{"id":11324,"date":"2020-05-10T22:22:20","date_gmt":"2020-05-10T20:22:20","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=11324"},"modified":"2020-09-07T12:08:29","modified_gmt":"2020-09-07T10:08:29","slug":"cheri-samba-trifft-werke-schoepferischer-ahnen-bei-han-coray","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=11324","title":{"rendered":"Ch\u00e9ri Samba trifft Werke &#8222;sch\u00f6pferischer Ahnen&#8220; bei Han Coray"},"content":{"rendered":"<h4><span style=\"color: #ff0000;\">Dieser Beitrag findet eine Fortsetzung am 14. August, weil ich auf ein zweites und\u00a0 fr\u00fcheres (1995\/96) Bild desselben Themas gesto\u00dfen bin. (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=11982\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>)<\/span><\/h4>\n<p>In ihrer Ausstellungsrezension von &#8222;Fiktion Kongo&#8220; machte Maria Becker (NZZ,29.1.20) eigens auf das Bild aufmerksam, das im Katalog die Nr.1 tr\u00e4gt, aber dort un\u00fcbersetzt allein f\u00fcr sich sprechen muss. In einem handgeschriebenen Text im Bild schildert der Volksmaler aus Kinshasa seine Begegnung\u00a0 mit traditionellen afrikanischen Holzskulpturen in den R\u00e4umen des V\u00f6lkerkundemuseums der Universit\u00e4t Z\u00fcrich.<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_11316\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/FK-Abb.1-Cheri-Samba.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11316\" class=\"size-large wp-image-11316\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/FK-Abb.1-Cheri-Samba-900x681.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"473\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/FK-Abb.1-Cheri-Samba-900x681.jpg 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/FK-Abb.1-Cheri-Samba-360x272.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/FK-Abb.1-Cheri-Samba-624x472.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/FK-Abb.1-Cheri-Samba.jpg 999w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11316\" class=\"wp-caption-text\">Katalog Abb.1 Cheri Samba:\u00a0 Selbstportr\u00e4t bei einem Besuch im im VKMUZ Z\u00fcrich, signiert und datiert 1999<\/p><\/div>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><em>\u201eHOMMAGE AN DIE SCH\u00d6PFERISCHEN AHNEN&#8220;<\/em><\/h4>\n<p><em>Als ich auf offiziellen Wunsch das V\u00f6lkerkundemuseum der Universit\u00e4t Zurick besuchte, das sich im Keller eines Gartens voller Bambus befindet, fiel mir die gro\u00dfe Anzahl antiker Gegenst\u00e4nde (Masken, Textilien, Statuen usw.) auf, alle von sehr hohem Standard, die in diesem Raum eingeschlossen sind. Ich hatte das Gef\u00fchl, als w\u00fcrden einige dieser Gegenst\u00e4nde meinen K\u00f6rper \u201areiben\u2019. Ich war damals davon \u00fcberzeugt, dass diese Objekte immer noch ihre \u00fcbernat\u00fcrlichen Kr\u00e4fte hatten und dass sie echt waren, da der Markt zu dieser Zeit noch keine Konkurrenz war und es daher keine falsche M\u00fcnze geben sollte. Ich war trotzdem \u00fcberrascht zu erfahren, dass Herr Coray, der die beeindruckende Sammlung zusammengestellt hatte, Afrika nicht (pers\u00f6nlich) kannte, von wo die Werke seiner Sammlung stammten, um die Sch\u00f6pfer zu treffen, denen ich meinen Tribut zolle. <\/em><\/p>\n<p><em>Gibt es andere Sammler wie Herrn Coray ?\u00a0\u00a0 CHERI SAMBA 1999?\u201c\u00a0 (\u00dcbersetzung Gv., Original am Schluss)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><em>CH\u00c9RI SAMBA : HOMMAGE AUX ANCIENS CR\u00c9ATEURS<\/em><\/h4>\n<p><em>En visitant par demande officielle la salle d\u2019exposition de V\u00f6lkerkundemuseum der Universit\u00e4t Zurick se trouvant dans le sous-sol d\u2019un jardin plein de bamboux, l\u2019\u00e9tais frapp\u00e9 par le grand nombre d\u2019objets antiques (masques, textiles, statues&#8230;) tous de tr\u00e8s haut niveau que renferme cette salle. Je sentais comme si quelques uns de ces objets me faisaient des frictions au corps. J\u2019\u00e9tais alors persuad\u00e9 que ces objets avaient toujours leurs pouvoirs surnaturels et c\u2019\u00e9taient de vrais \/\/ puisqu\u2019 \u00e0 cette \u00e9poque le march\u00e9 n\u2019\u00e9tait pas concurrence et il ne devait donc pas y avoir de fausse pi\u00e8ce. J\u2019\u00e9tais tout de m\u00eame \u00e9tonn\u00e9 d\u2019apprendre que Mr Coray qui avait mont\u00e9 cette impressionante collection n\u2019avait pas connu l\u2019Afrique d\u2019o\u00f9 provenaient les oeuvres de sa collection pour rencontrer les cr\u00e9ateurs \u00e0 qui je rends hommage. Y a t-il d\u2019autres collectionneurs semblables \u00e0 monsieur Coray? CHERI SAMBA 1999<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu sehen sind f\u00fcnf &#8218;klassische&#8216; Figuren &#8211; erkennbar \u201ak\u00f6nigliche\u2019 Kuba und Luba &#8211; und eine mit farbigen Perlen besetzte K\u00f6nigsmaske der Kuba. Sie stehen auf einem kleinen Tisch, wie sie in Depots herumstehen, die Tischplatte offenbar Furnier. Dahinter\u00a0 hat Cheri Samba im Zentrum Platz genommen, die Arme verschr\u00e4nkt, mit streng gezirkelter Frisur (nicht die bekannten Afrolocken), gro\u00dfer Brille und Schnauz, in wei\u00dfem Hemd und elegantem rotem Blazer, mit zwei Siegelringen. Alles passt gut zu einem offiziellen Besucher.<\/p>\n<p>Das Kunstlicht wirkt kalt. Ein blauer Hintergrund deutet den Durchgang zu einem weiteren im Keller gelegenen Ausstellungsraum an. Rhomben-Dekoration und die gepflegten Schriftkolonnen rahmen den Durchgang ein. Die Objekte sind ihren Vitrinen entnommen und zuf\u00e4llig aufgestellt. Der Gast posiert f\u00fcr ein Erinnerungsfoto. Die Vorgaben waren: Leicht erh\u00f6hter Blickwinkel, symmetrischer Bildaufbau und keine verzerrten Linien. Ob er den Betrachter anschaut, l\u00e4sst sich wegen der spiegelnden Augengl\u00e4ser jedenfalls auf der Reproduktion nicht kl\u00e4ren. Die kleinen Skulpturen sind dem Betrachter zugewandt.<\/p>\n<p>Die hochemotionale Begegnung mit den <em>Gegenst\u00e4nden<\/em> ist bereits vorbei, vielleicht auch die Frage nach dem Sammler Coray. Das konventionelle Bild gibt dem Text eine B\u00fchne, um mehr scheint es nicht zu gehen. Wieder eine der vielen europ\u00e4ischen Auftragsarbeiten Ch\u00e9ri Sambas? Abwarten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\"><strong>Ich lese mich in das quadratische schwarze Paperback \u201e<em>Cheri Samba\u201c<\/em> (W. Bender Hrsg., Trickster M\u00fcnchen 1991) ein und blicke jetzt hinter die spiegelnden Augengl\u00e4ser.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>&#8222;<em>B\u00fcrger Samba wa Nbimba N&#8217;zinga genannt Ch\u00e9ri Samba (Ex-David)<\/em>&#8220;\u00a0 &#8211; So der Titel seines sympathisch uneitel geschriebenen Lebenslaufs (S.9-13)<\/p>\n<p>Der 1956 in Madimba\/Bas Kongo geborene Sohn eines Schmieds und einer B\u00e4uerin muss aus finanziellen Gr\u00fcnden den Schulbesuch mit der neunten Klasse beenden und beginnt 1972 in Kinshasa als Gehilfe eines schlichten Schildermalers. Mit seinen kritischen und drastischen Bildkommentaren\u00a0 zum Alltag der Stadtbewohner (Kinois) wird der Maler Samba schon mit zwanzig Jahren popul\u00e4r und mit vierundzwanzig auch international begehrt.&#8220;<em>Nach und nach w\u00e4hlt er seine Themen aus dem t\u00e4glichen Leben und aus den Mythen. Oft kann man ihn auch selbst auf seinen Bildern sehen, denn seine zahlreichen Bewunderer sollen ihn kennenlernen. Wohlgemerkt, dieser Maler verwendet im wesentlichen die Technik der Comics. Er hat eine Vorliebe f\u00fcr Liebesszenen. Seine Bilder sind voller Erotik, manchmal grenzen sie an Pornografie<\/em>.&#8220; (10)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_11327\" style=\"width: 265px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/cheri-samba-p.52-enfants.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11327\" class=\"wp-image-11327\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/cheri-samba-p.52-enfants-218x360.jpg\" alt=\"\" width=\"255\" height=\"420\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/cheri-samba-p.52-enfants-218x360.jpg 218w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/cheri-samba-p.52-enfants-545x900.jpg 545w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/cheri-samba-p.52-enfants.jpg 606w\" sizes=\"auto, (max-width: 255px) 100vw, 255px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11327\" class=\"wp-caption-text\">p.52: Die unanst\u00e4ndigen Kinder no.2 1983<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_11325\" style=\"width: 249px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/cheri-samba-p.43-Selbst-1981.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11325\" class=\"wp-image-11325\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/cheri-samba-p.43-Selbst-1981-205x360.jpg\" alt=\"\" width=\"239\" height=\"420\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/cheri-samba-p.43-Selbst-1981-205x360.jpg 205w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/cheri-samba-p.43-Selbst-1981-513x900.jpg 513w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/cheri-samba-p.43-Selbst-1981.jpg 569w\" sizes=\"auto, (max-width: 239px) 100vw, 239px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11325\" class=\"wp-caption-text\">Ch\u00e9ri Samba, Selbstportr\u00e4t 1981,Trickster V., Wolfgang Bender 1991 p.43<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6><\/h6>\n<p>Leider werden seine Arbeiten irgendwann in Kinshasa unsichtbar, oft werden sie von der Staffelei weg ins Ausland verkauft, aber bei der grassierenden Verarmung k\u00f6nnen sich seine Kunden den Zimmerschmuck ohnehin nicht mehr leisten. Daf\u00fcr steigt der Druck auf den K\u00fcnstler, mehr davon f\u00fcr den internationalen Markt zu liefern. Dabei geh\u00f6ren seine deftigen Comix in diese chaotischen Megapolis und nicht ins gro\u00dfb\u00fcrgerliche Ambiente, wo sie als exotische Erotica absterben. Es stimmt mich etwas traurig, unter jeder Reproduktion einen anderen europ\u00e4ischen Sammlernamen zu lesen. Werden seine Arbeiten nicht ebenso entwurzelt und in alle Winde verstreut wie die bewunderte Kunst der Ahnen?<\/p>\n<p>Freilich hat Ch\u00e9ri Samba seinen n\u00fcchternen Blick auf die Welt nicht verloren. Er kann f\u00fcr sich behaupten: <em>Der K\u00fcnstler ist \u00fcberall zuhause, ob in Paris oder in Kinshasa&#8230; <\/em>aber er sagt auch: <em>Bei meinen Reisen habe ich festgestellt, dass alle L\u00e4nder mehrere Gemeinsamkeiten haben. Ob in den Industriel\u00e4ndern oder in der Dritten Welt, \u00fcberall gibt es Elend, viele Menschen haben nicht genug zu essen. <\/em>(1990, 13)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Wo wir den Autor nun besser kennen, schauen wir die Bildtexte noch einmal an und befragen die\u00a0 Aussagen im Einzelnen.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\">\u00a01\u00a0<em> &#8230;. antike Gegenst\u00e4nde (Masken, Textilien, Statuen usw.), alle von sehr hohem Standard. Ich war damals davon \u00fcberzeugt, dass diese Objekte &#8230;&#8230; echt waren, da der Markt zu dieser Zeit noch keine Konkurrenz war und es daher keine falsche M\u00fcnze geben sollte.\u00a0<\/em><\/h4>\n<p>Ch\u00e9ri\u00a0 Samba scheint die \u00e4sthetischen Urteile und Vorurteile der Pariser Galerieszene zu \u00fcbernehmen, sogar deren Verkaufsrhetorik. Man setzt\u00a0 vorkoloniale Entstehung\u00a0 oder h\u00f6fischen Kontext mit <em>Echtheit<\/em> gleich und verteufelt <em>den Markt <\/em>des 20. Jahrhunderts, das eigene Gesch\u00e4ft nat\u00fcrlich ausgenommen. Wir werden sehen, dass die <em>Sammlung Corday<\/em> in diesem Milieu erworben wurde.<\/p>\n<p>Der Rietberg-Katalog widmet Hans Himmelhebers Begegnung mit den \u00e4u\u00dferst produktiven Werkst\u00e4tten der &#8222;Kuba&#8220; ein eigenes Kapitel. Das Kuba-Reich nutzte im Widerstand gegen\u00a0 die belgische Kolonisierung einen &#8222;Kuba-Mythos&#8220;, der durch &#8222;Holzfiguren&#8220; und &#8222;Holzartfakte&#8220; wie &#8222;atemberaubende T\u00e4nze und Maskenperformances&#8220;\u00a0 Besucher, Sammler und die Kunstschaffenden der Klassischen Moderne inspirierte, von Klimt zu Klee und Matisse. (&#8222;Fiktion Kongo&#8220; 116)<\/p>\n<p>Der Weg der Objekte zu Han Corday darf Ch\u00e9ri Samba in diesem Moment nicht interessieren. Denn die ausgesparten R\u00e4nder neben der Malerei sind schmal. Nur das Wichtigste!\u00a0 Ch\u00e9ri ist gewohnt, sich kurz zu fassen.<em>\u00a0<\/em><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><em>2\u00a0 &#8230;. Ich hatte das Gef\u00fchl, als w\u00fcrden einige dieser Gegenst\u00e4nde meinen K\u00f6rper \u201areiben\u2019. Ich war damals\u00a0 \u00fcberzeugt, dass diese Objekte immer noch ihre \u00fcbernat\u00fcrlichen Kr\u00e4fte hatten&#8230;.<\/em><\/h4>\n<p>Frage: Warum hat er statt der konventionellen Repr\u00e4sentationsst\u00fccke vor sich auf dem Tischchen nicht die in seiner Heimat dominierende Kunst der <em>Kongo, Yombe, Vili, Woyo<\/em> oder deren Nachbarn versammelt? Waren solche Objekte, &#8211; etwa die &#8222;Nkisi&#8220;-Fetische <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9414\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(LINK)<\/a> &#8211; zu stark f\u00fcr sein Bild?<\/p>\n<p>Bezog\u00a0 er sich mit der Erw\u00e4hnung von<em> meinen K\u00f6rper &#8218;reiben&#8216; <\/em>vielleicht auf\u00a0 Dinge, die wir nicht zu sehen bekommen? Die direkte Ber\u00fchrung und Reibung\u00a0 war nach Raoul Lehuard (&#8222;Art Bakongo&#8220;) typisch f\u00fcr den therapeutischen Umgang mit magischen Objekten, namentlich in dieser Region. Ch\u00e9ri k\u00f6nnte das in seiner Kindheit selbst erfahren haben.<\/p>\n<p>Spielte die verbreitete \u00dcberzeugung eine Rolle, dass die Afrikaner im katastrophalen zwanzigsten Jahrhundert den Kontakt zu den unsichtbaren M\u00e4chten immer mehr verloren haben, ebenso wie den zur tradionellen materiellen Kultur? (Siehe &#8218;\u201cDie Weissen halten unsere Geister gefangen \u201c \u2013 Unterwerfung, Magie und Entfremdung&#8216;; <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10472\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>)<\/p>\n<p>Oder hat sich die Zusammenstellung auf dem Tischchen zuf\u00e4llig ergeben?\u00a0 Und kam es Ch\u00e9ri Samba\u00a0 auf die Einzelheiten gar nicht\u00a0 an? <em>HOMMAGE AN DIE SCH\u00d6PFERISCHEN AHNEN\u00a0 <\/em>bedeutet eine allgemeine W\u00fcrdigung.<\/p>\n<h4><em>3\u00a0\u00a0\u00a0 Ich war trotzdem \u00fcberrascht zu erfahren, dass Herr Coray, der die beeindruckende Sammlung zusammengestellt hatte, Afrika nicht (pers\u00f6nlich) kannte, von wo die Werke seiner Sammlung stammten, um die Sch\u00f6pfer zu treffen, denen ich meinen Tribut zolle. <\/em><\/h4>\n<p>Was wusste der K\u00fcnstler in diesem Moment wirklich? Er besa\u00df schlie\u00dflich zwanzig Jahre Erfahrung mit dem internationalen Kunstmarkt. Was hatte man ihm im Museum zu Han Coray und dessen Sammelt\u00e4tigkeit erkl\u00e4rt? (LINK<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Han_Coray\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> wikip.<\/a>)<\/p>\n<p>Etwa, dass Han Coray (1880-1974) ein unruhiger und leicht entflammbarer Geist war, Reformp\u00e4dagoge, Kunstliebhaber, M\u00e4zen, Galerist und besessener Kunstsammler? Dass\u00a0 er 1926 bis 1928 sch\u00e4tzungsweise 1 Mio Schweizer Franken in Paris in ein paar tausend afrikanische Objekte investierte? 1925\/26 verkaufte er daf\u00fcr einen Raffael und einen Botticelli. Sein Projekt war: \u201eEin Ehrenmal altafrikanischer Kultur w\u00fcrde es nie geben, wenn ich es nicht baute.\u201c Ihm sollte das nicht gelingen. 1933 \u00fcbernahm die Bank.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">\u201eDie Afrika-Sammlung von Han Coray in Schweizer Museen &#8211; Ein \u00dcberblick&#8220;<\/h4>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bildschirmfoto-2020-05-10-um-20.13.00.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-11338\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bildschirmfoto-2020-05-10-um-20.13.00-256x360.png\" alt=\"\" width=\"142\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bildschirmfoto-2020-05-10-um-20.13.00-256x360.png 256w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bildschirmfoto-2020-05-10-um-20.13.00.png 373w\" sizes=\"auto, (max-width: 142px) 100vw, 142px\" \/><\/a>Andreas Schlothauer er\u00f6rtert den aktuellen Informationsstand in seinem Beitrag f\u00fcr eine Tagung in St.Gallen in der Halbjahresschrift &#8222;Kunst &amp; kontext&#8220; 1\/2016 ( <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/kk11_coray_sammlung.pdf\">kk11_coray_sammlung<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=2&amp;ved=2ahUKEwiWoP3A8qnpAhVSy6QKHemRAjQQFjABegQIBBAB&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.kunst-und-kontext.de%2F&amp;usg=AOvVaw2vXy29YLOm-tWXeOt8d8Qt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>)<\/p>\n<p>Die Geschichte der Objekte war danach immer auch eine des Kunsthandels, der sie verwertenden Bank, und eine Erwerbsgeschichte mehrerer schweizer Museen, die jeweils Partien hin- und herschoben, Pakete \u00fcbernahmen,\u00a0 wieder ausschieden und auch wieder in den Kunsthandel gaben. <em>Sammlung Coray<\/em> ist ein griffiges Etikett. Es ist umstritten, ob <em>Herr Coray<\/em> jemals selber auch nur Verzeichnisse angefertigt hat. Han Coray war eine Durchgangsstation in der Wanderschaft zusammengew\u00fcrfelter traditioneller afrikanischer Objekte, oder solcher in traditionellem Stil, denn sie bestand\u00a0 klar unterschiedenen Qualit\u00e4tsstufen, bis hinunter zu \u201e5 sfr\u201c, wie es im Gutachten Charles Ratton (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=9345\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>) feststellte.<\/p>\n<p><em>Die Sammlung<\/em>, zu einem guten Teil von den Pariser Kunsth\u00e4ndler Guillaume zusammengestellt, entsprach &#8222;der franco-belgischen Geschmacksrichtung, die\u00a0 besonderen Wert auf hoch verfeinerte, oft komplizierte handwerkliche Ausf\u00fchrung, glatt polierte oder patinierte Oberfl\u00e4chen sowie einen zur\u00fcckhaltenden stilisierten Realismus legte.&#8220; (William Rubin in &#8222;Primitivismus&#8220; 1985, 25, Einleitung).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Bewunderung &#8211; H\u00f6flichkeit &#8211; \u00dcberraschung &#8211; Kritik ?<\/h4>\n<p>Wenn Ch\u00e9ri Samba in diesem Museum die gro\u00dfartige Sammlung lobte, war dies sicher ein Zeichen seiner H\u00f6flichkeit. Seine Verwunderung \u00fcber Corays Erwerb ohne Kontakt mit <em>Afrika<\/em> und den <em>sch\u00f6pferischen Ahnen<\/em> aber l\u00e4sst sich auch als diskrete Kritik lesen, erst recht in Verbindung mit dem Bildeindruck der gruftigen Umgebung des Kunsttempels, worin die Werke der Meister <em>eingeschlossen<\/em> sind wie Schneewittchen im gl\u00e4sernen Sarg, wundersch\u00f6n, aber im Wachkoma. Das Bild k\u00f6nnte Cheri Samba im Besuchsraum einer speziellen Haftanstalt zeigen.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Die Redakteurin Maria Becker \u00fcbertr\u00e4gt die Bildszene auf die Kunstausstellung, und nicht nur auf diese:<\/h4>\n<p>&#8222;Der Maler sitzt an einem Tisch, vor ihm stehen historische Kultfiguren und Objekte: genau solche, wie wir sie hier greifbar vor uns haben. Wohlkonserviert sind diese Dinge, und noch immer haben sie die Aura ihrer Kraft. Doch sie befinden sich im leeren Raum. Der Tisch steht f\u00fcr ihre Pr\u00e4sentation im Museum, f\u00fcr ihre Ortlosigkeit. Einst waren sie vielleicht Kraftfiguren, die kultische Strahlung hatten. Ohne Kontext sind sie tats\u00e4chlich ihrer Seele beraubt \u2013 und so auch ein wenig vergleichbar den Menschen mit dem geraubten Schatten.\u201c (NZZ 29.1.2020)<\/p>\n<p>In Afrika w\u00e4re der Lagerungsort der Dinge vielleicht ein Hain, ein abgegrenzter, von Verboten und Sanktionen gesch\u00fctzter Naturraum, der in dieser Form Teil der Gemeinschaft ist und zum Zweck der Initiation oder Konsultation bespielt wird. Oder gar wird das Dorf beim Fest bespielt, oder das Haus oder sogar der K\u00f6rper mit Ger\u00e4ten, Schutzfiguren und Schmuck bereichert. Doch man muss hinzuf\u00fcgen: Es w\u00e4re gewesen, das gibt es so nicht mehr.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse von Provenienzforschungen irritieren und verunsichern allm\u00e4hlich das kunstbeflissene zahlende Publikum Westeuropas. Wollte Ch\u00e9ri Samba\u00a0 bereits vor zwanzig Jahren seine Gastgeber auf diese F\u00e4hrte setzen?\u00a0 Oder gab er &#8217;nur&#8216; einem Gef\u00fchl Ausdruck?<\/p>\n<p>Er holt das Thema auf seine individuelle emotionale Ebene. Die Zusammenstellung auf dem Tischchen vor ihm l\u00e4sst keinen inneren Zusammenhang erkennen. Er hat sozusagen zwei &#8218;Porsche&#8216; und zwei &#8218;BMW&#8216; vor sich stehen, und noch ein paar andere Statussymbole, eben die Prestige verleihenden und Geld einbringenden &#8222;Kuba&#8220; und \u201eLuba\u201c. Er selber ist ein moderner Kongolese, dem Lebensgenuss zugewandt und international vernetzt. Man kann nicht Alles haben im Leben.<\/p>\n<p>Ich stelle mir eine Ausstellung seiner Arbeiten in Kinshasa oder Lumumbashi vor, die Filip de Boeck unter dem Motto &#8222;Dancing the Apocalypse&#8220; (2001<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4608\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">,LINK<\/a>) kuratieren w\u00fcrde, f\u00fcr ein Publikum, das sein heutiges Leben dort mit dem von vor zwanzig oder drei\u00dfig Jahren vergleichen kann. Ein Leben, das die Menschen vor die Herausforderung stellt, &#8222;die Ordnung&#8220; und damit sich selbst jeden Tag neu &#8222;zu erfinden&#8220; (&#8222;<em>Reinventing Order n the Congo &#8211; How people respond to State Failure in Kinshasa<\/em>&#8222;, Th.Trefon* 2004; <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4382\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>). Vielleicht erinnern meine Leser sich auch noch an den Film &#8222;<em>Kinshasa Symphony<\/em>&#8220; (2010; <a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?q=Kinshasa+Symphony&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;client=firefox-b-ab\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">NACHBILD<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span class=\"tlid-translation translation\" lang=\"de\"><span class=\"\" title=\"\">R\u00e4tselfrage: Erkennen Sie \u00c4hnlichkeiten?<\/span><\/span><\/h4>\n<div id=\"attachment_11341\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Jos-van-Beurden-Return-of-Cultural-and-Historical-Treasures-e1589139109331.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11341\" class=\"wp-image-11341\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Jos-van-Beurden-Return-of-Cultural-and-Historical-Treasures-360x193.png\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"156\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11341\" class=\"wp-caption-text\">Jos van Beurden Return of Cultural and Historical Treasures&#8230; NL <a href=\"https:\/\/issuu.com\/kitpublishers\/docs\/the_return_of__cultural_lr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(LINK)<\/a><\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_11340\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Coray-Slg.-in-HVM-St.Gallen-2015.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11340\" class=\"wp-image-11340\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Coray-Slg.-in-HVM-St.Gallen-2015-360x254.png\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"176\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Coray-Slg.-in-HVM-St.Gallen-2015-360x254.png 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Coray-Slg.-in-HVM-St.Gallen-2015-900x635.png 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Coray-Slg.-in-HVM-St.Gallen-2015-624x440.png 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Coray-Slg.-in-HVM-St.Gallen-2015.png 904w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11340\" class=\"wp-caption-text\">Coray-Slg. in HVM St.Gallen 2015<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag findet eine Fortsetzung am 14. August, weil ich auf ein zweites und\u00a0 fr\u00fcheres (1995\/96) Bild desselben Themas gesto\u00dfen bin. (LINK) In ihrer Ausstellungsrezension von &#8222;Fiktion Kongo&#8220; machte Maria Becker (NZZ,29.1.20) eigens auf das Bild aufmerksam, das im Katalog die Nr.1 tr\u00e4gt, aber dort un\u00fcbersetzt allein f\u00fcr sich sprechen muss. 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