{"id":12346,"date":"2021-07-22T01:09:40","date_gmt":"2021-07-21T23:09:40","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12346"},"modified":"2023-04-07T14:20:02","modified_gmt":"2023-04-07T12:20:02","slug":"erworben-in-rafai-1911-und-anderswo-im-zande-gebiet-entwurf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12346","title":{"rendered":"Drei Figuren im &#8222;Stil&#8220; der &#8222;Kontaktzone&#8220; der Azande (1\/5) Neu"},"content":{"rendered":"<p>Den ersten Entwurf habe ich am 6. Januar 2021 ver\u00f6ffentlicht und mehrfach aktualisiert. Er wurde bis heute (7.4.23)\u00a0 150 x aufgerufen. In der Zwischenzeit sind weitere Beitr\u00e4ge dazugekommen:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<h5>zum Sammler der zwei wichtigen Vergleichsst\u00fccke, dem Leutnant\u00a0 Walter von Wiese und Kaiserswaldau: <em>(2) Zur Person\u00a0 <\/em>(<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12873\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>),<\/h5>\n<\/li>\n<li>\n<h5>Zu der Expedition 1911 und zu den Verh\u00e4ltnissen an der Grenze zwischen den von Frankreich, von Belgien und\u00a0 Gro\u00dfbritannien besetzten Gebieten <em>: (3) Im zweiten &#8218;Herz der Finsternis&#8220; <\/em>(<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12857\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a> ) und <em>(4) : Drei Sultanate der Azande<\/em> (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12832\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>).<\/h5>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die\u00a0 Beitr\u00e4ge nutzen v.Wieses Reisebericht und konfrontieren ihn mit anderen Informationen zu den europ\u00e4ischen Kolonialeroberungen in Zentralafrika .<!--more--><\/p>\n<p>Meine anf\u00e4nglich naive Sicht wurde von\u00a0 der kunstgeschichtlichen und stilvergleichenden Perspektive der Standardwerke &#8222;African Reflections&#8220; und &#8222;Ubangi&#8220; dominiert, vor allem der von J.-L.Grootaers. Da ich daran sp\u00e4ter nicht einfach ankn\u00fcpfen konnte, schob ich die Fertigstellung Woche um Woche hinaus. Jetzt war die Neuordnung der Kapitel \u00fcberf\u00e4llig. \u00a0 Stand: 8.8.2021<strong><span style=\"color: #ff0000;\"><br \/>\n<\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">\u00a0Erwerb<br \/>\n<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Rafai-Figur-Marktstand.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-12356\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Rafai-Figur-Marktstand-147x360.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"450\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Rafai-Figur-Marktstand-147x360.jpg 147w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Rafai-Figur-Marktstand-369x900.jpg 369w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Rafai-Figur-Marktstand.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 15.8.2020 fiel die Figur mir am Stand auf, ich sah sie aber bereits das zweite Mal, hatte sie aber nicht bewusst fotografiert, ich entdeckte sie nachtr\u00e4glich auf einem Foto.<\/p>\n<p>Letztes Jahr war sie aus dem Norden der RDC von einem lokalen Agenten an W. L. geliefert worden. Er pflegt sein Korrespondentennetz und die Connections in Kinshasa seit \u00fcber zwanzig Jahren, hat keine spezifische stilkritische Expertise, nur in Landeskunde, und gibt Informationen der Lieferanten weiter, diesmal wohl &#8222;Azande&#8220;, wenn ich das recht erinnere. Er hatte anfang des Jahres schon mehr Figuren aus der Region Ubangi im Angebot, die mich durch ihre spr\u00f6de Ausstrahlung anziehen. Selbst mit Schmuck und in satter Patina sind sie keineswegs sch\u00f6n im herk\u00f6mmlichen Sinne.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Ich w\u00fcrde die Figur so beschreiben:<\/h3>\n<ul>\n<li>\n<h5>Ein starkes M\u00e4dchen mit gro\u00dfen Augen und Ohren &#8211; mit wachen Sinnen<\/h5>\n<\/li>\n<li>\n<h5>direkt gehauen, kantig d.h. eigensinnig, aus demselben Holz geschnitzt wie junge Burschen, ein kr\u00e4ftiger Hahnenkamm zieht sich den ganzen Hinterkopf hinunter.<\/h5>\n<\/li>\n<li>\n<h5>robust und zupackend &#8211; man sehe sich nur die H\u00e4nde an!<\/h5>\n<\/li>\n<li>\n<h5>Torso und Spalte jungfr\u00e4ulich n\u00fcchtern<\/h5>\n<\/li>\n<li>\n<h5>sicherer Stand auf gro\u00dfen F\u00fc\u00dfen, energiegeladene aufrechte Haltung<\/h5>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h5>All das sollte man nicht als Norm missverstehen. Der &#8218;Ubangi-Stil&#8216; ist nicht konventionell, wie die auch die Studien und Abbildungstafeln im Buch &#8222;Ubangi&#8220; zeigen, sondern expressiv, individuell oder lokal, frei in der Gestaltung. Ich beabsichtige, das noch mit einenm Gruppenbild augenf\u00e4llig zu machen.<\/h5>\n<h6><\/h6>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Erste Orientierung<\/h2>\n<div id=\"attachment_12840\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-1912-KARTE3v.Wiese_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12840\" class=\"size-large wp-image-12840\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-1912-KARTE3v.Wiese_-900x674.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"468\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-1912-KARTE3v.Wiese_-900x674.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-1912-KARTE3v.Wiese_-360x270.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-1912-KARTE3v.Wiese_-624x467.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-1912-KARTE3v.Wiese_.jpg 1499w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12840\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Vom Kongo zum Niger und Nil&#8220; 1912 Ausschnitt: v.Wieses Route und Dr.Schubotz&#8216; Route (punktiert) (2x anzuklicken)<\/p><\/div>\n<p>Im Jahr 1911 waren zwischen Kongo und Nil die Einflussbereiche von Belgiern (\u201eBelgisch Kongo\u201c seit 1908), Franzosen und Engl\u00e4ndern (jeweils \u201eSudan\u201c) noch nicht lange definiert. Und das Deutsche Reich hielt die Ausdehnung seiner Kolonie \u201eKamerun\u201c nach Osten und S\u00fcdosten\u00a0 noch nicht f\u00fcr abgeschlossen.<\/p>\n<div id=\"attachment_12350\" style=\"width: 166px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-1.48-Rafai-445cm.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12350\" class=\"size-medium wp-image-12350\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-1.48-Rafai-445cm-156x360.jpg\" alt=\"\" width=\"156\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-1.48-Rafai-445cm-156x360.jpg 156w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-1.48-Rafai-445cm-390x900.jpg 390w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-1.48-Rafai-445cm.jpg 433w\" sizes=\"auto, (max-width: 156px) 100vw, 156px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12350\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Ubangi&#8220; 1.48\u00a0 v.Wiese 1911<\/p><\/div>\n<p><strong>Walter von Wiese und Kaiserswaldau,<\/strong> ein junger Mann aus dem Landadel Schlesiens (Preu\u00dfen), hatte die milit\u00e4rische Karriere eingeschlagen, tauschte aber fr\u00fch die langweilige Existenz zwischen Garnisonsstadt und Man\u00f6ver gegen das &#8222;Seminar f\u00fcr Orientalische Sprachen&#8220; &#8211;\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Seminar_f%C3%BCr_Orientalische_Sprachen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a> Wikipedia, <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12873\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a> (2) &#8211; und die &#8222;Schutztruppe&#8220; in Ostafrika ein. Er organisierte 1910\/11 bereits zum zweiten Mal eine Expedition von Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg durch Zentralafrika. Sie durchzogen in mehreren Gruppen die gerade recht &#8218;unruhigen&#8216; franz\u00f6sisch kontrollierten Gebiete \u201eVom Kongo zum Niger und Nil\u201c (Buchtitel 1912). v.Wiese wurde beauftragt, den Grenzfluss Mbomu\u00a0 entlang von West nach Ost den Herrschaftsbereich dreier <strong>Azande-Sultanate<\/strong> zu besuchen und \u00fcber den Nil nach Deutschland zur\u00fcckzukehren. Zum\u00a0 Auftrag \u201ewissenschaftlicher Erkundung\u201c geh\u00f6rte &#8211; typisch f\u00fcr die damalige Zeit &#8211; auch die Versorgung der neuen Museen im Deutschen Reich mit ethnografischen Objekten (und mit Tierpr\u00e4paraten).<\/p>\n<p>v.Wiese durfte\u00a0 sein pers\u00f6nliches Steckenpferd &#8222;Ethnographie&#8220; reiten und hatte in Hamburg von Prof. Georg Thilenius eine Handreichung, Fragebogen, Kamera und Phonograph erhalten. In der ver\u00f6ffentlichten \u00dcbersicht hob Thilenius 1912 eigens die wissenschaftlichen Ergebnisse der Teilexpedition Walter v. Wieses\u00a0 als besonders ergebnisreich (Bd. I, S.383) hervor: &#8222;1<em>700 Gegenst\u00e4nde, zumal von den Magwandi, Nsakkara, Mandja, Togbo, ausf\u00fchrliche Nachrichten \u00fcber 16 V\u00f6lkerschaften, 600 Photogramme und Abbildungen, 30 eingehend beantwortete Fragebogen und 40 Phonogramme bilden das mitgebrachte Material.<\/em>..&#8220; Dabei ging ein betr\u00e4chtlicher Teil des Materials unterwegs verloren. Die Sammlung wurde zwischen den V\u00f6lkerkundemuseen in Hamburg (&#8222;Ubangi&#8220; 1.48) und Frankfurt geteilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Mitten im &#8222;Herzen Afrikas&#8220; zwischen Sudan und Kongo liegt der Ort Rafai:<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">In dem Dorf des Sultan Rafai am Mbomu-Fluss (24<sup>o<\/sup> \u00f6stl. L\u00e4nge) erwarb Wiese zwei Exemplare eines interessanten Figurentyps. Eines ist in \u201e<strong>Ubangi\u201c <\/strong>dokumentiert<strong>, <\/strong>dem bisher unentbehrlichen Handbuch f\u00fcr die Region (Actes Sud 2007, S. 45 Ill.1.48). <strong>Eine zweite Figur dieses Typs <\/strong>befindet sich in Frankfurt, im heutigen Weltkulturenmuseum <strong>(WKM). <\/strong>Es ist in dem Buch <strong>&#8222;African Reflextions&#8220;<\/strong> (Schildkrout\/Keim 1990) durch ein lausiges Foto vertreten. Im September 2020 bekam ich die Chance,\u00a0 die Figur in die Hand zu nehmen und mit meiner Figur zu vergleichen.<\/p>\n<h4><\/h4>\n<h3 style=\"text-align: center;\">v. Wieses Erfahrungen als Sammler in Rafai<\/h3>\n<p>Als zweites\u00a0 Sultanat erreicht v.Wiese Rafai. Auf seinen Aufenthalt gehe ich in Beitrag 4\/5\u00a0 (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12832\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>) n\u00e4her ein, zitiere hier nur die Passagen, die direkten Bezug zur Sammelt\u00e4tigkeit haben.<\/p>\n<p>(S.34-36) &#8222;<em>Nach Passieren von vielen Stromschnellen kam ich endlich am 12. Mai an die Stelle, wo der Chinko in den Mbomu einm\u00fcndet, fuhr noch sechs Stunden den Chinko aufw\u00e4rts und erreichte gegen Abend die auf einer Anh\u00f6he unweit des Flusses gelegene Verwaltungsstation Rafai, wo Leutnant Gillette den Befehl hat. In Rafai befindet sich ausserdem der Sitz der Direktion der Gesellschaft des Sultanats de Haut Ubangi und die Residenz des Sultan Hetman, dem zweiten von mir zu besuchenden grossen Sultan des Landes. Damit war ich in dem Gebiet der Azande oder Niam-Niam, den gef\u00fcrchteten Menschenfressern Central Afrikas und erhoffte nat\u00fcrlich eine sehr reiche ethnographische Ausbeute. Leider wurde ich aber arg entt\u00e4uscht. Diese Entt\u00e4uschung zeigte mir wiederum, dass es selbst im innersten Afrika die allerh\u00f6chste Zeit ist, ethnographisch zu sammeln und zu retten, was noch zu retten ist. <\/em>(&#8230;..)<\/p>\n<p><em>Zun\u00e4chst will ich hervorheben, dass die meisten Bewohner des Sultanats Rafai gar keine Azande sind, sondern unterworfene Autochtonen, St\u00e4mme wie\u00a0 die Biri, Gabon, Nsakkara und verschiedene Banda. Im Sultanat befinden sich ca. 23000 Seelen, davon sind Azand\u00e9s 4.500 <\/em>(&#8230;.) <em>cr. 3500 Leute sind mit Vorderladern verschiedenster Modell bewaffnet. Da die Azand\u00e9 sehr viele Frauen der genannten unterworfenen St\u00e4mme geheiratet haben, so hat nat\u00fcrlich beim <\/em><em>Nachwuchs die Reinheit der Zandi-Rasse sehr gelitten und das Sultanat Rafai ist damit nicht der Platz zu ethnographischen Studien, das muss ich mir auf sp\u00e4ter aufsparen. <\/em><\/p>\n<p><em>Der jetzige Sultan Hetman, der Sohn Rafais ist g\u00e4nzlich europ\u00e4isiert. <\/em>(&#8230;..) <em>Er lebt in einem nach Europ\u00e4erart erbauten Hause mit europ\u00e4ischer Einrichtung, f\u00fchrt europ\u00e4ische K\u00fcche und Keller und l\u00e4dt die Europ\u00e4er zum Diner ein. F\u00fcr seine und der Unterchefs Kinder hat er eine Schule eingerichtet, in der franz\u00f6sisch unterrichtet wird. Wohl wissend, dass die Sitten und Gebr\u00e4uche der Azande barbarisch sind, leugnet Hetman ihr Bestehen ab.<\/em> (&#8230;..) Nachdem v. Wiese seine Geschenke aufgez\u00e4hlt hat, f\u00e4hrt er fort: \u201c<em>Als Gegengeschenk erbat ich von ihm ethnographische Objekte f\u00fcr die Sammlung. doch machte es ihm sichtliche Schwierigkeiten, die den Azande eigent\u00fcmlichen Waffen und Ger\u00e4te beizuschaffen, und es dauerte einige Tage \u2013 es gab nicht viele am Hofe des Sultans, da dort meist alles aus der Faktorei der Compagnie de(s) Sultanats stammt. (\u2026.) Dies alles ganz im Gegensatz zur Residenz des Sultanats Labassu der Nzakkara, bei denen alles noch wie fr\u00fcher geblieben ist. Doch ich will nicht grollen, denn schlie\u00dflich ist es ja der Zweck von Kolonien, f\u00fcr die europ\u00e4ischen Waren neue Absatzgebiete zu schaffen.\u201d <\/em>(&#8222;Tagebuch&#8220; S.38)<\/p>\n<p>(S. 40) &#8222;<em>Wenn auch die heutigen Zust\u00e4nde Rafais, wie ich schon sagte, nicht zu ethnographischen Studien geeignet sind, so konnte ich doch von alten Leuten erfahren, wie es fr\u00fcher war und dar\u00fcber Material sammeln, sodass ich auch von Rafai scheiden konnte mit einer immerhin ansehnlichen ethnographischen Sammlung und reichlichem Studienmaterial. Leider erlebte ich aber die gro\u00dfe Entt\u00e4uschung, dass der gr\u00f6sste Teil meiner photographischen Platten trotz doppelter Einl\u00f6tung infolge der N\u00e4sse verdorben ist. Ein schwerer Schlag<\/em>.&#8220;<\/p>\n<p>Wie erfreut\u00a0 muss v. Wiese \u00fcber den Erwerb der Figuren gewesen sein! Die oben abgebildete Figur\u00a0 (<strong>Abb. 1.48)<\/strong> erhielt das Museum in Hamburg, das WKM in Frankfurt eine zweite Figur desselben Typs, die ich nach Augenschein schildern kann, die einzige Figur im Verzeichnis des WKM\u00a0 unter rund dreihundert Waffen und &#8218;profaneren&#8216; Dingen des t\u00e4glichen Lebens: Nackenst\u00fctzen, Tabakpfeifen, Speere, K\u00f6cher mit Pfeilen, Wurfeisen, Werkzeugen, Rasiermessern, Sieben, Beh\u00e4ltern wie K\u00f6rben u.s.w.<\/p>\n<h4><\/h4>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Erschwerte Bedingungen<\/h3>\n<p>Im &#8222;Tagebuch&#8220; und im gedruckten Bericht sind die beiden Figuren nicht erw\u00e4hnt, \u00fcber sie finden sich im WKM Frankfurt auch keine weitergehenden Informationen.<\/p>\n<p>Christine Stelzig und Beate Schneider sprechen in ihrem Aufsatz \u00fcber die Zweite Expedition v.Mecklenburg (&#8222;Ubangi&#8220;, pp. 261-283, leider nur auf Franz\u00f6sisch!) beim Thema der wissenschaftlichen Ergebnisse der Gesamtexpedition ein Handicap an:\u00a0 <em>Die Sammlungen erreichten Deutschland in au\u00dferordentlicher Unordnung. Das hie\u00df unvollst\u00e4ndige und unzul\u00e4nglich beschriftete Kisten, verlorene oder unleserliche Dokumentation, verlorene Sendungen&#8230;, all das musste dann auch die Museumskonservatoren entmutigen<\/em>. ( ebd. p.266 \u00fcbersetzt). Sie zitieren au\u00dferdem Klagen v. Wieses \u00fcber feindselige Eingeborene und den Mangel an geeigneter Verpackung f\u00fcr den Transport und dass es n\u00f6tig gewesen sei, die Tr\u00e4ger st\u00e4ndig zu \u00fcberwachen. \u00dcbertriebene Preisforderungen und die Weigerung der Angesprochenen, sich von ihren materiellen G\u00fctern zu trennen, verfinstern schlie\u00dflich seine Wahrnehmung, zumal die von ihm angebotenen Tauschobjekte keineswegs mit Begeisterung aufgenommen werden (ebd. p.271). So schreibt er recht bald in seinem Bericht: &#8222;<em>Mit den in anderen Kolonien \u00fcblichen Tauschmitteln , wie Stoffen, Perlen, Tabak und \u00e4hnlichem fand ich nicht allzu gro\u00dfe Gegenliebe. Andere kostbare Geschenke, mit denen man sich das Herz der Neger erobern k\u00f6nnen, erlaubten aber die schwierigen Transportverh\u00e4ltnisse nicht. Der Transport meiner vierzig Lasten bereiteten schon Schwierigkeiten genug.<\/em>&#8220; (1912 Bd.1, S. 245)<\/p>\n<p>Als Deutscher bewegte er sich auf einem von Konkurrenten erschlossenen Verkehrsweg an der Grenze zweier Kolonien. Er wollte ein knappes Wirtschaftsgut, n\u00e4mlich &#8218;authentische&#8216; Kulturg\u00fcter. Und er fand bei den Azande-Chefs keine Unterst\u00fctzung. Nichts wurde aus den geplanten 6 B\u00e4nden wissenschaftlicher Ergebnisse der Expedition. Publiziert wurden bereits w\u00e4hrend der Expedition einige Zeitungsberichte und bereits im Jahr darauf 1912 popul\u00e4re Berichte der Reisen &#8222;Vom Kongo zum Niger und Nil&#8220; in zwei opulent ausgestatteten und sch\u00f6n illustrierten B\u00e4nden, die bis 1926 mehrere Auflagen erlebten. Jeder Teilnehmer (au\u00dfer Kammerdiener und Koch des Herzogs) lieferte seinen Beitrag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Die Azande und die fig\u00fcrliche Kunst<\/h2>\n<p><strong>Jan Vansina<\/strong> (ch. 4 :pp. 84-87) und <strong>John Mack<\/strong> (ch.11: pp. 217-23) portr\u00e4tieren die politische Herrschaft und Kultur der Azande in Nachbarschaft mit den Mangbetu seit dem 18. Jahrhundert in dem 1990 erschienenen Standardwerk \u201e<strong>African Reflections &#8211; Art from Nordeastern Zaire&#8220;by Enid Schildkrout und Curtis A. Keim.\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Die Azande bauten seit dem 18. Jahrhundert n\u00f6rdlich des Uele ein expandierendes politisches System aus zwei konkurrierenden Dynastien auf, deren S\u00f6hne mehrerer Generationen nach eigenen Herrschaften strebten, durch die Unterwerfung ethnisch bunter autochtoner Bev\u00f6lkerungen. Deren H\u00e4uptlinge verwendete man als niedere Verwalter, man heiratete deren T\u00f6chter, holte deren S\u00f6hne man an die H\u00f6fe holte, damit sie als Leibw\u00e4chter, Speerk\u00e4mpfer und sonst Karriere zu machen. Obwohl sie den Zande &#8217;style of life&#8216; und die Sprache\u00a0 \u00fcbernehmen sollten, achteten die Azande auf rigide Klassengrenzen zwischen Adel, gew\u00f6hnlichen Azande und Autochthonen. Die F\u00fcrsten verstanden sich als &#8222;reine Warlords&#8220; (Vansina, 85)\u00a0 und nahmen kulturelle Werte und Gebr\u00e4uche aus verschiedenen Quellen an, was\u00a0 anl\u00e4sslich unfreiwilliger Phasen der Abh\u00e4ngigkeit von Sudanesen, Sansibari oder den Europ\u00e4ern augenf\u00e4llig wurde . (nach Vansina 84-85). Die Azande-F\u00fcrsten besch\u00e4ftigten Handwerker mit der Herstellung von Geschenken f\u00fcr Vasallen und hohe G\u00e4ste, egal ob Engl\u00e4nder, Belgier, Franzosen oder Deutsche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">DER &#8222;YAMBIO-STIL&#8220; UND DIE EUROP\u00c4ER<\/h4>\n<p>Ber\u00fchmt sind die Figuren des H\u00e4uptlings <strong>K\u00f6nig Gbudue<\/strong> (etwa 1835-1905) aus dem Marktflecken <strong>Yambio<\/strong> auf sudanesisch-britischer Seite<strong>. <\/strong>Drei Beispiele illustrieren einen regelrechten \u201e<strong>style Yambio<\/strong>\u201c. Zum einen ein Figurenpaar (ill. 5.29) 35 cm hoch, von Richard Storch zwischen 1909 und 1914 erworben, mit langgezogenen K\u00f6pfen und maskenhaft stilisierten Gesichtern, zum anderen eine entsprechend stilisierte salutierende Soldatenfigur (1909, 5.32 Abb. unten).<\/p>\n<p>In allen F\u00e4llen bildet die auff\u00e4llige kantige <strong>Hufeisen-Schulter-Arm-Einheit<\/strong> ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Grootaers nennt sie in Kap. III \u201e<em>forme en fer \u00e0 cheval<\/em>\u201c, Hufeisenform. Dazu kommen betonte H\u00fcften, sowie starke Beine und F\u00fc\u00dfe in \u00e4hnlicher Proportion. Auch hier f\u00e4llt die gl\u00e4nzende Schw\u00e4rze auf, von der auf den Figuren aus Rafai &#8211; wie auf zwei meiner kleinen Yanda-P\u00fcppchen &#8211; noch Reste vorhanden sind.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">.<\/h6>\n<div id=\"attachment_12353\" style=\"width: 271px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-5.29Yambio-couple-.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12353\" class=\"size-medium wp-image-12353\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-5.29Yambio-couple--261x360.jpg\" alt=\"\" width=\"261\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-5.29Yambio-couple--261x360.jpg 261w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-5.29Yambio-couple--652x900.jpg 652w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-5.29Yambio-couple--624x861.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-5.29Yambio-couple-.jpg 796w\" sizes=\"auto, (max-width: 261px) 100vw, 261px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12353\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Ubangi&#8220; 5.29 Yambio Paar<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_12354\" style=\"width: 179px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-5.32-Rafai-Gendarm.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12354\" class=\"size-medium wp-image-12354\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-5.32-Rafai-Gendarm-169x360.jpg\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-5.32-Rafai-Gendarm-169x360.jpg 169w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-5.32-Rafai-Gendarm-422x900.jpg 422w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Ubangi-5.32-Rafai-Gendarm.jpg 516w\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12354\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Ubangi&#8220; 5.32 Yambio Gendarm<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\"><\/h6>\n<div id=\"attachment_12347\" style=\"width: 252px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Reflections11.8-p.224-Yambio-Paar.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12347\" class=\"size-medium wp-image-12347\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Reflections11.8-p.224-Yambio-Paar-242x360.jpg\" alt=\"\" width=\"242\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Reflections11.8-p.224-Yambio-Paar-242x360.jpg 242w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Reflections11.8-p.224-Yambio-Paar-604x900.jpg 604w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Reflections11.8-p.224-Yambio-Paar-624x929.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Reflections11.8-p.224-Yambio-Paar.jpg 738w\" sizes=\"auto, (max-width: 242px) 100vw, 242px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12347\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Reflections&#8220; 11.8 p.224 Yambio Paar<\/p><\/div>\n<p>Die \u00e4ltere Publkation \u201e<strong><em>African Reflections \u2013 Art From Nordeastern Zaire<\/em><\/strong>\u201c (Schildkrout\/Keim 1990; p.224, 11.8 und 11.9) zeigt ein Paar von respektablen 81 cm H\u00f6he, die m\u00e4nnliche mit beeindruckenden Hodensack. Wenn es nicht vermutlich in den zwanziger Jahren erworben worden w\u00e4re, k\u00f6nnte der englische Gro\u00dfwildj\u00e4ger und Museumsgr\u00fcnder Major Powell-Cotton, der typische Kunde gewesen sein. Er erwarb aber erst 1933 in der Gegend Keramiken der Azande. (Vgl. meinen Blog \u201eKuyu-Tanzst\u00e4be im Factory Outlet 1927 (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4200\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>).<\/p>\n<p>Aber seien wir fair! Nicht nur Milit\u00e4rs, Kolonialbeamten und durchreisenden Gro\u00dfwildj\u00e4gern gefiel diese Art exzentrischer Kreativit\u00e4t, auch der Bildhauer Henry Moore bekannte sich dazu (1981; nach &#8222;African Reflections&#8220; p. 225)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>JLG<\/strong> (<strong>Jan-Lodewik Grootaers<\/strong>) wendet in\u00a0 <strong>&#8222;Embodyments &#8211; Masterworks of&#8230;&#8220;<\/strong> (Ed. Christina Heimich und Manuel Jordan, Prestel 2014) den Stand der Forschung auf\u00a0 eine solche Figur\u00a0 (plate 113) an:<\/p>\n<div id=\"attachment_12394\" style=\"width: 145px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Embodiments-pl.113-V-IMG_0325.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12394\" class=\"wp-image-12394\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Embodiments-pl.113-V-IMG_0325-120x360.jpg\" alt=\"Doku\" width=\"135\" height=\"404\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Embodiments-pl.113-V-IMG_0325-120x360.jpg 120w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Embodiments-pl.113-V-IMG_0325-300x900.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Embodiments-pl.113-V-IMG_0325.jpg 333w\" sizes=\"auto, (max-width: 135px) 100vw, 135px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12394\" class=\"wp-caption-text\">Embodiments 2014 Zande South Sudan pl.113 V<\/p><\/div>\n<p>&#8222;The figure belongs to a small but striking corpus of Zande sculptures from the Republic of South sudan dating from the first quarter of the twenteeth century and probably originating from a workshop in the smalk town of Yambio. These sculptures represent males and females and sometimes appear in pairs. (&#8230;.) The male examples are usually carved with pronounced genitals, as is the case here.<\/p>\n<p>The function of the figure was not recorded. It has\u00a0 been suggested that they were evocations of ancestors or were used in rainmaking rituals (Fagg 1967&#8230;, Herold 1990&#8230;.), but neither idea has been confirmed. Such figures may have been royal presentation pieces, possibly for the court of Zande king Gbudue (ca. 1835-1905), or may even have been specifically carved for sale to European visitors. This sculpture of a male is very similar to a large exemple in the British Museum, London (&#8230; see Mack 1990)&#8220;\u00a0\u00a0 A M E N !<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">.<\/h6>\n<p>In &#8222;<strong><em>Ubangi<\/em><\/strong>&#8220; (1.32. p.46) diskutiert <strong>Grootaers<\/strong> den Yambio-Stil nicht nur im Kontext der Stilmischungen, sondern ausdr\u00fccklich als Produktion f\u00fcr Europ\u00e4er, als \u201e<em>premier art africain exportation<\/em>\u201c .<\/p>\n<p>Unter dem Titel &#8222;<strong><em>Une Inspiration europ\u00e9enne<\/em>&#8222;<\/strong> geht er dann auf eine zweite Kategorie von Objekten ein: <em>&#8222;la copie des objets europ\u00e9ens destin\u00e9s \u00e0 une usage locale&#8220;, die Kopie europ\u00e4ischer Objekte zu einem lokalen Gebrauch<\/em>. Als Beispiel dient ihm <strong>ein Salatbesteck aus Elfenbein<\/strong>, das v. Wiese in <strong>Yakoma<\/strong>, einer franz\u00f6sischen Station auf dem Weg nach Rafai, erwarb, wahrscheinlich von einem Handwerker der <strong>Ngbandi<\/strong>-Gruppe.<\/p>\n<p>Wiese vermerkte im offiziellen <strong>Reisetagebuch<\/strong> (MWK : HBM Af I 1064, S.21): &#8222;&#8230; <em>Ferner findet man hier gro\u00dfe Kunstfertigkeitin der Bearbeitung von Elfenbein. Man schnitzt daraus sehr kunstvoll Signalh\u00f6rner, Messergriffe, Armb\u00e4nder, K\u00e4mme, Stockgriffe, Dosen u.s.w.<\/em>&#8220; Das Salatbesteck erw\u00e4hnt er nicht.\u00a0 Er kauft ees, aber f\u00fcr ihn war es ethnographisch wertlos, da klar f\u00fcr Europ\u00e4er bestimmt. <strong>Georg Thilenius<\/strong>, Direktor des Ethnographischen Museums in Hamburg, forderte es hingegen bei der Verteilung der Objekte zwischen den beiden Museen ausdr\u00fccklich f\u00fcr sein Institut als &#8222;<em>Beweis der Anpassung des Negers an die europ\u00e4ischen Moden<\/em>&#8222;. 1912 war Thilenius ein Sonderfall unter Ethnographen, indem\u00a0 er ein Auge f\u00fcr Objekte aus den &#8222;<em>zones de contact<\/em>&#8220; hatte, w\u00e4hrend die gro\u00dfe Mehrheit besessen war von &#8222;<em>nicht kontaminierter Kunst<\/em>&#8222;. (nach Grootaers p.46).<\/p>\n<p>Grootaers Essay kann zu einer allzu flachen Deutung von &#8222;Azande-Figuren&#8220; verf\u00fchren. Der kunstwissenschaftliche Begriff \u201eKontaktzone\u201c ist ein Euphemismus.\u00a0 Das halbe Jahrhundert vor 1910 war in der gesamten Region, auch im Sultanat Rafai nicht gerade g\u00fcnstig\u00a0 f\u00fcr die Bewahrung handwerklicher Solidit\u00e4t und \u00e4sthetischer Qualit\u00e4t, geschweige denn \u201alokaler\u2019 Stile. Die \u201aAutochtonen\u2019 (v.Wiese) wurden von Sudanesen, Sultanen der Azande und Europ\u00e4ern mit Krieg \u00fcberzogen, gejagt, beraubt, vertrieben und deportiert und dezimiert.<\/p>\n<p>Doch eigentlich war ganz Afrika s\u00fcdlich der Sahara eine einzige gro\u00dfe Kontaktzone. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr \u00dcbernahmen waren so vielf\u00e4ltig wie die f\u00fcr Abgrenzung. F\u00fcr die Professionalisierung von Handwerkern gab es \u00f6konomische Gr\u00fcnde. Handelswege und Repr\u00e4sentationsbed\u00fcrfnisse erfolgreicher H\u00e4uptlinge, ob sie sich <em>Oba<\/em>, <em>King<\/em> oder S<em>ultan<\/em> nannten, gaben \u201eWerkst\u00e4tten\u201c f\u00fcr eine gewisse Zeit Arbeit. \u201eGeschenke\u201c und \u201eGegengeschenke\u201c waren in einer Tauschwirtschaft die aristokratische Form des Tauschs, den auch\u00a0 v.Wiese auf seinen Besuchen praktizierte. Auf Anerkennung und gl\u00e4nzende Gesch\u00e4fte folgte der Niedergang. \u201eDer Stil von Yambio\u201c war wohl ein \u2013 von wem immer gef\u00f6rderter \u2013 Hype. \u2013 Was bleibt also \u00fcbrig von den Sensationen \u201eHybridkunst\u201c und \u201eKontaktzone\u201c?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">GAB ES AUCH EINEN &#8218;STIL RAFAI&#8216; ?\u00a0 &#8211;\u00a0 VERGLEICHEN WIR v.WIESES FIGUREN MIT ANDEREN AUS DER WEITEREN UMGEBUNG<\/h3>\n<div id=\"attachment_12861\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12861\" class=\"size-large wp-image-12861\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB-900x720.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB-900x720.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB-360x288.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB-624x499.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB.jpg 1499w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12861\" class=\"wp-caption-text\">v.Wiese Beilage zu Bd.1 &#8222;Vo\u0308lkerkarte&#8220; mit Sultanaten der Azande &#8211; 2x anzuklicken<\/p><\/div>\n<p>Ob zu Recht oder nicht, <strong>Rafai<\/strong> ist seit langem bekannt als <strong>&#8218;Gr\u00fcndungsort&#8216;<\/strong> des sich um 1900 rasch\u00a0 verbreitenden <strong>Mani-Kult<\/strong>s (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2627\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>), welcher eine gro\u00dfe Anzahl elementar gestalteter Fig\u00fcrchen hervorgebracht hat. Rafai wird bis heute haupts\u00e4chlich von Azande bewohnt, aber auch von kleinen Gruppen der Nzakara und Banda.<\/p>\n<div id=\"attachment_12810\" style=\"width: 223px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Bildschirmfoto-2021-05-26-um-14.14.49.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12810\" class=\"size-medium wp-image-12810\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Bildschirmfoto-2021-05-26-um-14.14.49-213x360.png\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Bildschirmfoto-2021-05-26-um-14.14.49-213x360.png 213w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Bildschirmfoto-2021-05-26-um-14.14.49.png 395w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12810\" class=\"wp-caption-text\">Burssens : Yanda Beelden&#8230; Abb. Gbandi<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Beitrag \u00fcber die Yanda-Fig\u00fcrchen stellte ich\u00a0 auch eine Figur der <strong>Gbandi<\/strong> vor (aus: <strong>Burssens : <em>Yanda Beelden<\/em><\/strong> Abb.432) Heute f\u00e4llt mir eine gr\u00f6\u00dfere \u00dcbereinstimmung mit den Figuren aus\u00a0 &#8222;Rafai&#8220; auf:\u00a0 das breite Gesicht, die abstehenden Ohren, der Zylinder des Halses, die waagrechte eckige Schulterpartie, Armhaltung, Knospenbr\u00fcste, st\u00e4mmige Beine.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"mceTemp\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6><\/h6>\n<div id=\"attachment_12953\" style=\"width: 174px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/UBANGI-p.174-4.46-Banda.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12953\" class=\"wp-image-12953\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/UBANGI-p.174-4.46-Banda-134x360.jpg\" alt=\"Doku\" width=\"164\" height=\"440\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/UBANGI-p.174-4.46-Banda-134x360.jpg 134w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/UBANGI-p.174-4.46-Banda-335x900.jpg 335w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/UBANGI-p.174-4.46-Banda.jpg 372w\" sizes=\"auto, (max-width: 164px) 100vw, 164px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12953\" class=\"wp-caption-text\">UBANGI p.174 4.46 Banda<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die abgebildete, den <strong>Banda<\/strong> zugeschriebene Figur 4.46 in \u201eUbangi\u201c &#8211; pp.174-76, 59 cm hoch und zwischen 1917 und 1930 gesammelt &#8211;\u00a0 tr\u00e4gt auf ihrem langen Hals einen kugelf\u00f6rmigen Kopf mit kreisf\u00f6rmigen Augen- und Ohrenscheiben. Kleinere Figuren (ab Ill. 4.50) betonen gro\u00dfe ausgeh\u00f6hlte runde Ohren. Auf einer \u00dcbersichtstafel mit schematischen Zeichnungen (p.230f.) werden <strong>Nzakara und Azande<\/strong> in einem Atemzug genannt, was\u00a0 mit der Politik des herrschenden Azande-Klans begr\u00fcndet werden kann. Eine breites rundes Gesicht findet sich h\u00e4ufig, darunter auch an einer \u201eYanda\u201c-Puppe des Mani-Kultes, wie ich sie bereits beschrieben habe (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2663\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>), dort aber vor allem ein markanter, nur f\u00fcr das Geschlecht eingeschnittener H\u00fcftring und kurze dynamische Beine.<\/p>\n<div id=\"attachment_12950\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/UBANGI-p.174-4.46-Banda_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12950\" class=\"size-medium wp-image-12950\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/UBANGI-p.174-4.46-Banda_2-190x360.jpg\" alt=\"Doku\" width=\"190\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/UBANGI-p.174-4.46-Banda_2-190x360.jpg 190w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/UBANGI-p.174-4.46-Banda_2.jpg 377w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12950\" class=\"wp-caption-text\">UBANGI p.174 4.46 Banda_2<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Die Abbildung einer stehenden weiblichen Figur der <strong>Bua<\/strong> ist mittlerweile dazugekommen (Slg.Horstmann &#8222;<em>5000 Jahre Afrika \u00c4gypten<\/em> &#8230;&#8220; , SMB, Kettler 2008, S.72). Im Nebeneinander wird die Verwandtschaft augenf\u00e4llig, hier demonstriert am Exemplar aus dem Weltkulturenmuseum (WKM) in Frankfurt (<em>African Reflections<\/em> p.225, 11.10) :<\/p>\n<div id=\"attachment_12864\" style=\"width: 267px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bua-w.Figur-42cmAzande-WKM.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12864\" class=\"size-medium wp-image-12864\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bua-w.Figur-42cmAzande-WKM-257x360.jpg\" alt=\"\" width=\"257\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bua-w.Figur-42cmAzande-WKM-257x360.jpg 257w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bua-w.Figur-42cmAzande-WKM-643x900.jpg 643w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bua-w.Figur-42cmAzande-WKM-624x874.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bua-w.Figur-42cmAzande-WKM.jpg 857w\" sizes=\"auto, (max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12864\" class=\"wp-caption-text\">&#8218;Azande&#8216; WKM &#8218;Afr.Refl.&#8216; \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bua w.Figur Slg.42cm:<\/p><\/div>\n<ul>\n<li>Die Proportionen<\/li>\n<li>Der Kugelkopf, breite Nase und abstehende Ohren, der d\u00fcnne R\u00f6hrenhals, kantige Schultern und Arme, ausgebildete H\u00e4nde,der Torso mit Knospenbr\u00fcsten und vorspringendem Nabel, der das Geschlecht muskul\u00f6s umgebende H\u00fcftg\u00fcrtel, kr\u00e4ftige Beine und starke F\u00fc\u00dfe<\/li>\n<li>Die schwarz gl\u00e4nzende Patinierung des hellen Holzes.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dabei ist die &#8222;Rafai&#8220;-Figur vor allem in den Gliedma\u00dfen lakonischer, abstrakter. Die physischen Qualit\u00e4ten der Beine treten erst bei der \u201eBua\u201c hervor und provozieren Fragen. Bei den entfernten Nachbarn im Sudan, etwa den Nuba, tragen auch heiratsf\u00e4hige M\u00e4dchen Ringk\u00e4mpfe aus. Oder steckt ein Hinweis auf eine \u201eMasth\u00fctte\u201c darin, in welcher junge Br\u00e4ute vor ihrer Heirat eine Zeit verbringen. Im Kongoraum f\u00e4llt mir Ovimbundu als konkretes Beispiel ein.<\/p>\n<div id=\"attachment_12861\" style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12861\" class=\"size-thumbnail wp-image-12861\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/v.Wiese-Bd.1-Vo\u0308lkerkarte.Sultanate-15MB-170x150.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12861\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Vo\u0308lkerkarte&#8220; &#8211; 2x anzuklicken<\/p><\/div>\n<p>Dank der von v.Wiese erarbeiteten &#8222;V\u00f6lkerkarte&#8220; in &#8222;Vom Kongo zum Niger und Nil&#8220; lokalisieren wir die <strong>Bua<\/strong> (rostrot!) oder &#8222;Mogwandi&#8220; als Gruppe kleiner V\u00f6lker zwischen den Stationen Mobaye und Yakoma. Auf der V\u00f6lkerkarte in &#8222;Ituri&#8220; von Marc L. Felix (M\u00fcnchen 1992,S. 66\/67) firmieren sie als &#8222;Bongo&#8220; und &#8222;Yakoma&#8220;. Ihre s\u00fcdlichen Nachbarn sind die &#8222;Ngbandi. Doch ethnische &#8222;Azande&#8220; sind auf der Karte \u00fcberall und nirgends.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Spekulationen!<\/h4>\n<div id=\"attachment_13093\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/215.-Asande-m.-Fellschu\u0308rzen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13093\" class=\"size-medium wp-image-13093\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/215.-Asande-m.-Fellschu\u0308rzen-360x320.jpg\" alt=\"Doku\" width=\"360\" height=\"320\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/215.-Asande-m.-Fellschu\u0308rzen-360x320.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/215.-Asande-m.-Fellschu\u0308rzen-900x799.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/215.-Asande-m.-Fellschu\u0308rzen-170x150.jpg 170w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/215.-Asande-m.-Fellschu\u0308rzen-624x554.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/215.-Asande-m.-Fellschu\u0308rzen.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13093\" class=\"wp-caption-text\">v.Wiese 215. Asande m. Fellschu\u0308rzen<\/p><\/div>\n<p>Die Azande-Bev\u00f6lkerung verschwindet hinter dem\u00a0 &#8218;Glanz&#8216; ihrer herrschenden Dynastien. Auch v.Wieses Schilderung der drei Sultanate macht keine Ausnahme. Ein einziges Fotos (Nr.215 gegen\u00fcber S. 309) zeigt &#8222;<em>Asande mit Fellsch\u00fcrzen aus <\/em>(Sultan) <em>Hiruas Gebiet (S.314)&#8220; &#8211; <\/em>schlichte Bauern oder J\u00e4ger auf dem Territorium des Sudan, \u00fcbrigens nicht weit von Yambio.<\/p>\n<p>K\u00f6nnten die Figuren mit den markanten &#8218;Hufeisenschultern&#8216; aus dieser abgelegenen Gegend stammen und vielleicht den ersten Impuls zur &#8218;manieristischen&#8216; Repr\u00e4sentationskunst des Sultans von Yambio gegeben haben? K\u00f6nnten die durch v. Wiese erworbenen Figuren erst auf dem Handelsweg den Mbomu abw\u00e4rts in den Marktflecken Rafai gekommen sein?<\/p>\n<div id=\"attachment_13092\" style=\"width: 245px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Helms-Asande-Hiruas-Schwester.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13092\" class=\"size-medium wp-image-13092\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Helms-Asande-Hiruas-Schwester-235x360.jpg\" alt=\"doku Haltung\" width=\"235\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Helms-Asande-Hiruas-Schwester-235x360.jpg 235w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Helms-Asande-Hiruas-Schwester-588x900.jpg 588w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Helms-Asande-Hiruas-Schwester-624x956.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Helms-Asande-Hiruas-Schwester.jpg 653w\" sizes=\"auto, (max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13092\" class=\"wp-caption-text\">v.Wiese\/Helms &#8211; Asande Hiruas Schwester<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>v.Wiese hat die Schwester Sultan Hiruas fotografiert, und E.M. Heims hat daraus ein starkes Aquarell gezaubert.<\/p>\n<p>Ich frage mich: Wie ist die demonstrativ dynamische Haltung dieser Frau entstanden, vor allem die vorgezogenen Schultern? Oder haben die Schnitzer der &#8222;Rafai&#8220;-Figuren blo\u00df realistisch gearbeitet?<\/p>\n<p>Die Kammfrisur ist nicht zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">.<\/h6>\n<div id=\"attachment_12848\" style=\"width: 281px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-202.-Frisuren-der-Sakkara.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12848\" class=\"size-medium wp-image-12848\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-202.-Frisuren-der-Sakkara-271x360.jpg\" alt=\"\" width=\"271\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-202.-Frisuren-der-Sakkara-271x360.jpg 271w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-202.-Frisuren-der-Sakkara-678x900.jpg 678w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-202.-Frisuren-der-Sakkara-1157x1536.jpg 1157w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-202.-Frisuren-der-Sakkara-624x828.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/v.Wiese-I-202.-Frisuren-der-Sakkara.jpg 1473w\" sizes=\"auto, (max-width: 271px) 100vw, 271px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12848\" class=\"wp-caption-text\">v.Wiese I 202. Frisuren der Sakkara (Station Yakoma am Zusammenfluss von Uelle und Mbomu<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr weibliche Frisuren zeigt eine Zeichnung mit dem Titel \u201eFrisuren der Nsakkara\u201c gleich zwei Ansichten eines Hahnenkamms ( Bd. I Bild 202. S.289, 18.4.11, signiert Ernst M.Heims) Die Signatur mag irritieren. Helms hat v.Wiese nicht begleitet so wenig wie Schubotz. Er hat auch Skizzen und Fotos anderer Teilnehmer bearbeitet, zum Beispiel das tote Okapi auf dem Titelbatt des 1. Bandes &#8218;auferstehen&#8216; lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">.<\/h6>\n<div id=\"attachment_12358\" style=\"width: 143px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/UBANGI-1.32.Azande-Sudan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12358\" class=\"wp-image-12358\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/UBANGI-1.32.Azande-Sudan-149x360.jpg\" alt=\"\" width=\"133\" height=\"320\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/UBANGI-1.32.Azande-Sudan-149x360.jpg 149w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/UBANGI-1.32.Azande-Sudan-373x900.jpg 373w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/UBANGI-1.32.Azande-Sudan.jpg 456w\" sizes=\"auto, (max-width: 133px) 100vw, 133px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12358\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;UBANGI&#8220; (2)1.32. Azande Sudan (weibl.! lks. 68cm)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein auf sudanesischer Seite vom britischen Gouverneur Carl Giegler Pasha bereits 1880 gesammeltes Figurenpaar, <strong>&#8222;Azande&#8220;<\/strong>,\u00a0 (68\/60 cm, Abb. 1.32 (1)+(2) p. 36\u00a0\u00a0 &gt;&gt; rechts) scheint mir auch verwandt zu sein :<\/p>\n<ul>\n<li>Gestalt : Haltung, Pobacken, kr\u00e4ftige gebogene Beine, m\u00e4chtige F\u00fc\u00dfe<\/li>\n<li>Gesicht: breites flaches Gesicht, ovaler Mund, kurze Nase.<\/li>\n<li>und wenn die hervorragenden Schwarzwei\u00df-Abbildungen nicht t\u00e4uschen, sogar in der Oberfl\u00e4chenbearbeitung und schwarzer gl\u00e4nzender Patina<\/li>\n<\/ul>\n<p>Grootaers (p.36): &#8222;Leur fonction demeure obscure&#8220; &#8211; Ihre Funktion bleibt dunkel.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">?<\/h4>\n<div id=\"attachment_13087\" style=\"width: 158px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ubangi-1.33-Zande-Sudan-56cm.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13087\" class=\"size-medium wp-image-13087\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ubangi-1.33-Zande-Sudan-56cm-148x360.jpg\" alt=\"\" width=\"148\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ubangi-1.33-Zande-Sudan-56cm-148x360.jpg 148w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ubangi-1.33-Zande-Sudan-56cm-370x900.jpg 370w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ubangi-1.33-Zande-Sudan-56cm.jpg 411w\" sizes=\"auto, (max-width: 148px) 100vw, 148px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13087\" class=\"wp-caption-text\">UBANGI\u00a0 1.33 Zande Sudan 56c ( aus dem <strong>Osten<\/strong>)<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_13088\" style=\"width: 181px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/UBANGI-1.54.MbanzaNgbaka.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13088\" class=\"wp-image-13088\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/UBANGI-1.54.MbanzaNgbaka-145x360.jpg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"424\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/UBANGI-1.54.MbanzaNgbaka-145x360.jpg 145w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/UBANGI-1.54.MbanzaNgbaka-362x900.jpg 362w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/UBANGI-1.54.MbanzaNgbaka.jpg 443w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13088\" class=\"wp-caption-text\">UBANGI\u00a0 1.54. Mbanza:Ngbaka (aus dem <strong>Westen<\/strong> der Region)<\/p><\/div>\n<h6 style=\"text-align: center;\">\u00a0 .<\/h6>\n<h2 style=\"text-align: center;\">\u00a0\u00a0 &#8218;Pr\u00fcfung&#8216; meiner Figur im Weltkulturenmuseum <u><br \/>\n<\/u><\/h2>\n<p>Nach einem Dreivierteljahr und mit dem Wissen von heute sind die damaligen Beobachtungen f\u00fcr mich nur noch typisch unzuverl\u00e4ssige Zeugenaussagen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Was habe ich inzwischen gelernt?<\/strong><\/h3>\n<p>Grootaers und Schildkrout\/Mack haben v.Wieses Bericht nicht ber\u00fccksichtigt, Christine Stelzig und Beate Schneider haben \u00fcber v.Wiese geschrieben, doch die zwei in Rafai erworbenen Figuren nicht erw\u00e4hnt. Grootaers fand seine Themen in &#8222;Kontaktzone&#8220; und &#8222;Hybridkunst&#8220; und fokussierte den exzentrischen \u201eYambio-Stil\u201c der Werkstatt eines \u00f6stlichen Azande-Sultans, eine Kunst, die wahrscheinlich von zugewanderten Handwerkern aus dem Westen (\u201ewahrscheinlich Banda\u201c, ein Sammelname!) betrieben wurden.<\/p>\n<p>Dem Sultan von Rafai (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12832\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>) aber stand offensichtlich nicht der Sinn nach exotischer Folklore, er verf\u00fcgte mit Sicherheit nicht \u00fcber eine entsprechende Werkstatt. Ohnehin bildete die Azande-Oberschicht nur f\u00fcnfzehn Prozent der Bev\u00f6lkerung seiner Residenz. Zudem bemerkte\u00a0 v. Wiese bei dem westlichen Azande-Klan eine Vermischung mit den unterworfenen V\u00f6lkern. Er schweigt sich im Bericht \u00fcber <u>seine <\/u>Kontakte au\u00dferhalb der europ\u00e4isierten \u201aResidenz\u2019 aus. Er wird auch die beiden Figuren &#8218;au\u00dferhalb&#8216; erworben haben.<\/p>\n<p>Damit sind wir von falschen Sicherheiten befreit. \u201eZur\u00fcck auf Anfang\u201c in die vielgestaltige, aber bekanntlich wenig dokumentierte Un-Stilprovinz \u201eUbangi\u201c .Im vorigen Abschnitt \u201e<em>Gab es einen Stil Rafai ?<\/em>\u201c\u00a0 habe ich vergleichbare Figuren vorgestellt, denen therapeutische und andere Rollen im Kult nicht abgesprochen werden k\u00f6nnen, weil solche auch in dieser Gegend normal waren. Meine Figur k\u00f6nnte in einem Familienschatz \u00fcberlebt haben.<\/p>\n<p>Der markante kubische H\u00fcftring des Figurentyps findet sich h\u00e4ufig bei <em>Yanda<\/em>-Figuren des <em>Mani<\/em>-Kultes. Der Bund\u00a0 hat sich vielleicht doch nicht ausgerechnet von Rafai aus verbreitet &#8211; bis ins ferne Kinshasa &#8211; aber trotz jahrelangem Verbot als \u201aGeheimbund\u2019 \u00fcberlebt. Yanda-Figuren sind auch nicht nur klein und minimalistisch geschnitzt. Gew\u00e4hrsmann Burssens hat nur die Region s\u00fcd\u00f6stlich von Rafai bearbeitet. (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=2663\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>) &#8211; Dieser H\u00fcftring k\u00f6nnte aber auch ein Signal der Loyalit\u00e4t oder einfach der Zugeh\u00f6rigkeit zum Azande-Sultanat gewesen sein.<\/p>\n<p>Ich ging im vorigen September noch davon aus, dass der kommerzielle Charakter der Rafai-Figur(en) von Grootaers in \u201e<em>Ubangi<\/em>\u201c \u00fcberzeugend dargelegt worden sei. Ich erwartete also im Museum\u00a0 einem &#8218;kommerziellen&#8216; Objekt zu begegnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Rafai-frontal-IMG_6037.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-13085 alignright\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Rafai-frontal-IMG_6037-206x360.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Rafai-frontal-IMG_6037-206x360.jpg 206w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Rafai-frontal-IMG_6037-514x900.jpg 514w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Rafai-frontal-IMG_6037.jpg 571w\" sizes=\"auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/><\/a>Das Exemplar im WKM schien das handwerklich wie materiell zu best\u00e4tigen. Der Eindruck war ambivalent. zun\u00e4chst:<em> schlanker und edler als meins, aber irritierend leichtgewichtig. Ich hebe das <\/em><em>leichte und helle Holz<\/em><em> ungl\u00e4ubig immer wieder an. Ich bemerke die feine Gl\u00e4ttung, die aber nur einmal dunkel gebeizt wurde, und die <\/em><em>Konturen, <\/em><em>welche die gro\u00dfen Linien, die \u201aForm\u2019 betonen. Da kommt mir die bekannte Vorliebe <\/em><em>europ\u00e4ischer<\/em><em> Kunden in den Sinn. Formal st\u00f6ren der spindeld\u00fcnne Kamm mit eingeritztem Muster und die Magerkeit der Formen, vor allem von der Seite gesehen. Auf eine schlanke Art ist die Haltung dynamisch, aber weniger kraftvoll: die Arme und die d\u00fcnnen H\u00e4nde, eine &#8218;brave&#8216;<\/em><em> H\u00fcftpartie und eher dicke als kr\u00e4ftige Beine<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Rafai-seitlich-IMG_6042.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-13086\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Rafai-seitlich-IMG_6042-114x360.jpg\" alt=\"\" width=\"114\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Rafai-seitlich-IMG_6042-114x360.jpg 114w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Rafai-seitlich-IMG_6042-285x900.jpg 285w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Rafai-seitlich-IMG_6042.jpg 316w\" sizes=\"auto, (max-width: 114px) 100vw, 114px\" \/><\/a><em>Die total ebenen Augenfl\u00e4chen k\u00f6nnten eine bewusste Aussage transportieren: geschlossene Augen, Blindheit, den durchdringenden zweiten Blick. <\/em><em>Die geringe Standsicherheit durch hohen Schwerpunkt<\/em><em> w\u00e4re keine Empfehlung f\u00fcr eine repr\u00e4sentative Funktion, aber sie hat mit den Sch\u00e4den an den F\u00fc\u00dfen zu tun<\/em><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Sch\u00e4den an Fingern (abgeschrammt), Ohr (abgefressen) und Fu\u00df (glatt abgeschnitten?) haben offenbar keine gemeinsame Ursache; der Schnitt am rechten Fu\u00df erst im Depot passiert? Frage: Suggerieren sie blo\u00df den Gebrauch? Die exponierten F\u00fc\u00dfe und H\u00e4nde sind aber auch auff\u00e4llig d\u00fcnn. <\/em><em>So etwas konnte das Jahrhundert \u00fcberhaupt nur in einem trockenen europ\u00e4ischen Depot \u00fcberleben, immerhin ohne Schwundrisse.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Ich sagte mir schlie\u00dflich: \u201e<em>Ich m\u00f6chte nicht tauschen, obwohl beim \u201aJ\u00fcngsten Gericht\u2019 diese Figur auf der Seite der Geretteten stehen wird. <\/em><\/p>\n<p>Die von v.Wiese gesammelten Figuren sind ohnehin vor allem\u00a0 Zeugen seiner Expedition, und in diesem Sinne Reliquien. Die Provenienz steht nach den geschilderten Umst\u00e4nden der Reise \u00fcber dem momentan beliebten Verdacht eines &#8218;Gewaltkontextes&#8216;.<\/p>\n<p>Dem eingebrachten Objekt stehen hingegen nur seine materiellen und \u00e4sthetischen Qualit\u00e4ten zur Seite, denen diesmal die explizite Anerkennung versagt bleiben musste.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Meine-Rafai-IMG_6067.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-13082\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Meine-Rafai-IMG_6067-165x360.jpg\" alt=\"\" width=\"165\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Meine-Rafai-IMG_6067-165x360.jpg 165w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Meine-Rafai-IMG_6067-413x900.jpg 413w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Meine-Rafai-IMG_6067.jpg 429w\" sizes=\"auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px\" \/><\/a>Mir zeigt die Figur die ganze Zeit \u00fcber eine starke, stolze K\u00f6rpersprache\u2019.<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeit einer sp\u00e4teren Buchkopie nach frontal aufgenommenen Abbildungen scheidet f\u00fcr mich aus: H\u00f6chstens eine Neusch\u00f6pfung, eine durchdachte individuelle Ausarbeitung, eine gelungene Figur. Seit dem Beginn der Kolonialeroberungen war bei erfolgreichen Schnitzern kommerzielles Kalk\u00fcl sinnvoll (Strother, u.a.), als Gelderwerb statt Fron f\u00fcr die Steuern. Ausgearbeitete Skulpturen wurden ohnehin erst in den H\u00e4nden der Heiler &#8217;sakral&#8216;.<\/p>\n<p>Der geringere Gl\u00e4ttungsgrad kann als kommerzielle \u00d6konomie gesehen werden, doch eigentlich nur, wenn handwerkliche Nachl\u00e4ssigkeit an wichtigen Punkten festzustellen w\u00e4re. Wird aber aber das Licht durch die Kanten vielf\u00e4ltig reflektiert, war das als Effekt erw\u00fcnscht. Dann wird der Effekt Teil einer gelungenen Skulptur,<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Meine-Rafai-IMG_6075.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-13083 alignright\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Meine-Rafai-IMG_6075-141x360.jpg\" alt=\"\" width=\"141\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Meine-Rafai-IMG_6075-141x360.jpg 141w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Meine-Rafai-IMG_6075.jpg 429w\" sizes=\"auto, (max-width: 141px) 100vw, 141px\" \/><\/a>Das Alter? &#8211; Das rote, dichte und eher harte Holz und die hier und da erkennbaren (Restauratorin) mehreren Schichten an Tinktur (mit ganz leichtem Geruch) erm\u00f6glichen ein \u00dcberleben \u00fcber l\u00e4ngere Zeit. Unterschiedliche Verwendungen hinterlassen unterschiedliche Spuren. \u201eGebrauch\u201c ist nicht nur rituell als Beopferung zu denken oder als W\u00e4chterfigur auf der blanken Erde unter freiem Himmel oder in einem wenig gesch\u00fctzten Schrein, sondern auch als Auftritt mit einem W\u00fcrdentr\u00e4ger; in der Zwischenzeit wurde so eine Figur von seiner Ersten Frau gepflegt und aufbewahrt (Beispiele bei den Lega). Ich tendiere zu repr\u00e4sentativen W\u00fcrdezeichen oder zum Mitgliedsausweis eines exklusiven Vereins.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #808080;\"><strong>Das bleibende Geheimnis an einem Objekt darf man positiv sehen!<\/strong><\/span><\/h4>\n<p>Stand: 22.12.2021<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Nachtrag aus zeitlichem Abstand<\/h3>\n<p>In Werner Schmalenbach: &#8222;Afrikanische Kunst aus der Sammlung Barbier-Mueller&#8220;, 1988 Seite 294 treffe ich auf eine Figur (Nr.191) von nur 22 cm H\u00f6he und aus Hartholz. Der Bearbeiter Enrico Castelli (EC) datiert das Auftreten des Typs zu sp\u00e4t auf den Beginn der Drei\u00dfiger Jahre aber f\u00fcr das Objekt 1027-38 ist das denkbar. Der &#8222;Yambio-Stil&#8220;\u00a0 (siehe oben) oder auch &#8211; \u00fcbertrieben formuliert! &#8211; &#8222;Le premier art africain d&#8217;exportation&#8220;\u00a0 (Grootaers in &#8222;Ubangi&#8220; p. 234-235) ist unverkennbar. Das 5.29 abgebildete Figurenpaar, vor 1914 erworben, ist mit 34 cm h\u00f6her und schlanker, aber die salutierende Figur\u00a0 5.32 in aufgemalten Hosen und Uniformm\u00fctze von 1909\u00a0 passt genau zu dieser Figur. Man darf annehmen, dass die kommerzielle Herstellung w\u00e4hrend der Kolonialherrschaft weiter ging.<\/p>\n<div id=\"attachment_14614\" style=\"width: 624px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Azande-Figur-Yambio-Schmalenbach-1988-191-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14614\" class=\"size-large wp-image-14614\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Azande-Figur-Yambio-Schmalenbach-1988-191-1-614x900.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"900\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Azande-Figur-Yambio-Schmalenbach-1988-191-1-614x900.jpg 614w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Azande-Figur-Yambio-Schmalenbach-1988-191-1-245x360.jpg 245w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Azande-Figur-Yambio-Schmalenbach-1988-191-1-624x915.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Azande-Figur-Yambio-Schmalenbach-1988-191-1.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 614px) 100vw, 614px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14614\" class=\"wp-caption-text\">Azande Figur Schmalenbach 1988 no.191\u00a0\u00a0 &#8211; halb so hoch wie meine Figur und die aus Rafai.<\/p><\/div>\n<p>Wenn wir aber einmal von der geringen Gr\u00f6\u00dfe, vom wei\u00df bemalten Gesicht, den hoch ansetzten Ohrmuscheln, den Augen und weiteren gestylten Details des Kopfes absehen, zeigt sich am gesamten Rumpf die enge Verwandtschaft zu meiner Figur &#8211; mehr noch als die zum Paar (5.29): die kantigen betonten Schultern im kraftvollen Bogen, die jugendlichen Br\u00fcste, der vorstehende Nabel, der massive H\u00fcft&#8217;g\u00fcrtel&#8216; mit Einschnitt, die einfachen Rundungen starker Beine und die gro\u00dfen F\u00fc\u00dfe mit eingeschnittenen Zehen.<\/p>\n<p>Die Einflussrichtung ist f\u00fcr mich klar: Die Yambio-Figuren &#8211; vor allem die extrem geformten &#8211; sind Weiterentwicklungen eines traditionelleren Typs; Grootaers schl\u00e4gt ja auch einen in Yambio eingewanderten Gbandi aus dem Westen der Azande-Reiche vor. Wenn die St\u00fccke aus Yambio ebenso wie meines aus Hartholz auf \u00e4sthetische Wirkung geschnitzt sind, was bedeutet dann die schw\u00e4chere Weichholz-Variante in Frankfurt ? &#8211; &#8222;Ubangi&#8220; no. 1.48 Hamburg macht einen formal und materiell st\u00e4rkeren Eindruck.<\/p>\n<p>7.4.2023\u00a0\u00a0 Wiederholung von Abb. folgt noch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6><\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den ersten Entwurf habe ich am 6. Januar 2021 ver\u00f6ffentlicht und mehrfach aktualisiert. Er wurde bis heute (7.4.23)\u00a0 150 x aufgerufen. 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