{"id":1114,"date":"2011-05-26T18:18:36","date_gmt":"2011-05-26T17:18:36","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1114"},"modified":"2013-11-26T18:28:38","modified_gmt":"2013-11-26T17:28:38","slug":"querdenker-am-jour-fixe-26-5-11","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1114","title":{"rendered":"Als Querdenker am Jour fixe    26.5.11"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Galerie, die St\u00fchle im Kreis locker um einen Tisch geschlungen wie eine Perlenkette, Wir (ich) von Wei\u00dfwein befl\u00fcgelt, und am Ende verabschieden wir uns mit Handschlag. <!--more-->Regehly verabschiedet mich mit verdoppelter Herzlichkeit, ich habe ihm eben sehr geholfen. Die ganze Diskussion aber auch mir. Man hat toleriert, dass ich manchmal\u00a0 mich noch auf das Ende einer Wortmeldung draufsetzte und auch offen Widerspruch anmeldete. Ich entwickelte dabei eine gewisse Leidenschaft, die ich vor mir mit dem Wert oder gar der Notwendigkeit der Intervention\u00a0 rechtfertigte. Ich sprach in der Runde frei und kontrolliert wie schon lange nicht mehr.<\/p>\n<p>Das Resumee der Beziehung des Marx(ismus) zu Schopenhauer droht wieder in die ausgefahrenen Spurrillen zu geraten: (\u201evierzig Jahre Zeit gehabt\u201c, blablabla&#8230;) ich fahre dazwischen. Prompt weckt das auch bei anderen entsprechende Informationen. Die drei Alten haben es schwer mit ihrer doppelten Ablehnung: der aktuellen Verh\u00e4ltnisse und des real-existierenden Sozialismus, die noch als Reflex in ihnen steckt.<\/p>\n<p>\u201eWarum wurde Schopenhauer kein Marxist?\u201c fragte H. zugespitzt.\u00a0Ich hebe wieder auf die traumatisierende Erfahrung der Jakobinerherrschaft f\u00fcr das B\u00fcrgertums im 19.Jh. ab, speziell auf niedere Instinkte und die brutale Rechtlosigkeit, f\u00fcr Sch. sicher ausschlaggebend ( ich denke wohl an den \u201eMaulkorb\u201c), er k\u00f6nne nicht solche Mittel f\u00fcr die guten Zwecke billigen.<\/p>\n<p>R: f\u00fcr Sch. gebe es kein Subjekt der Geschichte, also keine Klassengesellschaft<\/p>\n<p>R. brachte die \u201eHeilslinie\u201c und die \u201eUnheilslinie\u201c (z.B. bei Lukasz) ins Spiel. (Solche B\u00fccher geh\u00f6ren eingestampft, auch J\u00fcngers \u201eDer Arbeiter\u201c (1932) \u2013 von R. am Ende in die Diskussion gebracht \u2013 denn \u201eder Ton macht die Musik &#8230; Der Arbeitsbegriff ist explodiert&#8230;. Dann ist auch\u00a0 Auschwitz\u00a0 <i>Arbeit\u201c.<\/i><\/p>\n<p>(Auch <i>die Frankfurter Schule<\/i> arbeitete mit solchen <i>Linien<\/i>, was ich am\u00a0 &#8211; von R. in den Himmel gelobten \u2013 Alfred Schmidt mit eigenen Ohren feststellen konnte, der rhetorisch \u00fcber den Sumpf der ordin\u00e4ren Geschichte stakste, von Kant \u00fcber Schelling und Hegel zu Schopenhauer, Marx, Freud .. zu Horkheimer\u00a0 auf geistesgeschichtlichen Stelzen, die ihm mittlerweile (80) an- und eingewachsen sind.)<\/p>\n<p>Der \u201eSegen der S\u00fcnde\u201c (Nietzsche) <i>Luxus<\/i><\/p>\n<p>Galerist Rothe sitzt noch in hohem Alter dem g\u00e4ngigen Vorurteil \u00fcber vorstaatliche Kulturen auf\u00a0 &#8211; demontiere ich zusammen mit R., auch mit anthropologischer Konstante des Schmuckbed\u00fcrfnisses, mit Epos, Ritual, Liedern und den Sammlungen ethnologischer und arch\u00e4ologischer Museen.\u00a0Nur weil wir im <i>Luxus<\/i> existieren, muss der ja nicht Kulturbringer sein.<\/p>\n<p>Herzst\u00fcck war die Er\u00f6rterung der Begriffe \u201eT\u00e4tigkeit\u201c, nichtentfremdeter und entfremdeter \u201eArbeit\u201c sowie der \u201eBesch\u00e4ftigung\u201c<\/p>\n<p>\u201eEntfremdung\u201c musste erst einmal von der gedankenlosen Verbindung mit <i>k\u00f6rperlicher Anstrengung<\/i>\u00a0 gel\u00f6st werden und ihr Gegenteil von <i>Kunst und Wissenschaft<\/i>. Flussers \u201eFunktion\u00e4r\u201c kommt bei R. gut an.<\/p>\n<p>Schopenhauer\u00a0 hat in seinen Jugendnotizen (26 J., 1814) fantastisch formuliert, viel reifer als Marx (an der ber\u00fchmten Stelle, die ich in Erinnerung bringe), der R. darin \u201ean ein gelangweiltes Kind\u201c erinnert. \u00dcberhaupt <i>Langeweile<\/i>!<\/p>\n<p>Arbeitszeitsverk\u00fcrzung: \u00a0Ich verwandele den \u201eVorhang vor dem Nichts\u201c <i>Besch\u00e4ftigung.\u00a0<\/i>Rothes wichtiger Beitrag: \u201eMan kann mit Stricken <i>die H\u00e4nde besch\u00e4ftigen<\/i> (spontane Assoziation), aber das Fernsehprogramm ist unbefriedigend, man liest ein <i>unterhaltsames <\/i>Buch, aber man kann die schweren Gedanken nicht vertreiben, die Sorgen,\u00a0 man ist unruhig, weil man etwas knabbern oder trinken m\u00f6chte&#8230;.\u201c<\/p>\n<p><i>\u201eWir <\/i>verbergen nicht <i>das Nichts <\/i>vor uns, sondern jeder anders je nach Lage, Information, augenblicklicher Verfassung. &#8230; ist auch eine Frage der Zumutbarkeit.\u201c R. unterstreicht das.<\/p>\n<p>Die erkenntnismindernde Rolle der rhetorischen Figur \u201eWir\u201c sollte ich einmal n\u00e4her untersuchen. Den Impuls dazu gab mir schon Flussers ausgiebige Verwendung!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; In der Galerie, die St\u00fchle im Kreis locker um einen Tisch geschlungen wie eine Perlenkette, Wir (ich) von Wei\u00dfwein befl\u00fcgelt, und am Ende verabschieden wir uns mit Handschlag.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[],"class_list":["post-1114","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schopenhauer_love_affair"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1114","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1114"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1114\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1119,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1114\/revisions\/1119"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1114"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1114"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1114"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}