{"id":10417,"date":"2019-07-23T20:30:59","date_gmt":"2019-07-23T18:30:59","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10417"},"modified":"2021-10-20T17:20:10","modified_gmt":"2021-10-20T15:20:10","slug":"was-heisst-luba-zu-sein-was-der-name-gestern-und-heute-bedeutet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10417","title":{"rendered":"\u00a0 Was hei\u00dft &#8222;LUBA&#8220; zu sein &#8211; P. Petit vs. F. Neyt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei meinen Recherchen zu einem erworbenen Miniaturhocker &#8222;Karyatide&#8220; ( Blogbeitrag \u201eFrauen in tragender Stellung\u201c <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10294\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>) hatte die Suche nach ethnischen oder regionalen Merkmalen zun\u00e4chst erste Priorit\u00e4t. Dann erst fesselten mich die unterschiedlichen Hock-Stellungen der Hocker-Tr\u00e4gerinnen.<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Eine Autorit\u00e4t : Francois Neyt<\/h3>\n<p>Wie oft wird in der Literatur der Begriff \u201elubaisiert\u201c auf deren Nachbarn angewendet, was h\u00e4ufig so etwas wie die Herrschaft des k\u00f6niglichen \u201eLuba\u201c-Stils im gesamten Einflussbereich des alten Luba-K\u00f6nigreichs signalisiert, ohne eigens thematisiert zu werden.<\/p>\n<p>Die Vergleichsobjekte auf der Blog-Seite zeigen jedoch eindeutig Wechselwirkungen, also Einfl\u00fcsse auf das alte Reichszentrum wie aus dem Zentrum heraus, so wie es \u00fcberall in Afrika normal erscheint.<\/p>\n<p>Fran\u00e7ois Neyt, ein bekannter Kunsthistoriker, der noch im Belgischen Kongo geboren und aufgewachsen ist, schl\u00e4gt den Kunstkreisen in Belgien und Frankreich eine Theorie vor, die sie bei ihrer spezifischen Hochachtung f\u00fcr \u201edie Luba&#8220; erwarten. Noch heute vertritt er die Auffassung, dass die Erweiterung des K\u00f6nigreichs mit einer Verbreitung des k\u00f6niglichen Hofstils einherging.<\/p>\n<p>November 1993 ver\u00f6ffentlichte er einen Luxusband &#8222;<strong>Luba \/ from the sources of Zaire<\/strong>&#8220; in der Edition des Pariser Privatmuseums Dapper.<\/p>\n<p>&#8222;<em>Angesichts seiner \u00fcppigen Pr\u00e4sentation und Verbreitung k\u00f6nnte Luba leicht f\u00fcr wichtiges Nachschlagewerk gehalten werden. Leider entspricht es jedoch nicht den methodischen Standards der kunsthistorischen Forschung &#8230;<\/em>. &#8220; (\u00dcbersetzung Gv)<\/p>\n<p>Dies ist das eindeutige Ergebnis einer wissenschaftlichen Analyse vor Ort in \u201e<strong><em>African Arts<\/em>\u201c Herbst-Nummer 1996<\/strong> (S. 87-89, 96). Wie Sie wissen, handelt es sich dabei um eine von Experten \u201apeer-reviewed\u2019 Fachzeitschrift des James S. Coleman Center for African Studies an der University of California in Los Angeles (UCLA).<\/p>\n<p>Neyt hat die in der Rezension angebotene Debatte nicht angenommen.Es scheint mir, dass er das Problem f\u00fcr sich und seine Anh\u00e4nger durch Aussitzen gel\u00f6st hat. &#8211; Offensichtlich ein typischer Fall f\u00fcr den \u00fcblichen wissenschaftlichen &#8222;Paradigmenwechsel&#8220; (Thomas S. Kuhn, 1962)<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">*<\/h4>\n<h3>Eine Studie in &#8222;ANTHROPOS&#8220; Nr. 100.2005 (S. 17-33) gibt uns Antworten auf die zu Beginn gestellten Fragen.<\/h3>\n<p><strong>Petit, Pierre\u00a0: \u00ab\u00a0Art et Histoire des Luba m\u00e9ridionaux Partie \u2013 Ethnicit\u00e9, histoire politique et at\u00e9liers sur les fronti\u00e8re sud du royaume\u00a0\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>Pierre Petit formuliert historisch-soziologisch einen &#8222;Stammesbegriff&#8220;, der die Komplexit\u00e4t und Dynamik der &#8222;Stammes&#8220;-Realit\u00e4t ber\u00fccksichtigt, vor der Fran\u00e7ois Neyt mit seiner ausschlie\u00dflich stilistischen Sichtweise gescheitert ist.<\/p>\n<p>Und die Bilanz: Der Begriff &#8222;Luba&#8220; wurde immer pragmatisch und weit gefasst.<\/p>\n<p>S.17 \/ 18 &#8211; ich fasse zusammen:<br \/>\nDerjenige, der historische Forschungen zur afrikanischen Kunst durchgef\u00fchrt hat, kennt die extreme Seltenheit von Quellen, die es erlauben, die Werke einer fr\u00fcheren \u00c4ra in einen neuen Kontext zu setzen.<\/p>\n<p>Ohne die reichen Notizen des Sammlers Peeraer h\u00e4tte Frans Albrechts dem (heute ber\u00fchmten) &#8222;Meister (von Buli)&#8220; 1940 keine Serie homogener Werke zuordnen k\u00f6nnen. Er identifizierte einen &#8222;Buli-Stil&#8220;, einen Ort im Nordosten des Lubagebiets.<br \/>\nDank der Forschung von Peeraer wurden \u00e4hnliche Ergebnisse im S\u00fcdwesten der Luba-Region mit Objekten aus D\u00f6rfern rund um die Lwabo-Mission erzielt. Als Gruppe von Bewohnern der Region benannte ud definierte\u00a0 er unter anderem die &#8222;Shyankadi&#8220;.<\/p>\n<p>Menschliche Gesellschaften konstruieren und rekonstruieren w\u00e4hrend ihrer historischen Interaktionen Identit\u00e4tsgrenzen zueinander. Diese k\u00f6nnen als ethnisch bezeichnet werden, wenn die Unterscheidung zwischen Mitgliedern und Nichtmitgliedern sich subjektiv auf Kriterien wie Herkunft oder Kultur bezieht. Die Entstehung des Kolonialstaates hat sicherlich vorkoloniale Konzepte wie &#8222;Luba&#8220; ver\u00e4ndert, aber die Konzepte \u00e4ndern sich immer noch.<\/p>\n<p>Der Name Luba wird seit dem 18. Jahrhundert f\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung der n\u00f6rdlichen Provinz Katanga verwendet, die Kiluba als Verkehrssprache innerhalb des Luba-Reiches teilte und bis zum 19. Jahrhundert expandierte .<br \/>\nAls Privileg verstanden, war konnte die Eigenschaft \u201eLuba\u201c nur mit dem institutionellen oder geografischen Zentrum des Reiches verbunden sein, sei es mit k\u00f6niglichen W\u00fcrdentr\u00e4gern oder Bewohnern der gro\u00dfen Reichsst\u00e4dte s\u00fcdlich von Kabongo.<\/p>\n<p>Die Verbreitung dieses popul\u00e4ren Namens ist sowohl auf die Ausweitung des K\u00f6nigreichs als auch auf sein ideologisches Ansehen zur\u00fcckzuf\u00fchren, wovon es bis heute im kollektiven Ged\u00e4chtnis so viel genie\u00dft, dass Gruppen aus dem Maniema oder sogar aus Zambia gelegentlich den Titel &#8222;Luba&#8220; einfordern, so wie man den Titel &#8222;R\u00f6mer&#8220; w\u00e4hrend des europ\u00e4ischen Mittelalters im gesamten Gebiet des ehemaligen R\u00f6mischen Reichs und dar\u00fcber hinaus beanspruchen konnte.<\/p>\n<p>Vergessen wir auch nicht, dass die Kolonialbeh\u00f6rden den Trend bef\u00fcrworteten, ohne unbedingt die lokalen Identit\u00e4ten zu kennen.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\">*<\/h4>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Und das Ergebnis f\u00fcr die Siedlungskarten?<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><br \/>\nWenn Sie die \u00fcblichen &#8222;Stammeskarten&#8220; durchsehen, werden Sie mehr oder weniger unterschiedliche, aber inkompatible Abgrenzungslinien finden. Die &#8222;ethnischen Gruppen&#8220; einer Karte fehlen in der anderen. Daf\u00fcr erscheinen neue Namen. Der \u00dcberblick eines K\u00fcnstlerforschers, Charles Meur, in KILENGI (1997, S.359) bietet eine pragmatische L\u00f6sung f\u00fcr &#8222;Luba&#8220;: Er gibt ethnische Grenzziehungen vollst\u00e4ndig auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_10357\" style=\"width: 524px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Roy-KILENGI-1997-S.359-Karte-Luba-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10357\" class=\"wp-image-10357\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Roy-KILENGI-1997-S.359-Karte-Luba-1-661x900.jpg\" alt=\"dcument connected with text\" width=\"514\" height=\"700\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Roy-KILENGI-1997-S.359-Karte-Luba-1-661x900.jpg 661w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Roy-KILENGI-1997-S.359-Karte-Luba-1-265x360.jpg 265w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Roy-KILENGI-1997-S.359-Karte-Luba-1-624x849.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Roy-KILENGI-1997-S.359-Karte-Luba-1.jpg 1028w\" sizes=\"auto, (max-width: 514px) 100vw, 514px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10357\" class=\"wp-caption-text\">KILENGI Meur1997 S.359 Karte &#8218;Luba&#8216;<\/p><\/div>\n<p><strong>Email am 25.7. von P.Petit &#8211; mit Hinweis auf einen sehr interessanten und gut lesbaren Artikel von 2015, leider in Franz\u00f6sisch:<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Good morning, Detlev<\/p>\n<p>Thanks for sharing your paper with me. It is fine for me. I had another, more recent paper on the topic:\u00a0<a class=\"\" href=\"https:\/\/www.academia.edu\/34116201\/Petit_P._2015_Avant-propos_l_ethnicit%C3%A9_au_Katanga\">https:\/\/www.academia.edu\/34116201\/Petit_P._2015_Avant-propos_l_ethnicit\u00e9_au_Katanga<\/a> \u2014 maybe this can be helpful for you !\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Best Regards\u00a0\u00a0 Pierre<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Bei meinen Recherchen zu einem erworbenen Miniaturhocker &#8222;Karyatide&#8220; ( Blogbeitrag \u201eFrauen in tragender Stellung\u201c LINK) hatte die Suche nach ethnischen oder regionalen Merkmalen zun\u00e4chst erste Priorit\u00e4t. 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