Category Archives: WILDER ERDTEIL AFRIKA

Unterschiedliche Perspektiven:
ethnographische Forschung und Ausstellungen, Politik und Zeitgeschichte, Reisen,
Sammlung von Objekten

Unterthema: CÔTE D'IVOIRE - ELFENBEINKÜSTE

Soziale Verteidigung im Norden der Elfenbeinküste 1990 – 2011Social Defense in Northern Ivory Coast 1990 – 2011 (Blog version)Als moderner Candide bei den Senufo. Nachwort 2018 zum ReiseberichtBericht von der Elfenbeinküste 1985 (5) – Zurück an die KüsteBericht von der Elfenbeinküste (3) : SenufoBericht von der Elfenbeinküste (4) : Zurück!Bericht von der Elfenbeinküste 1985 ( I ) Abidjan – BounaBERICHT 1985 (2) Die Geisterseherin von Ferké


Unterthema: KONGOBECKEN GESTERN UND HEUTE

Über “Die Weissen halten unsere Geister gefangen “: 4 Kommentare“The Whites hold our Spirits !”- Submission, Sorcery and Alienation“Die Weissen halten unsere Geister gefangen “ – Unterwerfung, Magie und Entfremdung  Gardemass und radikaler Bauplan bei den MetokoWELCOME TO THE SALAMPASU!WILLKOMMEN BEI DEN SALAMPASU !African Slave Coasts – Brutal Materialism and Fine Art.Afrikanische Sklavenküsten – Brutaler Materialismus und verfeinerte Kunst.In tiefster ARTE-Nacht: Der Traum vom perfekten TropenholzMänner und Frauen bei den Yanzi (RDC, Bandundu) – Lesenotizen zu J.F. ThielKONGOLESEN GRAU IN GRAU – TRÜBE GEDANKEN BEI J. F. THIEL: „JAHRE IM KONGO“A Strong Fetish in Tervuren – Review of the Object Research by M. CouttenierEin starker Fetisch in Tervuren – Objekt-Recherche von Maarten CouttenierSong ? from ? the Forest ? – Louis Sarno und die BaAka – Der FilmSkeptische Klienten, konkurrierende Wahrsager (Pende)Die Macht einer ‘Polio’-Puppe (Pende) NEUDas war das 20. Jahrhundert zwischen Kwilu und Kasai – Die PENDEGROSSE FIGUREN AUS MAYOMBE (BAS-CONGO)Reiter auf Leopard – von den Mbala, Nachbarn der YakaZweiter Blick auf „Kongo – Power and Majesty“Weiterleben am Kongo : Eine ‘moderne Klan-Gesellschaft’Nkanu (Yaka) PfostenVom Kind in Kinshasa zum Flüchtling in Margate (Kent)‘Sapeurs’ und ‘Designermode’ im Kongo als Problem der TheorieDas Gelände im Mayumbe (1900-68)Leopolds ‘Kongo-Freistaat’ – ChronikKimbangu – Zweiter Anlauf – Material‘Santu Toni’ vom KongoKinshasa – Ein Lied für Jesus, zwei, drei …Kinshasa 2000 – apokalyptisches Lebensgefühl


Unterthema: TRANSLATIONS / TRADUCTIONS

“The Whites hold our Spirits !”- Submission, Sorcery and AlienationÊtre “LUBA” – Ce que le nom signifie hier et aujourd’huiWELCOME TO THE SALAMPASU!Francfort sur Main. Brocante en 2019 – Illumination spontanée du MoineMATALA: Beautiful Dancer of the Eighties (Mask, Pende)A Strong Fetish in Tervuren – Review of the Object Research by M. CouttenierCharles Ratton et la Question de «Provenance»“What is on the pictures in the archive?” (Anthropology)An expressive Mbangu Mask, Central PendeZwischen Stilleben und Landschaft – Taschenalbum 1932 (aktuell!)Social Defense in Northern Ivory Coast 1990 – 2011 (Blog version)Lwalwa – danseur du “bangongo”Is the Mangbetu Boy just Beautiful?Songye – Belande -Luba : ‚Nkishi’ miniatureTROIS GRANDES STATUES DU MAYOMBE (BAS CONGO) – frz.Rider on leopard – from the Mbala, neighbors of the YakaThe power of the Nkishi in the leather skirt (Milembwe – Songye)


Unterthema: VOM FELD INS MUSEUM

Deutsche Sammler sind eingeschüchtert, behaupte ich ‘mal.Lauter Fassaden in Deutschland – Unmoral und Unkultur  Was heißt “LUBA” zu sein – Was der Name gestern und heute bedeutetÊtre “LUBA” – Ce que le nom signifie hier et aujourd’huiFrancfort sur Main. Brocante en 2019 – Illumination spontanée du MoineFlohmarkt ‚Museumsufer’ 2019 – Spontane Erleuchtung des MönchsGEIL, DIESE FALLISCHEN MEGALITEN IN ETIOPIEN!Offener Leserbrief zu journalistischer Stippvisite im “Quai Branly”Alles gut. Restitution? Ja bitte!Bei BERGGRUEN : „Afrikanische Werke“ in U-HaftRestitution? Disput vor Benin-Bronze im Bode-MuseumDie Alten sind nicht so ‘pink’ wie im Weltkulturenmuseum!A Strong Fetish in Tervuren – Review of the Object Research by M. CouttenierDas MAK K Frankfurt – 6 Jahre am Puls der Zeit sind genugCharles Ratton et la Question de «Provenance»Ein starker Fetisch in Tervuren – Objekt-Recherche von Maarten CouttenierEinfach Engel oder mögen Sie eine post-mittelalterliche Angelogie lieber?Charles Ratton – schlechte und gute Provenienz im Kunsthandel“What is on the pictures in the archive?” (Anthropology)Asylrecht für die Dinge? – Nicht ohne Dingasylfunktion des Museums!Song ? from ? the Forest ? – Louis Sarno und die BaAka – Der FilmEindrücke vom Schwälmer Dorfmuseum, 34637 HolzburgPicasso & Le Trocadero & 1907 & Les Demoiselles & Primitivismus & W. RubinNok – eine archäologische Offensive (aktualisiert)“Was ist eigentlich drauf, auf den Bildern im Archiv?” (Ethnologie)Kuyu Tanzstäbe im Factory Outlet 1927Afrika in Paris : Louvre und Quai Branly. 2009 ist aktuell“Unvergleichlich” – erzwungene Nachbarschaft im Bode-MuseumDie Indianer dürfen kommen, aber nichts anfassenZweiter Blick auf „Kongo – Power and Majesty“


DAS LACHEN KINSHASAS – Eine postkoloniale Stadt und ihre unsichtbare Architektur. Gedanken beim Lesen

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FILIP DE BOECK – DAS LACHEN KINSHASAS – Eine postkoloniale Stadt und ihre unsichtbare Architektur. Über Infrastrukturen aus Verfall und Humor, aus Geld, Macht, Mode und Sex (L. I. No.76. S. 38-46) – Meine Notizen vom Juli 2017, erst im Oktober 2019 hochgeladen, von allem Ballast an Details befreit.

 

Ich entdecke den Aufsatz des Anthropologen im großformatigen Magazin „LETTRE INTERNATIONAL“ vom Frühjahr 2007, unter der Rubrik „Das Potential der Städte“. Ich krieche im Schneckentempo über eine große Bleiwüste.

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Afrikanische Sklavenküsten – Brutaler Materialismus und verfeinerte Kunst.

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 Entworfen 9.5.16 während der Lektüre von Wyatt MacGaffey und Kajsar Ekholm  Friedman, überarbeitet am 5.5.2019

Ich will ein paar Einsichten festhalten, denn das Unverständnis in Europa für die fremde afrikanische Gesellschaften wird im Zeichen der Moralisierung der Politikdarstellung immer größer! Dagegen war die Haltung der frühen Seefahrer geradezu offen und neugierig.

Festhalten: Der Atlantikhandel trieb als ökonomischer Motor an den Sklavenküsten, auch an der Mündung des Kongo, eine Verhärtung der Sozialbeziehungen durch krassen Materialismus an. Weiterlesen…

Afrika – Ein Kontinent hat die Bewegungsfreiheit verloren – JA und NEIN

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Zwei Blicke auf:  John Iliffe : Geschichte Afrikas (Cambridge 1995, C.H.Beck 1997,2000)

John Iliffe Geschichte Afrikas CHBeck S.8 und 9

EIN KONTINENT HAT DIE BEWEGUNGSFREIHEIT VERLOREN, OHNE RUHE ZU FINDEN

Geschrieben am 8.5.2018.

Ich lese mich in eine Geschichte Afrikas ein (John Iliffe: Geschichte Afrikas. Cambridge 1995, dt.2000) und gerate auf der ersten Seite an ein Zitat David Livingstones: Die Untertanen entzogen sich dem Zugriff eines tyrannischen Oberhaupts durch Abwanderung in die benachbarten Länder. „Das ist hierzulande, wo Flüchtlinge niemals zurückkehren, die allgemein übliche Art, Tyrannenherrschaft zu beseitigen. Der derzeitige Casembe ist sehr arm.“ (141)

Till Förster schildert im Aufsatz (LINK zum Blog-Kommentar) sogar noch aktuelle Fälle der Abwanderung und wendet sie gegen das übliche Bild des allmächtigen kolonialen und nachkolonialen Staats.

Doch gibt es für dieses Bild nicht gewichtige Gründe?

1     Die kolonialen Grenzziehungen, welche im Prinzip lückenlos die Geltung fremder ‚Rechtsordnungen’ ermöglichen, aber doch nur so weit, wie die Kräfte des Eroberers reichen.

2     Im Innern die Kooperation von lizensierten Wirtschaftsunternehmen mit der Verwaltung.

3       Das gewaltige Machtgefälle zwischen Kolonial- und Staatsapparat und den ‚Eingeborenen’. Wann konnte je eine traditionelle Oberherrschaft (‚Reich’) Repression so gebündelt einsetzen, notfalls auf Kredit, moderne Geldquellen im Hintergrund?

Die Menschen flüchten noch immer und mehr denn je vor Krieg, Unterdrückung und Verarmung, aber sie werden heute von internationalen ‚Hilfsorganisationen’ in Empfang genommen und mit Vorliebe in Lager gesperrt und ‚versorgt’, damit sie das Gastland nicht auch noch, oder noch zusätzlich destabilisieren.

Die Fixierung der Untertanen am jeweiligen Ort, auf den Status quo also, war ebenso Teil der ‚Befriedungspolitik’ wie ihre planmäßigen Umsiedlungen.

Die Synthetisierung diverser ethnischer Identitäten hat im Laufe der Zeit ein Eigenleben entwickelt und sich dabei mit nostalgischer Geschichtsklitterung zu Herrschafts- und Territorialansprüchen verbunden. Tribaler Chauvinismus wurde zum rhetorischen Mittel der Innenpolitiker.

Sie sollte aber auch Basis für eine wirtschaftliche und soziale ‚Entwicklung’ sein, für den Ausbau von Infrastruktur, von Medizin und Familienplanung, von Bildung und Erziehung sowie moderner Arbeitsplätze nicht nur Rohstoffausbeutung, so etwas wie eine abhängige Industrialisierung mit Wissenstransfer. Mit dem Abbruch der Kolonialisierung 1957-60 konnten sich die Europäer jeder Verantwortung entledigen und sich allein auf Erhaltung und Ausbau der für die Ausbeutung notwendigen Strukturen konzentrieren. Darüber hinaus blieb ‚Entwicklungshilfe’ eine PR-Agentur zur Beruhigung der heimischen Öffentlichkeit.

Alle vom Kolonialismus angestoßenen Entwicklungen sind aus dem Ruder gelaufen. Aus den ‚offenen Adern’ Afrikas strömen nicht nur Rohstoffe und Profite, sondern auch Menschen, Flüchtlinge geheißen. Ich weiß nicht, was bei weitergeführter Kolonisation aus dem Projekt geworden wäre. Familienplanung wäre sicher Teil gewesen. In Zentralafrika vegetieren die Dörfer vor sich hin. Ohne den Verdienst der Landflüchtigen – und der Flüchtlingen außer Landes würden sie verhungern. Die Metropolen platzen aus allen Nähten und verkommen zu einem Patchwork an Slums.

Die europäischen Verfassungsprinzipien wurden nach Afrika verpflanzt. Für die überforderten Regierenden verlockend waren der Anspruch auf Souveränität auf einem prinzipiell unverletzbaren Territorium (‚territoriale Integrität’), die Einführung der Staatsbürgerschaft – die bereits in Europa die Menschen im 20. Jahrhundert nicht vor Despoten und völliger Entrechtung bewahrt hat – und das Prinzip des staatlichen Gewaltmonopols, das die Selbstverteidigung von vorneherein kriminalisiert – die hartleibigen USA-Bürger ausgenommen.

„Staatsbürgerschaft“ ist meist eine sehr einseitige Sache. Was steht schrankenlosen Zugriffsrechten und Ausschlußrechten gegen „Ausländer“, „Staatenlose“ an Gewinn gegenüber? Ein von den Behörden zu erbittender „Reisepass“ und ähnliche Gnadenerweise eines korrupten Polizeistaates etwa? Da können Nepotismus und ‚Korruption’ zu den einzigen akzeptablen Lösungswegen werden.

Was zeigen die Wahlen, die in Europa so aufmerksam ‚beobachtet’ werden? In welchen Staaten und wann gelingen sie überhaupt, diese Musterbeispiele von „nation building“?

‚Politische Parteien’ müssen einfach ‘ethnozentrische’ Wahlvereine sein. Man muss seine Sache schon in der Metropole vertreten, wenn man nicht übergangen werden will. Die beklagte Klientelpolitik ist die selbstverständlichste Sache der Welt. Mit allen Zeichen der Ungleichheit. (Die südamerikanische Anekdote: mit dem Bus zum Wahllokal, aber zu Fuß zurück). Die Institutionen sind Clearingstellen. Es geht um weitreichende Entscheidungen wie Provinzgrenzen und Personalfragen, jedenfalls um viel Geld und sogar um räumlich entfernte Bevölkerungsgruppen, mit denen man früher nichts zu tun hatte, auch wenn man vielleicht durch eine Handelskette verbunden war.

Die ständige Vermehrung der politischen und bürokratischen Posten wurde schon lange beklagt. Was bleibt anderes als Proporz denn übrig? Die Alternative heißt Abspaltung und Bürgerkrieg.

Solange es ums Verteilen geht, lässt sich vielleicht noch ein Kompromiss aushandeln, aber wenn es um eine ‚nationale Haltung der Demokratischen Republik Kongo’ gegenüber etwa Tansania, Uganda, … oder Angola geht?

Wanderungen – durch  Verdrängung oder als Reaktion auf drohende Verarmung oder sich auftuende Chancen – , sowie Verträge und Kriege waren immer die unfriedliche Normalität Afrikas.

Afrika hat nun aber mehr als ein Jahrhundert einer bürokratischen Kartierung und Parzellierung, von ethnischen zerstrittenen neuen Identitäten, auferlegten fremden Begriffen und Konzepten hinter sich, dazu massive äußere Eingriffe aller Art, die – wie etwa die Kolonialmedizin – nicht zu einem guten Ende geführt wurden oder immer nur dem fremden Interesse dienten, den Ländern durch Übertölpelung (Bergbau, Nestlé, …) oder Verlockung einheimischer Eliten als vorteilhaft verkauft wurden.

Fortschritte gibt es wie seit jeher durch individuelle Aktivität; doch viele initiative Leute resignieren aber nach der Rückkehr in ihre Heimat. Die in den elenden Verhältnissen Zurückgebliebenen bremsen auch die Migranten in der Diaspora, halten sie mit permanenten materiellen Forderungen fest. Der Heimatersatz ‚Diaspora’ erschwert selbst noch die Integration in die ‚Gelobten Länder’.

HINTER DIE BILANZ GEHÖRT EIN FRAGEZEICHEN.  SCHREIBEN WIR DIE GESCHICHTE AFRIKAS WEITER!

Ausgerechnet das Zehnte Kapitel von „Geschichte Afrikas“: “Auswirkungen des Kolonialismus 1918 – 1950“ und der Unterabschnitt „Bildung und Religion“ – auf nur zehn Druckseiten – zeigt uns, wie sich die Geschichtsschreibung  Afrikas beleben und aufhellen lässt. Sie richtet unseren Blick auf eine vielfältige Dynamik und weist auf das für den Kontinent spezielle Potential dieser Epoche – und lässt uns nach Entsprechendem heute Ausschau halten.

Wie gelingt es Iliffe, trotz eines extrem weit gespannten Rahmens Phrasen zu vermeiden? Ein Vergleich mag das Verfahren veranschaulichen. Jeder kennt den Blick aus dem Flugzeug bei leicht bewölktem Himmel. Gerade im Frühjahr ist oft die Sicht zwischen den Wolkenfetzen detailreich und konturiert. Bei Iliffe erhalten unzählige Detailinformationen Kontur, ohne den Eindruck zu erwecken, ‚die ganze Wahrheit’ zu repräsentieren. Die zahlreichen Blindstellen sind dem Bewusstsein stets präsent. Als begabter Erzähler nutzt er Überspitzungen, vermag aber auch noch die disparatesten Einzelfälle miteinander ins Gespräch zu bringen.

Wo immer ich über Vorwissen zur Kolonialepoche verfüge, registriere ich sachlich gebotene Zwischentöne oder Korrekturen am Gesamtbild. Dazu reichen schon kurze einzelne Sätze oder einzelne statistische Zahlen. Ein Beispiel:

Der islamische Norden Nigerias, den ich bei Harnischfeger kennenlernen durfte (LINK): „….Dennoch erlegte Lugard den nichtislamischen Völkern die islamische Herrschaft der Fulbe auf.“ (Iliffe 306). Der Passus zum resultierenden Bildungsnotstand lautet: „wohingegen in ganz Nordnigeria 1951 nur ein einziger Schüler (ein Christ) einen Abschluss vorweisen konnte.“ (ebd. 300).

Zuweilen muss man das bittere Bewusstsein späteren Scheiterns einfach ausblenden, um aus dem Olymp der Neunmalklugen auf die Ebene der handelnden Menschen abzusteigen, um ihnen an ihrem konkreten Ort zu begegnen, ihrer Selbstwahrnehmung, den sich ihnen bietenden Chancen, ihren Enttäuschungen und Scheitern, ebenso wie der Umorientierung.

Es war schon bitter, wenn etwa die Kolonialmacht befand: “Keine Eliten, keine Probleme“ (Rhodesien, Belgisch- Kongo – 300), aber anderswo in Afrika existierten schon Universitäten. „Die regionalen Unterschiede waren enorm und blieben lange bestehen.“ (300) Immerhin „förderte Bildung in Afrika zu dieser Zeit – anders als in Indien – eher die Durchlässigkeit der Gesellschaft, statt alte Privilegien zu festigen.“ (300). „Lesen und Schreiben besaßen dieselbe Faszination wie zu jenen Zeiten, als sie das Monopol der Muslime gewesen waren, brachten aber auch materielle Vorteile (…) und verschafften Zugang zu Aufklärung und Macht, von denen die Ungebildeten, wie sie selbst wussten, ausgeschlossen waren.“ (301)

Dann ist von Zeitungsgründungen die Rede, von politischen Klubs, der Rolle der europäschen Mission. „Die enge Verbindung mit Alphabetisierung und Bildung verliehen dem Christentum in der Frühphase der Kolonialzeit neue Attraktivität. Erstmals wurde die afrikanische Kirche eine Kirche der Jugend. (…) Da die polygynen Gesellschaften Afrikas die Jugend unterdrückt hatten*, stellte nun das Christentum eine Revolte der Jugend gegen die ältere Generation dar, vergleichbar der Annahme des Kommunismus im Asien des 20. Jahrhunderts.“ (302; *z.B. der LINK zu MacGaffey, 2008). Natürlich ist die explodierende Ausbreitung afrikanischer ‚Freikirchen’ differenziert und übersichtlich Thema.

Sind die sich abzeichnenden Tendenzen in den zeitgenössischen Afrika-Wissenschaften dem Erscheinen solcher Bücher förderlich, die unser Verständnis ebenso disziplinieren wie befreien können?

Ich glaube kaum, wenn nicht Menschen mehrerer Disziplinen engagiert zusammenwirken. Jede von ihnen ist in der Gefahr, durch mehr Desselben (Watzlawik) ihre Horizonte zuzustellen.

Vorsichtshalber. Zögern Sie nicht, nach diesem Buch zu greifen, solange es noch auf dem Markt ist.

 

 

 

 

 

 

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In tiefster ARTE-Nacht: Der Traum vom perfekten Tropenholz

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Im ARTE 3.3.2019 Nachtprogramm :  CONGO – GORILLASCHUTZ MIT KETTENSÄGE    55′ WDR/ARTE

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Geschminktes Mali – mein Blues bei „Mali Blues“ (Lutz Gregor 2017)

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Filmkritik

Die ersten sechzig Minuten   (Geschrieben am 13.8.2017)

 

Ein Geschenk also. Der Schenkende hatte keine Chance, die DVD–Verpackung steckt voller kleiner Lügen. (LINK), ( L. Gregor LINK) Weiterlesen…

GEIL, DIESE FALLISCHEN MEGALITEN IN ETIOPIEN!

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THEMEN

  • Die schnell langweilende Dokumentation (92 Minuten) – Äthiopiens phallische Megalithen, die ARTE am 2.2.19 ausstrahlte (Verfügbar bis 9.April, LINK) – Bereits die eingesprochene Einleitung lässt erkennen, wohin der Hase läuft.
  • Die Popularisierung archäologischer Forschung (Fernsehen, Ausstellungen)
  •  Ein Forschungsansatz westlicher Archäologen in Afrika und sein Nutzen für die akademische afrikanische Geschichte. Was hat ein Sammler afrikanischer Kunst davon?
  • Verschiedene Kontexte archäologischer Grabungen im postkolonialen Afrika, etwa „Weltkulturerbe“
  • Buchempfehlung : John Iliffe: Geschichte Afrikas. Cambridge 1995, dt.Übersetzung im C.H..Beck Verlag, München 1997, 2000 – ein fesselndes Buch, mit dem die endlosen Weiten und Herausforderungen Afrikas über einen großen Zeitraum als Denkhorizont zu gewinnen sind.

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Über Bruce Gilley reden oder lieber über Xi Jinping?

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Von einem vermeintlichen Opfer akademischen ‚Mobs’ zu den wirklichen globalen Fragen  finden, ohne Zeit zu verlieren  –  Brief an einen jungen Freund

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Restitution? Disput vor Benin-Bronze im Bode-Museum

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Im Schaukeller des Bode-Museum zu Berlin wird seit einem Jahr ein alter Bronze-Kopf aus dem ehemaligen Ethnologischen Museum in Dahlem ausgestellt und sachkundig erläutert.
Die drei Nigerianer mitte Dreißig, die bereits mit einem selbst geschriebenen Poster „Wollen Sie sich Raubkunst anschauen“ vor dem Gebäude gestanden hatten und anschließend drinnen mit dem Aufsichtspersonal vergeblich um freien Eintritt verhandelten, traf ich hier wieder. So entschlossen, wie sie auftraten, fragte ich mich bereits, ob sie das gute Stück gleich mitnehmen oder später abholen lassen wollten. Doch sie fotografierten sich nur wechselseitig mit der goldfarbenen Gefangenen. Einer strich ihr sogar über den Kopf, denn sie steht frei. Weiterlesen…

Nigeria in der Falle der Kolonialgeschichte – nach Johannes Harnischfeger (2006)

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95% = 6 S.

Demokratisierung und Islamisches Recht“ : Johannes Harnischfeger analysierte 2006 nicht nur den „Scharia-Konflikt in Nigeria“ 2002

Kursiv gedruckte Wörter und Sätze sind Originalzitate aus der Studie

Die Studie ist zu Recht in der Reihe „Studien des Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ (Band 51, im Campus-Verlag) erschienen und nicht in einer Reihe der Afrikanistik oder Ethnologie, auch wenn sie detailliert und anschaulich Verhältnisse und Historie vor allem des postkolonialen Staates Nigeria schildert.

Sie regt zu grundsätzlichen Fragen an – zur Sicherheitslage wie zur Innenpolitik – und sollte vor allem der ‚linken’ politischen Öffentlichkeit in Deutschland zu denken geben. Man denke nur nicht, dass alles halb so schlimm sei, da der „Scharia-Konflikt“ nun bereits sechzehn Jahre alt ist und das System „Nigeria“ immer noch recht und schlecht funktioniert!

Trotz klarer Struktur, allein aufgrund seiner Fülle an Informationen, lassen sich die einzelnen Aspekte der Problematik kaum isolieren. Ich habe drei Themen ‘filettieren’ können: 1. Die historische Islamisierung der Region ist bereits im Netz (in ‚Heidenmission’, Link), 2. die kolonialen Wurzeln des aktuellen politischen Grundkonflikts, 3. die Übertragung der Überlegungen Harnischfegers auf Europa  und seine Probleme mit dem Islam. Weiterlesen…

„WE COME AS FRIENDS“ (Südsudan) – Vorstellung der neuen Kolonialisten

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Bildschirmfoto 2018-11-06

 

Hubert Saupers Film (Der Link  führt – sorry – zu Amazon) ist eine einzige Einladung zu abschweifenden Gedanken, seine Szenen und der halbgare O-Ton laden dazu ein, Szenen oft grob im Schnitt, manchmal erfolgt ein erlösender Abbruch.

Das Vehikel der Filmleute, ein lächerliches Transportmittel, ein zweisitziger Flugapparat, der wie eine Clownsmütze daherkommt und alle möglichen Leute zum Lachen reizt. Damit kommt man nahe heran und offensichtlich durch. Weiterlesen…

KONGOLESEN GRAU IN GRAU – TRÜBE GEDANKEN BEI J. F. THIEL: „JAHRE IM KONGO“

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Niedergeschrieben im November 2017 während der Lektüre von: Josef Franz Thiel: Jahre im Kongo – Missionar und Ethnologe bei den Bayansi, Otto Lembeck Frankfurt/M 2001

(Vereinzelte Zahlen in den Notizen bedeuten Seitenzahlen im Buch; eine knappe, aber durchgehende Inhaltsangabe der Kapitel steht unter folgendem Link) Weiterlesen…

Heidenmission? Lieber nicht! Hilft nichts!

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Verfasst  29.6./5.9./ 10.10./17.10. 2018

Literatur

  1. Thoralf Klein: Die Basler Mission in Guangdong (Südchina) 1859-1931, ERGA Bd.3, iudicium München 2002, 48 €
  2. Josef Franz Thiel: Jahre im Kongo – Missionar und Ethnologe bei den Bayansi, Otto Lembeck Frankfurt/M 2001  (augenblicklich um 100€)
  3. Johannes Harnischfeger: Demokratisierung und islamisches Recht – Der Scharia-Konflikt in Nigeria, Studien HSFK Band 51, Campus Frankfurt/Main 2006

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Dank Gottes Hilfe auf der Insel Lampedusa gelandet (Fuocoammare)

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Fuocoammare” , ein Dokumentarfilm von Gianfranco Rosi (I/F 2016), wurde in ARTE am 5.September gezeigt. Er wird erst einmal nicht wiederholt. (offizieller Trailer Link). Es werden aber DVD und Streaming angeboten.

 Ich gebe nur eine Szene wieder, eigentlich nur den Text dieser Szene – zunächst als deutschen Untertitel. Er sollte aber bald ersetzt werden durch die direkte Transkription des nigerianischen Englisch. Die Szene erschien mir als am ehesten greifbarer Moment, bei anderen verschlägt es mir die Sprache. Meine Gedanken sind noch nicht klar, aber sie drehen sich um eine Umkehrung der Perspektive. Lassen auch Sie die Worte erst einmal auf sich wirken!

Fünfzigste Filmminute. Abend im Internierungslager. Der junge Wortführer einer Gruppe von Nigerianern legt im Predigerton Zeugnis ab. Die Gruppe unterlegt seine epische Erzählung mit einer Litanei in der Muttersprache, gegen Ende der Schilderung Rufe und immer lebhafter im Ton:

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Soziale Verteidigung im Norden der Elfenbeinküste 1990 – 2011

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Hochgeladen am 27. April 2018 – aktualisiert am 6. August.

Zum Titel :

Der Ausdruck ‘soziale Verteidigung’ ist  einem heute zwar nicht mehr so geläufig wie in den Siebziger und Achtziger Jahren (Link: Wikipedia), aber er scheint mir zu dem Einschleichen der Krise und den im Aufsatz geschilderten  Konstellationen und Maßnahmen gut zu passen.

10. Mai

 

Das Original :

TILL FÖRSTER  :  LA PAIX DANS UNE ZONE DE GUERRE. Politique africaine no.148 – décembre 2017, p.109-129

Meine Aufmerksamkeit (Link) verschob sich nach 1985 von der Côte d’Ivoire auf Polen, China und andere Länder vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. 1990 noch ein kurzer Blick in das bankrotte Benin mit der vagen Hoffnung auf eine westafrikanische „Paristroika“, wie man damals sagte. Hoffnung auch für die Elfenbeinküste? Weiterlesen…

Aus den Kolonien in die Heimat / Deux cartes postales du Maghreb

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Wozu hat man sie denn solange aufbewahrt, doch nicht etwa, um ungelesen in einer Sammelbox zu verschwinden? Der Trödler im Burgund liefert anrührende Schlaglichter auf die Akteure des französischen Kolonialismus, etwa so:

 

Orléansville – Le nouveau Pont sur le Chélif

Orléansville – Le nouveau Pont sur le Chélif

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BOCCIO CRI-CRI ÀÀLÉ FETISH NKIS(H)I

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Suzanne Preston Blier und David T. Doris  zu einem beziehungsreichen Thema – Kurze Buchvorstellungen –

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Schnellgericht über ‘Snap Judgements’ (Enwesor)

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…New Positions in Contemporary Photography’  – Den Untertitel ignoriere ich erst einmal. (Klar, der Herausgeber ein Dokumenta-Kassel-Macher!) Doch „Urteile aus dem Augenwinkel“ – das ist fotografisch.

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