{"id":11046,"date":"2020-04-13T21:58:46","date_gmt":"2020-04-13T19:58:46","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=11046"},"modified":"2022-04-03T20:40:44","modified_gmt":"2022-04-03T18:40:44","slug":"einakter-schweizer-sapeurs-erstuermen-den-rietberg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=11046","title":{"rendered":"&#8222;Schweizer Sapeurs&#8220; erst\u00fcrmen die Fiktion des Kongo auf dem Rietberg"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\"><em><span style=\"color: #ff0000;\">ACTION!<\/span><\/em><\/h1>\n<p>Vier <em>Schweizer Sapeurs<\/em> st\u00fcrmen am 29. Februar 2020 den Rietberg, Schatzkammer der nach Europa entf\u00fchrten Hoch-Kulturg\u00fcter. S\u00fcffisant und muskul\u00f6s erobern sie den gepflegten Kunstsaal f\u00fcr sich, au\u00dferdem ein Schlagers\u00e4nger. Man kann sagen: Wenigstens sie haben es in den gesellschaftlichen Olymp geschafft. F\u00fcnftausend Meilen weiter s\u00fcdlich treten ihre Br\u00fcder (und Schwestern) vor ihre Baracken und H\u00e4user in Kinshasa oder Lumumbashi, hinaus auf die staubige Gasse ihres Viertels, um zu flanieren, als Musiker aufzutreten oder an einem Sch\u00f6nheitswettbewerb teilzunehmen, oder auch nur, um an &#8218;des Kaisers neue Kleider&#8216; zu kommen.<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_11049\" style=\"width: 462px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.50.53-e1586788086862.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11049\" class=\"wp-image-11049\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.50.53-360x227.png\" alt=\"\" width=\"452\" height=\"285\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11049\" class=\"wp-caption-text\">Bildschirmfotos des <a href=\"https:\/\/rietberg.ch\/ausstellungen\/fiktionkongo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">youtube<\/a> des Rietberg Museums vom 29.2.2020<\/p><\/div>\n<p>Die Z\u00fcrcher Damen schau\u2019n sich das Schauspiel in wohlerzogener Zur\u00fcckhaltung, aber mit Interesse an.\u00a0 So verh\u00e4lt man sich an einer Modenschau. Man wei\u00df, dass man selber gesehen wird. Und die da einen dynamischen <em>Catwalk<\/em> hinlegen, sind afrikanische &#8218;Fans&#8216; der <em>Haute Couture<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<span style=\"color: #ff0000;\"> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/span><em><span style=\"color: #ff0000;\">DRAUSSEN VOR DER T\u00dcR RINGT MAN <\/span><\/em><span style=\"color: #ff0000;\"><em>UM EINEN KONSENS<\/em><\/span><\/h3>\n<h4 style=\"text-align: center;\">(&#8230;.)\u00a0\u00a0 Der Kolumnist einer kulturellen E-Publikation<\/h4>\n<p>Einem bildungsb\u00fcrgerlich erzogenen Menschen war die <em>Haute Couture<\/em>\u00a0 zeitlebens ein Feld unverzeihlicher feudaler Verschwendung seitens einer Klasse reicher M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger, und Inbegriff der Ausbeutung von Menschen. Sie dekoriert ihre magers\u00fcchtigen &#8218;Kleiderst\u00e4nder&#8216; sogar mit aufwendiger traditioneller Textilkunst, die in vorkolonialen Zeiten den Alltag der V\u00f6lker bereicherte. \u201eDekadentes Herz Europas\u201c liegt mir auf der Zunge, aber \u00f6konomisch gesehen, ist Luxuskonsum erst dann \u201e<em>dekadent<\/em>\u201c, wenn er das f\u00fcr seine Expansion n\u00f6tige Investitionskapital stiehlt. Aber davon haben wir dank EZB f\u00fcr immer genug!<\/p>\n<p>Als Mann und Achtundsechziger ist mir &#8218;der schwarze Mann&#8216; als Konkurrent und heimliches Vorbild noch unvergessen. Damals in den sechziger Jahren problematisierten \u201eTwen\u201c oder die revolution\u00e4r auftretende Illustrierte \u201ekonkret\u201c ihn redaktionell, aber feierten seine Potenz auf Hochglanzfotos.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">\u00c4lterer Mann, der anonym bleiben m\u00f6chte<\/h4>\n<p>Im zwanzigsten Jahrhundert wurde das Modetheater <em>Haute Couture <\/em>in Paris dominiert von einer Riege schwuler M\u00e4nner, die mit ihren Puppen spielen wollten.\u00a0 Die in der Presse verbreiteten Bilder wurden von uns\u00a0 &#8218;Spie\u00dfern&#8216; oder &#8218;B\u00fcnzli&#8216; mit offenem Mund bestaunt oder glatt abgelehnt. Den wiederholten Beteuerungen der Modemacher zum Trotz bot das Milieu immer wieder Anlass zum moralischen Skandal. Heute nicht mehr? Warum eigentlich?<\/p>\n<h4><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Inzwischen emeritierter Studentenf\u00fchrer<\/h4>\n<p>Ihr lasst euch von der glamoureusen Erscheinung der <em>Sapeurs <\/em>t\u00e4uschen. Sie tun nur so gro\u00dfartig, sind, angekommen am Traumziel &#8218;Europa&#8216; nur Mitl\u00e4ufer. Indem der <em>Sapeur<\/em> den hier heimischen\u00a0 &#8218;Kult&#8216; um die einschl\u00e4gigen Luxuslabels \u00fcbernimmt, macht er sich zum Hanswurst, zu der tragischen Figur, die der Soziologen Albert Memmi , ein Tunesier, w\u00e4hrend der D\u00e4mmerung der klassischen Kolonialherrschaft beschrieben hat.\u00a0 Er stellte entt\u00e4uscht fest, der Kolonisierte wollte nur das haben, was der Kolonisator hatte und werden wie er.<\/p>\n<p>Der <em>Sapeur<\/em> denkt und lebt vor allem &#8222;eurozentrisch&#8220;. Er ist ein historisch versp\u00e4teter &#8222;\u00c8volu\u00e9&#8220;, diese praktische Erfindung, auf welche die belgischen und franz\u00f6sischen Kolonialisten stolz waren. &#8218;Der Norden&#8216; braucht also im Auftrumpfen de<em>s<\/em> <em>Sapeur <\/em>keine Revolution zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Die authentischen<em> Sapeurs <\/em>setzen sich angeblich mit Anmut gegen die Armut und eine herunter gewirtschaftete Umgebung zur Wehr? Ich kann nicht nachvollziehen, was\u00a0 solche \u00dcberbietungswettbewerbe in anonymen Metropolen bewirken sollen, wo ohnehin alle Individuen mit Mitteln des modischen &#8218;Sampling&#8216; oder einer &#8218;K\u00fcnstleruniform&#8216; (&#8222;Sch\u00f6nheit der Uniformit\u00e4t&#8220;, Campus Frankfurt 2005) bereits um das knappe Gut &#8218;Aufmerksamkeit&#8216; konkurrieren?<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Sandrine Colard, KunsthIstorikerin<\/h4>\n<p>Mit dem Ph\u00e4nomen <em>Sapeur<\/em> wandert ganz selbstverst\u00e4ndlich eine erweiterte Kunstauffassung in das Kunstmuseum ein, eine &#8222;eurozentrische Festung&#8220; gegen &#8222;die Dekolonialisierung der Kunstinstitutionen&#8220;, wie ich im Katalog &#8222;Fiktion Kongo&#8220; auf S. 316 ausgef\u00fchrt habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.58.12.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-11051\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.58.12-360x224.png\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"280\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.58.12-360x224.png 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.58.12-900x560.png 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.58.12-624x389.png 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.58.12.png 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><strong>Besitzer eines der wenigen und teuren Kataloge<\/strong><\/h4>\n<p>Und ich muss konzedieren: Gegen\u00fcber den <em>Sapeurs<\/em> im live-Auftritt sehen die fotografierten Inszenierungen der <em>Sapeurs<\/em> von Yves Sambu (Katalog 166 ff.) bereits alt aus. Die <em>Yaka<\/em>-Maskengesichter an der Wand hinter dem improvierten <em>Catwalk<\/em> wirken so tot wie aufgespie\u00dfte Beutek\u00f6pfe, eben Troph\u00e4en.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.51.47.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-11050\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.51.47-360x211.png\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"292\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.51.47-360x211.png 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.51.47-900x526.png 900w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.51.47-624x365.png 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bildschirmfoto-2020-04-10-um-17.51.47.png 1262w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Einwand eines Doktors der Theologie<\/h4>\n<p>Nicht nur den Yaka-Masken (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4497\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>) ! Dem christlichen Kruzifix\u00a0 ergeht es in der gottlosen &#8218;Internationale&#8216; der Haute Couture nicht besser.\u00a0 Auf dem hier gezeigten &#8218;extravaganten&#8216; Jackett tritt es nicht nur in gleich zwei konfessionell unvereinbaren Formen auf , es wird sogar in der Art eines Soldatenfriedhofs drapiert! Da w\u00fcsste ich schon gern, welchen kulturellen Hintergrund der Designer hat, ob \u201e<em>Kongo<\/em>\u201c oder \u201e<em>Paris<\/em>\u201c, ob antikolonial-aggressiv-unantastbar oder hyper-s\u00e4kular-dumm-modern. Ob ich unbehelligt schimpfen kann oder nicht.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Student der Ethnologie<\/h4>\n<p>Wo Sie gerade &#8218;Sakrileg&#8216; thematisieren, wage ich folgenden Vorschlag, der an das inzwischen \u00fcbel beleumundete Unterhaltungsformat \u201eV\u00f6lkerschauen\u201c des 19. und 20 Jahrhunderts ankn\u00fcpft:<\/p>\n<p>K\u00f6nnten nicht die Kurator*innen bei Ausstellungen wie &#8222;Fiktion Kongo&#8220; professionelle Tanztruppen aus der afrikanischen Provinz einladen, die heute noch mit traditionell ausgefeilter Akrobatik auftreten \u2013 nicht mehr <em>sakral, <\/em>aber zur\u00a0 beliebten Unterhaltung. Davon w\u00fcrden die ausgestellten \u201atraditionellen\u2019 Kunstwerke st\u00e4rker profitieren, indirekt auch sogar die im Depot belassenen. Und die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit w\u00e4re garantiert.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Ballett-Sch\u00fclerin zustimmend<\/h4>\n<p>Ja, vor allem, weil wir T\u00e4nzer*innen beider Seiten doch am ehesten zum Wettstreit auf gleicher Augenh\u00f6he in der Lage sind. Wozu \u00fcberhaupt noch alte im Museum deponierte Gegenst\u00e4nde privilegieren?<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Sozialdemokratischer Depotarbeiter, bescheiden Widerspruch anmeldend<\/h4>\n<p>Andersherum wird ein Schuh daraus! Vor ein paar Jahren wurde in einem Dokumentarfilm \u00fcber den Ostkongo ein Milizenchef interviewt. Und was sah ich an der Wand seines Hauptquartiers? Zwei <em>Lega<\/em>-Masken, die so aussahen wie die meisten im Depot. Aber auch ein gedrucktes Kruzifix. Einer seiner Zeremonienmeister, der Rekruten mit der Machete eingeschworen hat, trug sogar das klassische spitze K\u00e4ppi der <em>Lega<\/em>-Honoratioren (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=7452\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>) auf dem Kopf, freilich sch\u00e4biger. Fr\u00fcher h\u00e4tte ihm vielleicht ein europ\u00e4ischer Hut gedient, ein Fez oder eine Dienstm\u00fctze. Dem m\u00fcsste man doch nachgehen! Aber das daf\u00fcr qualifizierte Personal hat ja keine Zeit.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">NGO-Experte, der im Ostkongo eingesetzt war<\/h4>\n<p>Was Sie da sagen, kann zum Pluspunkt f\u00fcr den Fotografen aus Kinshasa <em>Yves Sambu<\/em> werden. Sein <em>Sapeur<\/em> in Phantasieuniform k\u00f6nnte so einen Milizf\u00fchrer vor Augen haben, wie sie noch heute auf dem flachen Land wie in Kasai, Kivu oder n\u00f6rdlich von Brazzaville die Bauern und Goldgr\u00e4ber bedrohen, besch\u00fctzen und ausnehmen!<\/p>\n<div id=\"attachment_11053\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/MajMaj-Chef-IMG_5250.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11053\" class=\"wp-image-11053\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/MajMaj-Chef-IMG_5250-170x150.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"157\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/MajMaj-Chef-IMG_5250-360x225.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/MajMaj-Chef-IMG_5250-624x391.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/MajMaj-Chef-IMG_5250.jpg 899w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11053\" class=\"wp-caption-text\">Ein MajMaj Chef, arte 1995 &#8222;Mein Afrika&#8220;<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_11054\" style=\"width: 258px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/FK-Abb.225-Sapeur.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11054\" class=\"wp-image-11054\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/FK-Abb.225-Sapeur-170x150.jpg\" alt=\"\" width=\"248\" height=\"188\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/FK-Abb.225-Sapeur-360x272.jpg 360w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/FK-Abb.225-Sapeur-624x472.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/FK-Abb.225-Sapeur.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11054\" class=\"wp-caption-text\">Katalog &#8222;Fiktion Kongo Abb.225 (Ausschnitt)<\/p><\/div>\n<h4 style=\"text-align: center;\">\u00c4lterer Herr, der sich als Sammler zu erkennen gibt<\/h4>\n<p>Wer sind schon die &#8218;<em>Sapeurs<\/em>&#8218;. F\u00fcr mich ein Nebenschauplatz. Wenn ich die zeitgen\u00f6ssischen Beitr\u00e4ge\u00a0 nicht nur in &#8222;Fiktion Kongo&#8220; betrachte, frage ich mich:<\/p>\n<p>Warum m\u00fcssen K\u00fcnstler aus Afrika vor ihrer internationalen Karriere Schulungen durch Expatriates oder in Akademien durchlaufen? Warum m\u00fcssen sie ihre Arbeiten auf das Format von \u201aExponaten\u2019 stutzen und im \u00fcbertragenen Sinne desinfizieren lassen?<\/p>\n<p>Selbst die anr\u00fchrendste soziale Anklage bleibt auf Franz\u00f6sisch, Englisch &#8211; selbst auf Schwyzerd\u00fctsch &#8211; merkw\u00fcrdig blass. Das glauben\u00a0 wir doch bereits alles zu wissen, und oft pr\u00e4ziser aus Nachrichten und Features!\u00a0 Gedruckte Dichtung\u00a0 \u00fcberwindet kaum die vom Schulunterricht aufgeh\u00e4ufte Abwehr. Im Katalog zieht sich dann so ein Text \u00fcber Seiten, \u201e<em>The Lord is Dead&#8230;.<\/em>\u201c (222-231). hei\u00dft er. Warum ging es da noch?<\/p>\n<p>Altmetall, Pappe, Karton, Lacken und Acrylfarben rei\u00dfen niemanden mehr vom Hocker, weder in den sterilen wei\u00df oder farbig get\u00fcnchten Ausstellungshallen noch auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen in Afrika oder Paris. Und erst die demonstrierte Sch\u00e4bigkeit arrivierter K\u00fcnstler! Wer soll damit betrogen werden?\u00a0 Die Landsleute an ihrem Wunsch nach Sch\u00f6nheit und Vergn\u00fcgen&#8230;&#8230;\u00a0 (Wird unterbrochen)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Ergrauter polnischer Gegenwartsk\u00fcnstler unterbricht ihn&#8230;.,<\/h4>\n<p>Ich habe den Ausnahmezustand\u00a0 im Polen der achtziger Jahre durchgemacht. Damals glaubten wir, man sollte als K\u00fcnstler die Depression der Menschen mit realistischer Darstellung bek\u00e4mpfen,, H\u00e4sslichkeit durch H\u00e4sslichkeit. Unser Geld verdienten wir gleichzeitig mit staatlichen Auftr\u00e4gen oder auf dem westlichen Kunstmarkt.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Erneut der Sammler<\/h4>\n<p>Na also! Sollen betuchte Galeriekunden \u00fcber ihr schlechtes Gewissen zum Kauf bewegt werden? Was will er denn mit seinem Objekt? Womit hat er es aufgeladen? Soll es als &#8218;Krampus&#8216; ein bekannterma\u00dfen kindisches Publikum im Norden necken?<\/p>\n<p>Oder verspottet Sinzo Aanza\u00a0 mit &#8222;Ohne Titel&#8220; (Katalog Abb.300), einer &#8218;freien&#8216; Variation eines Dorffetischs der Songye, etwa die zahllosen Landsleute, welche immer noch oder wieder im Milieu der Heiler und Zauberer Schutz und pers\u00f6nlichen Vorteil suchen? Davon loszukommen, gerade das versprach ihnen &#8218;die fremde Moderne&#8216; der belgischen oder franz\u00f6sischen Kolonialisten. Leeres Versprechen!<\/p>\n<p>Als konventioneller Sammler traditioneller Artefakte beeindrucken mich schon eher vernarbte Besch\u00e4digungen, alte Reparaturen. Dramatisch wird es aber erst , wenn wei\u00dfes Holzmehl oder ein Dutzend Insekteneier sich\u00a0 auf dem\u00a0 Boden ausbreiten. Das war nur ein Scherz!\u00a0 Aber&#8230;..<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">Student an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich,\u00a0 aus k\u00f6niglicher Famlie<\/h4>\n<p>Wenn Ihr heute von allen Seiten den Weckruf vernehmt: <em>DEKOLONISIERT EUCH!<\/em> Und zwar Stadt f\u00fcr Stadt, Stra\u00dfe f\u00fcr Stra\u00dfe (etwa die <em>Nachtigal-Stra\u00dfe<\/em> nach Gustav Nachtigal), Museum f\u00fcr Museum (egal was f\u00fcr eins), dann wisset: Es soll euch nicht besser ergehen als unseren Vorfahren, denen von euren Vorfahren die Traditionen gestohlen und entstellt wurden! Lasst euch jetzt endlich auch &#8217;solidarisch&#8216; und im Einklang mit eurem unertr\u00e4glichen moralischen Anspruch ko-lo-ni-sie-ren!<\/p>\n<h4><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\">DARAUF ANTWORTET DER GANZE CHOR INDIGENER EUROP\u00c4ER*INNEN\u00a0 (SPRECHGESANG)<\/h4>\n<p>Aber die Menschen in Europa wurden seit mindestens drei Jahrhunderten doch immer wieder durcheinander gesch\u00fcttelt, reformiert, annektiert, kolonisiert und umerzogen. F\u00fcr die Nazi-Deutschen hat man nach dem Krieg daf\u00fcr sogar einen eigenen Begriff\u00a0 gepr\u00e4gt: <em>Re-Education<\/em>. In Europa und Amerika\u00a0 \u00fcberlebte\u00a0 keine der &#8218;Leitkulturen&#8216;, geschweige denn &#8218;Stammestraditionen&#8216;. Wir haben nichts behalten, wir noch opfern k\u00f6nnten. Sebst bei den amerikanischen &#8218;First Nations&#8216; sind kaum mehr als folkloristische Fetzen \u00fcbrig, blo\u00df Kasinos.<\/p>\n<h4><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\">K\u00f6niglicher Student &#8211; Benin? oder Duala? &#8211; in entschlossenem Ton<\/h4>\n<p>Bei so viel hochm\u00fctiger Uneinsichtigkeit\u00a0 sehe ich nur eine L\u00f6sung f\u00fcr die f\u00e4llige &#8222;Dezentrierung der Kunstgeschichte&#8220;, f\u00fcr die Madame Colard pl\u00e4diert : \u00d6ffnung und Aufteilung der Kunstmuseen im weitesten Sinne und deren erneute Umbenennung, wobei Kultur-Kommissionen der UN-Vollversammlung die darin zum Ausdruck kommenden Anspr\u00fcche auf Bescheidenheit pr\u00fcfen und daf\u00fcr sorgen sollen, dass die Zahl der zur Benennung verwendeten Begriffe sich auf ein Dutzend beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Es ist Mittwochvormittag zw\u00f6lf Uhr und die in der sich automatisch verl\u00e4ngernden Covid-19 Diktatur verordnete totale Ausgangssperre um den Rietberg tritt in Kraft. Man stiebt auseinander. Im Hintergrund sind wiederholt gellende Sirenen zu h\u00f6ren.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Das Copyright f\u00fcr die fiktiven Szenen liegt beim Autor (1944 &#8211; )<\/p>\n<h4><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: center;\">ETWAS MEHR HINTERGRUND?\u00a0 (<span style=\"color: #ff0000;\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=12268\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LINK)<\/a><\/span>&#8211; ausgekoppelt und erweitert am 6.11.2020<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ACTION! Vier Schweizer Sapeurs st\u00fcrmen am 29. Februar 2020 den Rietberg, Schatzkammer der nach Europa entf\u00fchrten Hoch-Kulturg\u00fcter. S\u00fcffisant und muskul\u00f6s erobern sie den gepflegten Kunstsaal f\u00fcr sich, au\u00dferdem ein Schlagers\u00e4nger. Man kann sagen: Wenigstens sie haben es in den gesellschaftlichen Olymp geschafft. F\u00fcnftausend Meilen weiter s\u00fcdlich treten ihre Br\u00fcder (und Schwestern) vor ihre Baracken und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[218,227],"tags":[],"class_list":["post-11046","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fiktion-kongo-rietberg-2019-20","category-kinshasa"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11046","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11046"}],"version-history":[{"count":39,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11046\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13779,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11046\/revisions\/13779"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11046"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11046"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11046"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}