden das mitgebrachte Material.<\/em>..\u201d<\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\">3<\/span><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Im Lande Semios<\/span><\/strong><\/h3>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><strong>vom 3. bis 14. Juni, <\/strong><strong>im Buch das 12.Kapitel (S.xxx), im Tagebuch (-xx-) S.41-53<\/strong><\/h4>\n<\/div>\n<\/article>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<article id=\"post-12346\" class=\"post-12346 post type-post status-publish format-standard hentry category-afrikanische-aesthetik category-geschichte-afrikas category-der-weite-norden-zentralafrikas\">\n<div id=\"attachment_12982\" style=\"width: 358px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Sultan-Semio-v.Wiese-Tf.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12982\" class=\"wp-image-12982\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Sultan-Semio-v.Wiese-Tf-250x360.jpg\" alt=\"\" width=\"348\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Sultan-Semio-v.Wiese-Tf-250x360.jpg 250w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Sultan-Semio-v.Wiese-Tf-626x900.jpg 626w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Sultan-Semio-v.Wiese-Tf-624x898.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Sultan-Semio-v.Wiese-Tf.jpg 764w\" sizes=\"auto, (max-width: 348px) 100vw, 348px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12982\" class=\"wp-caption-text\">Sultan Semio &#8211; Tafel:\u00a0 Ernst M. Heims<em><span style=\"color: #0000ff;\">In <strong>Semio<\/strong> eingetroffen, blieb ich zun\u00e4chst in der ziemlich dicht am Fluss gelegenen Faktorei. Der franz\u00f6sische Verwaltungsposten lag etwa 17 Kilometer flu\u00dfaufw\u00e4rts von dieser entfernt., der Sultanssitz selbst etwa 15 Kilometer n\u00f6rdlich des Flusses.<\/span><\/em> Die Entfernungen scheinen mir auff\u00e4llig gro\u00df zu sein !)<span style=\"color: #0000ff;\"><em>Gegen\u00fcber der Faktorei, 3 Kilometer s\u00fcdlich des Mbomu, lag der belgische Kongoposten <\/em><em><strong>Gangara<\/strong>, wo ich Leutnant de Roy de Ricken traf. Ich fand bei ihm gastliche, sehr kameradschaftliche Aufnahme&#8230; Leider war es nicht m\u00f6glich, gr\u00f6\u00dfere Exkursionen in das belgische Gebiet zu machen, da die Asande dort sehr feindlich waren.<\/em><em>Mehrere Kompagnien der belgischen Kolonialtruppe lagen im Krieg gegen die Asande Sultane Mokpoj*, Linsingino und Sassa<\/em>.<\/span> Die Besatzung von Gangara durfte den Posten nicht verlassen, um ihn nicht von Truppen zu entbl\u00f6\u00dfen. Am 3. Juni brach v. Wiese zu Sultan Semio auf. (284)<\/p><\/div>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Demonstrierte W\u00fcrde und Ablehnung pr\u00e4gen das Auftreten von Sultan Semio Ikpiro<\/h4>\n<\/article>\n<article id=\"post-12346\" class=\"post-12346 post type-post status-publish format-standard hentry category-afrikanische-aesthetik category-geschichte-afrikas category-der-weite-norden-zentralafrikas\"><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Semio Ikpiro empfing mich nach l\u00e4ngerem Z\u00f6gern mit einem Untersultan und einem Dolmetscher und geleitete mich im ersten Hof seiner Residenz in ein ger\u00e4umiges Fremdenhaus<\/em>.<\/span> Das Innere seiner Residenz hinter vier Vorh\u00f6fen blieb f\u00fcr v.Wiese verschlossen. <span style=\"color: #0000ff;\"><em>Das weibliche Geschlecht wurde g\u00e4nzlich meinen Blicken entzogen. G\u00e4nzlich ablehnend verhielt er sich , sobald ich irgendwelche Fragen an ihn richtete, die sein Familienleben, seine Religion, die Sitten und Gebr\u00e4uche seiner Asande betrafen. Auch daf\u00fcr, mir ethnographische Sammelgegenst\u00e4nde zu \u00fcberlassen, zeigte er leider recht wenig Interesse. Ich hatte jedenfalls das Gef\u00fchl, da\u00df Semio und seine Untertanen mit Schmerzen den Tag meines Abmarsches herbeisehnten.<\/em><\/span>(292)Zun\u00e4chst macht der Sultan, den er auf etwa etwa 65 Jahre sch\u00e4tzt, <span style=\"color: #0000ff;\"><em>einen sympathischen Eindruck (s. bunte Tafel)<\/em>, er erinnert ihn allerdings auch <em>an einen alten, schlauen, oft recht eigensinnigen, sehr selbstbewu\u00dften Bauern, mi\u00dftrauisch gegen jeden Fremden und alles Fremde<\/em>.<\/span><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Er tr\u00e4gt stets ein langes arabisches Gewand, niemals europ\u00e4ische Kleider. Nur sch\u00fctzt den Kopf ein gro\u00dfer gro\u00dfer, grauer breitkr\u00e4mpiger Filzhut. In seiner Hand tr\u00e4gt er meist eine lange \u00fcbermannshohe Lanze, auf die er sich beim Gehen st\u00fctzt. Als ich ihn so dahinschreiten sah, ruhig und gemessen in all seinen Bewegungen, kam mir unwillk\u00fcrlich der Vergleich mit einem alten Patriarchen. Kam er in mein Haus, so wurde f\u00fcr ihn eine niedrige Bank mit einem Teppich belegt aufgestellt. Niemals setzte er sich auf einen Stuhl europ\u00e4ischer Art. Die ihn begleitenden W\u00fcrdentr\u00e4ger nahmen in Hockstellung oder sitzend auf mitgebrachten Strohmatten vor dem Hause Platz<\/em><\/span>.Wenn Semio <span style=\"color: #0000ff;\"><em>einen arabischen Fakir bei sich hat<\/em>,<\/span> geh\u00f6rt das zu den als Vasall der arabischen Sklavenh\u00e4ndler und dann der \u00e4gyptischen Regierung \u00fcbernommenen Sitten.(-46-)<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Die dem Besucher gew\u00e4hrte Chronik der Region und der Dynastie<\/h4>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Unter Aufbietung gr\u00f6\u00dfter Geduld und Ausdauer<\/em><\/span>gelingt es v. Wiese , <span style=\"color: #0000ff;\"><em>von ihm einen Stammbaum fast s\u00e4mtlicher Asande-Dynastien bis in des 9. Glied aufw\u00e4rts, sowie recht ausf\u00fchrliche Auskunft \u00fcber die Geschichte seines Landes zu erhalten<\/em><\/span>. Eine ausklappbare Stammtafel wird stolz im Buch pr\u00e4sentiert. (nach S.286) v.Wiese ist beeindruckt:<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Als einziges Hilfsmittel f\u00fcr sein Ged\u00e4chtnis ergriff Semio eine Anzahl Holzst\u00e4bchen, an denen er die einzelnen Generationen abz\u00e4hlte und an denen er mir durch einen k\u00fcnstlich ausgedachten Aufbau auf dem Erdboden die Genealogie klar machte. Alle Tage, von fr\u00fch bis abends, mit einer Mittagspause von zwei Stunden, sa\u00df er geduldig bei mir und beantwortete meine Fragen<\/em><\/span>.\u201c (S.286)<\/p>\n<p>War v.Wieses Geduld ausschlaggebend oder nicht eher das Kalk\u00fcl des alten F\u00fcrsten, der sich pers\u00f6nlich an den deutschen Forschungsreisenden Junker erinnerte und nach dem deutschen Kaiser fragte? Wollte er, dass sein bisher nur m\u00fcndlich \u00fcberlieferte Stammbaum in einem europ\u00e4ischen wissenschaftlichen Archiv die unruhige Zukunft \u00fcberlebte, nicht nur die Zentralafrikas, und die aktuelle Krise seiner Dynastie, die 1910 aufgebrochen war.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #0000ff;\">Als 1910 der erstgeborene und als Thronfolger in Aussicht genommene Sohn Semios, genannt Buddie, pl\u00f6tzlich starb, beschuldigte man Mokpoi Gatanga, den sehr beliebten und durch milit\u00e4rischen Erfolg m\u00e4chtigen Bruder Semios, ihn vergiftet zu haben.<\/span> (290) <span style=\"color: #0000ff;\">Bald darauf 1911 ver\u00fcbte man ein Attentat auf ihn. Durch einen Schuss schwer verwundet, fl\u00fcchtete sich Gatanga auf einen franz\u00f6sischen Posten und lebt nun in einem kleinen Dorf dicht dabei <\/span><\/em><span style=\"color: #0000ff;\"><em>zum Aerger des Sultans <\/em><\/span><em><span style=\"color: #0000ff;\">unter dem Schutz des Gouvernements<\/span><\/em><em><span style=\"color: #0000ff;\">, der mir gute Auskunft \u00fcber Land und Leute gab. Gatanga ist eine sehr sympathische Pers\u00f6nlichkeit. Der zweite Sohn Sammue Mbomu ist nun zum Nachfolger pr\u00e4destiniert, doch ist dieser ein Trunkenbold und direktionsloser Geselle und das Gouvernement wird daher nicht sp\u00e4ter die Nachfolge anerkennen. Man will vielmehr das Land teilen unter den kleinen Sohn desverstorbenen Budie, genannt<\/span> <span style=\"color: #0000ff;\">Bittima, und zwei andere S\u00f6hne Semios Ikpiro, den sehr sympathischen Gubere, der dicht an der Bakrel Ghazal Grenze sitzt und Badungu.<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Da f\u00fcr das ganze Sultanat nur 1 Leutnant, 2 Unteroffiziere, 40<\/em><\/span> (afrikanische<em>) <span style=\"color: #0000ff;\">Tirailleurs als franz\u00f6sische Besatzung vorhanden sind, so wird das Gouvernement gut tun, die beabsichtigte neu zu errichtende Tirailleurkompagnie m\u00f6glichst bald, vor dem Tode Ikpiros und damit vor dem Beginn etwaiger Thronfolgestreitigkeiten heraufzusenden. Bisher eine Kompagnie als Besatzung f\u00fcr s\u00e4mtliche drei Sultanate des Haut Ubangi ist etwas sehr schwach bemessen. <\/span><\/em><span style=\"color: #333333;\"> (-52-\/-53-)<\/span><\/p>\n<h4><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Die \u201aguten Zeiten\u2019 in der Region sind 1911 lange vor\u00fcber<\/h4>\n<\/article>\n<p>Auch die mitgeteilte Chronik handelt von nichts als von Eroberungen und R\u00fcckz\u00fcgen, Erbstreitigkeiten, Rivalit\u00e4ten und Abspaltungen unter einer Besatzungsmacht, die seit mehreren Generationen von der Ausbeutung unterworfener V\u00f6lker ausk\u00f6mmlich lebt.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #0000ff;\">Das heutige Gebiet des Sultanats Semio war ehemals im Besitz verschiedener autochtoner St\u00e4mme. Dies waren am Mbomu selbst die Biri, Akare, Bassiri oder Sere, n\u00f6rdlich von diesen die Vidri, Ngabu und andere Bandast\u00e4mme, die Gollo und Pambia und noch weiter n\u00f6rdlich die Kredj, welche auch Baia genannt werden. Mit Ausnahme derKredj, die unter st\u00e4rkeren H\u00e4uptlingen standen und schlie\u00dflich nach Norden verzogen, existierten bei alldiesen St\u00e4mmen &#8230; nur kleinere Gemeinschaften, die untereinander stets in Fehde lebten. Es trat daher den eindringenden st\u00e4rkeren Elementen keine widerstandesf\u00e4hige gr\u00f6\u00dfere V\u00f6lkermasse entgegen, und so wurde es den Eroberern des Landes nicht allzu schwer, eine dieser kleinen Gemeinschaften nach der andern zu unterjochen. Die Eroberer waren die von S\u00fcden vom Uelle und Biliflu\u00df kommenden Asande und von Norden her die arabischen und sudanesischen Sklavenj\u00e4ger, sowie Elfenbeinh\u00e4ndler<\/span><\/em>. (S.286\/87)<\/p>\n<p>Als diese auf der Bildfl\u00e4che erschienen, leistete Semio Ikpiro\u2019s Vater Tikima f\u00fcnf Jahre Widerstand, bevor er <em><span style=\"color: #0000ff;\">notgedrungen mit ihnen freundschaftliche Beziehungen ankn\u00fcpfte. Er wurde sogar sehr gut Freund mit dem m\u00e4chtigsten Araberh\u00e4ndler Ziber, der ihn zu seinem Bevollm\u00e4chtigten f\u00fcr das ganze Asandeland bis hinunter zum Uelle machte. Zur Bekr\u00e4ftigung dieser Freundschaft gab Tikima dem Ziber seine Tochter Nakungba zur Frau und setzte seinen Bruder Balisana als st\u00e4ndigen Mittelsmann in Dem-Ziber ein<\/span><\/em>.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #0000ff;\">Sultan Mokpoi*, der sich s\u00fcdlich des Mbomu selbst\u00e4ndig gemacht hatte, blieb stets den Arabern feindlich. (289) Ikpiro starb mit 65 Jahren, Ziber wurde in Kairo festgenommen, Semio wurde ein guter Vasall der \u00e4gyptischen Gouverneure des Bahr-el-Ghazal.<\/span><\/em> Dem Sultan gelang es auch, die Derwischscharen des Madhi zur\u00fcckzuwerfen. <em><span style=\"color: #0000ff;\">1887 kamen die ersten Offiziere des Kongostaates und Hauptmann Milz zu Semio und nahmen das Land f\u00fcr den Freistaat in Beschlag. 1896 jedoch fiel alles Land n\u00f6rdlich des Mbomu durch internationale Abmachung an Frankreich<\/span><\/em>. Den franz\u00f6sischen Expeditionen unter Liotard und Kommandant Marchand (\u201eFaschoda\u201c-Krise) musste Semio viele Leute als F\u00fchrer und Tr\u00e4ger stellen. Wegen der Grenzziehung verlegte Semio seine Residenz erneut n\u00f6rdlich das Mbomu auf franz\u00f6sisches Gebiet.<\/p>\n<article><\/article>\n<article><\/article>\n<article id=\"post-12346\" class=\"post-12346 post type-post status-publish format-standard hentry category-afrikanische-aesthetik category-geschichte-afrikas category-der-weite-norden-zentralafrikas\">\n<h4><\/h4>\n<h4 class=\"post-12346 post type-post status-publish format-standard hentry category-afrikanische-aesthetik category-geschichte-afrikas category-der-weite-norden-zentralafrikas\" style=\"text-align: center;\">Nach seiner Abreise lernt von Wiese das Reich des Sultan Semio erst kennen<\/h4>\n<p>Er wird mit beruhigenden Versicherungen seitens Semios entlassen : <span style=\"color: #0000ff;\"><em>Nachdem er mir die Versicherung gegeben hatte, da\u00df ich freien ungehinderten Durchmarsch durch sein Gebiet bis zur Bahr-el-Ghazal-Grenze erhalten solle und er Befehle heraussenden w\u00fcrde, mich mit Tr\u00e4gern , Booten, Ruderern und Verpflegung in seinem Lande zu unterst\u00fctzen, schied ich frohen Mutes von ihm &#8230; <\/em><\/span>(S. 292)<\/p>\n<p>Schon der Abstecher mit leichtem Gep\u00e4ck entwickelt sich zum Alptraum. Er beabsichtigt, das Volk der <strong>Kare<\/strong> durch Besuch in ihren D\u00f6rfern kennen zu lernen (-54-) .\u00a0 Ihn interessieren die <em><span style=\"color: #0000ff;\">seit 130 Jahren von den Azande unterworfenen Ureinwohner des Mbomulandes zwischen dem heutigen Semio und Kadjena<\/span> <\/em>ethnographisch, aber deren Lebenswirklichkeit hat er sich nicht vorstellen k\u00f6nnen oder wollen:<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Durch Vermittlung des franz\u00f6sischen Postens <\/em><em>erhielt ich vom Sultan Semio seinen Sohn Samuengi als Begleiter und Dolmetscher mit sowie 22 Kare als Tr\u00e4ger. Beim Anblick dieserKare sank meine Begeisterung f\u00fcr den Landmarsch bedeutend, denn es pr\u00e4sentierten sich mir wahre Bilder des Jammers, total unterern\u00e4hrte, von Lepra und Schlafkrankheit befallene Leute, von denen ich keine besonderen Marsch- und Tragleistungen erwarten konnte: im wahrsten Sinne des Wortes Vertreters eines unterjochten Volkes.<\/em>(54\/293) &#8230;.. <\/span><em><span style=\"color: #0000ff;\">Von den 22 Kare brachen bereits wenige Kilometer hinter dem Posten 2 Mann ohnm\u00e4chtig zusammen, 2 erkrankten im ersten Lager und 3 rissen unterwegs im Busch aus, einer davon unter Mitnahme eines Segeltuchsacks, enthaltend mein gesamtes Bettzeug, Moskitonetz, meinen einzigen warmen Mantel und verschiedene Stiefel. Da die Gegend \u00f6stlich von Semio sehr d\u00fcnn bev\u00f6lkert ist und viele Dorfbewohner auf die meist mit Trommelsprache \u00fcbermittelte Nachricht meines Anmarschs in den Busch fl\u00fcchteten, hielt es sehr schwer, Tr\u00e4gerersatz zu finden.<\/span><\/em><\/p>\n<\/article>\n<p>Was f\u00fcr Zust\u00e4nde, denen der Gast ausgesetzt ist!\u00a0 Nun ist es Wiese egal, ob Azande-Chef oder einer von den <span style=\"color: #0000ff;\"><em>unterjochten V\u00f6lkern<\/em>!<\/span>\u00a0 Regenzeit! Beim Zusammenbruch einer provisorischen Br\u00fccke st\u00fcrzen einige <em>Kare-<\/em>Tr\u00e4ger von hoch oben in den rei\u00dfenden Fluss. <span style=\"color: #0000ff;\">Sie <em>erlitten<\/em> <em>erhebliche Verletzungen und wurden dadurch f\u00fcr den Weitermarsch untauglich. Einige Tr\u00e4ger nutzten die Verwirrung zur Flucht ins hohe Gras. Erst nach energischem Einschreiten gegen einen Azande.Chef, welcher das n\u00e4chstliegende Dorf kommandierte, gelang es mir nach langem Warten, Ersatztr\u00e4ger zu erhalten.<\/em><\/span> &#8230;<em><span style=\"color: #0000ff;\"> Ich f\u00fchrte den widerspenstigen Herrn mit der leider bei den Franzosen viel zu wenig angewandten cravate nationale d.i. einfach einen Strick um den Hals, solange unter st\u00e4ndiger gelinder Aufmunterung durch Kolbenst\u00f6\u00dfe mit mir, bis sein Sohn die verlangtenTr\u00e4ger mit meinen Lasten im Galopp nachbrachte.<\/span><\/em>(-56-)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Negative Bilanz und die Frage nach der richtigen Strategie<\/h4>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Im weiteren Bericht sprach v.Wiese direkt seine Verachtung f\u00fcr die herrschenden Azande und die Misswirtschaft unter den Franzosen aus! &#8211; Den anglo-\u00e4gyptischen <strong>Grenzposten Tambura<\/strong> sozusagen vor Augen, gab v. Wiese auf S.302\/03\u00a0 sein <em>Gesamturteil \u00fcber die drei Sultanate ab <\/em>und macht schwungvoll entsprechende reformerische Kolonisations-Vorschl\u00e4ge:<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>&#8222;I<em><span style=\"color: #0000ff;\">m Sultanat <strong>Bangassu<\/strong>, wo sich das Volk der Eroberer mit den Unterworfenen schon stark vermischt hat, muss die Macht des Sultans gebrochen und an dessen Stellen ein den Franzosen absolut ergebenes Organ gesetzt werden, wie dies bereits in <strong>Rafai<\/strong> der Fall ist. Schwieriger steht es im Sultanate <strong>Semio<\/strong>. Die Angeh\u00f6rigen der Familie des Azande Avungura, welche die Sitze des Sultans, der H\u00e4uptlinge, Unterh\u00e4uptlinge\u00a0 und Dorfchefs innehaben, halten sich\u00a0 streng von den Unterworfenen abgesondert. Vor ungef\u00e4hr hundertdrei\u00dfig Jahren als Fremdlinge in das Land eingedrungen, haben sie auf diese Gebiete gar kein Recht. Durch ihre fortw\u00e4hrenden Kriegsz\u00fcge, durch ihr Zusammenarbeiten mit den arabischen H\u00e4ndlern und den schwunghaft betriebenen Sklavenhandel haben sie das Land und seine Urbewohner ruiniert.<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><em>Jetzt, da durch das energische Eingreifgen der anglo-\u00e4gyptischen Regierung die Wege, auf denen die Sklaven nach Norden weggeschafft wurden, gesperrt sind (&#8230;.) , sitzen die selbstherrlichen Avungura m\u00fc\u00dfig in ihren D\u00f6rfern und n\u00fctzen die unterjochten V\u00f6lker auf andere Weise f\u00fcr ihre Zwecke aufs schamloseste aus. Ihre einzige Besch\u00e4ftigung ist die Jagd, sonst arbeiten sie nichts. Die unterdr\u00fcckten St\u00e4mme m\u00fcssen die Feldarbeiten verrichten, ihre besten Frauen hergeben\u00a0 und Kautschuk und Elfenbein bringen, wof\u00fcr die Avungura den hohen Gewinn einstecken. Als Bezahlung fordern sie von den europ\u00e4ischen Kaufleuten vielfach Gewehre, Pulver und vor allem Alkohol, und erhalten unglaublicherweise auch dies alles. Ich fand Asande, die durch den Absinth so verdorben waren, da\u00df sie das Delirium hatten, z. B. Semio Mbomu, den eigentlichen Thronfolger des Landes. Als ausf\u00fchrende Organe der weit entfernt sitzenden Verwaltung sind sie fast gar nicht zu gebrauchen, z. B. wenn es hei\u00dft, Tr\u00e4ger oder Verpflegung herbeizuschaffen. Zum Teil wollen sie es selbst nicht, andererseits sind sie gar nicht imstande, da sich in solchen F\u00e4llen die Eingeborenen vor ihnen in den Busch fl\u00fcchten. Warum will man also dieses unproduktive degenerierte Herrenvolk l\u00e4nger im Lande dulden?\u00a0 die Stationierung einiger Kompagnien Soldaten\u00a0 und die Einf\u00fchrung geregelter Verwaltungw\u00fcrden gen\u00fcgen, um die Asande Avungura ihrer Stellung zu entheben und den alteingesessenen St\u00e4mmen der Akara, vidri, Biri, Patri, Sere usw. ihre ehemaligen Landstriche unter eigenen Stammesh\u00e4uptlingen zur\u00fcck(zu)geben. Mit Freuden w\u00fcrden diese V\u00f6lkerschaften, die dadurch die Bedingung zur freien Entwicklung wqieder erhielten, den franzosen treue Gefolgschaft leisten. Weniger angenehm w\u00fcrde die allerdings den Aktion\u00e4ren und Agenten der franz\u00f6sischen Handelsgesellschaften sein, die in den Avungura ihre besten Kunden verlieren w\u00fcrden<\/em><\/span>. (303\/304)<\/p>\n<p>Sagte er sich vielleicht: Man wird ja noch tr\u00e4umen d\u00fcrfen? Denn anschlie\u00dfend erinnerte er noch einmal an die vielen Krankheiten, die durch Raubbau verw\u00fcstete Naturressourcen und die ung\u00fcnstige geografische Lage. Der Mbomu k\u00e4me als gro\u00dfe Verkehrsader niemals in Frage. Es w\u00e4re wohl f\u00fcr die wirtschaftliche Erschlie\u00dfung der Sultanate am sinnvollsten, <span style=\"color: #0000ff;\"><em>eine Eisenbahn nach S\u00fcden durch den Uelle-Distrikt an den Kongostrom zu bauen und damit an diese st\u00e4ndig schiffbare Wasserader Anschlu\u00df zu gewinnen.<\/em><span style=\"color: #000000;\"> (304\/305)<\/span><\/span><\/p>\n<p>In der benachbarten anglo-\u00e4gyptischen Provinz <strong>Bahr-el Ghazal<\/strong> gewann v. Wiese eine konkretere Vorstellung, wie eine Kolonialmacht das von ihr besetzte ebenso heruntergekommene Land kontrollieren und bewirtschaften konnte. Er war sichtlich angetan vom Konzept der Briten. Er genoss die funktionierende Organisation und &#8218;vern\u00fcnftige&#8216; Grunds\u00e4tze bei der Verwaltung der abgelegenen Grenzregion:<\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">&#8222;<em>Dank dem Wildschutz der \u00e4gyptischen Verwaltung wimmelte es in diesen Gebieten von Elefanten<\/em>&#8222;. (314) und: &#8222;<em>In den Bezirken Tambura, Yambio und Meridi gibt es recht anschauliche Kautschuklianenbest\u00e4nde, doch d\u00fcrfen diese noch nicht ausgebeutet werden, da jene Gebiete f\u00fcr den Handel gesperrt sind. Das ist eine sehr gute Einrichtung, da dieses Land, welches jahrzehntelang durch die arabischen Sklaven- und Elfenbeinh\u00e4ndler so unendlich schwere Wunden erlitten hat, mu\u00df\u00a0 erst wieder Zeit zur Erholung haben<\/em>. (320) &#8222;<em>Die Kosten f\u00fcr Milit\u00e4r und Verwaltung sind nicht gering. Das Land hat so gut wie gar keine Einnahmen und\u00a0 wirtschaftliche Aussichten.\u00a0 Die Gebiete sind so arm und d\u00fcnn bev\u00f6lkert, da\u00df sie nicht einmal die gen\u00fcgende Verpflegungf\u00fcr die Truppen aufbringen k\u00f6nnen. Gro\u00dfe Transporte von Lebensmitteln m\u00fcssen daher allj\u00e4hrlich von Chartum aus herangeschafft werden.&#8220;<\/em> (319) Doch gelte <em>es gerade in einer Gegend, die nicht das ganze Jahr \u00fcber bequem zu erreichen ist, eine gen\u00fcgende Truppenmacht bereit zu haben, um etwaige Unruhen im s\u00fcdwestlichen Sudan ersticken unfd n\u00f6tigenfalls gegen das bisher noch unbesetzte m\u00e4chtige Sultanat Darfur\u00a0 von S\u00fcden aus Operationen aus einleiten zu k\u00f6nnen. Wau ist daher Garnison eines stets verwendungsbereiten Sudanesenbataillons, das 900 Mann stark ist.&#8220;<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Azande-K\u00f6nig Gbudue aus Yambio, der Herkunft der stylischen Figuren &#8211; <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12346\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a> (1) &#8211; auf sudanesischer Seite heute<\/h4>\n<p>Ich begegne einer soziologischen Studien zur Bedeutung des historischen Azande-K\u00f6nigs Gbudue f\u00fcr die\u00a0 Bev\u00f6kerung der Region in der Gegenwart: <strong>&#8222;Academia Summary \u2014 Customary Authorities Displaced\/ The Experience of Western Equatorians in Ugandan Refugee Settlements&#8220; <\/strong>by Bruno Braak and John Justin Kenyi vom Rift Valley Institue 2018 (pdf). Ich \u00fcbersetze eine Passage :<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;<em>Trotz geschmolzener Verm\u00f6gen und ihrer nahezu v\u00f6lligen Abwesenheit in den ugandischen Fl\u00fcchtlingslagern bleiben traditionelle Herrscherfamilien bei der Bev\u00f6lkerung der Region beliebt. Dies zeigt sich in einer nahezu einm\u00fctigen Unterst\u00fctzung unter den f\u00fcr diese Studie befragten Personen. Es finden jedoch Debatten dar\u00fcber statt, ob sie in \u00c4mter gew\u00e4hlt werden sollten, \u00fcber ihr Verh\u00e4ltnis zur Regierung und ob die h\u00f6chsten F\u00fchrungsebenen f\u00fcr Frauen und Menschen aus nicht-zentralen Clans ge\u00f6ffnet werden sollten. Viel umstrittener ist die m\u00f6gliche Wiedereinsetzung des K\u00f6nigreichs Zande, gr\u00f6\u00dftenteils entlang der ethnischen Grenze zwischen Zande und Nicht-Zande. F\u00fcr viele ethnische Zande ist das K\u00f6nigreich mit der historischen Erinnerung an K\u00f6nig Gbudwe verbunden, dem letzten Zande-K\u00f6nig, der sich der Kolonialherrschaft widersetzte. Seine Person gilt heute als eine der Stabilit\u00e4t, des Zusammenhalts und der Hierarchie \u2013 im krassen Gegensatz zu Krieg, Vertreibung und Armut, die viele Zande heute erleben.<\/em><\/p>\n<p><em>Unterst\u00fctzer oder Gegner des K\u00f6nigreichs Zande aber f\u00fcr st\u00e4rkere Autorit\u00e4ten im Allgemeinen haben eine wichtige Gemeinsamkeit: In der unsicheren und entfremdenden Gegenwart haben Visionen einer Zukunft, die einer stabileren und begreiflicheren imaginierten Vergangenheit gleicht, f\u00fcr sie an Bedeutung gewonnen. Entscheidend ist, dass solche Visionen weder ein konservatives Festhalten an der Tradition sind, noch einen Widerstand gegen Ver\u00e4nderungen anzeigen.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #ff0000;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hochgeladen am 11.Juni 2021 &#8211; Stand: 21. Juli v.Wiese hat den Auftrag, drei bedeutende &#8222;Sultanate&#8220; den Mbomu aufw\u00e4rts zu visitieren, ein jedes mit eigenem Profil. Ihre Schilderung dominiert die Reiseerz\u00e4hlung &#8211; im \u201eTagebuch\u201c ebenso wie im 1.Band von \u201eVom Kongo zum Niger und Nil\u201c 3. 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