{"id":1070,"date":"2012-11-29T15:15:35","date_gmt":"2012-11-29T14:15:35","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1070"},"modified":"2013-11-27T02:14:37","modified_gmt":"2013-11-27T01:14:37","slug":"5-zu-app-kap-10-29-11-12","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=1070","title":{"rendered":"Erm\u00fcdung \u00fcber Kapitel 10  Veda-Weisheit und Gnosis"},"content":{"rendered":"<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p>29.11.12 \u00a0Apps Weg durch die Geschichte der Traditionen hat enge Seitenbegrenzungen: die Bildungsgeschichte Schopenhauers und seines\u00a0 Systems\u00a0 auf der einen Seite, die Wirkungsgeschichte eines im siebzehnten Jahrhunderts (1656, App: 108) als Kompilation und \u00dcbersetzung entstandenen persischen Buches. <!--more-->So kann beim Leser sogar mit der Zeit der Eindruck von Redundanz entstehen. Das gilt auch f\u00fcr Schopenhauer selbst im Horizont dieser Darstellung, der nicht anders als ein Lutheraner aus seiner Lutherbibel die asiatische Weisheit aus der lateinischen \u00dcbersetzung des Anqu\u00e9til saugt: Er\u00a0<i>vertraute v\u00f6llig Anquetils extrem w\u00f6rtlich scheinender \u00dcbersetzung. (172)\u00a0<\/i>\u00a0Urs App schreibt ohne Zweifel eine Spezialstudie. Eigentlich schade! Denn wir bleiben an der Oberfl\u00e4che des Themas.<\/p>\n<p>Wie bin ich auf den Begriff Gnosis gekommen, auf eine vage Vorstellung von etwas, f\u00fcr den ich den geistesgeschichtlichen Begriff erst wieder suchen musste? Es war der Satz: \u201e<i>Die Aufhebung des Begehrens durch selbstlose Erkenntnis\u2026<\/i>\u201c mit Apps Hinweis:\u00a0<i>hat keinen erkennbaren Bezug zur kantischen Transzendentalphilosophie<\/i>. (175).<\/p>\n<p>Beim Wikipedia-Artikel \u201eGnosis\u201c wird mir schwindlig. \u00dcber zwei Jahrtausende und drei Kontinente! Denn wir m\u00fcssen Nordafrika einbeziehen.\u00a0<i>Hundert<\/i>\u00a0Schulen, darunter alte Bekannte \u2013 Schopenhauer w\u00e4re die hundert und erste \u2013 viele wissenschaftliche Meinungen und unterschiedliche Definitionen kommen in den Blick. Ich werde immer bescheidener und ziehe mit aller Vorsicht W\u00f6rterb\u00fccher zu Rate, will nur einen orientierenden Blick werfen.<\/p>\n<p>Was ist Gnosis? Sehnsucht nach Erl\u00f6sung, Weg der Selbsterl\u00f6sung durch Versenkung in sein Inneres, mal mehr intellektuell, mal mehr emotional, an die verschiedenen etablierten Religionen vom Mittelmeer nach Asien, ja bis nach China. Entsprechende Kosmogonien. Ich hatte dies Ph\u00e4nomen im Fr\u00fchchristentum verortet. Nicht zu Unrecht, und es begleitete seither als vielgestaltige H\u00e4resie den Aufstieg des Christentums.<\/p>\n<p>Mich wundert nun nicht mehr, dass der junge Schopenhauer wie ein Bilderst\u00fcrmer jede Erw\u00e4hnung von\u00a0<i>Gott\u00a0<\/i>im Buch Oupekh&#8217;nat austilgte. Er war umstellt von Lehren aus dem oft clandestinen abendl\u00e4ndischen Untergrund! Er versuchte den\u00a0<i>philosophischen\u00a0<\/i>Kern daraus zu destillieren und neu zu synthetisieren. Eine Erl\u00f6sungsreligion ohne\u00a0<i>pers\u00f6nlichen Gott und Erl\u00f6ser. &#8211;\u00a0<\/i>Ich kenne diese Leidenschaft noch aus meiner protestantischen Pubert\u00e4t, und in der setzt ja auch Urs App\u2019s Studie ein.- Doch fast alle Arthur erreichbaren Beispiele waren von Religion infiziert. Vielleicht deshalb finde ich sie im Einzelfall peinlich (Mme Guyon u. a.).<\/p>\n<p>Diese Philosophie in der Zunft gesellschaftsf\u00e4hig zu machen, hie\u00df f\u00fcr ihn, sie\u00a0<i>transzendental-philosophisch<\/i>\u00a0zu\u00a0<i>begr\u00fcnden<\/i>\u00a0(174) und entsprechend aufzumachen. App berichtet von Versuchen des auf zwei Spalten verteilten Schematisierens. (170) Und er zitiert Schopenhauers zeitweilige Verzweiflung: \u201e<i>Aus dieses Thales Gr\u00fcnden \/ Wird ich den Ausgang finden?<\/i>\u201c (#287; App: 171) Er berichtet auch, wie Schopenhauer 1814\/15\u00a0<i>vielb\u00e4ndige Philosophiegeschichten<\/i>\u00a0<i>durchgeackert\u00a0<\/i>habe. (169) Noch fr\u00fcher, 1810, klagte Schopenhauer \u00fcber Kant,<i>\u00a0er habe \u201edie Kontemplation nicht gekannt.\u201c<\/i>\u00a0(HN1-#17; 176). Ich bin froh dar\u00fcber.<\/p>\n<p><i>Genie ist \u201emehr als andere Menschen das<\/i>\u00a0reine<i>\u00a0Subjekt des Erkennens\u201cund ist deshalb gleichsam \u201eunter den Philistern, was der Heilige unter Gaunern<\/i>\u201c(#369; 176) . &#8211;\u00a0Sein Elited\u00fcnkel ist nichts wirklich Neues, aber die Erw\u00e4hnung des\u00a0<i>Heiligen unter Gaunern<\/i>!\u00a0Sofort kommt der Gedanke, dass Gauner in bestimmten Milieus und Situationen mehr Erfolg haben als in anderen.\u00a0<i>Sehnsucht<\/i>\u00a0schafft gute Voraussetzungen,\u00a0<i>Erl\u00f6sung\u00a0<\/i>\u00a0erst recht. Wenn es ein ideologisches oder religi\u00f6ses Halbweltmilieu gibt, dann dort. Der Philosoph und Soziologe Eric Voegelin hat auch deshalb in seinem dreigliedrigen Schema unter die\u00a0<i>aktivistische\u00a0<\/i>Form\u00a0<i>\u00a0gnostischer Erl\u00f6sungsversprechen\u00a0<\/i>Marx und Hitler einordnen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 29.11.12 \u00a0Apps Weg durch die Geschichte der Traditionen hat enge Seitenbegrenzungen: die Bildungsgeschichte Schopenhauers und seines\u00a0 Systems\u00a0 auf der einen Seite, die Wirkungsgeschichte eines im siebzehnten Jahrhunderts (1656, App: 108) als Kompilation und \u00dcbersetzung entstandenen persischen Buches.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[],"class_list":["post-1070","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schopenhauer_love_affair"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1070","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1070"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1070\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1162,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1070\/revisions\/1162"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1070"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}