{"id":12728,"date":"2015-08-25T22:00:38","date_gmt":"2015-08-25T20:00:38","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12728"},"modified":"2021-05-18T22:47:49","modified_gmt":"2021-05-18T20:47:49","slug":"was-fuer-eine-azande-harfe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12728","title":{"rendered":"Was f\u00fcr eine Azande-Harfe!"},"content":{"rendered":"<div id=\"primary\" class=\"site-content\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-3577\" class=\"post-3577 post type-post status-publish format-standard hentry category-sammeln\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Auszug aus: &#8222;Geschichten ums Sammeln&#8220;<\/span> (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=3577\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>)<\/p>\n<p><strong>25.8.15 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <\/strong><strong>Blick auf meine Fensterbank<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe ein paar mit der Zeit von T.L. erworbene kongolesische Objekte auf der Fensterbank gruppiert: Vier unterschiedlich gro\u00dfe Holzfiguren von lakonischem Charakter, eine primitive Harfe und ein griffiger undekorierter Schnupftabakst\u00f6\u00dfel. Sie harmonieren miteinander, obwohl sie zweitausend Kilometer verstreut gefertigt wurden. Ihre Entstehungszeit liegt n\u00e4her beisammen: vierzig, f\u00fcnfzig bis siebzig Jahre. Die Figuren sind bestimmten Ethnien mit hoher Wahrscheinlichkeit\u00a0 zuzuordnen, von Yaka im Westen zu den Azande im Nordosten, aber ist das entscheidend? Sie sind alle im Alltag gebraucht worden. Die Gebrauchst\u00fcchtigkeit sieht man ihnen an. Man kann sie auch in die Hand nehmen, sie sind robust genug.<\/p>\n<p>Die Harfe erkannte ich seinerzeit auf einem kleinen Filmausschnitt eines namhaften Musikethnologen wieder (youtube). Darauf sang um 1951 ein (fast!) nackter Barde der Azande und kratzte dazu T\u00f6ne auf den f\u00fcnf Saiten genau dieses Typs von Harfe.<\/p>\n<p>In einer vergilbten Brosch\u00fcre zur Morphologie afrikanischer Musikinstrumente wurde daf\u00fcr eine andere, benachbarte \u201aEthnie\u2019 angegeben. Mich wundert das nicht. Denn \u201aAzande-Harfen\u2019 haben in allen Ausstellungen und Bildb\u00e4nden die typische schnittige Form unter Verwendung von Schlangenhaut, nat\u00fcrlich datieren sie vor 1900. Was bedeutet das schon? Ihr Besitz wird ein Privileg von Honoratioren gewesen sein und ihr Besitz wird bei uns ein Privileg reicher Sammler. Wie schrieb Walter Benjamin so richtig in seiner geschichtsphilosophischen These Neun? \u2018Kultur\u2019 ist die Beute der Sieger. Und was passiert damit? Protegiert und klimatisiert wartet \u2018die Kultur\u2019 auf den n\u00e4chsten Sieger der Geschichte. Bertolt Brecht grinst blo\u00df.<\/p>\n<p>Galerieware und noch mehr die \u201aMeisterwerke\u2019 von Auktionen haben etwas mit dem Angebot auf den Speisekarten unserer Restaurants gemeinsam: F\u00fcr sie herrscht ewiger Feiertag, es gibt nur Sonntagsessen. Das sagt noch nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t. \u201aProfito\u2019 nennt sich sinnigerweise ein Lieferant, dessen Lkw\u2019s h\u00e4ufig bei bei meinem Stammlokal im Frankfurter Nordend aufkreuzen. Unsere Vorfahren in den gesegneten Fluren der gem\u00e4\u00dfigten Zonen a\u00dfen weder \u201avegan\u2019, noch exotische Spinnen oder jeden Tag ein \u201aMail\u00e4nder\u2019- oder \u201aZigeunerschnitzel\u2019. Feld, Garten, Markt und Schlachter \u2013 das ergab die \u201agesunde\u2019 Mischung auch f\u00fcr St\u00e4dter. Die Objekte auf der Fensterbank haben\u2019s auch mit dieser Mischung. Sie richten die Phantasiet\u00e4tigkeit auf die Menschen.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus: &#8222;Geschichten ums Sammeln&#8220; (LINK) 25.8.15 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Blick auf meine Fensterbank Ich habe ein paar mit der Zeit von T.L. erworbene kongolesische Objekte auf der Fensterbank gruppiert: Vier unterschiedlich gro\u00dfe Holzfiguren von lakonischem Charakter, eine primitive Harfe und ein griffiger undekorierter Schnupftabakst\u00f6\u00dfel. 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