{"id":11708,"date":"2020-09-21T23:22:30","date_gmt":"2020-09-21T21:22:30","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=11708"},"modified":"2024-02-12T21:49:42","modified_gmt":"2024-02-12T20:49:42","slug":"flusser-waere-dieses-jahr-hundert-geworden-hausarrest-fs-29","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=11708","title":{"rendered":"Flusser w\u00e4re dieses Jahr Hundert geworden &#8230;.. Hausarrest (FS 29)"},"content":{"rendered":"<h4><span style=\"color: #ff0000;\">Upload 24.Mai 2020 &#8211; aber damit ist die Sache ja noch nicht erledigt!\u00a0 &gt;&gt;&gt;&gt; PostScriptum!<\/span><\/h4>\n<p>FLUSSER STUDIES 29 (<a href=\"https:\/\/www.flusserstudies.net\/archive\/flusser-studies-29-%E2%80%93-2020-centennial-three-part-issue\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK<\/a>)\u00a0\u00a0\u00a0 &#8220; Part I: Vil\u00e9m Flusser May 1920 \u2013 May 2020 = 19 BEITR\u00c4GE<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\">MEIN IMPULS<\/span><\/h4>\n<h4>Detlev von Graeve<br \/>\nFlusser w\u00e4re dieses Jahr Hundert geworden und die Menschen haben Hausarrest<\/h4>\n<p>Was ist da angemessen? &#8211; Schlie\u00dflich ist der Jubilar bereits tot; vor vier Jahren begingen wir seinen 25. Todestag &#8211; Piet\u00e4t? \u00c4u\u00dferungen der Dankbarkeit? Anekdoten? Erinnerungen an voraus weisende Gedanken? Noch eine Ehrung mehr? Vorsichtige Korrekturen? Was kann ich u\u0308berhaupt den Menschen vermitteln, die wie ich Vil\u00e9m Flusser wertsch\u00e4tzen, aber vielleicht anders?<!--more--><br \/>\nWer stirbt, bleibt mit seiner Lebenszeit zusammen unweigerlich zur\u00fcck. Wie Flusser \u201ein der Erinnerung anderer weiterleben\u201c (Zitat auf einer CD) kann, h\u00e4ngt konkret von uns ab. Und von unserer Situation, in der uns die Aufforderung erwischt, etwas zu schreiben. Sind Sie wie ich eigentlich mit dem Kopf meist woanders? H\u00e4ngen Sie in Ihrer akademischen Hausarbeit durch? Kritisieren Sie gerade eine andere Auffassung zu Flusser oder entwickeln Sie gerade eine neue Perspektive?<br \/>\nDie aktuelle Lage kann ich nicht ausblenden. So dramatisch und mit Energien aufgeladen wie sie ist, stellt sie den Umgang mit Flusser auf den Pru\u0308fstand, in einem Fall eine vor allem archivarische oder philologische Orientierung, im andern der Mangel an Distanz zu Flussers Texten, im dritten vielleicht mangelnde Ernsthaftigkeit und Geduld mit Flussers Texten, selbst wenn der Impuls, die theoretischen Erkenntnisse Flussers praktisch werden zu lassen, erkennbar ist.<br \/>\nWenn Vil\u00e9m Flusser sich selber zeitlebens auch nicht zum \u201aZeitzeugen\u2019 hergeben wollte \u2013 sei es als Brasilien-Korrespondent fu\u0308rs deutsche Feuilleton oder w\u00e4hrend der Wendejahre 1968, 1989 oder 1990 \u2013 und darin als Vorbild ausf\u00e4llt, so beru\u0308hrt doch die aktuelle Weltkrise unmittelbar seine zentralen Themen, den Kern seiner Vision, ob man sie mag oder nicht. Die folgenden Beispiele sind jedermann bekannt, aber fu\u0308r mich geh\u00f6ren sie an diesen Ort.<\/p>\n<p>Wir erleben weltweit Hausarrest in \u201eRuinen\u201c, aber das Haus ist wenigstens \u201everkabelt\u201c. Wir sitzen vor Computern oder blicken u\u0308ber unsere Armbeuge auf st\u00e4ndig empfangsbereite Smart-phones, um nicht an sozialer Isolation und Langeweile zu sterben. \u00dcber digitale Netzwerke sind wir uns noch am n\u00e4chsten. Zugleich ist diese Vernetzung die Basis totalit\u00e4rer \u00dcberwachung.<br \/>\nZu den \u201efaschistisch\u201c gebu\u0308ndelten \u00f6ffentlichen Medien, die gerade volkserzieherische Botschaften verbreiten, sind mittlerweile global organisierte \u201edialogische\u201c Netzwerke getreten, zu einer Flatrate verfu\u0308gbar, in denen entfernte Individuen mit einander intim werden, wenn auch oft viel kollektiver und aggressiver als \u201eanaloge\u201c fremde Nachbarn.<\/p>\n<p>Wenn wir in Autos \u201eherumirren\u201c, wie Flusser es in dem Essay \u201eH\u00e4user bauen\u201c formuliert hat, geraten wir in Verkehrsstaus und an geschlossene Staatsgrenzen, die uns daran erinnern, dass das Problem menschenwu\u0308rdiger Mobilit\u00e4t nicht gel\u00f6st ist.<br \/>\nWir begegnen einander maskiert und mit \u00c4ngstlichkeit. Erlaubter K\u00f6rperkontakt ist Privileg, aber oft mit psychisch belastender gemeinsamer Klausur verbunden. Flusser hat bekanntlich den menschlichen K\u00f6rper aufgegeben, in einem SPIEGEL\u2013Interview imaginierte er sogar \u201ezerebralen Sex\u201c, aber schien sich eher davor zu ekeln.<br \/>\nSlowdown und Shutdown bis auf systemnotwendige Funktionen werden von Hochrechnungen und anderen im \u201eApparat\u201c errechneten Informationen gesteuert. Kurven sollen abgeflacht werden. Bezahlt wird der Krieg gegen \u201eCorona\u201c mit unvorstellbar viel virtuellem Geld. Manche sagen, dass danach die Welt eine andere sei.<br \/>\nO Gott, schon wieder? Noch mehr Beschleunigung? Noch mehr Amazon, Foodora, digitales Tracking, Gesichtserkennung, Apple Watch, Bots,&#8230;.?<br \/>\nSelbst die kulturwissenschaftlich orientierte akademische Jugend ist drauf und dran, zu betriebsblinden \u201eFunktion\u00e4ren\u201c zu regredieren. Sollten sie die u\u0308blichen Nebenf\u00e4cher oder Aufbaustudien nicht wechseln, oder nicht einfach aussteigen? Den unternehmungslustigen Teil der jungen Generation w\u00fcrde ich gern daran erinnern, dass inzwischen manche clevere Gesch\u00e4ftsidee zur sozialen, \u00f6konomischen und kulturellen Abrissbirne mutiert ist. Ihre von \u201eSpiel\u201c und Kreativit\u00e4t bereicherte Schwarmintelligenz ist h\u00f6chst gef\u00e4hrlich, auch wenn garantiert eine Instanz im \u201eApparat\u201c zur unserer Beruhigung das Ergebnis sch\u00f6n rechnet. &#8211; Ihr habt die &#8218;digital&#8216; genannte permanente Revolution als &#8218;Lebenswelt&#8216; vorgefunden, und von Anfang an laden\u00a0 vielleicht ebenso junge &#8222;programmierte Programmierer&#8220; euch dazu ein, f\u00fcr euch &#8218;Fun&#8216; oder Probleml\u00f6sungen und Marktnischen darin zu suchen. 22.9.20)<\/p>\n<p>Wozu dann aber noch Flusser? Wenn das Motto \u201eOur Time is now\u201c etwas bedeuten soll, dann verlangt es eine wirklich engagierte Lektu\u0308re Flussers, und dies nicht in subventioniertem Schneckentempo mit u\u0308berdimensionierter Literaturliste, Fu\u00dfnotenaufwand und fadem Abstract.<\/p>\n<h4><span style=\"color: #ff0000;\">P.S.<\/span><\/h4>\n<p>Seit acht Wochen scheint Vil\u00e9m Flusser wieder zu den Akten gelegt zu sein. Kein Click! Hatte er etwa zu &#8218;Covid 19&#8216; nichts zu sagen, zu einer &#8218;Pand\u00e4mie&#8216; &#8211; nicht einmal der ersten &#8211; aus der die ach so aufgekl\u00e4rte Gesellschaft nicht mehr herausfindet? Jedes Schniefen wird zum verr\u00e4terischen Zeichen. Und jetzt kommt in Europa der Winter, den wir uns mit russischem Erdgas immer so behaglich gemacht haben! Uns retten nur noch &#8222;Tests&#8220; vor dem schwersten Verdacht, wie unzuverl\u00e4ssig auch immer sie sein m\u00f6gen. Nicht &#8218;mal der Beelzebub &#8222;Klimawandel&#8220;!<\/p>\n<p>Was machen wir nun mit diesem K\u00f6rper, der uns gef\u00e4hrdet? Wenn wir nicht atmen w\u00fcrden, entst\u00e4nden keine &#8218;Aerosole&#8216;, ohne k\u00f6rperliche N\u00e4he w\u00fcrden die nichts bewirken, von den &#8218;Schmierinfektionen&#8216; einmal abgesehen. &#8222;Impfen Impfen&#8220; oder Schmieren Schmieren! Sind doch nur zwei Wege zu demselben Ziel. &#8218;Schmieren&#8216;\u00a0 ist vielleicht weniger entt\u00e4uschend.<\/p>\n<p>Exzessiver Konsum und digitale Kommunikation, auch unterfinanzierte Bildungseinrichtungen haben die Menschen extrem individualisiert, jetzt werden sie auch noch zum &#8222;Abstand&#8220; aufgefordert.<\/p>\n<p>&#8222;<em>Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht!<\/em>&#8220; &#8222;<em>Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und h\u00e4tte der Liebe nicht, so w\u00e4re ich ein t\u00f6nendes Erz oder eine klingende Schelle. &#8230;. Die Liebe ist langm\u00fctig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bl\u00e4ht sich nicht auf,sie verh\u00e4lt sich nicht ungeh\u00f6rig, sie sucht nicht das Ihre, sie l\u00e4sst sich nicht erbittern, sie rechnet das B\u00f6se nicht zu&#8230;.sie ertr\u00e4gt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.<\/em>&#8220; (1. Brief an die Korinther 13 &#8211; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hohelied_der_Liebe_(1._Korinther_13)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>).<\/p>\n<p>Als die beiden Staatskirchen die rein s\u00e4kulare Anweisung aus Berlin mit Schlie\u00dfung ihrer Gebetshallen beantworteten, wusste ich wieder, dass ihr christlicher Glaube l\u00e4ngst zu einem Steuersparmodell verkommen ist, oder vielleicht umgekehrt, zu einer Einkommensquelle. In den deutschen Kirchen h\u00e4tte doch seit langem genug Raum f\u00fcr die extremste &#8222;Abstandsregel&#8220;-Phantasie sein m\u00fcssen. Dieser Herr Bedford-Strom oder \u00e4hnlich bestellt ein Seenotsrettungsschiff. Wozu? Weil im Unterdeck der &#8222;Titanic&#8220; noch freie Pl\u00e4tze publikumswirksam besetzt werden k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Haben wir etwa Besseres verdient?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Upload 24.Mai 2020 &#8211; aber damit ist die Sache ja noch nicht erledigt!\u00a0 &gt;&gt;&gt;&gt; PostScriptum! FLUSSER STUDIES 29 (LINK)\u00a0\u00a0\u00a0 &#8220; Part I: Vil\u00e9m Flusser May 1920 \u2013 May 2020 = 19 BEITR\u00c4GE MEIN IMPULS Detlev von Graeve Flusser w\u00e4re dieses Jahr Hundert geworden und die Menschen haben Hausarrest Was ist da angemessen? &#8211; Schlie\u00dflich ist [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-11708","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-flusser_vilem-leben"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11708","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11708"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11708\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15035,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11708\/revisions\/15035"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}