{"id":10215,"date":"2019-05-06T00:05:46","date_gmt":"2019-05-05T22:05:46","guid":{"rendered":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10215"},"modified":"2020-05-22T13:28:55","modified_gmt":"2020-05-22T11:28:55","slug":"afrikanische-sklavenkuesten-brutaler-materialismus-und-verfeinerte-kunst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=10215","title":{"rendered":"Afrikanische Sklavenk\u00fcsten &#8211; Brutaler Materialismus und verfeinerte Kunst."},"content":{"rendered":"<h5><strong><em>\u00a0<span style=\"color: #808080;\">Entworfen 9.5.16 w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre von Wyatt MacGaffey und Kajsar Ekholm \u00a0Friedman, \u00fcberarbeitet am 5.5.2019<\/span><\/em><br \/>\n<\/strong><\/h5>\n<p>Ich will ein paar Einsichten festhalten, denn das Unverst\u00e4ndnis in Europa f\u00fcr die fremde afrikanische Gesellschaften wird im Zeichen der Moralisierung der Politikdarstellung immer gr\u00f6\u00dfer! Dagegen war die Haltung der fr\u00fchen Seefahrer geradezu offen und neugierig.<!--more--><\/p>\n<p>Festhalten: Der Atlantikhandel trieb als \u00f6konomischer Motor an den Sklavenk\u00fcsten, auch an der M\u00fcndung des Kongo, eine Verh\u00e4rtung der Sozialbeziehungen durch krassen Materialismus an.<\/p>\n<div id=\"attachment_10216\" style=\"width: 274px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Congo-..colonial36-Gewalt-18.JH_.red_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10216\" class=\"size-medium wp-image-10216\" src=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Congo-..colonial36-Gewalt-18.JH_.red_-264x360.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Congo-..colonial36-Gewalt-18.JH_.red_-264x360.jpg 264w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Congo-..colonial36-Gewalt-18.JH_.red_-659x900.jpg 659w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Congo-..colonial36-Gewalt-18.JH_.red_-624x852.jpg 624w, http:\/\/detlev.von.graeve.org\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Congo-..colonial36-Gewalt-18.JH_.red_.jpg 999w\" sizes=\"auto, (max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10216\" class=\"wp-caption-text\">Vellut: La M\u00e9moire du Congo &#8211; Le temps colonial , Tervuren 2005 p.36: &#8222;Bin ich der H\u00fcter meines Bruders? (Genesis IV.9) &#8211; Zeichnung eines Kapuzinerm\u00f6nchs aus der zweiten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch den lokalen Handel fr\u00fcherer Zeiten hatte man nicht wirklich reich werden k\u00f6nnen. Nun konnte man Reichtum akkumulieren (Sklaven als Wertanlage), indem man \u00e4rmere Familien unterwarf, deren Abkunft man in Frage stellte, die man in Hexenprozesse u.s.w. verwickelte. Macht und Autorit\u00e4t zahlten sich aus. Klanchefs und Zauberer beteiligten sich nach Kr\u00e4ften und wurden despotisch. Und vor allem konnte man Reichtum zeigen, durch Menschenopfer, in Begr\u00e4bnisst\u00e4tten, u.s.w. , wie Wyatt MacGaffey beschreibt. (<a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4251\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>) Dann erst kam die Katastrophe des leopoldinischen \u201eKongostaats\u201c. Kajsar Ekholm \u00a0Friedman \/\u00a0 <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=5059\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\"><\/h6>\n<p>Ich frage mich: Kommt daher die gro\u00dfe Zahl handwerklich perfekter Prestigeobjekte im Mayumbe und Vili am Kongo, w\u00e4hrend die Masken der Region unattraktiv blieben? Und dass man bei angesagten K\u00fcnstlern bestellte? Jeder H\u00e4uptlingsfrau eine kleine Mutterdarstellung (\u201aMaternit\u00e9\u2019, <a href=\"http:\/\/detlev.von.graeve.org\/?p=4931\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">LINK<\/a> )? Imitiert die nicht einen \u201ah\u00f6fischen\u2019 Stil? Ich sp\u00fcre darin nur \u201aHaltung\u2019, oft auch nur \u201aPose\u2019. Ja, ja, Idealisierung der Ahnen! Die M\u00e4chtigen an den Sklavenk\u00fcsten waren doch nichts anderes als gewitzte \u201aKrautjunker\u2019. Abgrenzung nach unten hat noch niemandes Charakter veredelt!<\/p>\n<p>Die Erhellung des versch\u00fctteten vorkolonialen Lebens in Afrika verlangt geradezu arch\u00e4ologische Methode und Haltung. Die europ\u00e4ische Ethnographie konnte lange wenig mehr als Massen von Objekten und Ger\u00fcchte vom H\u00f6rensagen produzieren, nicht viel besser, als was vor zweitausend Jahren die Historiker des siegreichen Rom \u00fcber Kelten und Germanen verbreiteten. Die \u00fcbliche schriftlose \u00dcberlieferung plastisch formbarer (Michael Oppitz) Mythen vermittelt ohnehin ein schiefes Bild von \u201etraditioneller\u201c Ordnung und verschafft jeweils der j\u00fcngsten Geschichte unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Bedeutung, was auch die Au\u00dfenwahrnehmung beeinflusst.<\/p>\n<p>Dieses Bild eines brutalen und elenden Afrika passte der bis ins sp\u00e4te 20. Jahrhundert verbreiteten Fortschrittsideologie gut ins Konzept. \u00c4hnliches kennt man bereits aus dem China der Opiumkriege (nach 1842). Verschiedene Charaktermasken und Rollen taten auf die koloniale B\u00fchne und nutzen die Verh\u00e4ltnisse propagandistisch f\u00fcr ihre Sonderinteressen: der Missionar, Arzt, Forscher, Milit\u00e4r, Ingenieur, B\u00fcrokrat, Journalist und Gesch\u00e4ftsmann. Die scheinheilige emanzipatorische Rhetorik des heutigen politischen Europa ist gar nicht fern.<\/p>\n<p>Hat die von mir abgelehnte Idealisierung \u201aafrikanischer Spiritualit\u00e4t\u2019 doch eine gewisse Berechtigung, so wie jede Beschw\u00f6rung \u201agoldener Zeiten\u2019? Aber sie musste sich ja nach der Katastrophe neu erfinden und das im ungel\u00f6sten Dauerkonflikt zwischen den neuen und \u201atraditionellen\u2019 Eliten, die allzu lange vom transatlantischen Kommerz profitierten, was wir nicht vergessen sollten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Entworfen 9.5.16 w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre von Wyatt MacGaffey und Kajsar Ekholm \u00a0Friedman, \u00fcberarbeitet am 5.5.2019 Ich will ein paar Einsichten festhalten, denn das Unverst\u00e4ndnis in Europa f\u00fcr die fremde afrikanische Gesellschaften wird im Zeichen der Moralisierung der Politikdarstellung immer gr\u00f6\u00dfer! 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