{"id":1111,"date":"2010-12-16T22:22:44","date_gmt":"2010-12-16T21:22:44","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1111"},"modified":"2013-11-26T20:05:51","modified_gmt":"2013-11-26T19:05:51","slug":"urs-app-hat-mich-nicht-enttaeuscht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1111","title":{"rendered":"Urs App Vortrag im Hochstift Frankfurt"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>16.12.2010 \u00a0&#8211; Urs App hat mich nicht entt\u00e4uscht. Vor siebzehn Jahren in Frankfurt faszinierte mich bereits seine Methode, die so schlicht aussieht und so viel hartn\u00e4ckiges Suchen und Fragen bedeutet. \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Er erz\u00e4hlt Forschungsgeschichten und dabei entstehen Einsichten vor unserem geistigen Auge. Freilich nicht jede Art von Einsichten. Zum Beispiel wurden am Dienstag Informationen \u201e\u00fcber den Inhalt der <i>Upanischaden<\/i>\u201c vermisst und teilweise eingefordert. Gemeinsam ist solchen Erwartungen, dass sie grunds\u00e4tzlich durch eigene Lekt\u00fcre erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Urs App weist sogar auf \u00dcbersetzungen hin. Was wir aber daraus nicht gewinnen k\u00f6nnen und was darum auf jeden Fall Neuigkeiten sind, sind seine Erfahrungen auf dem Forschungsweg. Powerpoint-Projektionen zeigen Knoten, Stationen dieses Weges, andere machen uns mit Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des \u201e<i>Oupnek\u2019hat<\/i>\u201c bekannt, mit Lehrern und Lehren sowie deren Verbreitungsgebiet. Diese Stationen, diese Knoten w\u00fcrden wir, wenn wir \u00fcberhaupt auf sie sto\u00dfen w\u00fcrden, sicher nicht erkennen, sondern einfach f\u00fcr <i>Titelbl\u00e4tter, Textzitate, Fu\u00dfnoten <\/i>&#8230;. oder sonstige Einzelheiten halten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320230App-Karte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1128\" alt=\"P1320230App-Karte\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320230App-Karte-300x212.jpg\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320230App-Karte-300x212.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320230App-Karte-624x442.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320230App-Karte.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Vortrag setzt damit in unseren K\u00f6pfen <span style=\"text-decoration: underline;\">zwei<\/span> Bewegung in Gang, die einander kreuzen:\u00a0 eine geistesgeschichtliche Bewegung und die ihrer Entdeckung. Die zweite ist uns von eigenen Erfahrungen her vertraut: auch wir kennen die Freude, Zusammenh\u00e4nge zu entdecken. Also vermag die Freude dieser <i>Entdecker<\/i> des \u201e<i>Oupnek\u2019hat<\/i>\u201c &#8211; Urs App, Julius Klapproth, Anquetil Duperron, Schopenhauer und Richard Wagner (eher durchwachsen) &#8211;\u00a0 uns anzustecken.<\/p>\n<p>App beginnt bei der eigenen Person: Wie hat er selbst das Buch entdeckt?\u00a0 Da war die <i>Hymne <\/i>auf das \u201e<i>Oupnek\u2019hat<\/i>\u201c in <i>Parerga &amp; Paralipomena \u00a7184 <\/i>und die Information, dass auch Richard Wagner dies Buch in Paris extra bestellt hat.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320217Oupnekhat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1127\" alt=\"P1320217Oupnekhat\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320217Oupnekhat-291x300.jpg\" width=\"291\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320217Oupnekhat-291x300.jpg 291w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320217Oupnekhat-624x642.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320217Oupnekhat.jpg 874w\" sizes=\"auto, (max-width: 291px) 100vw, 291px\" \/><\/a>\u00a0\u00a0<em>Eintragungen Schopenhauers<\/em><\/p>\n<p>Da war Arthur H\u00fcbschers B\u00fccherliste (Hdschr.Nachlass Bd 5, 338) \u2013 jedes Wort wird uns da erkl\u00e4rt, auch die Zeitangabe \u201e<i>nach 1816<\/i>\u201c.\u00a0 Wir sp\u00fcren sein Ungen\u00fcgen, und nun will der Frankfurter <i>Cerberos<\/i> ihn damit abspeisen, als <i>Konservator<\/i>. Neugierde kennt er nicht. Erst \u00fcber Fernleihe in G\u00f6ttingen erh\u00e4lt App Kopien des Buches und muss \u201eKleinbild-Filme nachkaufen\u201c, weil er jede zweite Seite fotografieren will. Begeisterung! Immerhin ist das Buch in Latein geschrieben und mit persischen Begriffen durchsetzt. Mich k\u00f6nnte das nicht entflammen. App sagt noch bei verschiedenen Gelegenheiten, wie interessant so eine dieser post-vedischen Schriften sei. Nun, die unglaubliche Variationsbreite unserer Spezialisierungen und Geschm\u00e4cker\u00a0 macht f\u00fcr mich eigentlich die Faszination unserer gegenw\u00e4rtigen Zivilisation aus.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich fasziniert mich auch, wie App mit seinem Fotoapparat ganz unb\u00fcrokratisch zupackt. Seiten fotografiert.\u00a0Auch ich habe seine Projektionen abfotografiert. Ohne das w\u00fcrde ich doch in meinem Text \u00a0 keine Einzelheiten mehr zusammenkriegen, Namen ohnehin nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201e1. Wann und wie lernte Schopenhauer sein Lieblingsbuch kennen?\u201c<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine sch\u00f6ne Frage! Dabei so selbstverst\u00e4ndlich.\u00a0 Nicht \u201e<i>nach 1816<\/i>\u201c, wie H\u00fcbscher vermutet, sondern zwischen 1814 und 16, als Schopenhauer seine \u201eWillensmetaphysik\u201c entwickelte, eben weil \u201e<i>die Upanischaden, Plato und Kant ihre Strahlen zugleich in eines Menschen Geist werfen konnten.\u201c<\/i> Das \u201e<i>Oupnek\u2019hat<\/i>\u201c lief ihm also als gl\u00fccklicher Zufall \u00fcber den Weg? Nat\u00fcrlich erkannte sein mit diesen Fragen Tag und Nacht schwanger gehendes Gehirn den Wert dieses Buches. Er arbeitete es durch. Und \u201e<i>Memnons S\u00e4ule klang\u201c.\u00a0 <\/i>Welcher Mensch kennt nicht im Kleinen \u00e4hnliche F\u00fcgungen?<\/p>\n<div><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320225Strahlen-zugleich.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1130\" alt=\"P1320225Strahlen zugleich\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320225Strahlen-zugleich-300x291.jpg\" width=\"300\" height=\"291\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320225Strahlen-zugleich-300x291.jpg 300w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320225Strahlen-zugleich-624x605.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/P1320225Strahlen-zugleich.jpg 874w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/div>\n<p>\u201eLieblingsbuch\u201c\u2013 da spielt die Emotion mit! Schopenhauer:<i>\u201eEs ist der Trost meines Lebens gewesen und wird der meines Sterbens seyn.\u201c<\/i> Im Anschluss an den Vortrag wird man dar\u00fcber diskutieren, was denn der Grund daf\u00fcr sei. Die Erkl\u00e4rung Apps befriedigt nicht jeden Zuh\u00f6rer. Ist es die Faszination des verhinderten Mystikers, ist es die unerwartete Best\u00e4tigung f\u00fcr eigene \u00dcberzeugungen aus fernen Gefilden, ist es gar die geheime Beziehung eines <i>Plagiators<\/i> zur Quelle seiner Weisheit? Nein, wir d\u00fcrfen auf der Projektionswand lesen, wie Schopenhauer \u201eMaja\u201c umdeutet und einbaut&#8230;<\/p>\n<p>Ist es Begeisterung? \u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">Mein<\/span> <i>Klapproth <\/i>war ein pensionierter Zeichenlehrer, der fr\u00fcher einmal chinesische Lebens- und Denkungsart\u00a0aufgesogen hatte oder was er bei seinem Pekinger Aufenthalt 1936 daf\u00fcr hielt.\u00a0(N\u00e4heres im Katalogbuch \u201eBilder vom Gl\u00fcck\u201c, Museum der Weltkulturen Frankfurt, 2002)<\/p>\n<p>2. Was ist das f\u00fcr ein Buch?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3. Was f\u00fcr eine Rolle spielte es im europ\u00e4ischen Geistesleben?<\/p>\n<p>Urs App teilt uns <span style=\"text-decoration: underline;\">seine<\/span> Entdeckungen \u00fcber die Entdeckung des jungen Schopenhauer 1814 mit. Erst habe ich ein wenig den Eindruck von \u00a0historischen Anekdoten ohne tieferen Sinn.\u00a0Aber unbemerkt wandelt sich dies Gef\u00fchl. Es erscheinen im Umriss: <i>Indomanie<\/i>: \u201eAlles begann in Indien\u201c, die \u00e4u\u00dferst vermittelten\u00a0 \u00dcbersetzungen von Sanskrit-Texten mit dem Ruch der Geheimlehre (Freimaurer-Klima und Mesmerismus-Zirkel), Schopenhauers Misstrauen gegen\u00fcber den ersten direkten \u00dcbersetzungen. Dann geografische Umrisse, Individuen sozusagen mit <i>Passbild<\/i>, das <i>Team<\/i> des indischen F\u00fcrsten <i>Sirr-i-Akbar.\u00a0<\/i>Das Buch \u201e<i>Oupnek\u2019hat<\/i>\u201c wird kartiert (zwischen <i>Neuplatonismus<\/i> und <i>Buddhismus<\/i>), auseinandergenommen, ja <i>filetiert<\/i>: Weg und Entwicklungsstufen, Arbeitsg\u00e4nge und Ver\u00e4nderung der Textanteile zwischen 1657 und 1802 h\u00e4ngen s\u00e4uberlich nebeneinander auf der Projektionsfl\u00e4che, durch Pfeile verbunden.<\/p>\n<p>Wir sind eingeladen uns anzuschlie\u00dfen, und zwar nicht irgendwelchen Spekulationen, sondern dem Prozess der Fragen und Antworten. Sogar <i>der Narr<\/i> &#8211; der mit den ber\u00fcchtigten Fragen? &#8211; ist eingeladen, mitzumischen, doch so n\u00e4rrisch ist er auch wieder nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 16.12.2010 \u00a0&#8211; Urs App hat mich nicht entt\u00e4uscht. Vor siebzehn Jahren in Frankfurt faszinierte mich bereits seine Methode, die so schlicht aussieht und so viel hartn\u00e4ckiges Suchen und Fragen bedeutet. \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[],"class_list":["post-1111","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schopenhauer_love_affair"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1111","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1111"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1111\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1131,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1111\/revisions\/1131"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1111"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1111"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1111"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}