{"id":1147,"date":"2013-08-13T23:23:51","date_gmt":"2013-08-13T22:23:51","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1147"},"modified":"2024-02-12T17:04:24","modified_gmt":"2024-02-12T16:04:24","slug":"alle-ueber-schopenhauer-gerd-haffmans-zusammenstellung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1147","title":{"rendered":"Alle \u00fcber Schopenhauer. Gerd Haffmans Lesebuch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\">\u00dcberblick in &#8222;Love Affair&#8220; <a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1085\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(LINK<\/a>)<\/span><\/p>\n<p>Wir sollten ihn fortan Arthur nennen, nach dieser wunderbaren Zusammenstellung von Gerd Haffmans bei Diogenes: \u201a\u00dcber Arthur Schopenhauer\u2019, detebe 153, 197.<\/p>\n<p>Die &#8218;Essays&#8216; wie Nietzsches oder Horkheimers kenne ich schon.\u00a0Ich lese in den \u201aZeugnissen\u2019. Es sind zugleich Zeugnisse, die man ihm ausstellt. Dabei sind Entdeckungen unter den Autoren zu machen: <!--more-->Kierkegaard, K.Fischer, Mauthner u.v.a. Zu den Entdeckungen geh\u00f6ren auch die Umst\u00e4nde, Interessen und Beschr\u00e4nkungen &#8211; etwa solche der Aufmerksamkeit, welche die jeweilige Lekt\u00fcre bestimmen.<\/p>\n<p>Habe eben gerade Kuno Fischer, den Philosophiehistoriker um die Jahrhundertwende mit der frischen Sprache gelesen! Die Spannung zwischen Arthurs Werk und Leben ist ein Hauptthema. Kuno gelingt es, sie dem \u201eK\u00fcnstler\u201c zu konzedieren, ohne ihn in seiner Pose allzu ernst zu nehmen: \u201eEr war einer der gl\u00fccklichsten Menschen , die je gelebt haben und er war der G\u00fcter, die er besa\u00df, sich wohl bewusst.\u201c (192) Doch, \u201ees war seine ernste und tragische Weltansicht, aber es war seine <i>Ansicht<\/i>, <i>Anschauung, Bild. Die Trag\u00f6die spielte im Theater, er sa\u00df im Zuschauerraum auf einem h\u00f6chst bequemen Fauteuil&#8230;.\u201c <\/i>(190\/91).<\/p>\n<p>Kierkegaard stellt in strengem Ton fest: \u201e<em>Er ist weder wirklich Pessimist, noch ist er ganz frei davon, selber ein Sophist zu sein.<\/em>\u201c (183) Hier spricht der Protestant und begr\u00fcndet sein Urteil, nicht ohne pers\u00f6nliche Betroffenheit.<\/p>\n<p>Ich betrachte mich von au\u00dfen, sehe mich die ganze Zeit \u00fcber selber Reaktionen zeigen, wie sie bereits seit hundertf\u00fcnfzig Jahren zu Protokoll gegeben worden sind. F\u00fcr Kenner wie Urs App werden\u00a0meine Texte\u00a0Unterhaltungswert haben, vielleicht auch anr\u00fchrend wirken, zumal ich die Reaktionen authentisch formuliere. Thomas Regehly wird einfach nichts Neues darin sehen.<\/p>\n<p>Heute nur eine Beobachtung bei Kuno Fischer. Sein Portr\u00e4t Arthurs h\u00e4lt auch mir den Spiegel vor, was mein gl\u00fcckliches Leben angeht. Er hat mich damit nicht wirklich \u00fcberrascht, weil ich aus Erfahrung einen \u201e<i>Helden seiner Philosophie<\/i>\u201c mit Skepsis betrachte. \u201e<i>Er spielt seine Kraftst\u00fccke (&#8230;); er ist von den Leiden der Welt so erf\u00fcllt, dass er in diesem Augenblicke selbst leidet (&#8230;)<\/i>.\u201c Ich kann selbst ausgezeichnetem Rollenspiel immer nur begrenzte Zeit etwas abgewinnen.<\/p>\n<p>Am folgenden Tag: Fritz Mauthners Zorn \u00fcber Kuno Fischer macht mich im ersten Moment ganz betroffen, aber am Ende k\u00f6nnen dessen S\u00e4tze als geniale Karikatur stehen bleiben. Die Hintergedanken vermag ich aus der Ferne nicht zu beurteilen, immerhin hat er Schopenhauer als erster eine Monografie in der Reihe <i>gro\u00dfer Philosophen<\/i> gewidmet. Mauthner gesteht im Text freilich auch eigene Interessen und Animosit\u00e4ten gegen bildungsb\u00fcrgerliche <i>Philister <\/i>als Philosophie-Historiker ein.\u00a0Mauthner ist f\u00fcr mich \u2013 dank Wikipedia &#8211; eine Entdeckung: Sch\u00fcler von Mach, offensichtlich auch Inspirationsquelle f\u00fcr Blumenberg, doch seine Position zu Schopenhauer ist zwiesp\u00e4ltig: Im Kontext\u00a0 der <i>Religionsstifter <\/i>wie etwa<i> Mohammed\u00a0 <\/i>f\u00fchrt er als hohen Wert<i> das Bild der Welt ver\u00e4ndern helfen<\/i> (213) ins Feld. Solchem Heroismus, wie ihn dieser Denker, mit Mach am Umsturz der Physik und an der Psychophysik beteiligt, entwickelte,\u00a0mag ich mich nicht anschlie\u00dfen.\u00a0<i>Ver\u00e4ndern<\/i> ist als Wert an sich gr\u00fcndlich desavouiert. Die Welt hat im 20.Jh. eigentlich genug davon genossen, und es kommt ja noch schlimmer.<\/p>\n<p>Wenn schon ein Programm, dann das einer Kongruenz zwischen Theorie und Lebenspraxis &#8211; oder die pers\u00f6nliche Scham \u00fcber eine Dissonanz, wie sie die westliche Konsumgesellschaft uns vorzeichnet.<\/p>\n<p>12.\/13.8.2013 (Im Garten\u00a0auf dem Land geschrieben &#8211; Sp\u00fcrt man das?)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberblick in &#8222;Love Affair&#8220; (LINK) Wir sollten ihn fortan Arthur nennen, nach dieser wunderbaren Zusammenstellung von Gerd Haffmans bei Diogenes: \u201a\u00dcber Arthur Schopenhauer\u2019, detebe 153, 197. Die &#8218;Essays&#8216; wie Nietzsches oder Horkheimers kenne ich schon.\u00a0Ich lese in den \u201aZeugnissen\u2019. Es sind zugleich Zeugnisse, die man ihm ausstellt. 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